Aus einer Insolvenz lernen – Christian Schoen

Insolvenz, leider noch hier in Deutschland ein Tabuthema. In anderen Ländern geht man anders damit um. Christian hat Insolvenz anmelden müssen. Er spricht mit Lars ganz offen über dieses Thema und läßt uns daran teilhaben, was er daraus gelernt hat.

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Mach Dein Ding Workshop mit Lars Bobach

Transkript

LB = Lars Bobach
CS = Christian Schoen

LB:
Herzlich willkommen zum Podcast „Selbstmanagement.Digital“. Wir geben Orientierung im digitalen Dschungel, so dass wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben bleibt. Mein Name ist Lars Bobach und ich sitze hier zusammen mit dem Christian Schoen, hallo Christian.

CS:
Hallo Lars.

LB:
Ja, schön, dass du da bist. Der Christian, der sitzt mir auch persönlich gegenüber. Wir machen es also Face-to-Face, ist ja eher selten und der Christian ist erstmal Unternehmer. Ich habe ihn persönlich kennengelernt auf einem Präsenztreffen der Akademie, also der MDD Selbstmanagement-Akademie hier in Leverkusen. Er hatte mir damals schon von Schwierigkeiten seiner Firma erzählt.

Vor kurzem habe ich dann ja einen Aufruf gemacht zu „Frag Lars Interaktiv“, also dass man demnächst mit mir auch so eine Art Livecoaching machen kann bei „Frag Lars“. Und da hatte ich in der Akademie zu aufgerufen, wer da Interesse hätte. Da hat er mir eine sehr nette, aber auch für mich sehr schwierige und bewegende E-Mail geschrieben, dass er nämlich mit seinem Unternehmen in die Insolvenz gerutscht ist.

Das tat mir natürlich sehr, sehr leid und er hat aber angeboten, mal ganz offen darüber zu sprechen hier in dem Podcast. Ich weiß, es sind viele Unternehmer in der Selbstmanagement.Digital.-Community und ich finde es ganz toll, wenn da mal jemand so offen drüber sprechen muss.

Da kann ich sagen, ich habe auch eigene Erfahrungen machen dürfen oder müssen. Als ich damals bei meinem Vater gearbeitet habe, ist das Unternehmen auch in die Insolvenz gegangen. Das ist ja grundsätzlich nichts, was man als Unternehmer gerne tut.

Der Dr. Maus, fällt mir dazu gerade ein, der Gründer von Obi, hat mal sinngemäß gesagt, wenn man als Unternehmer nicht mindestens einmal kurz vor der Insolvenz gestanden hat, dann ist man kein richtiger Unternehmer. Ich glaube, das kennen wir alle, dass es ja auch mal hart wird.

Aber bei dir sicherlich ist es ja nicht nur kurz davor, sondern es ist auch darüber hinaus gegangen. Erzähle mal ganz kurz, was ihr genau gemacht habt und wie das mit der Insolvenz bei dir passiert ist, Christian.

CS:
Genau, also, wir sind ein klassischer Schlafsofahersteller gewesen, haben also Sofas eben in Osteuropa hergestellt und auf dem deutschen Markt vertrieben. Wir haben relativ viel Aufträge, eine sehr hohe Auftragslage, gehabt. Wir haben die so nicht mit den Lieferanten lösen können bzw. erfüllen können und haben hohe Lieferzeiten generiert.

Dann ist es im Möbelbereich so, dass es dann Folgen gibt wie Konventionalstrafen, Vertragsstrafen, Rabatte, die man geben muss. Natürlich, wenn der Kunde zu lange auf die Ware wartet und sich das wiederholt, läuft man Gefahr, dass die Ware aus der Ausstellung abverkauft wird. Dann werden die Aufträge weniger, sodass wir dann eben entsprechend weniger Kunden hatten, höhere Konventionalstrafe zahlen mussten und ich dann irgendwann einfach echt gezwungen war, leider eben dann die Insolvenz anzumelden.

LB:
Du hattest mir ja im Gespräch, das wir damals in Leverkusen geführt hatten, erzählt, dass du auch noch eine Firma übernommen hattest?

CS:
Genau, Anfang 2017 gab es einen befreundeten Schlafsofa-Lieferanten aus Deutschland, dem wir immer schon mal geholfen hatten, wenn er Überkapazitäten hatte, die Überhänge für ihn zu produzieren. Er ist dann leider Anfang 2017 eben in die Insolvenz auch gegangen. Dann sind wir von Kundenseite gefragt worden, weil man über die Verbindung wusste, ob wir nicht bereit wären, die Aufträge, Altaufträge und auch die künftigen Aufträge, zu übernehmen mit den Modellen. Das habe ich dann entschieden, das so zu tun.

Im Nachhinein muss man sagen, wir haben dann die Aufträge übernommen und uns dann eben auch übernommen. Wir haben uns einfach dann von diesen langen Lieferzeiten oder diesen Überkapazitäten nicht erholt.

LB:
Wie viele Mitarbeiter hattest du zum Schluss?

CS:
In den Fertigungen hatten wir insgesamt 90 Mitarbeiter und in der Verwaltung waren wir zu sechst.

LB:
Das ist ja schon ordentlich, du hast schon ein recht großes Rad gedreht. Habe ich richtig verstanden, ihr hattet immer gute Auftragsbücher und seid einfach nur mit der Produktion nicht nachgekommen?

CS:
So ist es, ja, genau.

LB:
Ist das generell schwierig in der Möbelbranche? Ist es generell ein Problem, dass die Produktion so schwierig ist oder wie kommt das?

CS:
Ja, das ist in der Möbelbranche leider so, dass es immer so Auf und Abs gibt. Du hast Hersteller, die dann von den Kunden …, wenn die Möbelhäuser sehen, okay, die Ware funktioniert, die Lieferungen funktionieren, die sind just in time, sechs Wochen Lieferzeiten sind so die Regel eigentlich, die erfüllen die. Dann ist es schnell so, dass so ein Lieferant gepusht wird und immer noch mehr Aufträge bekommt, ein anderer eventuell ersetzt wird, der dann Problem kriegt.

Dann kann man relativ schnell unter Druck geraten, weil du natürlich auch immer in die Vorfinanzierung gehst. Du hast einen relativ hohen Materialeinsatz, musst entsprechend lagermäßig Stoffe, Gestelle vorhalten und dann kann es eben passieren, dass du diese sechs Wochen auch nicht mehr halten kannst. Dann sind die Möbelhäuser relativ rigoros und verhängen dann die Konventionalstrafe.

LB:
Das ist auch üblich, dass es da Konventionalstrafen gibt in dem Bereich?

CS:
Das ist üblich. Es ist gerade so, dass es in dem Bereich beginnt, so ein bisschen eine Änderungen zu geben oder zu kippen. Weil jetzt verschiedene Insolvenzverwalter, es ist ja leider in der Möbelbranche so, dass es öfter Insolvenzen gibt und da hat der eine oder andere Insolvenzverwalter jetzt eben festgestellt, dass diese Konventionalstrafen nicht rechtens sind, also, dass man wirklich Konventionalstrafe nur verhängen darf, wenn wirklich dem Möbelhaus nachweislich durch den Endkunden ein Ausfall entstanden ist.

So ist es jetzt gerade so, dass man dabei ist, alles das rechtlich zu hinterfragen mit den Konventionalstrafen. Das erleben wir in unserer Insolvenz jetzt gerade auch. Bis jetzt ist es noch üblich und es ist praktisch immer so geduldet worden, um natürlich auch weiter am Geschäft oder am Umsatz teilhaben zu können. Aber es wird da sicherlich eine Änderung geben.

LB:
Ich kann mir vorstellen, in der Möbelbranche, weil es so viele große Häuser gibt, die haben ja eine Marktmacht. Ich meine, wie jetzt Aldi im Einzelhandel, die diktieren auch die Preise. Da hat man als Hersteller und Lieferant ja fast nichts mehr zu sagen, sondern man schluckt einfach alles.

Wir sitzen in Leverkusen, Bayer Leverkusen als Beispiel, nicht, dass ich jetzt etwas Falsches sage, aber ich meine, wir haben als ISOTEC mal für die gearbeitet. Ich meine, 180 Tage Zahlungsziel oder 90 Tage, einfach unmöglich, dass wir gesagt haben, das machen wir nicht. Aber die haben die Macht zu sagen, wenn ihr es nicht macht, der Nächste macht es.

CS:
So ist es.

LB:
Also, schrecklich. Jetzt würde mich aber mal interessieren, was war denn so der Moment, wo du erkannt hast … Ich meine, dass wir alle mal Liquiditätsprobleme haben, das kennt ja jeder Unternehmer. Es wird keinen geben, der das nicht kennt. Aber wo war denn so der Punkt, wo du gesagt hast, das ist jetzt schon ein bisschen mehr, ich schaffe es nicht mehr. Jetzt muss ich die Reißleine ziehen.

CS:
Anfang Mai war es so, dass ich mit einem der Hauptlieferanten aus Tschechien ein Gespräch hatte und wo ich ihm gesagt habe, wir brauchen eine Verlängerung seines Zahlungszieles, um eben, weil ich gesehen habe, wie hoch die Aufträge noch sind und dass wir eben noch die und die Mittel brauchen, um nochmal Material zu haben, um dann eben das abzubauen. Als er dann wirklich gesagt hat, nein, er macht so nicht weiter, es muss jetzt an dem Punkt definitiv alles gelöst werden oder die Verbindlichkeiten reguliert werden, dann habe ich gesagt, ja, das werden wir definitiv so nicht schaffen.

Und dann war von dem Steuerberater, der mich da begleitet hat, ganz klar der Hinweis, jetzt musst du wirklich die Reißleine ziehen, sonst gehst du in die Insolvenzverschleppung. Auch da habe ich mich noch schwergetan, das zu machen, weil natürlich nicht nur Lieferanten, auch Mitarbeiter daran hängen und die ganze Struktur ja auch gestanden hat.

Dann haben aber wirklich sowohl der Anwalt, der uns da begleitet hat als auch der Steuerberater gesagt, also jetzt geht es nicht anders, jetzt musst du wirklich Insolvenz anmelden. Und dann habe ich das in der zweiten Woche im Mai tun müssen.

LB:
Das ist garantiert ein schwerer Schritt gewesen.

CS:
Ja und auch wirklich dieser Gang, den man ja immer so aus der Zeitung dann gelesen hat, der musste zum Amtsgericht gehen. Das ist dann auch wirklich so und das war auch kein einfacher Weg da, muss ich wirklich sagen.

LB:
Hast du denn die Firma damals gegründet?

CS:
Ja, genau, Anfang 2016 habe ich die gegründet und habe mit dem Lieferanten aus Tschechien immer schon vorher zusammengearbeitet. Habe also für den die Vertriebsleitung gemacht und als es dann eben darum ging, diese Schlafsofafirma aus dem Ruhrgebiet zu übernehmen, haben wir eben dafür diese Vertriebsgesellschaft dann ins Leben gerufen.

LB:
Aber der hat doch auch total gelitten? Ich meine, dem muss auch klar sein, wenn er dir so die Pistole auf die Brust setzt, dass er dann ja eh kein Geld mehr kriegt, oder?

CS:
Das ist so. Deswegen waren wir auch sehr verwundert, dass das so war und haben uns das auch nicht so gedacht und haben nochmal gesagt, er soll wirklich nochmal überlegen. Dann hat er aber klipp und klar gesagt, nein, auf keinen Fall. Da waren wir sehr überrascht, er bekommt natürlich nur einen Bruchteil nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens.

LB:
Wenn überhaupt. Damals, als ich bei einer Softwarefirma in Düsseldorf Geschäftsführer war, da waren wir auch finanziell sehr eng gestrickt. Also wirklich wahnsinnig eng und da habe ich mit jedem Lieferanten reden müssen, wirklich mit jedem. Wir haben damals Software gekauft, Server usw. Wir hätten es sonst auch nicht geschafft.

Aber ich war erstaunt, das waren auch keine einfachen Telefonate, wie doch zuvorkommend, wenn man ganz offen redet und sagt, wir schaffen es nicht, können wir nicht was machen? Dann haben die uns allen geholfen, also, es gab keinen, wo ich sagen kann, der sich da quergestellt hat. Also, das hat uns damals den Kopf gerettet.

CS:
Das war bei uns am Anfang auch so. Natürlich ist es so, muss man auch offen sagen, dass diese ganze Situation sich natürlich jetzt nicht von einer Woche auf die andere entwickelt hat, sondern es war natürlich ein Prozess über ein dreiviertel Jahr, wenn nicht sogar ein Jahr, wo ich dann immer wieder mit den Lieferanten gesprochen habe.

Im Möbelbereich ist es dann so, dass dann immer entsprechende Kreditversicherer im Hintergrund sind. Und die, muss man sagen, am Anfang oder anders, die Lieferanten waren immer sehr gesprächig, haben gesagt, kein Problem, und waren immer froh, dass man sie direkt mit ins Boot geholt hat.

Aber die Kreditversicherer sind da schon ein bisschen strikter unterwegs gewesen, weil sie auch entsprechend Erfahrung gemacht haben, weil die Möbelbranche nun mal so ist, wie sie ist. Wir haben auch vorher dann entsprechend das alles versucht. Wir haben Factoring dann hinterher installiert und das hat uns auch enorm einen Schritt nach vorne gegeben über eine gewisse Zeit.

Das haben die auch gesehen, du kriegst jetzt auch nicht ein Factoring, wenn entsprechend die Zahlen nicht passen. Aber dann war es wirklich so, dass die Kreditversicherer auch wirklich entsprechend gesagt haben, nein, bis hier her und nicht weiter und uns dann entsprechende Zahlungsfristen einfach vorgegeben haben. Dann musste man einfach sagen, dann klappt es nicht mehr.

LB:
Was würdest du denn jetzt sagen? Ich meine, das ist jetzt ein paar Monate her und jetzt mit so ein bisschen Abstand. Ich meine, die Wunden sind ja noch nicht verheilt und die sind immer noch offen. Was würdest du denn sagen, war so für dich wirklich das Schlimmste daran, so persönlich der größte Schmerz?

CS:
Das Schlimmste war, dass ich für mich persönlich das Gefühl hatte im ersten Step, dass ich gescheitert bin, ganz klar. Natürlich, wenn man so lange in der Möbelbranche ist, dann wird man immer konfrontiert, aber man ist nie eben da richtig involviert.

Und natürlich war ich involviert, als der Schlafsofahersteller im Ruhrgebiet in die Insolvenz gehen musste. Aber es ist nochmal etwas anderes, wenn du als Geschäftsführer dann wirklich dahin gehst.

Das war das erste, also dieses persönliche Scheitern. Dann haben wir ein sehr gutes Verhältnis, sehr guten Spirit, im Büro, in der Verwaltung gehabt. Da musste ich jetzt, als feststand wann eröffnet wird vom Verfahren her, eben Ende Juni, den Mitarbeitern eben kündigen. Das hat mir nochmal richtig zugesetzt.

LB:
Du hast Familie?

CS:
Genau, ich bin verheiratet, habe zwei Töchter. Da muss ich sagen, da bin ich sehr dankbar für, diese ganze Phase hat sich über anderthalb Jahre fortgesetzt. Es ist ja nicht nur, dass du jetzt finanzielle Probleme hast, sondern du kannst nicht liefern, du liegst wach. Wie kannst du das machen? Du bist dauernd in Osteuropa und versuchst, die Fertigung in Gang zu bringen.

Hat aber als Familie uns wirklich gefühlt nochmal wirklich enger zusammengeschweißt, muss man wirklich sagen. Und alle drei haben eben auch immer mir den Rücken gestärkt. Als ich dann wirklich für mich diesen schweren Weg zum Amtsgericht gehen musste, habe ich einfach bei meiner Frau gemerkt, dass sie eigentlich jetzt total erleichtert war. Das für sie jetzt so ein bisschen was abgefallen ist und dieser Druck so ein bisschen raus war.

Wir haben natürlich auch verschiedenste Sachen probiert. Wir haben dann auch teilweise, als wir dann Personalmangel hatten, weil wir so schnell keine Leute kriegten, hat sie auch dann eben in der Verwaltung geholfen. Und das war auf der einen Seite gut, dass sie mal sieht, wie das Geschäft so war.

Auf der anderen Seite haben wir uns dann auch schnell wieder davon verabschiedet, weil dann bringst du das noch mit nach Hause. Das macht es nicht einfacher und da hast du wirklich gemerkt, wie bei ihr dann so alles abgefallen ist und sie eigentlich dankbar war, dass jetzt diese Entscheidung so gefallen ist.

LB:
Und privat konntest du dich finanziell einigermaßen retten? Das kann auch privat dann dein ganzes Vermögen kosten.

CS:
Ja, das muss man auch so sagen, das ist auch so. Ich habe immer wieder überlegt und wir haben auch fest dran geglaubt, dass ich das schaffe und habe dementsprechend auch private Mittel eingesetzt. Um es ein bisschen flapsig auszudrücken, da bin ich jetzt wirklich ausgetrocknet.

LB:
Es wäre ein Wunder, wenn nicht.

CS:
Genau, nein, da sind wir schon echt wirklich ans Äußerste gegangen. Es war auch mit ein Grund, dass meine Frau eben ihre alte Tätigkeit entsprechend wieder aufgenommen hat, auch wieder aufstocken konnte. Aktuell ist es eben auch so, dass sie uns, die Familie, ernährt. Klar, jetzt als Geschäftsführer kommen da entsprechend aktuell keine Mittel.

LB:
Das ist logisch. Aber dass es privat dann auch weiter geht. Man sieht, wenn es noch so schlimm ist, irgendwie geht es immer weiter. Das ist auch irgendwo etwas Tröstliches.

CS:
Absolut. In den ersten drei, vier Wochen direkt, so Ende Mai, Anfang Juni, da habe ich schon gedacht, wie soll es nur weitergehen? Aber ja, so abgedroschen es klingt, es gibt immer ein Licht und es geht weiter und es wird weitergehen, ja.

LB:
Ganz konkret, wie hast du dich denn da aus diesem Loch rausgeholt? Das würde mich jetzt mal interessieren. Ich kann mir vorstellen, also, klopfe auf Holz, toi toi toi, es ist mir noch nicht passiert, aber ich stelle mir das wahnsinnig schwer vor. Man zieht einem den Boden weg, man ist in dem Loch. Wie bist du da rausgekommen? Ist es vielleicht, dass du da so offen redest darüber?

CS:
Auf jeden Fall. Ich bin jemand, der, der ein bisschen braucht. Wenn er sich den entsprechenden Leuten gegenüber fühlt, sich da auch schnell, vielleicht manchmal auch zu offen, öffnen kann.

LB:
Okay?

CS:
War ja auch so, als wir uns das erste Mal kennenlernten, hatte ich sofort das Gefühl, ich könnte jetzt dir das eben erzählen, warum auch immer.

LB:
Das war im April?

CS:
Ja.

LB:
Da war es kurz davor.

CS:
Wobei ich da noch wirklich fest davon überzeugt war, da stand auch dieses Gespräch mit dem Lieferanten noch aus, dass wir das schaffen. Wird jetzt auch wieder ein bisschen offen oder intimer, es hat eigentlich im Nachhinein einen Grund, der dazu geführt hat, dass ich mich da rausziehen konnte.

Manchmal kommt das alles zusammen. Parallel ist Anfang Juni mein Vater verstorben und dadurch gab es noch, hört sich jetzt auch wieder flapsig an, eine zweite Baustelle, die diese Geschichte auch wieder relativiert hat. Auf der einen Seite hast du eben, weil er auch lange auf der Intensiv lag, so hatte ich halt viel zu tun, mich um diese ganzen Sachen zu kümmern. Auch dann gesetzliche Betreuung und so, aber du funktionierst dann.

Und das war vielleicht im Nachhinein auch für mich ganz gut, denn einmal siehst du, dass es natürlich wichtigere Dinge gibt. Zum zweiten hatte ich genug zu tun, um jetzt nicht immer wieder über mich nachzudenken und über dieses Scheitern nachzudenken.

Wenn ich jetzt so sechs Wochen Revue passieren lasse, muss ich sagen, dass mir das schon geholfen hat. So skurril sich das jetzt anhört.

LB:
Oh ja, auf dem letzten Weg hat er dir noch irgendwie geholfen dann.

CS:
Und so sehe ich das auch. Wir waren auch sehr eng und er hat das entsprechend begleitet. Er war immer sehr interessiert und wollte wissen. Das, muss ich sagen, war im Nachhinein also schon für mich eine Hilfe. Das siehst du natürlich nicht, wenn es da gerade so ist. Wie gesagt, so Mitte/Ende Mai war ich also wirklich, wo ich sagte, also nee. Ich weiß wirklich nicht, was ich tun und wie es weitergehen soll. Aber das hat mir auf die Art und Weise schon geholfen.

LB:
Jetzt bin ich noch beeindruckter, das kann einen natürlich noch weiter runterziehen. Eigentlich ist ja das, wenn du dir das jetzt so logisch mal überlegst, wäre es eigentlich ein Grund, dass man noch tiefer ins Loch fällt?

CS:
Ja.

LB:
Aber das dann so positiv zu sehen, Wahnsinn! Hut ab! Ich kann mir auch gut vorstellen, dass es natürlich das in Perspektive bringt, dass es wichtigere Dinge gibt in dem Moment.

CS:
Es hört sich natürlich auch dann immer so, ich will jetzt nicht abgedroschen sagen, aber man ist so schnell mit solchen Sachen, dass es wichtigere Dinge gibt. Es ist dann auch so, aber es ist natürlich dann, du denkst am Anfang des Jahres oder als meine Frau und ich an Silvester gesagt haben, 2017 war für uns gefühlt so schlimm, schlimmer kann es eigentlich nicht mehr werden.

Und dann merkst du nach einem halben Jahr, dass es immer noch schlimmer werden kann. Aber du hast keine Möglichkeit, du musst es annehmen. Wie gesagt, ich bin im Nachhinein, wenn man da von Dank sprechen kann, dankbar, mir hat es eben geholfen und dafür bin ich dankbar.

Und ich bin mir relativ sicher, dass mein Vater für mich auch gesagt hätte, Mensch, jetzt bin ich auch selber froh, dass du endlich diesen Schritt gemacht hast. Weil er das eben auch so mitbekommen hat, dass es eben am Schluss auch, ja, man sieht es einem dann auch an, wenn du Tag und Nacht nicht schläfst.

LB:
Das ist eine Riesenbelastung. Kann ich mir vorstellen, wie gesagt, ich war kurz davor und selbst das geht nicht spurlos an einem vorbei. Ich weiß, damals, Geburtstag meiner Frau, ich hatte den Kopf, ich konnte an nichts anderes denken, den ganzen Geburtstag. Deshalb kann ich es total nachvollziehen, wie es dir ungefähr gegangen sein muss. Nur noch viel schlimmer halt, weil du ja den Schritt dann auch getan hast, aber dass das zu einer Befreiung in der Familie führen kann, finde ich, ist auch eine gute Information.

Was würdest du denn jetzt sagen, mit der ganzen Information oder dem ganzen Wissen, was du jetzt gesammelt hast, mit deiner Erfahrung, was würdest du denn Unternehmern raten? Was sollten sie denn im Vorfeld beachten oder was sollte man tun? Ich meine, vermeiden kann man es nicht, man kann es nie ausschließen. Das kann jedem Unternehmer passieren, das ist klar. Ich finde es auch nicht verwerflich, null, gar nicht. Aber was würdest du denn sagen, aus deiner Erfahrung, was würdest du denn jetzt anders machen, wenn du das nächste Unternehmen gründen würdest?

CS:
Ich würde auf jeden Fall im Nachhinein, es ist einfach zu sagen, aber ich war definitiv ein bisschen zu gierig. Man sollte nicht zu gierig sein bzw. man sollte auch nicht zu viel auf einmal wollen. Man sollte, das war im Nachhinein sicherlich falsch, sich nicht zu viel von Kunden, in dem Fall waren es bei mir die Kunden, von äußeren Einflüssen beeinflussen lassen wirklich.

Also, man ist schnell da, wenn der Kunde sagt, unbedingt, wir haben die und die LKWs, die brauchen wir noch. Können sie nicht? Dann fühlt man sich natürlich erstmal gebauchpinselt. Das muss man ganz klar sehen und verliert so ein bisschen die Objektivität. Im Nachhinein muss ich ganz klar sagen, es hätte mir sicherlich keiner verübelt, wenn ich gesagt hätte, nein, wir nehmen nur zwei oder drei Modelle, nicht sofort zehn und wir überfrachten nicht die Fertigung.

Mittlerweile hätte mir das wahrscheinlich eher geholfen als damals. Aber das war einfach leider dann so eine Entscheidung. Du sitzt bei dem Verband, die fragen dich. Dann fühlst du dich leider auch gebauchpinselt. Du wirst dann schnell auch ein bisschen übermütig. Das muss man ganz klar sagen.

Im Nachhinein wäre es wirklich besser gewesen, zu sagen, wir vertagen die Entscheidung. Wir überlegen nochmal. Ob ich dann zwei Tage oder drei Tage später eine Info gebe, dann hätte es vollkommen ausgereicht. Das muss ich ganz klar sagen, da war ich zu spontan und zu gierig.

LB:
Also, diese eine Entscheidung hat der Firma das Genick gekostet?

CS:
Nicht genau die eine, aber dann in Kombination. Also, wir haben uns entschieden, das gesamte Sortiment zu übernehmen und sind natürlich immer davon ausgegangen, dass ein Teil, so ist es ja in diesen Insolvenzverfahren, wenn du beantragst, dann entscheidet der Insolvenzverwalter meistens, wenn du Belegschaft hast, dass noch ausproduziert wird. Sprich, die entsprechenden Aufträge werden noch abgearbeitet und dann gibt es einen Schnitt. Dieser Schnitt sollte zum 1. April sein.

LB:
Das ist jetzt von dem Ehemaligen? Den du übernommen hast?

CS:
Das hat damit zu tun, deswegen muss ich das nochmal sagen. Diese Entscheidung, zu sagen, so, wir machen das alles zusammen, ist auch dann unter der Voraussetzung getroffen worden, dass noch ausproduziert wird. Und dann wurde es aber nicht und dann haben die Kunden gesagt, ja, können sie nicht die Aufträge auch noch übernehmen? Da habe ich definitiv den Fehler gemacht, das so zu machen. Dann hängt eben dran, dass die Fertigung es einfach nicht geschafft hat und dann kommst du eigentlich aus dieser Geschichte nicht mehr raus.

LB:
Da sagst du, da warst du ein bisschen gierig? Du hast einfach gesehen, große Zahlen und dachtest, das will ich jetzt?

CS:
Ja, genau. Der Kunde ist froh, wenn wir liefern und so, genau. Da sich nicht komplett in diese Abhängigkeit, will ich noch nicht mal sagen, aber das Gefühl zu haben, ich muss dem Kunden jetzt 110, 120 Prozent zur Verfügung stehen. Das sollte man überdenken.

LB:
Hast du noch etwas, was du anderen Unternehmer mitgeben könntest?

CS:
Es ist immer schwierig, weil jeder die eigenen Erfahrungen macht. Was ich sagen kann, was ich wieder so machen würde, wäre die offene Kommunikation. Den Leuten und den Lieferanten wirklich zu sagen, wie es ist. Da habe ich sehr positive Erfahrungen mit gemacht. Also wirklich drauf zugehen. Auch da sieht man, das wissen die Lieferanten, dass es mittlerweile wirklich ein Geschäft ist, wo sowas passieren kann.

Das habe ich gelernt, also, da offen mit umzugehen. Das ist mir immer wieder positiv eben entgegengetreten. Und die Mitarbeiter von Anfang an mit ins Boot zu holen, das habe ich auch gesehen. Dann merkt man einfach, wenn die von Anfang an involviert sind, dann agieren die auch ganz anders. Die agieren anders am Telefon, die fühlen sich mit einbezogen und die sind dann auch nicht, als es jetzt dann um die Beantragung der Insolvenz ging, hat keiner irgendwie sich krankgemeldet oder so, sondern die haben bis zum letzten Tag entsprechend gearbeitet. Da eine offene Kommunikation auch zu haben, das kann ich auch sagen.

LB:
Ja, generell auch, wenn es zu Schwierigkeiten kommt als Firma, dass du nicht die Fassade aufrechterhältst, das bringt eh nichts. Irgendwie kriegen sie es sowieso mit und das ist ganz klar. Ja, wie geht es denn jetzt bei dir weiter? Was hast du denn jetzt zwei Monate später …, wie läuft das? Fährst du noch jeden Tag ins Büro zurzeit oder wie läuft das? Wie kann ich mir das vorstellen?

CS:
Ich fahre jeden Tag ins Büro, weil ich nach wie vor jetzt noch mit der Abwicklung beschäftigt bin, also, die Kunden rufen auch noch an. Wir haben auch noch vereinzelte Aufträge, die wir noch ausliefern. Wir haben noch ein Restpostenlager, was wir noch abverkaufen. Dann wird jetzt in der nächsten Woche, also Anfang August, wird eröffnet. Da ist mit dem Insolvenzverwalter besprochen, dass ich da eben dann unterstützend noch tätig bin. Dann bin ich jetzt gerade dabei, für mich entsprechend zu sehen, wie es dann für mich in der Möbelbranche eben weitergeht.

LB:
Dass du da deine Fühler ausstreckst, weil du da gut vernetzt bist. Aber der Möbelbranche willst du treu bleiben?

CS:
Unbedingt!

LB:
Es klang eben so ein bisschen durch, weil du gesagt hast, Möbelbranche kennt man hier, kennt man da. Ich meine, ich kenne sie jetzt gar jetzt, aber es hörte sich schon so an, als wäre das schon relativ speziell und nicht ganz einfach.

CS:
Das ist einfach speziell, aber auch sehr klein. Man sagt immer so ein bisschen flapsig, in der Möbelbranche geht keiner verloren. Ich habe auch überlegt, eventuell irgendwas anderes zu machen, aber irgendwie, wenn man sich Gedanken macht und immer wieder drüber nachdenkt, dann merkt man einfach, dass man nach langen Jahren eben gut vernetzt ist. Die Lieferantenstruktur passt, die Kontakte hat im Handel, dass ich mir gerade halt trotz allem nichts anderes vorstellen kann. Ich würde nicht mehr diesen Weg in dieser Warengruppe wählen, aber ich kann mir gut vorstellen, da in der Möbelbranche anderweitig erfolgreich zu sein.

LB:
Schön. Ich finde es wirklich erstaunlich, wie du dir diese positive Grundstimmung da erhalten hast. Das ist auch mit dem Abstand so ein bisschen dann auch. Vielleicht auch, weil du schon eine neue Perspektiven irgendwo siehst, kann natürlich auch sein. Aber generell, ich finde, was du mit Dankbarkeit gesagt hast, das finde ich halt wichtig. Also, durch diese Dankbarkeit, die du selbst in dieser schwierigen Phase irgendwo für dich erkannt hast, ich glaube, das hilft dann wirklich total.

CS:
Ja, am Anfang bin ich dann schon jemand, der erstmal auch so ein bisschen in ein Loch fällt und sich manchmal auch ein bisschen dann so selbst geißelt und sagt, es liegt alles nur an mir. Natürlich, ein Großteil schon, aber ich war erstaunt, wie schnell es dann ging, dass man aus diesem Loch wieder rauskam und dass ich jetzt wirklich sagen kann, dass ich froh bin, auch so eine Erfahrung gemacht zu haben, so schlimm es ist. Es wird sicherlich noch ein bisschen weitergehen und es bleibt einem anhaften. Das weiß ich auch. Aber es ist eine Erfahrung und es geht einfach weiter.

LB:
Anhaften, weiß ich jetzt gar nicht. Ich glaube auch, dass wir da einen Paradigmenwechsel haben in Deutschland, dass dieses Scheitern, dieses Stigma verlieren muss einfach, dass es etwas Schlimmes ist. Es ist einfach völlig normal. In anderen Ländern ist es normal. Es wird immer die USA zitiert, aber es gibt auch andere, noch außerhalb der USA, Länder, wo es normal ist und was wirklich nichts Schlimmes hat.

Ich bin ja in der Franchisebranche sehr vernetzt und kenne da viele Leute und die haben jetzt, vom deutschen Franchiseverband gibt es so Fuck-up-Nights, da redet jeder darüber, wo er mal richtig auf die Schnauze gefallen ist. Einfach, um da auch so einen Paradigmenwechsel durchzuführen, dass es normal ist, dass auch mal was nicht funktioniert. Das ist auch völlig normal und da muss man dann auch zu stehen.

Aber ich muss wirklich sagen, wo du sagtest, du bist so einer, der fällt in ein Loch. Das glaube ich nicht. Da bist du jemand, der holt sich schnell da wieder raus. Da bist du nicht einer, der schnell da reinfällt. Also, sonst würdest du hier nicht so offen auch darüber reden.

Das finde ich toll und du damit das auch ein bisschen aufbrichst, dass es nämlich wirklich heraus aus dieser schmuddeligen Ecke kommt. Denn das ist es nicht. Ich finde das auch viel schöner, die Amerikaner, die nennen das ja Chapter 11, heißt das da. Das ist einfach Gläubigerschutz. Ich glaube, also, ich weiß es jetzt nicht, aber ich glaube, 90 Prozent aller amerikanischen Fluglinien fliegen unter Chapter 11.

Also, das ist wirklich so, die sind immer bis auf, glaube ich, South West, das ist ja diese wahnsinns erfolgreiche Airline. Aber, dass einfach gesagt wird, wir helfen der Firma in dem Moment so ein bisschen. Das haben sie ja mit dem Insolvenzrecht, das haben sie geändert vor über zehn Jahren, so ein bisschen getan.

Aber da ist, glaube ich, noch mehr vom Gesetzgeber, dass wirklich auch eine Firma vielleicht eine zweite Chance kriegt, indem einfach gesagt wird, wir machen Gläubigerschutz für eine gewisse Zeit, helfen den Firmen, wie diese Privatinsolvenz, da ist man dann auch irgendwann geläutert und dann werden einem alle Schulden erlassen. Vielleicht gibt es ja sowas in der Art. Ich habe jetzt keine Ahnung, wie das gesetzlich ist, dass man den Firmen dann auch eine zweite Chance gibt.

In Amerika gibt es das mit dem Chapter 11. Du kriegst einen Gläubigerschutz, also, es steht dann kein Gerichtsvollzieher bei dir vor der Tür, wenn du da mal nicht zahlen kannst. Sondern du hast dann einen Schutz, musst natürlich gewisse Auflagen erfüllen, klar, aber dass du als Firma eine zweite Chance kriegst, das würde ich mir wünschen in Deutschland für Firmen.

CS:
Absolut.

LB:
Okay, jetzt habe ich ganz viel geredet. Eigentlich solltest du ja reden. Aber das war mir jetzt mal eine Herzensangelegenheit, da auch noch etwas zu sagen. Christian, passt jetzt zwar nicht ganz zu dem Thema, aber soll ich dir die Schlussfragen trotzdem stellen?

CS:
Kriege ich hin.

LB:
Super, bei mir kommt eigentlich keiner raus, ohne dass ich die stelle. Da muss ich mir auch ein bisschen treu bleiben. Welcher ist dein wichtigster Produktivitätstipp?

CS:
Der ist auf jeden Fall für mich auch so geblieben, auch, wo es jetzt ein bisschen trubelig war oder viel anstrengender war, das ist die Morgenroutine. Die habe ich trotz allem immer beibehalten. Das hat mir auch echt geholfen, um da am Anfang trotz allem vernünftig in den Tag zu gehen.

LB:
Das du einfach so eine gewisse Routine hattest, so einen Anker auch, wo du gesagt hast, das hat dir geholfen. Was machst du da genau?

CS:
Ich stehe morgens um fünf auf und meditiere dann kurz und gehe dann laufen. Dann lese ich für mich eine Viertelstunde, 20 Minuten. Habe also so eine gute Stunde für mich, bevor auch die Familie da ist. Das ist für mich echt so ein Anker, wo ich dann auch in dieser ganzen Zeit eben diese eine Stunde für mich hatte.

LB:
Das ist total wichtig, das hilft dann da auch total. Vielleicht hat auch das geholfen, dass du nicht in dieses Loch gefallen bist, dass du gesagt hast, das nehme ich mir jetzt mal. Meditieren in der Zeit, das stelle ich mir ganz schwer vor. Wenn du wirklich den Kopf so voll hast und nur eigentlich von Problemen und allem Möglichen umgeben bist. Fällt es dir nicht schwer oder bist du so geübt?

CS:
Doch, nein, bin ich nicht und ich muss auch sagen, ich hätte sagen sollen, dass ich versucht habe zu meditieren. Es ist mal gelungen, aber größtenteils auch nicht, weil man versucht es und hat ein bisschen die Technik, aber merkt dann, dass man schnell wieder abschweift.

LB:
Ich mache es auch schon länger, schon länger als ein Jahr. Es nimmt mir den Druck raus. Einfach sagen, wenn es passiert, du hast halt mal den Tag, wo du dann morgens dasitzt und du denkst hinterher, ja, jetzt ist es vorbei und eigentlich hast du die ganze Zeit nur über andere Dinge nachgedacht. Das einfach auch mal zulassen, es ist einfach so. Das passiert, einfach den Druck rausnehmen und sagen, okay, das gehört dazu, das passiert halt manchmal.

CS:
Ja, man erwartet vielleicht auch da dann wieder zu viel von sich.

LB:
Ja, auch wieder auf perfektionistisch, ich muss jetzt da abtauchen und 7 Minuten, ich höre mir hier 7Mind an, an nichts anderes denken. Das ist, also, ich weiß gar nicht, ob mir das jemals gelungen ist, ehrlich gesagt, in der Zeit. Es wird besser, dass ich merke, vielleicht passiert es dann, wenn ich einen guten Tag habe, nur ein-, zweimal, aber es gibt auch wirklich Tage, wo ich dann merke, da dreht sich morgens schon alles.

Ist auch normal, es hat mir aber geholfen, den Druck so ein bisschen rauszunehmen, einfach zu sagen, das gehört halt auch dazu. Wenn man dann von den ganzen Experten zwei Stunden Meditation und allem hört, das könnte ich nie. Aber ich glaube, einfach auch da nicht zu streng zu sich zu sein und sagen, es passiert halt dann so. Abschalten ist das nächste Thema, was hast du denn getan, um abzuschalten in der Zeit? Wenn es dir so schwergefallen ist?

CS:
Ich habe es versucht über das Laufen. Es ging auch, obwohl man natürlich dann auch beim Laufen immer wieder in die Gedanken kommt. Aber das war sonst in dieser schwierigen Phase schon das einzige. Also, sonst so richtig, auch, dass man sagt, am Wochenende abschalten, das konnte ich so nicht. Muss ich sagen, weil du immer wieder dich damit beschäftigst und das hat nicht funktioniert. Das geht jetzt, nachdem wieder Druck raus ist, klappt es gut, dass man auch wieder mehr mit der Familie unternimmt. Da merke ich sofort, dass es auch sofort einen Mehrwert für mich hat.

LB:
Klar, also, Sport machst du da viel, okay, es hilft dann auf jeden Fall immer. Ja und jetzt die Frage, die natürlich eigentlich ganz unwichtig ist in diesem Zusammenhang, aber trotzdem. Welche Apps oder welchen Internetdienst kannst du denn empfehlen?

CS:
Ja, also, seit langer Zeit arbeite ich mit Evernote, schon seit sieben Jahren und das ist mein komplettes Rückgrat, sage ich mal. Darüber mache ich alles, dann nutze ich Todoist und überraschenderweise GoodNotes.

LB:
Die Tipps hätte ich auch geben können. Aber MeisterTask nutzt du noch nicht? Das musst du ändern!

CS:
Das nutze ich seit dem MDD-Kurs, muss aber gestehen, bis jetzt auch nur dafür. Ich habe bis jetzt noch nicht die Schwelle erreicht, das auch jetzt noch mehr in meinem Alltag einzusetzen. Aber ich habe, als ich diese Auszeit genommen habe, diese zwei Tage für den MDD-Kurs, da bin ich erstmals damit in Berührung gekommen. Es hat mir gut gefallen, aber ich muss jetzt versuchen, es in den Alltag noch zu integrieren.

LB:
Ja, okay, das höre ich oft, wenn der MDD-Kurs oder der MDD-Workshop gemacht wird, dann wird es genutzt. Es ist nicht schlimm, wenn man eine Woche oder zwei nicht reinguckt oder sogar länger, aber es ist oftmals erstaunlich. Ich habe mich letztens wieder mit jemanden unterhalten, der war im MDD-Workshop. Er hat gesagt, ich habe das zwei Monate nicht anguckt, jetzt wieder reingeguckt. Und erstmal festgestellt, dass er schon einiges umgesetzt hat, obwohl er gar nicht immer täglich reinguckt. Aber allein dadurch, dass er es mal aufgeschrieben hat und sich klargemacht hat, dass es wichtig ist für ihn, hat er es getan. Und natürlich wurde er wieder erinnert an andere Dinge, die er mal vorhatte.

Und deshalb, auch da nicht streng sein mit sich, auch ruhig mal sagen, okay, es ist jetzt halt mal so, dass ich jetzt gerade da nicht reingeguckt habe. Aber wenn man wieder reinguckt, dann ist es meistens dann auch ein gutes Gefühl. Welches Buch hat dich denn als Unternehmer und Mensch am meisten geprägt?

CS:
Das „The Subtle Art of Not Giving a F*ck“. Das hat mir dein Bruder beim Präsenztreffen empfohlen. Das habe ich mir dann angesehen und es hat mich direkt gefesselt und ich habe es jetzt gelesen.

LB:
Worum geht es da im Groben?

CS:
Das man versucht, nicht alles auf sich entsprechend zu beziehen und wenn etwas passiert, zu denken, das passiert jetzt nur mir. Da einfach manche Sachen auch einfach so hinzunehmen, wie sie sind.

LB:
Eine gewisse Gelassenheit. Was ist denn der beste Ratschlag, den du jemals erhalten hast?

CS:
Das ist definitiv: „So, Christian, bleib am besten so menschlich, wie du bist. Du bist zwischenmenschlich und von dem Charisma her ein As.“ Das war eigentlich das, was für mich so ein Ratschlag war.

LB:
Also so ein bisschen gebauchpinselt, ein bisschen gutes Gefühl dir gegeben. Und das glaube ich auch, dass das so ist. Sonst würdest du nicht aus diesem Loch, aus dem du dich freigekämpft hast, so rauskommen. Diese Offenheit und dieses Zwischenmenschliche, was du hundertprozentig super kannst, wird dir da sehr geholfen haben.

CS:
Dankeschön.

LB:
Da bin ich mir ganz sicher. Jetzt kleiner Überfall. Wenn in der Selbstmanagement.Digital.-Community jemand ist, der vielleicht auch gerade Schwierigkeiten hat. Würdest du dem auch helfen? Könntest du dir vorstellen, dass mal einer mit dir in Kontakt treten darf, der sagt, ich habe das Gefühl, ich müsste das auch vielleicht machen und vielleicht kann der Christian mir da den einen oder anderen Tipp geben?

CS:
Sehr gerne, bin ich gern bereit, Auskunft zu geben und ich bin gerne per Mail zu erreichen, kein Problem.

LB:
E-Mail-Adresse, wo kann man hinschreiben?

CS:
Das ist cs@schoen-exklusiv.com.

LB:
Schoen mit „oe“, du wirst auch so geschrieben?

CS:
Genau.

LB:
Deine Vorfahren wussten schon, wenn das Internet-Zeitalter kommt, machen wir lieber „oe“ draus. Ja, tolles Angebot, ich hoffe da geht dann der eine oder andere darauf ein. So ein Mentor in so einer Zeit, kann ich mir vorstellen, ist sehr wichtig und kann auch sehr helfen. Hattest du so jemanden?

CS:
Ja, ich hatte meine Familie, habe ich gerade schon erwähnt, aber zusätzlich meine Mitarbeiter, die immer wieder mir das Gefühl gegeben haben und auch kommuniziert haben, wenn ich wieder gedacht habe, oh Gott, jetzt könnte man noch oder hast du jetzt alles getan, die mir gesagt haben, nee, Herr Schoen, sie haben wirklich alles Bestmögliche getan. Und dann mein Steuerberater, der mich immer wieder da sehr freundschaftlich unterstützt hat.

LB:
Also, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass es eine große Hilfe ist. Das finde ich ein tolles Angebot von dir, Christian. Wenn jemand in der Community da vielleicht vor so einem Schritt steht und da auch ein bisschen Sorge vor hat, vielleicht kannst du dem da auch ein Stückweit helfen und an die Hand nehmen. Tolles Angebot, danke dafür. Und vielen Dank, dass du hier warst, hat Spaß gemacht.

CS:
Dankeschön, mir auch.

LB:
Fand ich wirklich super und ich hoffe wirklich, dass wir da auch so ein bisschen die Angst nehmen, über dieses Thema zu sprechen, denn das gehört im Leben nun mal einfach dazu.

Ja und Euch wünsche ich natürlich wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Ciao.

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