Wie kannst Du Dein Geschäftsmodell neu erfinden, wenn künstliche Intelligenz einen Teil deines bisherigen Erfolgsmodells überflüssig macht? Genau vor dieser Situation stehen aktuell viele Unternehmen, denn künstliche Intelligenz verändert ganze Branchen mit einer Geschwindigkeit, die wir bisher kaum erlebt haben. Was gestern noch als sicheres Geschäftsmodell galt, kann morgen bereits unter Druck geraten. Besonders Unternehmen, die Informationen vermitteln, Leads generieren oder als Vermittler zwischen Angebot und Nachfrage fungieren, spüren die Auswirkungen bereits deutlich.

In dieser Podcastfolge spreche ich mit Steffen Kessler über eine Frage, die sich aktuell viele Unternehmer stellen:

Was kannst Du tun, wenn KI Dein Geschäftsmodell bedroht?

Steffen berichtet dabei nicht aus der Theorie, sondern aus eigener Erfahrung. Mit dem FranchisePORTAL betreibt er eines der größten Franchise-Informationsportale im deutschsprachigen Raum. Genau dort, wo früher Google-Suchen Besucher auf die Website gebracht haben, liefern heute ChatGPT, Gemini und andere KI-Systeme oft direkt die Antworten.

Gemeinsam diskutieren wir:

  • Warum KI bestehende Geschäftsmodelle unter Druck setzt
  • Wie Du erkennst, ob Dein Unternehmen wirklich bedroht ist
  • Warum die Lösung selten in Panik, sondern fast immer in Spezialisierung liegt
  • Wie die Engpasskonzentrierte Strategie (EKS) dabei helfen kann
  • Welche Chancen KI gleichzeitig eröffnet
  • Warum Unternehmer künftig noch stärker echte Probleme lösen müssen

TL;DR – Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick

  • KI bedroht häufig nicht das gesamte Geschäftsmodell, sondern nur einzelne Bestandteile davon.
  • Unternehmer sollten zunächst analysieren, welcher Teil ihres Angebots tatsächlich durch KI ersetzt wird.
  • Die entscheidende Frage lautet: Welchen Engpass hat mein Kunde, nachdem KI sein aktuelles Problem gelöst hat?
  • Die Engpasskonzentrierte Strategie (EKS) hilft dabei, neue Geschäftschancen zu erkennen.
  • Spezialisierung wird in Zeiten von KI wichtiger als Generalistentum.
  • Wer konkrete Probleme einer klar definierten Zielgruppe löst, bleibt auch in einer KI-getriebenen Wirtschaft relevant.
  • KI ist nicht nur Bedrohung, sondern gleichzeitig ein mächtiger Innovationstreiber.

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Erwähnte Bücher (*):
Erfolgreich durch Spezialisierung von Kerstin Friedrich
Das Einmaleins der Erfolgsstrategie von Friedrich, Malik und Seiwert
Good to Great von Jim Collins
Beyond Entrepreneurship von Jim Collins

Wenn KI plötzlich Dein Geschäftsmodell angreift

Viele Unternehmen haben ihre Existenz über Jahre oder sogar Jahrzehnte auf einem klaren Mechanismus aufgebaut:

Menschen suchen Informationen. Unternehmen liefern diese Informationen.

Genau dieses Prinzip verändert sich aktuell grundlegend. Früher suchten Interessenten bei Google nach Antworten. Heute fragen sie ChatGPT, Gemini oder Claude direkt.

Für Informationsportale bedeutet das eine enorme Herausforderung. Steffen Kessler erkannte bereits Ende 2022, wohin die Entwicklung gehen könnte. Als ChatGPT erstmals detaillierte Antworten auf Franchise-Fragen lieferte, wurde deutlich:

Der eigentliche Informationsbedarf der Nutzer wird künftig möglicherweise direkt durch KI gedeckt.

Die entscheidende Frage lautet deshalb:

Wenn Dein bisheriger Nutzen durch KI übernommen wird – welchen Nutzen kannst Du als Nächstes liefern?

Der Denkfehler vieler Unternehmer

Viele Unternehmen betrachten KI als unmittelbare Bedrohung. Doch laut Steffen lohnt sich ein genauerer Blick. Denn häufig bedroht KI nicht das gesamte Geschäftsmodell, sondern lediglich einen Teil davon.

Ein Beispiel:

Ein Fahrradhersteller lebt nicht davon, Informationen über Fahrräder bereitzustellen. Er lebt davon, Fahrräder zu entwickeln, zu produzieren und zu verkaufen.

Wenn KI künftig die Informationsbeschaffung übernimmt, bleibt das eigentliche Produkt weiterhin relevant.

Deshalb solltest Du Dir zuerst die Frage stellen:

Welcher Teil meines Geschäftsmodells wird tatsächlich ersetzt?

Erst danach ergibt es Sinn, neue Strategien zu entwickeln.

Der wichtigste Gedanke: Wo liegt der nächste Engpass?

Ein zentrales Konzept aus der Engpasskonzentrierten Strategie (EKS) ist die Suche nach dem nächsten Engpass.

Steffen beschreibt dies anhand einer Pflanze:

Eine Pflanze benötigt Wasser, Licht, Nährstoffe und weitere Faktoren zum Wachsen.
Fehlt Wasser, hilft Wasser.
Ist ausreichend Wasser vorhanden, wird plötzlich Licht oder Dünger zum entscheidenden Engpass.

Genau so funktionieren Märkte.

Wenn KI den Informationsbedarf deiner Kunden bereits befriedigt, musst du herausfinden:

Welches Problem bleibt danach noch ungelöst?

Denn dort entsteht der neue Markt.

Vom Informationsanbieter zum Wegbegleiter

Genau diesen Weg geht aktuell auch das FranchisePORTAL.

Früher bestand der Hauptnutzen darin, Informationen über Franchise-Systeme bereitzustellen. Heute verschiebt sich der Fokus auf die Begleitung von Gründern.

Denn die eigentliche Herausforderung vieler Interessenten lautet nicht: „Wo finde ich Informationen?“

Sondern:

  • Welches Franchise-System passt wirklich zu mir?
  • Welche Risiken gehe ich ein?
  • Welche Fragen sollte ich stellen?
  • Wie finde ich Sicherheit in meiner Entscheidung?

Das Informationsproblem wird kleiner. Das Entscheidungsproblem wird größer. Und genau dort entsteht neuer Mehrwert.

Was Online-Marketing-Agenturen von dieser Entwicklung lernen können

Ein spannendes Beispiel aus dem Gespräch betrifft Online-Marketing-Agenturen.

Früher wurden Kampagnen manuell erstellt:

  • Keyword-Recherche
  • Ausschließende Keywords
  • Anzeigentexte
  • Gebotsstrategien

Heute übernimmt KI einen Großteil dieser Aufgaben. Die Frage lautet also: Was bleibt übrig?

Die Antwort könnte sein: Nicht die Kampagne ist das eigentliche Problem.

Sondern:

  • Die Positionierung des Unternehmens
  • Die Produktstrategie
  • Die Zielgruppenansprache
  • Die Conversion-Optimierung
  • Die Nachfragegenerierung

Der nächste Engpass liegt häufig eine Ebene tiefer oder höher als die bisherige Dienstleistung.

Warum Spezialisierung wichtiger wird als Automatisierung

Ein weiterer zentraler Gedanke aus dem Gespräch:

Viele Unternehmer reagieren auf Veränderungen, indem sie ihr Angebot breiter machen.

Die EKS empfiehlt das Gegenteil.

Wer erfolgreich bleiben möchte, sollte sich stärker spezialisieren.

Nicht: „Ich kann alles für jeden.“

Sondern: „Ich löse ein ganz bestimmtes Problem besser als jeder andere.“

Gerade in Zeiten von KI entsteht dadurch ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Denn allgemeines Wissen wird zunehmend zur Massenware. Spezialwissen bleibt wertvoll.

Die Igel-Strategie gegen die KI-Welle

Die sogenannte Igel-Strategie stammt aus den Büchern von Jim Collins. Ihr Grundgedanke: Erfolgreiche Unternehmen konzentrieren sich auf das, was sie wirklich außergewöhnlich gut können, statt sich in zu vielen Themen gleichzeitig zu verzetteln. Wie ein Igel, der nur eine Verteidigungsstrategie kennt, diese aber perfekt beherrscht, fokussieren sich erfolgreiche Unternehmer auf ihre größte Stärke und bauen daraus einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil auf.

Der Grundgedanke:

Der Fuchs kennt viele Tricks.
Der Igel kennt einen einzigen – aber den perfekt.

Die erfolgreichsten Unternehmen konzentrieren sich auf:

  • Eine klar definierte Zielgruppe
  • Ein konkretes Problem
  • Eine einzigartige Lösung

Genau diese Fokussierung macht Unternehmen widerstandsfähiger gegen technologische Veränderungen.

KI ist Bedrohung und Chance zugleich

Steffen sieht KI nicht ausschließlich als Risiko.

Im Gegenteil: Jede Bedrohung eröffnet gleichzeitig neue Möglichkeiten.

Besonders Franchise-Systeme profitieren beispielsweise von:

  • Wissensmanagement
  • Schulungen
  • Onboarding-Prozessen
  • Matching zwischen Franchisegebern und Interessenten
  • Automatisierter Beratung

KI beschleunigt Prozesse, verbessert Entscheidungen und macht Wissen schneller verfügbar. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, die neuen Möglichkeiten frühzeitig zu erkennen.

Die wichtigste Frage für Unternehmer

Wenn Du nur eine Erkenntnis aus dieser Podcastfolge mitnimmst, dann diese:

Frage Dich nicht zuerst, wie KI Dein Geschäftsmodell zerstört.

Frage Dich: Welchen Engpass hat Dein Kunde morgen, nachdem KI seinen heutigen Engpass gelöst hat?

Genau dort entsteht Dein zukünftiges Geschäftsmodell.

Geschäftsmodell neu erfinden: Die wichtigsten Schritte

Wenn Du feststellst, dass KI Dein Geschäftsmodell verändert oder einzelne Leistungen zunehmend automatisiert werden, solltest Du systematisch vorgehen:

1. Prüfe die tatsächliche Bedrohung

Analysiere zunächst, welche Teile deines Geschäftsmodells tatsächlich von KI betroffen sind. Oft wird nicht das gesamte Unternehmen ersetzt, sondern lediglich ein einzelner Prozess.

2. Hinterfrage bestehende Annahmen

Viele Unternehmer gehen davon aus, dass ihre bisherigen Erfolgsfaktoren dauerhaft bestehen bleiben. KI zwingt dazu, diese Annahmen kritisch zu überprüfen.

3. Analysiere die Engpässe Deiner Zielgruppe

Welche Probleme bleiben bestehen, nachdem KI den bisherigen Engpass gelöst hat? Genau dort entstehen neue Chancen.

4. Spezialisiere Dich stärker

Je austauschbarer Informationen werden, desto wertvoller werden tiefes Fachwissen, Erfahrung und Spezialisierung.

5. Nutze KI als Werkzeug

KI ist kein Gegner. Unternehmen, die KI intelligent einsetzen, können Prozesse beschleunigen, bessere Entscheidungen treffen und ihren Kunden mehr Nutzen bieten.

6. Entwickle neue Angebote entlang der Kundenreise

Betrachte die gesamte Reise deiner Kunden. Oft entstehen neue Geschäftsmöglichkeiten an Punkten, die bisher wenig Beachtung gefunden haben.

Fazit: Geschäftsmodelle sterben nicht – sie entwickeln sich weiter

Künstliche Intelligenz verändert Märkte schneller als jede Technologie zuvor.

Doch die Grundregeln erfolgreicher Unternehmen bleiben dieselben:

  • Verstehe deine Zielgruppe.
  • Löse echte Probleme.
  • Spezialisiere dich.
  • Beobachte die Engpässe deiner Kunden.
  • Passe dein Geschäftsmodell kontinuierlich an.

Wer diese Prinzipien beherzigt, wird KI nicht nur überleben, sondern von ihr profitieren.

Denn auch in Zukunft gilt: Menschen zahlen für Problemlösungen.

Die Werkzeuge ändern sich. Der Nutzen bleibt.

Häufige Fragen zum Thema KI und Geschäftsmodelle

Bedroht KI jedes Geschäftsmodell?

Nein. In den meisten Fällen ersetzt KI nicht das gesamte Geschäftsmodell, sondern einzelne Prozesse oder Leistungen. Entscheidend ist herauszufinden, welche Bestandteile betroffen sind und wo weiterhin echter Kundennutzen entsteht.

Was sollte ich tun, wenn KI mein Geschäftsmodell verändert?

Analysiere zunächst, welcher Teil Deines Angebots durch KI ersetzt wird. Anschließend solltest Du den nächsten Engpass Deiner Kunden identifizieren und Dein Angebot darauf ausrichten.

Was ist die Engpasskonzentrierte Strategie (EKS)?

Die Engpasskonzentrierte Strategie ist ein von Wolfgang Mewes entwickelter Strategieansatz. Im Mittelpunkt steht die Lösung des größten Problems einer klar definierten Zielgruppe durch konsequente Spezialisierung.

Warum wird Spezialisierung durch KI wichtiger?

Allgemeines Wissen wird durch KI immer leichter verfügbar. Unternehmen schaffen daher vor allem durch tiefes Spezialwissen, Branchenerfahrung und individuelle Problemlösungen einen Wettbewerbsvorteil.

Welche Chancen bietet KI für Unternehmer?

KI kann Prozesse automatisieren, Wissen schneller verfügbar machen, Entscheidungen unterstützen und neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Wer KI gezielt einsetzt, kann seine Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit steigern.

Können Informationsportale durch KI ersetzt werden?

Teilweise. Die reine Informationsvermittlung wird zunehmend von KI-Systemen übernommen. Informationsportale können jedoch weiterhin erfolgreich sein, wenn sie zusätzliche Leistungen wie Beratung, Matching, Begleitung oder Community-Angebote schaffen.

Wie finde ich den nächsten Engpass meiner Kunden?

Sprich mit Deinen Kunden, analysiere ihre Herausforderungen und beobachte, welche Probleme nach der Lösung des aktuellen Problems entstehen. Genau dort liegen oft die größten Geschäftschancen.

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