Alles eine Frage der Haltung! Schauspieltechniken für Unternehmer [Podcast 083]

Barbara ist Schauspielerin und zeigt uns heute Tipps auf, die jeder Mensch, egal ob Unternehmer oder Privatmensch, beherzigen sollte, um schon beim ersten Blick einen guten Eindruck zu hinterlassen.

Podcast 083

Sicherer Stand, Groß machen, Schultern zurück oder – wie der Rheinländer sagt, der weiß es schon lange – „Arsch huh, Zäng ussenander“. Es gibt noch weitere Tipps, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

Hier das Transkript des gesamten Podcasts und vorab die erwähnten Links:

Sponsoren:

MDD Webinar

Meistertask Promo-Code: LARS

 

LB: Herzlich willkommen zum Podcast „Produktiv in digitalen Zeiten“. Wir geben Orientierung im digitalen Dschungel, so dass wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben bleibt. Mein Name ist Lars Bobach und ich sitze hier zusammen mit der Barbara, hallo Barbara.

BF: Hallo Lars.

LB: Schön, dass Du da bist
.
BF: Ja, vielen Dank.

LB: Wir haben es heute mal umgekehrt und heute ist die Barbara unsere Expertin. Und zwar geht es ja um Schauspieltechniken und da, den Zusammenhang wollen wir heute herstellen, was Unternehmer für Schauspieltechniken erlernen können oder woran sie bei Schauspieltechniken oder wovon sie profitieren. Da stellt sich natürlich mir die Frage sofort umgekehrt, ist dann jeder Schauspieler ein guter Unternehmer?

BF: Auf gar keinen Fall, Lars! Nee! Also, das ist so wie mit Psychologen. Wenn Du im Biergarten einen Psychologen triffst und man fragt sich, was machst du denn beruflich und was machst du denn beruflich? Und dann sagt der Psychologe, dass er Psychologe ist und alle sagen dann, hast mich jetzt schon analysiert? Nein, das hat er wahrscheinlich nicht und ein Schauspieler spielt nicht die ganze Zeit. Der ist auch einfach nur so Mensch, aber der kann bestimmte Sachen sehr bewusst anschalten oder auch ausschalten. Und Unternehmer sind die in der Regel überhaupt gar nicht, weil die nämlich eher selten so einen Geschäftssinn haben.

LB: Gut, das ist klar. Und warum ist denn jetzt Körpersprache, darauf gehen wir heute hauptsächlich ein, so wichtig?

BF: Wenn ich mal Dir vorher noch eine Frage stellen darf, Lars, achtest Du eigentlich auf Deine Körpersprache bei wichtigen Terminen?

LB: Also, ich achte immer mehr drauf, auch dank Dir natürlich, dass Du mir da öfters mal die Augen geöffnet hast und so. Dann achte ich immer mehr darauf, dass ich wirklich gerader stehe. Ich habe auch das Buch von Jack Nasher jetzt gelesen „Überzeugt“. Ich bin relativ lang, groß und mache mich jetzt bewusst groß. Früher habe ich mich sogar bewusst und unbewusst klein gemacht, um so auf Augenhöhe mit meinem Gesprächspartner zu sein. Mittlerweile bin ich so, dass ich mich bewusst groß mache, weil das nämlich auch Kompetenz zeigt. Steht zumindest in dem Buch.

BF: Das stimmt auch total und Du hast mir auch die Frage gestellt, warum ist es so wichtig? Es ist so wahnsinnig wichtig, weil unsere Körpersprache maßgeblich das steuert, was der Andere über uns denkt und meint. Und da vertun wir uns oft, weil, wir leben in so einer Wissensgesellschaft. Und wir glauben auch, gerade im unternehmerischen Umfeld, die Daten, Zahlen und Fakten sprechen für sich. Aber es sind 93 Prozent, die unsere Körpersprache, die Situation, maßgeblich beeinflusst. Und nur 7 Prozent davon sind die Daten und Fakten. Und das ist eine Wahnsinns Zahl. Wenn man sich die mal auf der Zunge zergehen lässt.

LB: Hast du mal ein Beispiel, wo man das so greifbar machen kann? Wo einem das sofort klar wird? Ach klar, das ist wirklich ganz die Körpersprache sehr wichtig.

BF: Da wir jetzt mit Hörern zu tun haben und mich gerade keiner sehen kann, versuche ich es mal über den auditiven Kanal. Ich kann sagen, herzlich willkommen, schön, dass Sie da sind! Das nehmen wir mal als Information, als „was“-Information. Und jetzt gehe ich mal auf ein paar „wie“-Ebenen. Also, sprich, ich werde jetzt mal versuchen, anhand meines Tonfalles verschiedene Situationen zu beschreiben. Denn der Tonfall ist ein Teil unserer Körpersprache. Unsere Körpersprache besteht aus fünf Parametern, das ist Mimik, Gestik, Haltung, Tonfall und Distanz. Und wenn ich mal nur den Tonfall rausnehme, weil, alles anderes ist jetzt hier gerade ein bisschen schwierig, dann kann ich sagen. Herzlich willkommen, schön, dass Sie da sind! Ich kann aber auch sagen: Herzlich willkommen, schön, dass Sie da sind! Ich kann auch sagen: Herzlich willkommen, schön, dass Sie da sind. Und beim ersten Mal bin ich ja fast verliebt, beim zweiten Mal bin ich genervt, weil, das war jetzt der letzte Teilnehmer des Kurses, der noch fehlte. Und beim dritten Mal sage ich, wir fangen jetzt zu spät schon an. Und das sind die eigentlichen Informationen, die fließen.

LB: Okay, super Beispiel. Jetzt hast Du ja fünf Tricks aus deinem Handwerkskoffer der Schauspielerei mitgebracht, wovon Unternehmer profitieren können.

BF: Ja.

LB: Was ist denn der erste?

BF: Der erste ist der Tipp: Kopieren Sie die Körperhaltung bei wichtigen und schwierigen Gesprächssituationen.

LB: Und wenn jetzt einer vor mir rumläuft wie der letzte Schluffi? Soll ich das auch tun? Hängende Schultern?

BF: Es kommt immer drauf, …

LB: Blick auf den Boden.

BF: Ob ich mich unwohl fühle oder nicht. Wenn ich jetzt zum Beispiel in einem Gespräch bin, habe eine Vertragsverhandlung und es ist wirklich ein sehr wichtiges Gespräch. Mir gegenüber sitzt mein potentieller Kunde, und ich fühle mich unwohl, ich fühle mich vielleicht nicht ernstgenommen oder der ist eben schluffi und er zeigt dadurch, dass er mich nicht so wichtig findet.

LB: Oder Desinteresse?

BF: Oder Desinteresse und guckt nicht hin und guckt weg. Es ist egal, was der andere macht, wenn ich mich unwohl fühle in Beziehung zu meinem Gegenüber, von dem ich aber was will, dann kopiere ich die Körperhaltung. Und zwar nicht eins zu eins genau in dem Moment, wo der das macht, dass er das nicht merkt, sonst ist das so wie o. k., der macht gerade so, dann mache ich gerade so. Jetzt macht der gerade so, dann fragt er irgendwann, was ist denn mit ihnen los? Ich versuche, eine ähnliche Art der Körperhaltung einzunehmen. Ich habe ähnlich viel Raum eingenommen, also, wenn der da ganz breitbeinig sitzt und noch die Hand am Nebenstuhl auf der Lehne liegen hat und so ganz in seinem Büro zu Hause ist. Und ich so auf der Stuhlkante sitze, wie so ein Bittsteller, dann kann ich das ausgleichen, indem ich mich auch anlehne, eben auch vielleicht das Bein eher so breitbeinig überschlage und mir auch den Raum als Ort meines Zuhauses nehme.

LB: Dann geht es mir besser?

BF: Dann geht es mir besser und der Andere wird mich ernster nehmen.

LB: Wieso?

BF: Das hat mit einem intuitiven Wahrnehmen des Status des Anderen zu tun. Du hast doch das Buch gelesen?

LB: Ja, klar.

BF: Wenn Du Dich größer machst, strahlst Du Kompetenz aus! Und wenn der Andere das Gefühl hat, er steht die ganze Zeit über Dir, wird er Dich auch nicht so ernst nehmen. Du musst Dich aber auch nicht über den stellen, dann ist er vielleicht angegriffen. Und versuchst eigentlich, auf ein ähnliches Gleichschwingen zu kommen. Und das führt dazu, dass ihr euch inhaltlich auch angleichen werdet.

LB: Okay, interessant. Punkt Nr. 2.

BF: Du klingst überhaupt gar nicht überzeugt, Lars.

LB: Nee, bei mir rattert es gerade hinter im Kopf, wo ich das anwenden könnte oder wo ich das, also, wo ich das schon mal anwenden hätte sollen, überlege ich gerade die ganze Zeit.

BF: Also, zum Beispiel kann ich jedem, der eine Gagenverhandlung macht, das eigentlich nur anbieten. Also, diese Idee mal zu verfolgen, weil, in dem Moment, das ist zum Beispiel auch so ein Punkt, da wird ganz schnell intuitiv entschieden, kann ich dem das ablehnen oder nicht? Wenn ich jetzt der Unternehmer bin, kann ich das ablehnen, diese Forderung meines Mitarbeiters oder nicht? Klar, habe ich meine Ziele, Daten und Fakten sowieso klar, aber, wenn ich so ein bisschen hin und her bin, dann hat das sehr viel damit zu tun, was körpersprachlich der Andere mehr aussendet, ob ich mich das traue, abzulehnen. Und da haben Frauen übrigens auch noch viel aufzuholen, weil Frauen ganz schnell in so einem, ja, das führt eigentlich zum nächsten Punkt, zur Tiefstatusfigur tendieren. Ein Punkt noch, bei der Körperhaltung, wenn man die kopiert. Es ist auch so, dass, wenn wir uns in wichtigen Gesprächen unwohl fühlen, in der Regel sehr in unserem eigenen Kopf sind. Wir sind sehr reflektierend in Bezug auf das, wie sitze ich hier? Wer bin ich? Habe ich das jetzt schon gesagt? Findet der das jetzt vielleicht doof, was ich da gerade irgendwie vorgetragen habe? Dieses ganze Kopfkino hört auf, wenn ich mich ins Hier und Jetzt hole.

LB: Aber, kann ich das denn, wenn ich dann darauf achte, was der Gegenüber macht? Und mich dann ähnlich verhalte? Geht das dann überhaupt? Das war auch Sache, die ich mir gedacht habe in diesem Buch. Da wird gesagt, achten Sie darauf, welche Distanz sie haben zum Gegenüber, hast Du auch gesagt, ist auch ein Teil der Körpersprache? Bin ich dann im Kopf überhaupt noch frei oder achte ich die ganze Zeit darauf, was ich mit meinen Händen mache, wo meine Füße stehen und so richtig fallen lassen kann ich mich da doch nicht?

BF: Nee, aber kannst Du Dich ja sowieso nicht!

LB: Ja, gut, angespannt ist man eh.

BF: Du bist eh in einer angespannten Situation und du fühlst Dich schon unwohl. Du kannst jetzt nur für Verbesserungen sorgen, indem Du in so ein Gleichschwingen kommst und das kannst Du schaffen, indem Du den Blick weg von Deinen Problemen, die Du gerade hast, wegnimmst hin zu, was macht denn der Andere gerade? Du verankert Dich dann quasi in der Situation. Da ist der Andere, wie sitzt der da? Was macht der gerade? Und wenn ich das so ähnlich eben kopiere, dann komme ich automatisch auf Augenhöhe und darum geht es. Wir müssen auf Augenhöhe kommen.

LB: Okay, verstanden. Ich nehme Dich auch für voll und würde trotzdem jetzt gerne zum zweiten Punkt kommen, wenn es geht. Also, Hochstatus und Tiefstatus. Was ist das?

BF: Hochstatus und Tiefstatus sind zwei Begriffe aus der Schauspielerei. Die hat Kies Johnston geprägt und das ist ein Improlehrer aus Kanada. Sehr bekannt eben in unserer Szene und mit Hochstatus und Tiefstatusfiguren beschreibe ich also den Erfolgstypen und quasi den Opfertypen. Und der Hochstatus ist das, was Du auch in dem Buch gelesen hast, fester Stand, Brustbein raus, Schultern fallen. Man kann große und ruhige Gesten machen, den Blickkontakt halten. Das sind alles so Faktoren, die zum Hochstatus gehören. Und eingedrehte Füße, Blick nach unten zum Boden, fahrige Gesten, eingefallene Schultern, hängende Schultern, das sind alles Fakten, Faktoren, die zum Tiefstatus gehören. Und wenn ich mir dieser Figuren bewusst bin, dann kann man mal drauf achten. Also, man sieht die überall. Du gehst ja auch gerne in den Park und sitzt da und schreibst an Deinem Blog und da beobachtest Du ja Leute. Dann achte doch mal drauf, wer ist Hochstatus? Und wer ist Tiefstatus? Wir spielen auf dieser Skala des Status während des Tages ganz selbstverständlich hin und her. Wir können das auch bewusst einsetzen.

LB: Auf der einen Seite Kompetenz ausstrahlen, klar. Mache ich, indem ich Hochstatus bin, indem der Kunde sozusagen sich bei mir anlehnen kann und ich ihm das Gefühl gebe, bei mir in den richtigen Händen zu sein.

BF: Genau. Ein gutes Beispiel, ja.

LB: Da kann ich das einsetzen. Kann ich auch den Tiefstatus irgendwo oder sollte ich den als Unternehmen irgendwo bewusst einsetzen?

BF: Nein, also, ich glaube, dass der Tiefstatus kein empfehlenswerter Status ist für Unternehmer im Auftreten. Es sei denn, ich muss mal ein bisschen runterschrauben, weil mein Kunde eben sehr im Tiefstatus hängt, damit der das Gefühl hat, er ist nicht unerreichbar weit weg, sondern, der ist mir ganz nahbar. Da kann ich das dann eben vielleicht einsetzen, ansonsten ist es auch dafür da, dass wir uns selber über unsere Körpersprache eben auch diese Kraft holen. Weil, wenn ich im Hochstatus bin. dann koppelt das mein Körper zurück. Ich kann beispielsweise, das ist jetzt ziemlich verrückt, aber, der Hormonhaushalt verändert sich, je nachdem, in welcher Körperhaltung ich unterwegs bin. Und wenn ich zum Beispiel im Hochstatus bin, dann steigt mein Testosteron und sinkt mein Cortisol. Cortisol ist das Stresshormon, das heißt, ich werde tatsächlich ruhiger. Wenn ich also eine Präsentation mache oder einen Auftritt vor mir habe oder eben diesen wichtigen Termin und gehe ganz aktiv in diese Körperhaltung und bleibe da auch eine Weile, dann wird sich mein eigenes Gefühl der Sicherheit auch einstellen.

LB: Das ist schon der nächste Punkt, den wir dann haben. Fake until you make it?

BF: Richtig. Das ist es. Du kannst so tun als ob und es wird nachwachsen, das Gefühl. Also, wir können wirklich, indem wir diesen Hochstatus behaupten, in unserem Körper eine eigene Veränderung hervorrufen und dazu gibt es eben auch tatsächlich eine Studie aus den USA, die Ergebnisse sind 2012 bekannt geworden. Erfolgstypen, die viele Unterschiede vielleicht haben von den Anderen, haben auf jeden Fall zwei veränderte Hormonwerte. Und das ist mehr Testosteron und weniger Cortisol. Und je stressbefreiter ich bin, desto besser kann ich meine Ressourcen abrufen. Das heißt, desto besser kann ich zeigen, was wirklich in mir steckt und wer ich wirklich bin.

LB: Das geht ja auch mit Lachen? Ist das Gleiche? Wenn ich niedergeschlagen bin oder sowas, einfach lachen oder sich selber einen Witz erzählen oder ein lustiges Video gucken, man kommt automatische, oder einfach mal mit einem Lächeln durch die Gegend laufen, man programmiert sich selber sozusagen zu mehr Glück oder zu mehr Zufriedenheit und Glücklich sein oder wie auch immer.

BF: Und das Verrückte ist, man muss das noch nicht mal wirklich witzig finden, sondern es reicht tatsächlich die muskuläre Aktivität in den Wangen. Also, wenn ich nur jetzt hier so grinse, das hört man vielleicht übers Mikro, man kann sich auch einen Bleistift zwischen die Zähne stecken. Ich halte das 60 Sekunden und die muskuläre Aktivität geht über unsere Nervenbahnen zum Hirn und sagt dort, da draußen scheint es echt Freude zu geben. Das reicht dem Hirn, das Hirn überprüft nicht, ob das wirklich wichtig ist oder witzig ist, was draußen passiert. Es sagt nur, mein Mensch scheint sich zu freuen und dann schickt der Endorphine los, nach 60 Sekunden. Und automatisch fühlen wir uns wohler.

LB: Wenn ich jetzt mal an so eine typische Stresssituation für Unternehmer denke, Präsentation, immer Stress. Wer steht gerne vor anderen Leuten? Klar, ich mache es gerne, aber, ich habe auch immer Bammel davor. Wie kann ich das da anwenden? Konkret?

BF: Also, das sind ja Situationen, wo wir nicht so gerne bei beobachtet werden, wenn wir dann da so in Körperhaltung gehen oder Grinsen ohne Grund. Das ist tatsächlich was, was ich einfach in der Toilette vor meinem Auftritt machen kann. Ich nehme mir einen Bleistift mit und klemme mir den zwischen die Zähne, 60 Sekunden lang, da wird schon eine Umstellung im Körper passieren und dann ist wirklich diese Powerpose, dieses Halten von einem Hochstatus, also Arme hochrecken, so, wie eine Siegerpose eines Sportlers auch funktioniert. Und das zwei Minuten halten. Und wenn ich dann noch in der Lage, ein bisschen Selbstmanagement innen drin als innerer Coach mit mir zu betreiben, dann wird sich das körperlich niederschlagen. Ich kann mich damit runterbringen und ruhiger machen. Indem ich das dann auch weiterhin behauptet da draußen, also, mit erhobenem Haupt da rausgehe, das wird mir auch wieder entgegengebracht von den Leuten, auf die treffe.

LB: Kann ich denn beides gleichzeitig? Kann ich den Bleistift nehmen und die Siegerpose machen? Funktioniert das? Oder, muss ich das nacheinander machen?

LB: Nur, wenn Du dabei auch noch die sieben Regeln der Effektivität auswendig runterbeten kannst, dann kannst Du das machen, Lars. So, das waren die ersten Punkte und bevor wir zu den nächsten kommen, wollen wir doch noch mal kurz unserem Sponsor danken.

Heute hat Barbara uns fünf Tricks aus dem Handwerkskoffer der Schauspielerei mitgebracht, wo Unternehmer profitieren können von Schauspieltechniken. Erste war die Körperhaltung des Gegenübers kopieren bei Unwohlsein. Zweite war, sich ganz klar Hoch- und Tiefstatus bewusst zu sein, wann ich Hochstatus einsetzt und wie ich ihn einsetze und wie ich Tiefstatus vielleicht bei meinem Gegenüber erkenne. Und das dritte war, fake it until you make it. Du kannst mit bewusster Körpersprache Dich selber anders programmieren und für Deinen Hormonhaushalt entsprechend sorgen, Testosteron steigen, Cortisol sinken lassen. So, der vierte Punkt. Was ist das denn, Barbara?

BF: Das ist ein ziemlich sperriger Satz – Handlung geht vor Text. Der hört sich schlimm an, ist aber wirklich etwas, was ich gerne allen mitgeben möchte, die vor Leuten stehen und reden. Egal, ob ich ein kleines Gruppenmeeting mache, egal, ob ich eine riesen Mitarbeiterversammlung mache, ob ich eine Präsentation halte, einen Vortrag, eine kleine Rede, das Bühnengesetz sagt: Handlung geht vor Text. Alles, was sich bewegt, ist stärker als das, was ich sage. Liegt daran, dass unser Auge schneller ist als unser Ohr und ich würde mir wünschen, dass alle Unternehmer da draußen, die ja immer wieder mal Ansprachen halten, Reden, Vorträge und die Mitarbeiter begrüßen, sich dessen bewusst sind, dass es sowas gibt wie einen Dialog mit dem Publikum. Das heißt, wenn ich aufstehe, dass ich erstmal auch alle angucke und dass es einen Moment der Verbindung gibt, in dem wir loslegen. Ich sehe aber stattdessen ganz oft, dass Leute schon mal los reden auf dem Weg wohin, während sie noch den Computer aufmachen, ohne wirklich hinzugucken. Also Hauptsache, ich sage das jetzt mal ein bisschen provokativ, plappern, um die Lücke zu füllen.

LB: Keine Stille zu lassen.

BF: Das ist kontraproduktiv. Also, immer das, was ich mache, werden die Leute sehen und im Fokus haben und können mir nicht mehr zu hören, also, verstehen nicht mehr, was ich sage.

LB: Okay, und was soll ich da konkret tun jetzt?

BF: Einfach das nächste Mal, wenn Du eine Rede hältst, Lars, oder einen Vortrag, dann bist Du Dir bitte bewusst, dass Du Dich erstmal hinstellst und alle anguckst und dann anfängst zu reden. Weil Du die Inhalte, die Du da sagst, ja Deinem Gegenüber auch ja hinwerfen willst oder den Ball zu Deinen Zuhörern spielen willst.

LB: Okay, und auch, wenn ich jetzt zum Beispiel was an den Flipchart schreibe oder so, dass ich nicht gleichzeitig noch rede?

BF: Genau.

LB: Sondern, dass ich das schreibe, wirken lasse und erst dann wieder rede.

BF: Genau und diese Pause halten ganz wenig Leute aus. Auch zum Beispiel, wenn ich eine Folie abfeuere über PowerPoint, dann den Leuten die Chance geben, muss ich den Leuten die Chance geben, das erstmal zu lesen. Während ich dessen das vorlese, gut, das wäre dann betreutes Lesen, das braucht kein Mensch. Aber, wenn ich noch was anderes sage als das, was auf der Folie steht, schmeiß ich meinen Zuhörer komplett raus.

LB: Das geht ja eh nicht, entweder zuhören oder lesen.

BF: Genau.

LB: Okay, also, da einfach alles, was sich bewegt, dann sozusagen erstmal sein lassen, wenn man redet. Es ist ja oftmals so, das beobachte ich ja bei mir, wenn ich dann so eine Situation habe, dass ich dann hin- und her gehe. Also, wenn ich jetzt präsentiere. Ist das auch schlecht?

BF: Jeder Rhythmus, der sich permanent wiederholt, der hat so eine Monotonie und den muss ich unbedingt brechen. Da muss ich auf jeden Fall einen Rhythmuswechsel hervorrufen, sonst ist es einschläfernd für meine Zuhörer.

LB: Wie kommt es, dass man sowas tut?

BF: Dass man so läuft? Ist die Aufregung, die wir körperlich loswerden wollen. Das ist ein Instinkt. Wir gehen einfach los, wir tun das, weil wir das gar nicht aushalten. Sowieso will unser System, dass wir aus der Situation weggehen, also, unser limbischen System sagt, Flucht! Total gefährlich! Die Augenpaare gucken mich alle an, ich stehe hier in der Mitte, das geht gar nicht.

LB: Okay, und deshalb macht man aber, dass es generell nicht gut?

BF: Generell nicht gut, hin- und her zu latschen.

LB: Okay, das muss ich mir versuchen abzugewöhnen. Der fünfte und letzte Punkt, der Anfang prägt!

BF: Genau.

LB: Wie meinst Du das?

BF: Naja, wir haben immer nur drei Sekunden Zeit für einen ersten Eindruck und ich möchte gerne irgendwie sensibilisieren dafür, dass der Anfang prägt. Egal, ob bei einer Präsentation oder bei einem persönlichen Vorstellungsgespräch, nach drei Sekunden ist mein Gegenüber fertig. Der hat ein erstes Bild von mir und intuitiv wird er schon wissen, nehme ich oder werde ich eher anstellen oder werde ich eher nicht anstellen. Dass wir uns klar darüber sind, diesen ersten Eindruck, den können wir eigentlich nur noch mal neu überschreiben, wenn mein Gegenüber total bereit dazu ist. Der muss also irgendwie einen maximalen Grund dafür haben. Also, ich bin jetzt irgendwie die neue Kollegin, wir teilen uns ein Büro und Du wirst jetzt mit mir arbeiten müssen, deswegen, wenn Du mich am ersten Tag blöd fandest, Du wirst Dir schon nochmal Mühe geben, nochmal hinter die Fassade zu gucken. Aber, wenn es diesen Grund nicht gibt, dann war es das. Und deswegen ist meine Empfehlung für alle Vorträge oder Seminarbeginne, dass es immer eine kleine Pause gibt, in der ich ja beieinander landen kann. Und dann kann ich gemeinsam losgehen. Diese Pause erhöht die Aufmerksamkeit und lässt allen eigentlich überhaupt erstmal die Möglichkeit, gemeinsam zu starten. Egal, ob es ein 1:1 Gespräch ist oder 1:100 Gespräch.

LB: Wenn ich demnächst irgendwo jemanden begrüße, soll ich mich erstmal vor den stellen, kurz innehalten und erst dann auf den zugehen, oder wie soll ich mir das jetzt praktisch vorstellen?

BF: Das wäre jetzt ein bisschen künstlich vielleicht, aber, kennst Du so Situationen, wo Leute Dich begrüßen, aber Dich gar nicht wirklich angucken und beim Begrüßen auch schon rumgehen um den Schreibtisch und so? Das ist ganz typisch und es macht einen großen Unterschied, wenn ich also einen guten ersten Eindruck auch hinterlassen will, wenn ich mir diesen Moment suche. Den muss ich natürlich dann in der Situation entsprechend auch finden und nicht wie ein Roboter mich hinstellen, so 21, 22, 23, okay, jetzt gehe ich weiter. Sondern, ich kann ja diesen Blick und diesen Moment versuchen zu fangen.

LB: Okay, aber, sich da nochmal bewusst machen, dass man sich nicht mit anderen Dingen beschäftigt, sondern dass man da maximale Aufmerksamkeit dem Gegenüber widmet.

BF: Genau.

LB: Schön, prima, ja, ich fasse nochmal zusammen: Die fünf Punkte, die Unternehmer von Schauspielern lernen können. Ist zum einen erst mal, die Körperhaltung kopieren, wenn man sich unwohl fühlt in Gesprächen. Sich Hoch- und Tiefstatus noch einmal klarmachen, sich selber programmieren durch die Körpersprache, Fake it until you make it. 4. Handlung geht immer vor Text, das eiserne alte Bühnengesetz von Barbara und der Anfang prägt, man hat nie eine zweite Chance auf einen ersten Eindruck. Ja Barbara, was ist denn so unterm Strich das allerwichtigste von den Punkten, die Unternehmer von Schauspielern lernen können?

BF: Das gute Beobachten des Gegenübers. Also, der Schauspieler ist ein Beobachter des Lebens und der Menschen und wer gut hinschauen kann bei anderen Menschen, der hat die Nase vorn, weil er über die Körpersprache eigentlich ganz viele Informationen bekommt, nämlich 93 Prozent dessen, was da so zwischen uns stattfindet, fließt eben da lang und es ist so, ob wir das bewusst haben oder nicht. Und ich würde mir wünschen oder das ist sozusagen mein Tipp, macht es Euch bewusst, den Schauspielern ist es bewusst. Und deswegen kann man sich das vielleicht abgucken.

LB: Karl Rogers sagt dazu, die Haltung ist entscheidend und nicht die Worte. In diesem Sinne wünsche euch wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

Hinweis: Ich behalte mir das Recht vor, beleidigende oder vom Thema abweichende Kommentare zu löschen.