Welches Franchisesystem ist für Sie geeignet? (3. Teil), Die Beweggründe der Franchisegeber

In diesem Teil der Serie möchte ich mich mit den Beweggründen des Franchisegebers, ein Franchisesystem zu gründen, beschäftigen. Denn jeder potentielle Franchisenehmer sollte sich genau das vor seiner Existenzgründung fragen:

‚Warum zieht der Unternehmer seine Geschäftsidee als Franchisesystem auf?‘

Franchisesysteme überprüfen, welches Franchisesystem ist geeignet

Das erste Franchisesystem wurde von Isaac Merritt Singer 1863 in den USA eingeführt. Ihm fehlte es an Kapital und Produktionskapazitäten, um seine Nähmaschinen in großer Stückzahl zu produzieren und zu vertreiben. So suchte er sich Lizenznehmer, die Singer Nähmaschinen herstellen und vertreiben durften. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte.

Dieses Vertriebssystem wurde danach von vielen Firmen kopiert, so z.B. auch von Coca-Cola und McDonalds. Auch hier war der Hintergrund für das Franchisemodell derselbe: Mangelndes Kapital.

Ist das auch heute der Hauptbeweggrund der Franchisegeber?

Wäre das Geschäftsmodell auch ohne Franchising erfolgreich, wenn nur das notwendige Kapital zur Verfügung stehen würde?

Diese Fragen wird sicherlich jeder Franchisegeber mit ja beantworten. Klar, er sollte schließlich als allererstes von seiner Idee überzeugt sein.

Dies gilt es aber äußerst kritisch zu hinterfragen. Bei manchen Franchisesystemen steht aus meiner Erfahrung ein ganz anderes Motiv im Vordergrund:

Schnelles Geld

Die Eintrittsgebühr, welche mit Unterschrift des Franchisevertrags fällig ist, ist für die meisten Lizenzgeber ein gutes Geschäft.

Daher wird versucht, so viele Partner wie möglich zu gewinnen. Ohne die generelle Eignung des Bewerbers vorher intensiv zu prüfen, wird jeder Kandidat in das Franchisesystem aufgenommen. Ein sehr kurzfristiger Erfolg, der dem System auf Dauer nur schadet.

Diese Lizenznehmer sind oftmals nicht erfolgreich und entsprechend groß ist die Quote der Ausfälle und Austritte. Eine hohe Fluktuation der Franchisenehmer ist die Folge. Das ganze System leidet, die Marke nimmt Schaden und für die gescheiterten Franchisenehmer bedeutet das oft den finanziellen Ruin.

Wie bekomme ich heraus, ob ich es mit einem seriösen System zu tun habe?

Der Bewerbungsprozess sagt viel über das System aus!

Gute Franchisesysteme zeichnen sich dadurch aus, dass sie den zukünftigen Franchisenehmer einem richtigen Bewerbungsprozess unterziehen. Das bedeutet, es wird nicht jeder x-beliebige Kandidat Franchisenehmer, sondern nur die Erfolgsversprechenden und entsprechend hart ist der Bewerbungsprozess.

Wer an dem langfristigen Erfolg des Systems und seiner Partner interessiert ist, überprüft die zukünftigen Franchisenehmer genau und stellt ihre Eignung erst einmal in Frage.

Ist das Werben um Sie als zukünftigen Franchisenehmer eher wie ein aktiver Verkaufsprozess, sollten Sie das System sehr genau prüfen und im Zweifel die Finger davon lassen.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit Franchisesystemen? Können Sie eins empfehlen? Können Sie von einem abraten? Bitte hinterlassen Sie einfach einen Kommentar.

Dies ist der dritte Teil dieser Serie. Die anderen beiden Artikel finden Sie hier:

1. Teil: Entwicklungsphasen von Franchisesystemen

2. Teil: Wie finde ich die schwarzen Schafe?

Hinweis: Ich behalte mir das Recht vor, beleidigende oder vom Thema abweichende Kommentare zu löschen.

  • VikiFran

    In der Tat sollte Zeitdruck keine Rolle bei der Wahl eines Franchise-Systems spielen. Und auch Ihren Ausführungen, dass es Franchise-Systemen, die Wert auf ein beständiges Unternehmen mit Zukunft legen, nicht jeden Interessenten zum Franchise-Partner machen wollen, stimme ich voll zu.

    Der erste Abschnitt legt aus meiner Sicht jedoch ein leider verbreitetes Missverständnis nahe, auf das ich gerne eingehen möchte: Jeder, der wolle, könne sich von heute auf morgen Franchise-System nennen und die Hand für Gebühren aufhalten.

    Dabei ist es so gut wie ausgeschlossen „Schnelles Geld mit Franchising“ zu machen. Bis ein Unternehmen ein Franchise-System mit entsprechenden Ressourcen, Schulungskonzepten, Handbuch und Vertrag (um nur ein paar Details zu nennen) aufgebaut hat, muss eine enorme finanzielle Leistung erbracht werden. Für diese und weitere Leistungen des Franchise-Gebers (z.B. ständige Anpassung/Weiterentwicklung des Produkts/Dienstleistung, Wertsteigerung und -Erhaltung der Marke) zahlt der neue Franchise-Nehmer die Einstiegsgebühr. Und ja, das sollte sich irgendwann für den Franchise-Geber rechnen – ebenso wie es sich für den Franchise-Nehmer rechnen sollte, in ein Franchise-System einzusteigen. Noch ein weiterer Punkt, der gerne unterschätzt wird, ist die Schwierigkeit, überhaupt geeignete Franchise-Partner zu finden. Ein Gründer prüft (wie wir es alle empfehlen) ein Franchise-System auf Herz und Nieren – und selbst wenn das Franchise-System ein seriöses ist, heißt das noch lange nicht, dass der Interessent auch zum Franchise-Nehmer wird. In diesem Zusammenhang ist auch an die Kosten für die Partnergewinnung zu denken, die Franchise-Geber haben. Das „schnelle Geld“ machen Franchise-Geber also sicher nicht mit ihren Franchise-Partnern, wenngleich es eine kostengünstige Art der Expansion darstellt.

    • Die Grundidee des Franchisings: Wachstum durch Fremdkapital sehe ich äußerst positiv. Das ein Franchisegeber in Vorleistung beim Aufbau des Systems geht steht auch außer Frage.
      Wichtig hierbei ist, dass eine Win-Win-Situation entsteht. Bei seriösen und guten Franchisesystemen selbstverständlich und dann ist die Eintrittsgebühr auch jeden Cent wert!

      • VikiFran

        Ich war mir auch sicher, dass Sie das so sehen 🙂 Aber da die Annahme „Franchise-Systeme machen schnell viel Geld und tun dafür nichts“ leider im Web weit verbreitet ist, wollte ich erklären, warum das so nicht stimmt…

        • Ich werde in Zukunft etwas positiver formulieren 🙂 Ich bin schließlich ein überzeugter Franchisenehmer. Mit dieser Serie möchte ich nur zukünftigen FN bei ihrer Auswahl helfen bzw. sie vor Fehlentscheidungen bewahren.