Aufbau eines Franchisesystems – Interview mit Horst Becker von ISOTEC [Podcast 120]

Horst Becker ist der Gründer von ISOTEC, dem Marktführer bei der Sanierung von Feuchtigkeits- und Schimmelpilzschäden an Gebäuden.

Horst Becker

Er erklärt uns heute, worauf es bei der Gründung eines Franchisesystems wirklich ankommt. Und Ihr könnt ihm über Lars Eure positive BWA zukommen lassen, er hilft Euch dann!

Hier das Transkript des gesamten Podcasts und vorab die erwähnten Sponsoren und Links:

Sponsoren

Vario Software AG
MDD Selbstmanagement Akademie

Links

Webseite
ISOTEC

BWA-Zusendung über office@larsbobach.de

Buch
Auf der Suche nach Spitzenleistungvon Peters und Waterman

HB = Horst Becker
LB = Lars Bobach

LB: Herzlich willkommen zum Podcast „Produktiv in digitalen Zeiten“. Wir geben Orientierung im digitalen Dschungel, so dass wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben bleibt. Heute bin ich nicht alleine, heute habe ich den Horst Becker zu Gast. Hallo Horst.

HB: Hallo Lars. Ich bin froh, dass ich hier bin. Danke für die Einladung.

LB: Ja, sehr schön, dass Du da bist. Der Horst sitzt mir auch wirklich persönlich gegenüber, das ist eher selten bei so einem Interview. Und den Horst kenne ich nun wirklich schon sehr lange. Horst Becker ist nämlich Gründer und Inhaber von ISOTEC, dem Marktführer bei der Sanierung von Feuchtigkeits- und Schimmelpilzschäden an Gebäuden. Die Technologie wurde vor über 40 Jahren, ich glaube, von Deinem Onkel erfunden, ist das richtig?

HB: Ein Bekannter meiner Eltern.

LB: Ja und Du hast das Ganze dann von einem familiären Handwerksbetrieb richtig zu einem Franchisesystem ausgebaut. Vor 25 Jahren wurde das Franchisesystem ungefähr gegründet, ich glaube, 2015 war 25-jähriges Bestehen.

HB: Genau, 1990 gegründet.

LB: Und der einschneidendste Punkt war ja 2004. Weiß Du noch, was da passiert ist, Horst?

HB: Ich glaube, da habe ich den Lars Bobach kennengelernt…?

LB: Genau. Da bin ich in das Franchisesystem eingestiegen und eine Sache, die ich überhaupt nicht einen Tag bereut habe. Ich war damals so der 30. Franchisenehmer, glaube ist, das war so. Wie viel habt Ihr denn zurzeit, wie viel Franchisenehmer?

HB: So knapp 90.

LB: Wahnsinn, wo regional verteilt?

HB: Wir sind in ganz Deutschland verteilt. In Nordrhein-Westfalen ist natürlich unser Heimatmarkt, da haben wir angefangen, da haben wir auch die größte Dichte. Wir haben uns dann weiter nach Norden entwickelt und jetzt stärker in den Süden hinein.

LB: Gibt es denn noch Flecken in Deutschland, wo man überhaupt noch Franchisenehmer werden kann?

HB: Ja, absolut und vor allen Dingen, wenn man so mittlerweile 27 Jahre alt ist als System, stellen sich auch immer vermehrter die Nachfolgethemen, dass einer sagt, so, ich bin jetzt 65 oder 70. Jetzt will ich den Staffelstab weitergeben.

LB: Also, dass die Franchisenehmer schon ihre Nachfolger dann suchen?

HB: Absolut.

LB: Genau. Ja, super Geschichte und jetzt würde mich aber mal interessieren, weil, die ist ja auch nicht ganz geradlinig verlaufen. Du hast ja eine ganz andere Ausbildung gemacht, ganz andere Sachen studiert. Wie bist Du denn jetzt dazu gekommen, feuchte Keller abzudichten und dann natürlich auch noch ein Franchisesystem aufzubauen?

HB: Das ist aus einer Notsituation entstanden. Der Bekannte, der diese Technologie entwickelt hat, dem ist es leider nie gelungen, ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen aufzustellen mit der Konsequenz, dass meine Eltern ihm Geld geliehen haben und plötzlich war die Existenz meiner Eltern bedroht, weil das Unternehmen des Bekannten meiner Eltern nämlich insolvent wurde und das hatte auch existenzielle Auswirkungen auf meine Eltern. Dann ging es einfach nur darum, zu retten, was zu retten ist und ich wusste, das Wichtigste, was diese Person hat, das einzige Asset, was noch übriggeblieben war auf diesem Scherbenhaufen, das war sein Knowhow.

LB: Und das war die Paraffintechnologie?

HB: Ja, und auch ein paar andere Abdichtungsmaßnahmen. Nicht so breit aufgestellt wie heute, aber das war eigentlich das Grundsystem.

LB: Kurz zur Erklärung nur für die „Produktiv in digitalen Zeiten“-Community. Die Paraffintechnologie ist eine Technik, um eine nachträgliche Horizontalsperre in Wände einzubauen. Im Detail will ich das hier im Podcast gar nicht erklären, aber, ist auf jeden Fall eine einmalige Abdichtungsvariante, die auch 1A funktioniert. Aber entschuldige, ich hatte Dich unterbrochen.

HB: Technisch hast Du das ja mittlerweile besser drauf als ich!

LB: Könnte sein, habe es jetzt auch lange genug gemacht.

HB: Genau.

LB: Okay, also, aus einer Notsituation eine Chance gemacht?

HB: Genau.

LB: Super.

HB: Es war eine essenzielle Krise meiner Eltern. Es war so beim Übergang in den Ruhestand meines Vaters, der Kriminalbeamter war und plötzlich, er war immer sparsam und stand plötzlich vor dem Nichts. Und aus heutiger Sicht und das ist oft gut, wenn man eine Bauchentscheidung trifft, ich habe damals die Bauchentscheidungen getroffen, komm, ich mache das mit dem zusammen, parallel zu meinem BWL Studium und ich lerne das betriebswirtschaftliche Wissen in die Praxis umzusetzen. Ich sah überall nur Win-win-Sternchen. Ich habe gedacht, das ist eigentlich mein Ding, jetzt als Unternehmer mit damals 22 Jahren, diesen Pilotbetrieb, damals Horst Becker Isoliertechnik, später Gebrüder Becker GmbH, Dir bestens bekannt.

LB: Ja, klar.

HB: Das dann aufzubauen.

LB: Super und dann war es ein familiärer Handwerksbetrieb, wenn man so will. Sehr erfolgreich, war auch eine ganz klare Nische, wo Ihr Euch da positioniert habt. Aber, wie kommt man denn dann auf die Idee, daraus ein Franchisesystem zu bauen?

HB: Ja, im Rahmen meines Studiums habe ich einen Vortrag eines Vorstandsmitglieds von Obi, Professor Kreußen, gehört und der hat eigentlich die Philosophie von Manfred Maus, dem Gründer von Obi, dort weitergetragen, nämlich einmal gedacht, hundertmal multipliziert. Und von diesem, wir reden ja oft über Effektivität, über diese effektive Formel, davon war ich absolut begeistert. Ein bewährtes Geschäftskonzept und dann hundertmal multiplizieren, habe ich gedacht, geil, das ist es. Wenn es also gelingt, dass das im Bergisch Gladbacher Umfeld, das dieses Unternehmen funktioniert, dann musst du nur die Erfolgsfaktoren herauslösen und die dann multiplizieren. Ich fand das optimal. Davon bin ich heute noch begeistert.

LB: Ja, ist ja auch super, aber ganz so einfach war es ja dann, glaube ich, doch nicht, oder?

HB: Ja, ich war natürlich, als ich dann 1990 das Franchisesystem gegründet habe, da war ich 29 Jahre alt und da ich nach dreijähriger Konzernerfahrung so die Schnauze voll hatte von engen Strukturen und Hierarchien und alles, was dazukommt, habe ich gesagt, so, jetzt gehst du deinen eigenen Weg. Mein Problem war nur, ich hatte keine durchschlagende Führungserfahrung, Führungserfahrung überhaupt keine und schon gar nicht, wie baut man ein Franchisesystem auf. Habe dann die Schule des Franchisings besucht und habe da mehr Klarheit bekommen, aber ich bin gestartet sehr holprig mit allen Fehlern ausgestattet, die man machen kann, auf dem Weg, ein Unternehmen aufzubauen.

LB: Und vor allen Dingen, Franchise Unternehmen, Ihr habt das dann ja wirklich rein aus dem Cash-Flow finanziert, von dem Handwerksbetrieb hast Du das dann parallel noch aufgebaut?

HB: Absolut, im Grunde genommen, jeder Euro, damals waren es DM, jede DM, die übrig blieb, wurde nach rechts in das ISOTEC-Unternehmen geschoben. Das war die einzige Finanzierungsgrundlage. Anfangs war allerdings der Betrieb auch ziemlich notleidend. Er musste erstmals zu einem Cash-Go entwickelt werden, damit auch cash für den Aufbau des Franchisesystems überhaupt übrig ist.

LB: Ja, aber das ist Dir ja ganz erfolgreich auf jeden Fall gelungen. Gab es denn da irgendwelche …

HB: Mit allen Wellenbewegungen.

LB: Ja, gut, das ist ja klar. Kommen wir auch gleich noch zu. Gab es denn irgendwelche Vorbilder, wo Du sagst, da habe ich mir das mit dem Franchising so ein bisschen abgeguckt? Wenn Du sagst, Obi, war das jetzt so Dein Vorbild?

HB: Ja, ich war immer ein neugieriger Mensch und bin sehr schnell in den Deutschen Franchiseverband eingetreten, wo ich auch 14 Jahre Vizepräsident nachher war. Und übrigens mit dem Professor Kreußen, der damals den Vortrag gehalten hat auf der Hochschule, der war dann Präsident. Also, wir saßen dann plötzlich nebeneinander und haben uns mit dem Thema Franchising beschäftigt. Und ich hatte immer Zugang zu den besten Franchisesystemen. Ich habe einfach die Leute gefragt, hör mal, das Thema steht an, könnt ihr mir helfen und das mache ich eigentlich heute noch so. Ich gucke überall, wo gibt es Benchmarks und wo kann man dazulernen und welche Methoden oder Erfolgsdinge kann man integrieren in das eigene Franchisesystem.

LB: Also, das zeichnet ISOTEC aus meiner Sicht auch wirklich aus. Das habe ich ja jetzt, ich glaube, 13 Jahre bin ich ja jetzt dabei, mitbekommen. Eine ständige Weiterentwicklung. Also, es ist kein Stillstand, immer neue Ideen kommen rein und werden auch immer umgesetzt. Und das Gute bleibt dann hinterher auch hängen. Das ist wirklich eine tolle Sache. Was würdest Du denn sagen, wenn man jetzt heutzutage ein Unternehmen hat und sagt, okay, Franchising finde ich eine tolle Idee, hört sich ja gut an. Einmal gedacht, hundertmal gemacht. Aber so einfach ist es ja nicht. Was würdest Du denn jemandem raten, der heute sich mit so einer Idee trägt? Was sollte der denn als erstes tun?

HB: Der sich mit der Idee trägt, ein Franchisesystem oder sein Geschäftskonzept zu multiplizieren?

LB: Genau.

HB: Ihm würde ich erstmal raten, aus seinem Piloten eine Cashcow zu machen. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt, weil, man braucht eine ordentliche Finanzkraft und man muss ja auch das Unternehmen so führen bzw. das ist auch ein Erfolgskriterium, wie man ein gesundes Unternehmen multipliziert.

LB: Ja, klar.

HB: Das ist der erste Punkt, denn ich bekomme oft Anfragen von Leuten, die ein Franchisesystem aufbauen wollen und ich lasse mir auch gerne die Zeit, mittlerweile sage ich immer, schickt mir mal eure letzte BWA per 31.12 und die aktuelle BWA. Dann ist oft schon das Thema erledigt oder sie schicken sie mir. Wenn sie gut ist, dann sage ich, ja, gut, dann können wir reden. Wenn die schlecht ist, sage ich, hör mal, du hast noch ein paar andere Hausaufgaben zu erledigen. Also, das ist eigentlich die Basis und dann geht es natürlich weiter. Vielen Unternehmern sind die Erfolgskriterien des eigenen Unternehmens nicht bewusst. Und da geht es darum, diese Erfolgskriterien bewusst zu machen und die liegen im Workflowprozess. Und das ist ein wichtiger Aspekt, den Workflow noch mal zu systematisieren, zu schauen, wo sind die erfolgskritischen, auch die qualitätskritischen Aspekte in dem Workflow des jeweiligen Unternehmens. Man lernt damit auch sehr viel für sein eigenes Unternehmen.

LB: Kann ich mir gut vorstellen, also, das wichtigste, was wir mitnehmen müssen, ist, erstmal das eigene Unternehmen so aufzubauen, dass es gut profitabel ist, damit man es auch multiplizieren kann, klar. Wenn es nicht gut läuft, wer würde dann einsteigen, um es zu multiplizieren? Ist ja klar. Und das zweite ist, den Workflow dann so abzubilden, dass er multiplizierbar ist und sich darüber auch klar zu werden, was die Vorteile sind. Welche Fehler siehst Du denn? Welche werden am häufigsten gemacht, wenn Franchisesysteme aufgebaut werden? Oder vielleicht auch aus Deiner eigenen Erfahrung, welche Du gemacht hast. Wo Du sagst, oh, das würde ich im Nachgang vielleicht doch ganz anders machen.

HB: Also, da muss ich nicht zu meinen Franchise-Unternehmerkollegen gucken, da kann ich selbst in den Spiegel schauen, da habe ich genau an Munition, was das und die Erfahrung, was das anbelangt. Erster Fehler war, das Thema, die falschen Partner herauszufiltern. Mir war damals nicht klar, worauf kommt es eigentlich entscheidend an, was sind die entscheidenden Skills, wie muss das Anforderungsprofil eines ISOTEC-Partners aussehen? Und ich dachte damals, ja, das ist ein handwerklich aufgestelltes Unternehmen. Ich hole mir jetzt gute Handwerker rein und damit habe ich den ersten Fehler begonnen. Denn, Du weißt es selber, die Schwerpunkttätigkeit eines ISOTEC-Partners liegt in der Führung eines Unternehmens, in der Marktbearbeitung und ein hohes Qualitätsmanagement sicherzustellen. Und das hat nichts mit dem Thema handwerkliche Fertigkeiten zu tun. Wenn es darum ginge, hätte ich selber keinen Betrieb aufbauen können.

LB: Das hast Du ja bei, wie hieß das, Boss Challenge?

HB: Undercover Boss.

LB: Ja, sehr gut unter Beweis gestellt, dass Du handwerklich auf jeden Fall noch zulernen könntest. Aber, das ist auch nicht die Aufgabe von jemandem, der einen Betrieb führt. Das ist ja keine Frage. Also, erster Fehler, sagst Du, man muss sich wirklich genau angucken, welche Leute man da reinholt. Bei ISOTEC kann man ja wirklich sagen, die erfolgreichsten sind ja nicht die, die aus dem Handwerklichen kommen, sondern wirklich die, die unternehmerisch denken. Und das heißt ja nicht, dass das handwerklich schlecht dann läuft, sondern, die auch dann wirklich solche Qualitätskriterien noch ansetzen, dass es handwerklich auch gut läuft, aber unternehmerisch denkend sind, genau. Das ist auch jetzt noch, glaube ich, immer noch eine große Herausforderung, solche Leute zu finden?

HB: Immer, ja. Wir haben mittlerweile einen neunstufigen Selektionsprozess, um wirklich herauszufiltern, passen wir wirklich zusammen? Und da spielen auch Persönlichkeitstests und die Persönlichkeitsprofile, ein Abgleich mit dem Lebenslauf etc. glücklicherweise mit mehr Erfahrung als damals, eine wichtige Rolle, um wirklich die richtigen Kandidaten, die mit hoher Erfolgswahrscheinlichkeit an den Start gehen können, herauszufiltern.

LB: Da kann ich ja nur froh sein, dass es das 2004 noch nicht gab. Vielleicht wäre ich dann ja gar nicht durchgekommen.

HB: Also, ich bin da sehr optimistisch, dass Du auch heute noch durchkommen würdest.

LB: Okay, alles klar. Ja, jetzt hatten wir gesagt, die Partner sind ein wichtiger Punkt. Was ist denn noch ein Fehler, den man vermeiden sollte, wenn man sich mit dem Gedanken trägt, ein Franchisesystem aufzubauen?

HB: Das ist das gleiche Thema, was Ray Kroc, dem Gründer von McDonald’s, widerfahren ist. Er hat sich dann seine ersten McDonald‘s Läden angeschaut und hat plötzlich gesehen, Moment, wir haben doch hier eine Schulung gemacht, was haben die jetzt aus dem System gemacht? Der eine hat Bier angeboten, der andere hatte einen Zigarettenautomaten da drin und er wollte ja immer die Familie als Zielgruppe ansprechen und sah plötzlich sein verwässertes System. Und sah, dass im Umfeld der McDonald‘s Läden viel Müll usw. war. Das also gar kein Qualitätsbewusstsein oder keine klare Philosophie, die Philosophie, die er eigentlich verfolgen wollte, eigentlich nicht umgesetzt worden ist. Und ähnlich ging es uns auch, man kann immer sagen, wir bieten höchste Qualität, aber Qualität muss klar definiert sein. Es müssen also viele Dinge, dafür muss es klare Leitfäden, klare Vorgaben beziehungsweise auch klare, Du kennst sie, die Qualitätsrichtlinien, die dann immer wieder geschult werden in Theorie, in Praxis und wo es auch eine Dokumentation gibt, um zu sehen, entwickelt sich das System gleichförmig, um wirklich diese Markeneinheit, dieses Markenversprechen mit dem Markenvertrauen zu verknüpfen, dass jeder sich darauf verlassen kann. Egal, wo ich bin, ich bekommen eine gewisse Qualität, auf die ich mich verlassen kann.

LB: Okay, das ist auch sicherlich sehr wichtig, klar. Wenn Du jetzt mal zurückguckst, Du bist jetzt ja lange Unternehmer, was war denn Deine größte Herausforderung, der Du Dich stellen musstest? Was war denn so, wo Du sagst, da habe ich mal eine richtige Bauchlandung hingelegt und was hast Du daraus gelernt?

HB: Also, meine größte Herausforderung, die ersten zehn Jahre meines Franchisesystems, das war schon ein Ritt auf der Rasierklinge. Weil, bis sich ein Franchisesystem rechnet, da geht viel Zeit ins Land.

LB: Jetzt mal ganz ehrlich, wenn Du das vorher gewusst hättest, hättest Du es gemacht?

HB: Ja, weil ich hatte nie eine Gewinnplanung oder eine Gewinnrechnung. Ich hatte noch nicht mal einen Businessplan. Das gab es bei mir nicht. Glücklicherweise haben mir meine Eltern dieses Urvertrauen mit in die Wiege gelegt und Vertrauen und Optimismus, damit bin ich losgestartet. Und die größte Herausforderung war, würde ich sagen, als ich finanziell mit dem Rücken an der Wand stand, denn ich habe auch das unternehmerische Dasein zwischen 30 und 40, habe ich als mein Experimentierfeld gesehen und nicht, jetzt musst du Rücklagen bilden und jetzt musst du Geld verdienen und so weiter. Ich habe immer voll reingepowert, neue Ideen, neue Dinge ausprobiert, neue Marketinginstrumente, bis mir irgendwann mal die Bank ins Kreuz kam, dazwischen gegrätscht ist und meinte, Herr Becker, der Dispo und die Situation ist jetzt doch etwas verschärft. Nicht etwas verschärft, da bin ich sogar auf die Intensivstation dieser Bank gekommen, ich stand mit dem Rücken an der Wand. Und da habe ich das erste Mal begriffen, dass ich den Schalter umlegen muss und jetzt geht es mal auch ums Geldverdienen. Und eine solide Eigenkapitalbasis aufzubauen und so weiter und das ist eigentlich schön. Sobald man ein klares Ziel hat, das hatte ich vorher nicht, entwickeln sich die Dinge auch so.

LB: Was würdest Du denn sagen, war Dein Learning daraus? Was kann denn die „Produktiv in digitalen Zeiten“-Community daraus lernen, von Dir mitnehmen?

HB: Das man wirklich auch nicht nur ein Umsatzziel hat, sondern auch ein Renditeziel und seine Kosten im Griff hält. Und man muss nicht alles von heute auf morgen machen, ich bin so ein ungeduldiger Typ. Ich hätte am liebsten, wenn da eine neue Idee über die Straße kommt, sage ich hurra, machen wir. Das bringt auch die Mitarbeiter durcheinander, die wollen klare Projektpläne und die sie dann über das Jahr abarbeiten. Dadurch habe ich viel auch durcheinandergebracht. Ich habe nicht nur viel Lehrgeld dadurch bezahlt, auch den Flow im eigenen Unternehmen durcheinandergebracht. Und wenn das alles geplant ist, dann ist das alles sortierter und geht auch einen besseren, effektiveren Gang.

LB: Aber ich glaube, solche Situationen, vielleicht hoffentlich jetzt nicht mit Intensivstation, kennt ja jeder Unternehmer. Da geht es nicht immer nur bergauf, man steht immer mal mit dem Rücken zur Wand und denkt, um Gottes Willen, in was habe ich mich denn jetzt hier gerade reinmanövriert? Aber, wenn man dann ein richtiger Unternehmer ist, holt man sich da ja auch wieder raus, in der Regel.

HB: Ja, absolut. Ich habe das als Herausforderung gesehen und habe gedacht, ja, jetzt mal kämpfen und jetzt wirst du unabhängig von Banken. Und das haben wir dann auch in einer für mich erstaunlichen Geschwindigkeit geschafft. Im Übrigen, Manfred Maus, der Gründer von Obi, hat mal gesagt, einer, der nicht mal am Rande der Insolvenz war, war nie Unternehmer.

LB: Das kann ich mir gut vorstellen. Also, ich interviewe hier ja viele Unternehmer und da hatten alle schwierige Phasen. Also, dass es nur immer geradeaus und nach oben geht, das gibt es ja nicht. Das kann ich mir gut vorstellen.

HB: Das gehört auch dazu, als Unternehmerpersönlichkeit zu reifen.

LB: Ja, glaube ich auch.

HB: Ein Juwel entsteht ja auch durch Pressung.

LB: Durch Druck, genau. Und wenn er von den Banken kommt.

HB: Genau.

LB: Okay, dann sage ich erstmal Danke bis hierhin. Dann bedanken wir uns jetzt noch kurz bei unserem Sponsor.

So, zurück mit Horst Becker, dem Inhaber und Gründer des Franchisesystems ISOTEC. Horst, jetzt kommen wir zur Schlussrunde. Was ist Dein wichtigster Produktivitäts- oder Selbstmanagement-Tipp? Ich weiß, das ist Dein Spezialgebiet!

HB: Ja, ganz im Gegenteil, ich bin ja mehr so ein Chaot.

LB: Ja, kreativer Geist, würde ich sagen, positiver.

HB: Okay, dann sagen wir es so. Ein kreativer Chaot und mein Tipp wäre, an Deinem „Mach Dein Ding“-Seminar teilzunehmen, um mehr Dinge zum Selbstmanagement zu lernen.

MDD Selbstmanagement Workshop

LB: Horst, das war jetzt nicht abgesprochen, das ist ja der Hammer, Danke!

HB: Das meine ich ernst!

LB: Okay, das war nicht abgesprochen, kommt hier noch eine Werbeveranstaltung, vielen Dank.

HB: Weil Du einer derjenigen bist, habe ich selten Menschen gesehen, die so sortiert sind wie Du und die die technischen Möglichkeiten nutzen, um sich eine Leichtigkeit ins Leben einzubauen. Das habe ich selten bei jemanden so gesehen wie bei Dir.

LB: Vielen Dank, okay, Du bringst mich hier fast zum Erröten! Okay, kommen wir mal zurück auf die Spur. Was machst Du als Unternehmer, um abzuschalten?

HB: Fußball spielen. Das Fußballspielen, Joggen und leider gelingt es mir zu selten. Ich glaube, Meditation tut mir immer wieder gut, aber ich verschlabbere das immer wieder. Weil, zur inneren Ruhe zu kommen, da steckt eigentlich die meiste Kraft. Und in der Vergangenheit habe ich es viel mit Fußball, mit Aktivitäten, mit Jogging, gemacht. Ich glaube, zur inneren Ruhe zu kommen, ist ein wertvoller Beitrag dafür.

LB: Welche App oder welchen Internetdienst kannst der „Produktiv in digitalen Zeiten“-Community empfehlen?

HB: Keinen, den Du nicht besser kennen würdest.

LB: Ja, aber irgendeinen? Gar keinen? Hast Du keinen? Nö? Okay.

HB: Das ist mehr Dein Thema.

LB: Okay, alles klar. Welches Buch hat Dich denn als Unternehmer und Mensch am meisten geprägt?

HB: Also, während der Studentenzeit habe ich das Buch: Auf der Suche nach Spitzenleistung gelesen von Peters und Waterman, meine ich, heißen sie. Und, also, das hat mich geprägt. Mittlerweile lese ich so viele Bücher, dass ich gar nicht mehr weiß, wo ich die Infos herhabe.

LB: Okay, aber das ist doch gut, lesen ist ganz wichtig. Welcher ist denn der beste Ratschlag, den jemals erhalten hast?

HB: Da tue ich mich schwer, weil, man bekommt als Unternehmer wenig Ratschläge. Also, ist meine Erfahrung. Mein größter Ratschlag, den ich geben würde, ist, lauft fragend durch die Welt. Fragt die Leute, die die Erfahrung schon gemacht haben. Das wäre mein Ratschlag und so habe ich immer dazugelernt. Ich habe immer gefragt, wer kann die Frage besser beantworten als ich das mit meinem bescheidenen Verstand zur Zeit kann und mit meinem bescheidenen Erfahrungshorizont? Und man muss nichts selber erfinden und sich zu gewissen Themen einfach durch Fragen eine Expertise einzuholen, das ist für mich eigentlich das beste und wichtigste, um voranzukommen.

LB: Genau, wer Fragen stellt, genau, der lernt auch hinterher am meisten. Wenn man nur erzählt, dann lernt man auch nichts.

HB: Wer fragt, der führt.

LB: Genau, das ist im Vertrieb auch so. Okay, letzte Frage, wie kann die „Produktiv in digitalen Zeiten“-Community mit Dir in Kontakt treten? Wenn sie sagt, hier, ich habe hier zum Beispiel eine Idee zum Franchisesystem. Ich würde dir gerne meine BWA schicken, lieber Horst, wo schicke ich die denn hin?

HB: Also, ich würde vorschlagen, über den Lars Bobach.

LB: Ja? Okay, einfach an mich und ich leite das dann weiter. Ja, gerne, können wir gerne machen. Also, meine E-Mail-Adresse, office@larsbobach.de und ich leite das dann gerne an den Host weiter. Und denkt dran, die BWAs müssen schon spitze sein, bevor Horst sich die anguckt. Ja Horst, vielen Dank.

HB: Gern geschehen. Ja, hat Spaß gemacht.

LB: Ja, mir auch. Ich hoffe, es war auch für Euch einiges dabei. Wenn Ihr Fragen dazu habt, wie immer an office@larsbobach.de. Und dann sage ich mal danke und auf bald und wieder viel Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben, ciao.

HB: Ciao.

Hinweis: Ich behalte mir das Recht vor, beleidigende oder vom Thema abweichende Kommentare zu löschen.