5 Denkfehler, die Dich von Deinen Zielen abhalten

In dieser Folge geht es nicht darum nur zu zeigen, welche Denkfehler einen von der Erreichung seiner Ziele abhalten, sondern auch um Lösungsansätze. Lars hat nach eigener Auskunft in seinem Gebiet der Zielsetzung schon alle erdenklichen Fehler gemacht, die man machen kann. Das ist aber laut der Aussage eines Nobelpreisträger die Voraussetzung dafür einen Expertenstatus zu erreichen.

Transkript

BF = Barbara Fernández
LB = Lars Bobach

BF:
Herzlich willkommen zum Podcast Selbstmanagement.Digital. Wir geben Orientierung im digitalen Dschungel, so dass wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben bleibt. Mein Name ist Barbara Fernández und hier, mir gegenüber, sitzt Lars Bobach. Hallo lieber Lars.

Meistertask Workshop mit Lars Bobach

LB:
Hallo Barbara.

BF:
5 Denkfehler, die dich von deinen Zielen abhalten. Was ist denn dein persönlichster Denkfehler gewesen in der Vergangenheit, Lars?

LB:
Ich glaube, ich habe da so ziemlich alle Fehler gemacht.

BF:
Was? Kann nicht wahr sein?

LB:
Doch.

BF:
Nein, das glauben wir dir im Leben nicht.

LB:
Doch, doch, doch, doch. Du weißt doch, es gibt einen Nobelpreisträger, der hat gesagt, einen Expertenstatus erreicht man, wenn man alle erdenklichen Fehler in irgendeinem Gebiet gemacht hat. Dann ist man Experte.

BF:
Okay, dann bist du…?

LB:
Ich bin Experte im Ziele setzen und da habe ich wirklich jeden Fehler gemacht und das ist auch gut so. Gerade gibt‘s in meiner Selbstmanagement-Akademie den Kurs „Dein bestes Jahr“, wo man sich professionell Ziele setzt. Da konnte ich dann aus meinem reichen Erfahrungsschatz schöpfen.

BF:
Sehr schön, das klingt so, als wären die Teilnehmer durchaus belustigt über die Anekdötchen, die du da zum Besten geben kannst. Oder sind es schon keine Anekdoten mehr?

LB:
Nein, Anekdoten packe ich da gar nicht rein, aber meine Learnings sind da halt drin. Das ist ein Konzept, was ich da entwickelt habe, wie man sich professionell Ziele setzt. Es ist ein 4-Tages-Kurs. Der ist bewusst so aufgebaut, dass man dafür vier Tage braucht. Und da geht man den Prozess von A bis Z durch.

Wichtig hier ist, wir zeigen natürlich die Denkfehler auf, aber natürlich auch Wege, wie man die eventuell vermeiden kann. Das ist mir auch wichtig, dass es nicht eine Folge ist, um zu zeigen, welche Fehler man macht, sondern vielleicht auch die eine oder andere Lösung präsentiert.

BF:
Das ist gut. Was ist denn so ein typischer Denkfehler eigentlich?

LB:
Beim Ziele setzen? Ja, als erstes, dass man limitierende Gedanken hat, dass man da selbst Limits und Grenzen setzt.

BF:
Im Sinne von negativen Glaubenssätzen?

LB:
Genau, da sind wir jetzt aber schon im ersten Punkt. Aber wie ist es denn bei dir mit deinen Zielen? Erreichst du immer alles? Du bist ja eh nicht so der Ziele-Typ?

BF:
Doch, das stimmt jetzt nicht. Ich relativiere vielleicht manches, was du dann in akkurat machst. Ich sag dann auch vielleicht schon mal, ach ja, ist es denn so wichtig. Aber das ist ja auch mehr so ein Gegenpol.

Ich habe das schon auch sehr in mir. Also, ich habe mir auch immer Ziele gesetzt, ich habe es immer handschriftlich gemacht. Das gibt es seit 2006, da habe ich das erste Mal gemacht. Es gibt für jedes Jahr ein Buch, wo meine Ziele drinstehen und ich habe das aber jetzt nicht so genau und so detailliert und nicht mit den klaren Reviews in klaren Zeitabständen, aber es ist ein Buch, was ich über das Jahr mitnehme und immer reinschreibe, was jetzt auch als nächste Aufgabe, damit ich das hinkriege, drinsteht und das auch wieder abhaken kann usw.

Jetzt mittlerweile denke ich, ich habe das ein Stückweit auch verinnerlicht und um nicht so streng zu sein. Das ist halt etwas anderes, wo ich dann auch schon mal so versuche, wieder gegenzuarbeiten, dass es so weich und auch genussvoll bleibt, das Leben, versuche ich mich auch immer mal wieder davon zu befreien.

Zu denken, es ist auch schon ein gutes Leben und das kann man auch einfach mal wieder so genießen. Man muss nicht immer noch höher und das nächste Ding und ich mache schon so wahnsinnig viel. Und ich möchte mich auch nicht so getrieben fühlen. Ich bin jemand, ich treibe mich schon auch selber sehr an. Ich muss dann auch eher mal diesem inneren Antreiber sagen, du kannst auch mal die Füße hochlegen, du musst auch jetzt nicht, welchen Marathonlauf willst du da jetzt gerade noch gewinnen? Das Leben ist nämlich kein Marathonlauf im Übrigen.

Während wir da lustig Ziele setzen, passiert das einfach auch, unser Leben. Das ist halt eine Waage, die man immer wieder mal im Blick halten muss. Ich finde, beides hat seine Berechtigung und Ziele setzen ist ganz toll und zwischendurch loslassen ist auch ganz toll.

LB:
Total, absolut, bin ich bei dir. Trotzdem geht es ja vielen so, dass sie gerade ihre Ziele nicht erreichen. Und gerade jetzt Anfang des Jahres ist es ja so, viele haben sich dann fürs neue Jahr irgendwelche Ziele gesetzt oder diese Neujahrsvorsätze. Davon bin ich eh kein Freund, das mache ich nie.

Ich setze mir Ziele. Es gibt eine Studie, im Januar sind schon 90 Prozent wieder abgesprungen, schaffen es gar nicht, was sie sich vorgenommen haben. Da tun sich viele schwer und ich möchte mit der Folge einfach auch nochmal zeigen, welchen Denkfehlern man da verfallen kann und wie gesagt, ich bin Experte, ich habe sie alle gemacht.

BF:
Dann geht‘s los. Punkt Nr. 1 war eben schon angeteasert, limitierende Gedanken.

LB:
Genau, das kennen wir alle, diesen inneren Nörgler, der innere Bedenkenträger, den wir alle irgendwo in uns haben. Das kann ich eh nicht, das wird schon schiefgehen, was man sich da so oft sagt. Das ist wirklich ganz schlecht, dadurch setzt man sich Grenzen im Kopf, die man auch ganz schwer wieder einreißen kann, wenn man sie denn überwinden will.

Wir setzen uns diese limitierenden Glaubenssätze in den Kopf wie feste Barrieren, das muss einem wirklich klar sein, dass es so ist. Es sind feste Barrieren und da müssen drüber, wenn wir sie denn erreichen wollen. Das gelingt uns dann nicht, weil wir sie quasi festzementiert haben.

BF:
Es ist nicht so einfach, die loszuwerden.

LB:
Das sehe ich auch so, es ist nicht einfach, das ist Arbeit. Wie du dich jeden Tag deiner Körperhygiene ein Stückweit widmest, kannst du dich auch deiner Mentalhygiene widmen und versuchen, solche Barrieren erst gar nicht entstehen zu lassen.

BF:
Manche kriegen wir von Mama, Papa, schon von klein auf, wenn wir jahrelang gehört haben, du bist eh nicht so geschickt oder so. Das kannst du sowieso nicht oder jetzt denk mal nicht, du bist etwas Besonderes oder stell dich nicht so an, mach etwas Unauffälliges. Was auch immer das ist, das werfen wir nicht ganz so leicht über Bord, aber sich überhaupt erst mal klarzumachen, was sagt diese innere Stimme, ist, glaube ich, Schritt Nummer 1.

LB:
Genau, dass man sich das klarmacht und dann wirklich einmal überlegt, was hält einen denn da immer zurück, was sind denn das für Sachen. Das sind oftmals Menschen im Umfeld, diese Problemfixierer, die das klarmachen. Es sind so „Downer“.

Ich habe den Kurs in der Akademie „Positives Mindset entwickeln“, dass ein Teil bewusst sich Gedanken macht, mit wem umgebe ich mich und wer zieht mich davon immer runter? Was sind diese Energieräuber, die auch genau zu solchen limitierten Gedanken dann beitragen.

BF:
Ja, ganz wichtig.

LB:
Und mein Lieblingsthema, sich die Erfolge bewusst machen. Wir haben alle Erfolge, jeder von uns. Egal, wenn auch mal etwas schiefgeht. Bei jedem geht etwas schief. Bei mir geht was schief, bei dir, Barbara, geht etwas schief. Das ist normal und gehört zum Leben dazu.

Aber genauso haben wir auch Erfolge, auf die wir stolz sein können, jeden Tag, jede Woche, jedes Jahr. Die machen wir uns gar nicht bewusst, sondern die sind so im Nebel, im Dunst, irgendwie verloren, aber diese Niederlagen sind immer omnipräsent. Und irgendwie sind wir Deutschen so gepolt. Das ist total schade.

BF:
Man nennt das defizitär orientierte Gesellschaft. Wir konzentrieren uns auf das Defizit, finden wir super, ist so, ist ein gesellschaftliches Kulturgut quasi.

LB:
Ja, ist aber ganz schlimm und da muss uns klar werden, damit wir uns da positiv konditionieren. Wir haben die Leseempfehlungen gehabt von Sean Acer, der ja sagt, dass wir mit positiven Gedanken unsere Ziele viel eher erreichen und das ist so. Wir werden nicht, wenn wir unsere Ziele erreichen, glücklich, sondern wir müssen glücklich werden, um unsere Ziele zu erreichen und das Glück liegt zu 90 Prozent in uns.

Da gibt es auch Studien, dass Menschen, wenn sie einen schlimmen Unfall hatten mit Querschnittslähmung, dass die ein paar Wochen, nachdem das passiert ist, genau den gleichen glücklichen oder unglücklichen Zustand hatten wie vorher. Man würde ja denken, dass er dann total unglücklich ist danach, aber nein, das ist außen, innerlich kann der genauso glücklich oder unglücklich sein wie vorher.

Das ist für uns unvorstellbar, die wir gesund sind, aber es gibt wirklich Studien darüber, dass das nicht beeinflusst, sondern wir beeinflussen es in unseren Kopf nur selber. Und das sind oftmals limitierende Gedanken und die müssen eingerissen werden.

BF:
Sehr gut. Punkt Nr. 2: Supermann-Gedanken, was ist das denn bitteschön?

LB:
Ich musste ja irgendwelche Namen geben. Da fand ich das ganz gut. Das kennt auch jeder von sich sehr wahrscheinlich. Ich kenne es nur zu genüge. Anfang des Jahres, ich habe gerade meine Ziele gesetzt, ich habe diesen Kurs gemacht, den gehe ich jedes Jahr selber durch, um meine Ziele zu setzen.

Da ist man voller Motivation und möchte alles auf einmal angehen. Ich muss anfangen mit Joggen, Rauchen aufhören, wenn ich jetzt rauchen würde und das im Job machen, das, dass man denkt, man kann alles auf einmal tun. Das ist natürlich zum Scheitern von vornherein verurteilt. Das kann nur schiefgehen.

BF:
Ganz oft muss man sich bei diesem Wunsch einfach erstmal auch fragen, was will ich, was ist meine Motivation, die eigenen Ziele klar haben. Wenn ich das nicht als innere Haltung entwickelt habe, komme ich nicht ins Tun, dann komme ich gar nicht ins konkrete Handeln.

LB:
Ja, hier geht es aber darum, dass ich zu viel ins Handeln kommen will, dass ich mit allem gleichzeitig anfange. Das erlebe ich so häufig, es ist aber auch ein Learning in meinen MDD-Workshops, dass die Leute da rausgehen, jetzt weiß ich Bescheid, jetzt geht‘s los. Das funktioniert nicht.

Man muss in kleinen Schritten anfangen, deshalb gibt es bei mir den Monatsfokus, dass ich immer sagen, nehmt euch einen Monatsfokus vor und macht das und mehr nicht. Wenn ich jetzt Anfang des Jahres, wenn wir das hier hören, sage, okay, ich will sportlicher werden und meinen Job vielleicht wechseln oder ich möchte da irgendwas ändern, dann macht erstmal das eine und dann das andere.

Dann würde ich mich jetzt mal zwei, drei Monate damit beschäftigen, vielleicht einen neuen Job zu finden, wenn ich dann irgendwo anders einen neuen Job suchen sollte und danach mit dem Sportprogramm anfangen. Ich würde es auf keinen Fall gleichzeitig machen. Steven Covey sagt ja, big rocks in first, dass man wirklich diese großen Pfähle einfach mal in den Kalender haut.

BF:
Die großen Pfähle?

LB:
Genau. Und einfach mal klarmacht, was ist denn jetzt wirklich wichtig in dieser Zeit und dann den Monatsfokus entsprechend und dann eins nach dem anderen macht und nicht wie Superman alles auf einmal. Deshalb die Supermann-Gedanken. Dann kommt nämlich ganz schnell das Gefühl, du bist hinterher, weil du dir zu viel vorgenommen hast.

BF:
Und schwupps, bin ich im Hamsterrad.

LB:
Hamsterrad oder Ohnmacht und keinen Bock mehr.

BF:
Gar nichts mehr machen?

LB:
Genau, ja.

BF:
Quasi eine wirkliche Überforderung, inhaltlich oder zeitlich. Viele Dinge kann ein normaler Mensch dann nicht auf einmal rumreißen.

LB:
Genau, deshalb eins nach dem anderen, das hilft wirklich. Das wirkt Wunder.

BF:
Punkt Nr. 3: Die Gedanken der Gesellschaft. Was meinst du damit, es ist ja vielleicht ein Denkfehler, der mich vom Ziel abhält?

LB:
Genau, dass die Ziele, denen man hinterherrennt, gar nicht die eigenen Ziele sind, dass das Ziele sind, die man denkt, die man machen sollte, weil die Gesellschaft einem vorgibt, dass man das eigentlich tun müsste. War es jetzt verständlich ausgedrückt?

BF:
Ja, total.

LB:
Im Prinzip, was du eben gesagt hast, dass man Dingen, Zielen, hinterherrennt, die gar nicht die eigenen sind. Wo das Warum nicht stark ist. Es gibt so oft dieses Thema Gewicht verlieren, das haben so viele. In meinen Workshops wirklich einige, es ist immer ein riesen Thema. Und sie strampeln da immer.

Dann ist es oftmals so, vielleicht ist es ihnen gar nicht so wichtig. Da muss man sich einfach mal klarmachen, oder ist es einfach nur, weil es uns die Werbung immer vorgaukelt, dass man einen Sixpack-Bauch haben muss und solchen Bizeps und Trizeps und wie sie alle heißen. Ist es nur deshalb? Und mir ist es eigentlich gar nicht wichtig.

BF:
Oder ich bin auch nicht bereit, mich dafür so anzustrengen.

LB:
Genau und das ist auch vorkommen in Ordnung.

BF:
Das Ziel muss eben zu meiner Persönlichkeit und auch zu meiner eigenen Motivation passen.

LB.
Genau, das Warum muss einfach hundertprozentig klar sein. Wenn du das nicht hast, dann kannst du die tollsten Ziele dir setzen, du wirst sie nie erreichen.

BF:
Ja, okay. Punkt Nr. 4: Breiige Gedanken.

LB:
Das ist natürlich jetzt mein Thema, dass man sich einfach nicht spezifische Ziele setzt. Ich muss mehr Sport machen, ich muss ruhiger werden, ich muss mal irgendwas an meinem Job ändern oder möchte erfolgreicher sein. Einfach so breiige Dinge. Wir brauchen wirklich Ziele, die terminiert und messbar sind.

BF:
Ich kann mir vorstellen, dass das gar nicht so einfach ist mit den Leuten im MDD-Workshop, das Ziel wirklich spezifisch und spitz zu kriegen, oder?

LB:
Ja, stimmt, ich sage auch immer, es gibt diese smarten Ziele, das haben wir schon oft durchdekliniert, wofür smart steht. Wenn man es nicht weiß, einfach mal googeln. Eventuell stößt man sogar auf einen Artikel oder einen Podcast von uns, aber ich gebe dir recht.

Es ist aber so, dass man, je spezifischer sie sind, desto eher erreicht man sie auch. Und wenn ich einfach nur sage, ich muss mein Gewicht reduzieren, kann ich nicht nachvollziehen, habe ich am Ende des Jahres mein Gewicht reduziert? Habe ich es nicht? Bin ich sportlicher, bin ich nicht sportlicher? Wenn man ein Ziel hat, sollte es messbar sein und terminiert.

BF:
Punkt Nr. 5: Selbstlose Gedanken, was ist das jetzt?

LB:
Gerade Frauen neigen auch dazu, dass man immer die Wünsche anderer über die eigenen stellt. Das heißt, man nimmt sich immer selbst zurück und bleibt dabei auch selbst auf der Strecke. Wir trauen uns nicht oder es ist auch gesellschaftlich ein Stückweit verpönt, uns selber eine hohe Priorität zu geben und zu sagen, ich bin mir aber wichtig. Ich möchte für mich das jetzt tun.

Wir neigen dazu, uns hintenanzustellen. Das ist aus meiner Sicht auch nicht in Ordnung und nicht gut, die Diskussion hatte ich auch in meiner Familie immer mal wieder, weil da meine Tochter meinte, es ist viel zu egoistisch gedacht. Weil sie ein sehr sozialer Mensch ist, will sie immer anderen helfen und bleibt selber dabei auf der Strecke.

Und dann kann man auch seine eigenen Ziele nicht erreichen, wenn man meint, man muss immer für andere da sein. Das klingt jetzt irgendwie hart und egoistisch und egozentrisch, ist es aber nicht, sondern es ist einfach erst mal Selbstschutz. Und ich kann auch für andere da sein. Das sage ich meiner Tochter auch immer.

Wenn ich immer nur für andere da bin, meine eigenen Ziele aus den Augen verliere, dann werde ich nie meine Ziele erreichen und kann auch nie gut für andere da sein. Weil es mir selber einfach nicht gut geht.

BF:
Ja, ganz wichtiger Punkt, ja.

LB:
Und dieses selbstlose da, wirklich, bei Frauen erlebe ich das ja sehr häufig. Männer sind da ein Stückweit anders gepolt, aber auch die gibt es ja.

BF:
Es ist darüber hinaus auch noch eine Typfrage, aber ich gebe dir recht, dass Frauen, weil sie gemeinschaftlich orientierter sind oftmals als Männer, vielleicht ist es tatsächlich auch evolutionstechnisch so gegeben, achten mehr darauf, wie geht es dem Umfeld und es kann überschwappen in sowas, dass ich mich untersortiere.

LB:
Genau und dann werden die eigenen Ziele immer hinten angestellt unterbewusst und dann muss man sich nicht wundern, dass man sie dann auch irgendwie nicht erreicht.

BF:
Dazu gehört ja auch das Thema Nein sagen ganz stark. Sich eben auch abgrenzen lernen.

LB:
Genau.

BF:
Da geht jetzt sicherlich bei jedem unserer Hörer ein eigener Film los, an wen denke ich da, kenne ich jemanden, bin ich selber so? Also, da gibt es sicherlich guten Input, um auf die Suche zu gehen und sich auch zu fragen, wo ist eine Grenze mal nötig, besser zu ziehen oder auch öfter mal nein zu sagen, damit ich selber auch glücklich sein kann im Sinne meiner Ziele, die ich mir vorgenommen habe.

Ich fasse zusammen, fünf Denkfehler, die dich von deinen Zielen abhalten.

Punkt Nr. 1:
Limitierende Gedanken oder auch negative Glaubenssätze genannt, sowas wie, das kann ich eh nicht, das kann ich sowieso niemals erreichen, ich bin eh nicht so gut.

Punkt Nr. 2:
Supermann-Gedanken. Alles auf einmal sich vornehmen, angehen und dann damit scheitern. Keiner von uns ist ein Supermann, ein Schritt nach dem anderen.

Punkt Nr. 3:
Gesellschaftliche Gedanken, sind es eher Ziele, die ich von außen suggeriert bekomme, weil man das so gemacht oder sind es wirklich meine eigenen Ziele?

Punkt Nr. 4:
Breiige Gedanken, nicht spezifisch sein in der Zielformulierung. Hier achten auf smarte Ziele.

Punkt Nr. 5:
Selbstlose Gedanken, nicht nur für die anderen aufopfern, sondern sich selbst auch in den Fokus nehmen, sich selbst eine hohe Priorität geben, das vielleicht auch erst mal lernen zu tun.

Abschlussfrage an dich, Lars. Was würde denn mit dir eigentlich passieren, wenn du eine Weile ohne Zielvereinbarung mit dir selbst agieren würdest? Würdest du vom Weg abkommen?

LB:
Ja, auf jeden Fall. Ich bin einer, der dann jeder Möglichkeit opportunistisch nachlaufen würde, glaube ich. Bei mir ist es wirklich ein Thema, dass ich zu viele Dinge dann anfangen würde oder zu opportunistisch sehe, da ist eine Möglichkeit, da ist eine Möglichkeit und das eigene Ziel dann aus den Augen verliere.

BF:
Dann würde der Laden hier vielleicht auch zusammenbrechen, weil du ständig neue Töpfe aufmachen würdest und die alten nicht zu Ende führen könntest, oder?

LB:
Ja, zusammenbrechen weiß ich nicht, aber ich das Verzetteln hat natürlich erstmal große Kraftanstrengung, damit ist das verbunden. Wenn ich aus meiner ersten Firma ISOTEC meine Assistentin fragen würde, die ist in den ersten Jahren nie zur Ruhe gekommen. Und diese Ruhe würde fehlen, die auch notwendig ist und die mir auch wichtig ist.

BF:
Vielleicht bist du aber auch ruhiger geworden im Laufe der Jahre?

LB:
Klar, bin ich auch. Aber wenn ich die Ziele nicht hätte und mir nicht aufschreibe und nicht prominent immer gucken würde jeden Tag darauf, wäre die Gefahr viel größer, dass das dann wieder passiert. Ich habe jeden Tag irgendwelche Ideen, wo ich denke, wow, das könnte man auch machen oder das würde mich jetzt nach vorne bringen. Da helfen mir Ziele, dann fokussierter zu sein.

BF:
Zitat von Franz Grillparzer:

„Jeder Irrtum hat drei Stufen. Auf der ersten wird er ins Leben gerufen, auf der zweiten will man ihn nicht eingestehen. Auf der dritten macht nichts ihn ungeschehen. Außer man setzt sich seine Ziele.“

In diesem Sinne wünschen wir euch wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.