Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer – Interview mit Stefan Merath [Podcast 069]

Stefan ist Unternehmercoach und Buchautor. Nachdem er mit seinem ersten Internet-Unternehmen Insolvenz anmelden musste, recherchierte er, warum er und eben manche andere nicht untergegangen waren. Er ließ sich coachen, besuchte Seminare, las Hunderte von Fachbüchern und lernte, was einen Unternehmer auszeichnet.

Stefan Merath

Um sich mit seinem zweiten Unternehmen erfolgreich am Markt als Fachberater für Franchise-Unternehmen zu positionieren, begann er, ein Booklet zu schreiben. Dann folgten mehrere Bücher und er merkte, dass er mit seinem Knowhow andere Unternehmer beraten und nicht nur das, auch aus drohenden Insolvenzen führen konnte und beschloss, sein Leben ganz auf das Coachen auszurichten. Seine Tipps, hier zu lesen, sind Gold wert für jeden Unternehmer.

Hier das Transkript des gesamten Podcasts und vorab die erwähnten Links:

Links:

Unternehmercoach GmbH: http://www.unternehmercoach.com

Bücher: 

Seminar von Tony Robbins: „Date with destiny“

LB: Herzlich willkommen beim Podcast “Produktiv in digitalen Zeiten”. Mein Name ist Lars Bobach, ich gebe Orientierung im digitalen Dschungel, so dass wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben bleibt. Heute sitze ich hier zusammen mit dem Stefan Merath. Hallo Stefan.

SM: Hallo Lars.

LB: Ja, der Stefan ist sicherlich vielen von Euch ein Begriff. Stefan ist ja der Unternehmercoach in Deutschland. Er ist erfolgreicher Autor, hat den Bestseller geschrieben: Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer, der mittlerweile in der 15. Auflage erschienen ist. Aus meiner Sicht ein absolutes must-read für jeden Unternehmer, also, ich habe das Buch wirklich verschlungen und es hat auch sehr viel bei mir persönlich bewirkt. Die Bücher sind generell wirklich richtig klasse geschrieben, er schreibt zu einer Fallstudie, aber jetzt nicht so theoretisch, sondern, es gibt immer diesen Coach, Wolfgang Radis, der so daherkommt und sich ein Unternehmen anguckt und wirklich ganz praktisch erklärt, was man daran ändern muss. Also, ich finde, die sind wirklich sehr gut geschrieben. Sein neuestes Buch, das lese ich gerade, das heißt: Dein Wille geschehe, da geht es um Führung für Unternehmer. Und da muss ich einfach einen Satz raus zitieren, der mir so wahnsinnig gut gefallen hat: Unternehmer sein ist kein Job, es ist eine Lebensform und wenn man es richtig angeht, ist Unternehmer sein die geilste Lebensform der Welt. Klasse! Ja, Stefan. Schön, dass Du hier bist, stell dich der “Produktiv in digitalen Zeiten”-Community bitte einmal kurz vor, was hast Du so gemacht, wo kommst Du her, was treibt Dich an, wofür schlägt Dein Herz und lass uns an dem privaten Menschen Stefan Merath auch ein wenig teilhaben.

SM: Na klar, gerne, Lars. Also, ich fange vielleicht einfach mal vor etwas mehr als zwanzig Jahren an, da war ich nämlich noch Angestellter und zwar wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU für damals ein Drittmittelprojekt. Und bei diesem Drittmittelprojekt, das war so eine statistische Untersuchung, da wurde mir schon bei der Einstellung gesagt, finden sie heraus, dass das so und so ist. Also, nicht ob, sondern, das. Das heißt, das Ergebnis stand von vornherein fest und ich habe dann zwei Jahre lang Zahlen hin- und herschieben dürfen, damit das politisch anvisierte Ergebnis hinterher auch statistisch abgesichert rauskommt. Fand ich super sinnlos und danach habe ich mir gesagt, okay, nie wieder Angestellten-Dasein, nie wieder so ein sinnloses Zeugs, machst du dich selbständig. Das war dann so Anfang 97, ziemlich genau vor zwanzig Jahren. Damals war Multimedia, Internet, gerade im Kommen. Ich dachte mir, okay, machst du eine Internetfirma auf. Das funktionierte dann auch ganz gut, wuchs von alleine, habe dann irgendwann so im Jahr 2001 auch noch ein Investment gekriegt, also so gerade, als die beiden Zwillingstürme zusammenbrachen und die new economy in sich zusammenbrach, da gab es bei uns das Investment. Dann haben wir nochmal aufgestockt bis auf 30 Leute und dabei habe ich dann halt den einen oder anderen Fehler gemacht mit dem Ergebnis, dass ich dann im Mai 2003 schließlich mit meinem ersten Unternehmen eine Insolvenz anmelden musste. Und das hat mich schon ziemlich gerüttelt, muss ich sagen, weil, ich wusste zu diesem Zeitpunkt zwar, dass ich Fehler gemacht habe, weil, es gab ja andere Internet-Unternehmen, die es überlebt hatten, ich nicht. Ich wusste aber überhaupt nicht, welche Fehler ich gemacht hatte. Davor hatte ich ja den Eindruck, ich war ein toller Unternehmer, 30 Mitarbeiter, alles prima und so. Ich wusste überhaupt nicht, was falsch gelaufen ist. Das wollte ich wissen und es war für mich auch völlig klar, du machst wieder ein Unternehmen. Zweites Unternehmen gegründet, mich coachen lassen in der Zeit, roundabout 100, 150 Bücher pro Jahr gelesen, bestimmt zehn Seminare pro Jahr besucht. Das heißt, wirklich gelernt, wie man eigentlich Unternehmer wird, was einen Unternehmer auszeichnet. So, dass ich so nach anderthalb Jahren das zweite Unternehmen wieder im Software-Internet-Bereich ganz gut lief. Ich hatte meine Schulden los und plötzlich kam eine erste befreundete Unternehmerin zu mir und meinte, hey, ich habe da ein Problem bei mir im Unternehmen, kannst du mir mal helfen? Und ich dachte mir im ersten Moment, was will die eigentlich? Weil, ich meine, ich war gerade kurz vorher Pleite gegangen. Ich dachte mir andererseits, du hast ein bisschen was gelernt in der Zwischenzeit, hörst du dir mal an, was sie für ein Problem hat, vielleicht kannst du ihr ja helfen. Und ich konnte ihr helfen und ihr tatsächlich dann helfen, die Insolvenz damals abzuwenden. Da dachte ich mir, hey, cool, das macht richtig Spaß. Sie hat das dann einem befreundeten Unternehmer weitererzählt, der kam dann kurz darauf zu mir, dem konnte ich auch helfen. Dann dachte ich mir, hey, das macht sogar mehr Spaß als Software. Daraufhin beschloss ich dann, mein zweites Unternehmen zu verkaufen und habe dann im Jahr 2007 Unternehmercoach als ein richtiges Unternehmen gegründet. Davor war das Coachen eher so eine Art Hobby. Jetzt bin ich seit 10 Jahren Unternehmercoach, 3,5 Bücher mittlerweile geschrieben, die alle mehr oder weniger Bestseller sind. Und halte Seminare. Wir sind jetzt ein Unternehmen mit etwa, also, wenn ich intern, also die internen Mitarbeiter und die externen Coaches zusammenrechne, etwa 20 Leuten, eben Schwerpunkt Coaching für Unternehmer, der Fokus auf das Persönlichkeitscoaching. Das ist so ein grober Abriss gewesen, war vielleicht ein bisschen ausführlicher als gedacht, aber ich glaube, um das Motiv rauszufinden, warum mache ich das eigentlich, und klarzukriegen, was ist der Sinn vom Unternehmercoach, war es ausführlich wichtig.

Jetzt hast Du gerade noch gesagt, privat, zu mir als Privatmensch, den gibt es natürlich auch. Als Privatmensch mag ich gerne Dinge, die ein bisschen extremer sind, kommen wir vielleicht im Laufe des Gesprächs auch noch zu. Zum Beispiel haben wir vor zwei Jahren mit Kunden eine Reise an den Grand Canyon gemacht und dort zwölf Tage lang durch den Grand Canyon geraftet, sechs Meter hohe Wellen, das war schon ziemlich cool. Das war so cool, dass wir das jetzt in zehn Tagen wieder machen. Da freue ich mich schon richtig drauf.

LB: Schön. Hast Du, was mich mal interessieren würde, als Du 2007 dann hier Dein Unternehmercoach gegründet hast, wann hast Du denn das Buch geschrieben?

SM: Das Buch habe ich auch im Jahr 2007 geschrieben. Also, gegründet wurde die Unternehmercoach GmbH im August 2007 und das Buch habe ich von Januar bis August 2007 geschrieben, weil so ziemlich parallel auch in 2007 habe ich meine zweite Firma verkauft. Das lief alles ziemlich parallel zu der Zeit.

LB: So ein Buch schreiben, davon träumen viele, ich unter anderem auch. Wie kriegt man das denn hin? Wie hast Du die Disziplin aufgebracht? Und jetzt auch noch fast das vierte Buch, wenn ich das gerade richtig gehört habe, bist Du ja auch schon dran.

SM: Ich glaube, das war gar nicht so sehr Disziplin, sondern da muss ich ein Stück ausholen. Ich wollte eigentlich ein Buch schreiben, schon als ich 18 Jahre alt war. Ich wusste zwar damals nicht, über was, aber ich wusste, dass ich ein Buch schreiben wollte. Und dann hatte ich in meinem zweiten Unternehmen eine Spezialisierung, wir haben ein spezialisiertes Intranet, speziell für Franchise-Systeme, damals entwickelt. Das gab es sonst nicht, Franchise-Systeme haben so ein paar Herausforderungen, Betriebsvergleiche und so weiter, die es sonst nicht gab, wo halt unser spezialisiertes System eine Antwort bieten konnte, was andere Systeme nicht konnten. Aber ich kam in diesen Franchise-Markt nicht rein. Und damals hatte ich einen Workshop mit einem Berater und der sagte dann, hey, Mensch, schreib doch ein Booklet, indem du dich als Franchise-Experte positionierst. Und in dem Moment, wo der dieses Zauberwort „Booklet“ gesagt hatte, passierte was bei mir. Vorher habe ich immer gedacht, Buch, das ist irgendwo da oben am Himmel, das schaffe ich eh nicht, weil, ich bin zu klein. Aber als der sagte, Booklet, ein kleines Buch, dachte ich mir, hey, das kann ich. Ich bin von dieser Beratung nach Hause gekommen, habe innerhalb von drei Wochen 120 Seiten runtergeschrieben, es kam ein Booklet raus, “Der Weg zum erfolgreichen Franchisegeber”, deshalb habe ich vorhin gesagt, 3,5 Bücher, das ist das halbe vorne dran. Das diente eigentlich nur dazu, mich in dem Franchise-Umfeld als Experten bekannt zu machen und darüber die Software zu verkaufen.

LB: Hat das funktioniert?

SM: Das hat super funktioniert und danach, nachdem ich dieses Booklet halt geschrieben hatte, kamen Leute zu mir und meinten, hey, da braucht es ein richtiges Buch zu. Das kannst du doch auch, dann dachte ich mir, na ja, wenn du schon ein Booklet hinkriegst, ein Buch ist jetzt auch nicht mehr so viel mehr. Dann machst du es auch und dann, das war, es war eher die Hürde und die Angst vorneweg. Das Problem, kriege ich das überhaupt hin, weiß ich, wie es geht, als das eigentliche Schreiben. Das war jetzt nicht so das Riesenproblem.

LB: Toll. Was ist denn für Dich, also, Du bist ja Unternehmercoach, und das gerade so im kleinen und mittelständischen Umfeld. Was macht denn für Dich einen erfolgreichen Unternehmer aus?

SM: Ich glaube, was man nicht beschreiben oder sagen kann, ist, dass ein Unternehmer immer der gleiche Typus ist. Ich meine, es gibt sehr unterschiedliche Typen von Unternehmern. Gucken wir uns an, ein Richard Branson, der mit dem Ballon um die Erde fährt, Kitesurfen macht und so ein Zeugs. Auf der anderen Seite haben wir Leute wie Reinhold Würth, die eher operativ ihr Ding machen. Oder gar eher die Albrecht-Brüder, die Aldi gegründet haben, die das letzte Interview im Jahr 1954 gegeben hatten, also, komplett sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Also, typusmäßig kann ich nicht sagen, das ist ein erfolgreicher Unternehmer oder kein erfolgreicher Unternehmer. Ich glaube auch, dass für jeden das etwas Anderes heißt.

LB: Ja, aber wenn Du jetzt sagen würdest, was macht den Erfolg dieser Leute denn aus, auch, wenn die noch so unterschiedlich sind?

SM: Ich würde erstmal fragen, was verstehe ich eigentlich unter Erfolg? Verstehe ich unter Erfolg, dass möglichst viel Kohle aufs Konto kommt? Und da ist meine Antwort nein, was ich unter Erfolg verstehe, ist, dass ich ein erfülltes Unternehmerleben führe mit einem Unternehmen, das zu mir passt. Wo ich das Gefühl habe, das ist genau mein Ding, dafür brenne ich und das macht dann auch noch einen sinnvollen Beitrag für die Kunden zumindest oder sogar für die Gesellschaft. Dann habe ich das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, das Ding ist auch wirtschaftlich erfolgreich. Ich mache etwas Sinnvolles. In dieser Kombination, dass es zu mir passt, das Unternehmen, das macht den Erfolg aus.

LB: Und Du würdest sagen, das unterscheidet jetzt die, die es nur für den schönen Mammon machen und so, das kann nicht erfolgreich sein.

SM: Nee, ich glaube, das kann nicht erfolgreich sein. Vielleicht auch noch ein Denkmodell, was mir immer aufgefallen ist. Wir haben mal ein Seminar gemacht, das hieß “Unternehmerstars” Seminar, die Idee war, Unternehmer zu nehmen, die was weiß ich, Kunden-Champion des Jahres wurden, Servicechampion, das dann Arbeitgeber des Jahres und so was, in ein Seminar reinzupacken und jeder erzählt zu seinem Spezialgebiet einen Tag lang, wie man es macht. So ein Praxisseminar. Da waren die völlig unterschiedlichsten Typen, da war zum Beispiel der Jürgen Dawo von Town & Country da, der sehr stark vertriebsorientiert ist und da war ein Stephan Ziegler, der hat die Firma KU64, Zahnarztpraxis in Berlin, völlig verrückter Typ, der hat den Querdenker-Award gekriegt. Während ich da drin saß, inhaltlich kannte ich schon ganz vieles von denen, was die sagten, habe ich mir so vorgestellt, was passiert eigentlich, wenn ich den Jürgen Dawo rausnehme aus seinem Unternehmen und als Unternehmer in das KU64 reinsetze und den Stephan Ziegler umgekehrt in Town & Country reinsetze und zum Geschäftsführer mache. Und das Ergebnis, was mir sofort klar geworden ist, das sind völlig unterschiedliche Typen, die wären höchstgradig unglücklich geworden in dem anderen Unternehmen, weil die haben halt so funktioniert, dass es zum Unternehmen passt und die wären noch nicht mal erfolgreich geworden, weil die jeweils unterschiedliche Stärken haben. Der eine war super kreativ, extrem viele verrückte Ideen. Und der andere war extrem fokussiert auf den Punkt. Das heißt, ich muss immer ein Unternehmen bauen, das letzten Endes zu mir und meinem Typus passt. Ich glaube, es geht nicht anders. Und dann wird man auch wirtschaftlich erfolgreich.

LB: Was würdest Du denn sagen, sind die größten oder häufigsten Fehler, die Du bei Unternehmern siehst. Ich meine, Du bringst ja wirklich viele durch Dein Coaching und durch Deine ganzen Seminare, welche Fehler kommen denn da immer wieder vor?

SM: Also, bei meiner Zielgruppe, das sind typischerweise Unternehmen, ich sage mal, drei bis 50 Mitarbeiter, die meisten sind so ein, zwei Jahre Minimum am Markt. Es gibt aber auch welche, die sind schon 25 Jahre da. Da gibt es eigentlich nur einen Fehler, der immer wieder vorkommt, der aber in unterschiedlichen Verkleidungen. Dieser eine Fehler, der immer wieder vorkommt, dazu muss ich eine Unterscheidung einführen. Es gibt die Unterscheidung zwischen einer Fachkraft, einem Manager und einem Unternehmer. Eine Fachkraft ist beispielsweise ein Programmierer, der kann super programmieren, fängt an mit seiner Firma, programmiert, kommen ein paar Leute dazu, programmiert immer noch. Irgendwas funktioniert nicht, das nächste, was er macht, er versucht, die Software zu verbessern. Das heißt, er fokussiert sich auf das Programmieren. Aber ein Unternehmen, je größer das wird, braucht auch Managementfähigkeiten und es braucht auch Unternehmerfähigkeiten. Beides ist zu unterscheiden. Manager ist derjenige, der ein System schafft und dafür sorgt, dass dieses System am Laufen bleibt. Ein Unternehmer ist der, der die Idee entwickelt, die Strategie entwickelt, die Energie hinter dem Ganzen ist, den kreativen Prozess anstößt, also, die Richtung von dem Ganzen angibt. Wenn jetzt aber jemand gründet als Fachkraft, dann weiß er oftmals nicht, dass Management und Unternehmeraufgaben anstehen und macht vor allen Dingen Fachkraft-Aufgaben. Die macht er exzellent, hervorragend, sonst wäre er nicht erfolgreich, aber ab einem bestimmten Punkt brauche ich ausreichend Unternehmer- und Managementaufgaben. Und das ist eine Art Berufswechsel und das sehen die meisten Selbständigen am Anfang nicht, dass da ein Berufswechsel ansteht. Der Wechsel vom Selbständigen zum Unternehmer. Also, von dem, der hauptsächlich Fachkraftaufgaben ausführt zu dem, der hauptsächlich Unternehmeraufgaben ausführt. Das ist die Ursache und das Ergebnis, deswegen sagte ich, in unterschiedlichen Verkleidungen. Wenn ich das nicht mache, sind das ganz unterschiedliche Symptome. Also, ich mache zu wenig Managementaufgaben in meinem Unternehmen, da kommen mehrere Mitarbeiter, die machen irgendwas, weil sie nicht richtig gemanagt werden. Dadurch entstehen Fehler. Weil Fehler entstehen, muss ich als Selbständiger anfangen nachzuarbeiten und zu optimieren. Das heißt, ich arbeite mehr. Dann habe ich das Gefühl, die machen nicht das Richtige, ich schmeiße dann hin und wieder mal einen raus, der gar nicht rausgeschmissen werden müsste. Man müsste ihn einfach nur besser führen. Also, so eine ganze Folge Fehler, plus dann schließlich die ganzen wirtschaftlichen Folgefehler. Am Anfang ist das Unternehmen gewachsen, hat Gewinne gemacht. Irgendwann macht es keine Gewinne mehr und irgendwann macht es noch weniger Gewinne. Ursache ist immer der Gründer, der ursprünglich Selbständige macht weiter Fachkraftaufgaben, keine Unternehmeraufgaben. Ist immer dieselbe Ursache.

LB: Steht ja auch genauso in Deinem Buch, “Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer”. Hatte ich dann auch mal aufgegriffen bei mir im Blog. Ich habe ja mal so eine Serie gemacht, wo ich nur mit meinem iPad gearbeitet habe. Da habe ich auch viel zu geschrieben. Da habe ich genau diesen Spruch auch aufgegriffen, weil viele befreundete Unternehmer sagten, ja, du nur mit deinem iPad, aber, wenn ich hier meine Excel-Tabellen und so füllen muss für die Kalkulation. Darauf habe ich gesagt, ja, dann kannst du dir aber mal überlegen, wenn du solche Excel-Tabellen führst, bist du dann überhaupt noch als Unternehmer unterwegs? Und jeder, der Unternehmer ist, glaube ich, der sich da auch drauf fokussiert, auf seine Unternehmerarbeit, der kommt auch immer mit einem iPad aus, aber, das jetzt nur am Rande mal.

SM: Vielleicht, um es noch plastischer zu machen: Ich habe ganz am Anfang, gerade, als ich mein Buch rausgebracht habe, habe ich mal einen Vortrag gehalten, 60, 70 Leute, war noch nicht so richtig sicher im Vorträge halten. Was macht man dann? Man hält sich mit dem Blick an einem aus dem Publikum fest, der immer lächelt und einem wohlgesonnen scheint. Habe ich gemacht, habe ich einen gefunden und in der Pause bin ich dann auch zu dem hingegangen und wollte mir noch ein paar Streicheleinheiten abholen. Dann sagt der zu mir, also, wissen sie, Herr Merath, mit dem, was sie da gerade gesagt haben, kann ich ja so gar nichts anfangen. Fand ich in dem Moment nicht so gut, war aber noch geistesgegenwärtig genug, um ihn zu fragen, warum, weil, er hätte ja schließlich gelächelt. Da sagte er, na ja, das, was ich da schreiben würde, mit dieser Fachkraft, Manager und Unternehmergeschichte, das hätte er schon hinter sich. Hätte er vor sechs Jahren schon gemacht. Da wollte ich natürlich wissen, wie er es gemacht hat. Und da hat er erzählt, dass er so ein Heizungs-, Sanitärunternehmen gehabt hat, 80 Mitarbeiter in der Größenordnung, hat so 14, 16 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr gearbeitet, und hat diverse Zeitmanagement-Seminare besucht und keines davon hat geholfen. Dann irgendwann hat er gewusst, okay, so geht es nicht mehr weiter, ich krache demnächst zusammen. Ich muss eine radikale Lösung machen. Und dann fragte ich ihn, was für eine radikale Lösung denn? Dann sagte er, er wäre umgezogen. Und ich, wie, umgezogen? Er meinte, ja, 600 km weg vom Unternehmen. Und ich, okay, und wie hat er dann sein Unternehmen geführt? Meinte er, einen Tag in der Woche wäre er in sein Unternehmen geflogen, also das Unternehmen war in der Nähe von Bremen, er ist dann in die Nähe von München gezogen. Und die anderen sechs Tage wäre er in den Alpen spazieren gegangen und hätte über das Unternehmen nachgedacht, strategisch irgendwie das Unternehmen neu ausgerichtet. Sich überlegt, wie können Strukturen aussehen und so weiter. Dachte ich mir, hey, cool. Und gefragt, und, was ist draus geworden? Meinte er, na ja, jetzt sind wir 200 Mitarbeiter. Also, es war nicht das Falscheste.

LB: Super, super Geschichte. Was würdest Du denn sagen, wenn Du einen Tipp jedem Unternehmer mit auf den Weg geben könntest? Was würdest Du dem raten? Also, 600 Kilometer von seinem Unternehmen wegziehen?

SM: Das mit den 600 Kilometern, das hat eine gewisse Voraussetzung, da brauche ich ein funktionierendes Management-Team, sonst wird es nicht klappen. Ich glaube, ich kann es gar nicht auf einen Tipp reduzieren. Für mich sind es drei Tipps und diese drei Tipps sind für mich der Kern dessen, glaube ich auch, um auf Deine Frage von vorher zurückzukommen, was das erfolgreiche Unternehmersein ausmacht. Das erste ist, wirklich ein beinhartes Commitment. Ich glaube, ganz viele fangen an so in der Haltung, ja, ich probiere das mal aus, mal gucken, was da rauskommt. Und ich glaube, so geht es nicht. Ich glaube, es geht nur so, dass ich sage, ich werde Unternehmer, egal, was auch immer passiert, ich werde Unternehmer. Das ist eine völlig andere Art von Commitment, das ist für mich das erste. Weil, es werden immer Schwierigkeiten auftreten und wenn ich sage, ich probiere es mal aus, da kommt eine Schwierigkeit, da mache ich halt was Anderes. wenn ich aber sage, ich werde Unternehmer, habe ich keine Ausrede mehr. Das ist für mich das erste. Das zweite ist für mich, permanentes Lernen. Als Unternehmer bin ich immer wieder vor neuen Herausforderungen, was weiß ich, ob das jetzt neue Technologien sind, ob das eine Veränderung des Marktes ist, ob es das Wachstum eines Unternehmens ist und ich damit irgendwie plötzlich mehr Leute führen muss. Und mir über Führungssysteme Gedanken machen muss oder über Führungskultur. Oder indem ich mein Unternehmen strategisch neu ausrichten muss. Ich habe permanent irgendwelche Lernfelder, an denen ich arbeiten muss. Um da permanent dranzubleiben und sich klarzumachen, ich bin nie fertig als Unternehmer, sondern muss permanent weiterlernen, das ist für mich das zweite. Und das dritte ist für mich, ich glaube das Entscheidendste, die Frage, in welchem Umfeld bewege ich mich. Weil, im Umfeld, da werden Glaubenssätze geprägt. Wenn ich mich im Umfeld von, ich sage jetzt mal, lauter Losern bewege, dann nehme ich unbewusst lauter Loser-Glaubenssätze an, das hilft mir nicht wirklich weiter. Wenn ich mich im Umfeld von erfolgreichen Unternehmern bewege, von denen einige sogar auch erfolgreicher sind als ich, dann kriege ich sehr viel schneller das Knowhow und andere Sichtweisen auf die Probleme, mit denen ich gerade konfrontiert bin, als wenn ich mir das alles anlesen müsste. Also, ein Umfeld von Unternehmern, mit denen ich absolut offen sprechen kann, mit denen ich mich weiterentwickeln kann, ist für mich der dritte und wahrscheinlich auch der zentralste Schlüssel von den dreien.

LB: Das ist wahnsinnig wichtig, also, ich bin in zwei Mastermind-Gruppen, um auch mit anderen Unternehmern und so, dieser Austausch da, wenn man da offen ist und ehrlich, das hilft wirklich wahnsinnig. Die Amerikaner haben ja dieses Sprichwort, ich übersetze das mal auf Deutsch, Du bist der Durchschnitt von den Personen oder fünf meisten Personen, mit denen Du Dich am meisten umgibst, stimmt auch absolut. Also, wenn Du Dich da wirklich mit Opfern oder Leuten, die nur in negativen Gedanken denken umgibst, kommen auch solche Gedanken automatisch bei Dir. Aber, da kommen wir ja gut zu Deinem neuesten Buch, das hat ja auch mit Führung zu tun und auch gerade da schreibst Du auch viel darüber, wie wichtig das Umfeld ist, um eine gute Führungskraft zu sein. Wie bist Du denn überhaupt auf die Idee zu dem Buch gekommen?

SM: Da muss ich nochmal den Zusammenhang von den drei Büchern von mir deutlich machen. Also, am Anfang das erste Buch, da geht es ja um die Unternehmerrolle grundsätzlich und um die Persönlichkeit des Unternehmers. Was sind eigentlich meine Aufgaben? Wenn ich jetzt hergehe und die Fachkraftaufgaben weitestgehend eliminiere und damit mehr Zeit habe für die Unternehmeraufgaben, stellt sich als nächstes natürlich die Frage, was mache ich denn mit der gewonnenen Zeit? Und das nächste, was sich den meisten Unternehmern stellt, die stellen irgendwie fest, oh, wir haben hier einen riesen Bauchladen, weil das Unternehmen gewachsen ist, da habe ich mit dem angefangen, dann fragte mich ein anderer Kunde, hast du auch was Ähnliches? Dann habe ich das auch gemacht. Fragt ein dritter Kunde, hast du noch was Ähnliches? Dann habe ich das auch gemacht. Irgendwann habe ich einen Wust von Dingen, die ich mache, die nicht mehr zusammengehen. Das heißt, ich muss mich dann wieder fokussieren. Nächstes Thema ist Strategie. Das ist dann das zweite Buch, die Kunst, seine Kunden zu lieben. Neurostrategie für Unternehmer. Und dann, das dritte, was dann bei meinem Kunden aufgetaucht ist, ist halt, na ja, sie hatten jetzt für sich Klarheit, was sind meine Aufgaben, für sich Zeit gewonnen, hatten eine klare Strategie. Die nächste Frage, die sich stellte, ist, und wie bringe ich das jetzt meinen Leuten bei? Eine Strategie auf dem Papier ist ja schön und gut, aber, ich will ja eine Strategie haben, wo alle begeistert dahinterstehen. Wie mache ich das dann und das war die Motivation dann schließlich für das dritte Buch, “Dein Wille geschehe, Führung für Unternehmer”. Und gut, so ein paar Randmotivationen kamen natürlich auch noch dazu. Zuerst habe ich mir gedacht, du schreibst gar kein Buch, weil, es gibt Millionen Führungsbücher im Internet, man gibt mal bei Amazon Führung ein, es kommen 10.000, 30.000 oder irgendwas in der Größenordnung. Was mich aber interessiert hat, wenn ich unterscheide zwischen Fachkraft, Manager und Unternehmer, und ich sage, Manager und Unternehmer ist was Anderes, was glaube ich, wenn man einmal die Unterscheidung kennengelernt hat, intuitiv auch klar ist, dann war für mich die Frage, gibt es denn eigentlich ein Führungsbuch für Unternehmer? Und die Antwort ist bei diesen 30.000 Büchern, nein. Die sind praktisch alle für Manager. Es gibt kein Führungsbuch nur für Unternehmer und dann dachte ich mir, okay, wenn es das nicht gibt, ist eine gute Gelegenheit, hast eine Marktlücke gefunden, schreibst du eins für Unternehmer.

LB: Wie bist Du denn bei Deinen Büchern auf diesen Wolfgang Radis gekommen? Auf die Idee, das wirklich wie so eine Geschichte zu erzählen?

SM: Storytelling, das war mir schon so, ich weiß nicht, 2005, 2006, klar, dass es ziemlich gut funktioniert. Ich hatte damals bei den Büchern, die ich selber gelesen habe, zwei, drei Business-Stories dabei, die fand ich ziemlich cool. Und dann, mein NLP-Lehrer, den ich damals in Berlin hatte, der war auch ein absoluter Fan von Storytelling. Und dann habe ich mir gedacht, okay, du musst auf jeden Fall eine Story schreiben und dann sowohl der Thomas Willmann als auch der Wolfgang Radis, das sind in beiden Fällen Kunstfiguren, also, die existieren nicht wirklich. Das ist wie bei einem Roman, fiktive Figuren und beide habe ich mir sozusagen also, sowohl den Unternehmer, habe ich mir überlegt, okay, was ist eigentlich der typische Unternehmer, der zum Unternehmercoach kommt? Und das ist so ein Thomas Willmann, der typische Unternehmer. Dann habe ich mir die Frage gestellt, was war eigentlich, ich hatte ja auch einige Coaches, was war in Summe das Beste, was du bei deinen Coaches erlebt hast? Wenn du da eine Kunstfigur draus schaffen könntest, die irgendwie – zu dem Zeitpunkt waren das drei, vier Coaches – die diese drei, vier Coaches integriert und auch noch mit aufnimmt, wie du gerne coachen würdest, daraus ist dann die Figur vom Wolfgang Radis entstanden.

LB: Würdest Du denn sagen, jeder Unternehmer sollte einen Coach haben?

SM: Als Anbieter muss ich das natürlich sagen.

LB: Blöde Frage von mir, ich weiß. Aber sag mal, warum denn?

SM: Erstmal, ich glaube, jeder Unternehmer braucht jemanden, mit dem er sich austauschen kann. Und zwar jemand anderen, der was von Unternehmersein versteht. Also, jetzt sich einen Coach zu nehmen, der nur eine NLP-Ausbildung und eine systemische Ausbildung hat, das ist zwar nett für die Persönlichkeitsentwicklung, aber das hilft uns als Unternehmern relativ wenig, weil, die haben überhaupt gar keine Ahnung vom Unternehmer sein. In meiner Vorstellung ist ein Coach schon jemand wie im Fußball ein Fußballtrainer, der sollte mal Fußball gespielt haben, sonst sind sie da falsch am Platz. Also, ich würde mir grundsätzlich als Unternehmer nur einen Coach aussuchen, der selber mindestens mal fünf oder zehn Jahre Unternehmer war und weiß, wovon er spricht. Warum brauche ich einen Coach? Na ja, weil, wie kriege ich denn als Unternehmer überhaupt Feedback? Klar, ich kann mit meinen Kunden ein bisschen sprechen, mit meinen Mitarbeitern, mit meinen Bankern, mit Partnern und so weiter. Aber die Frage ist, haben die wirklich Ahnung vom Unternehmersein und die Antwort ist bei den meisten, nein. Und bei den Kunden, klar, da sind ein paar Unternehmer dabei, aber die Frage ist, kann ich mit denen offen sprechen? Kann ich mit denen offen sprechen, wenn ich eine Führungsschwäche habe? Das ist doch mein Kunde, vielleicht kauft der dann gar nicht mehr bei mir ein. Das ist echt nicht so einfach und trivial. Und aus dem Grund, ich brauche Menschen, mit denen ich offen sprechen kann. Das kann ich natürlich in der Mastermind-Gruppe finden, das ist okay, aber, wenn ich jetzt kontinuierlich und zielgerichtet an meinem Unternehmersein arbeiten will, dann brauche ich jemanden, der sich explizit und nur um mich und meine Baustellen und meine Herausforderungen kümmert. Das kann die Mastermind-Gruppe so nicht leisten.

LB: Gebe ich Dir Recht, eine Mastermind-Gruppe ist gut zum Austausch, auch sehr anregend finde ich und inspirierend immer. Öffnet immer wahnsinnig den Horizont, aber, man hat natürlich, auch, weil es sind dann mehrere Unternehmer, die ja da sitzen, auch immer nur einen ganz kleinen Teil, wo es dann um einen selber geht. Aber, ich lerne auch immer viel davon, muss ich sagen, in so einer Mastermind-Gruppe. Ich glaube, Ihr bietet so was ja auch an. Sehr wahrscheinlich wird das auch dieser Trip da in den Grand Canyon, das wird so etwas Ähnliches sein. Gehe ich fast von aus. Nee, aber was ich sagen wollte, ich lerne auch wahnsinnig viel davon, wenn ich bei Anderen zuhöre in dieser Mastermind-Gruppe. Also, das ist wirklich auch immer viel lernen, wenn man bei Anderen zuhört. Und mal hören, was haben die für Probleme? Was haben die für Ideen? Oder was machen die, das finde ich auch immer sehr interessant.

SM: Ja, absolut. Also bei uns heißen die nicht Mastermind-Gruppen, sondern Unternehmercoach-Brandrasts Braintrust. Ist ja der andere Begriff, den der Napoleon Hill damals geprägt hat. Und da haben wir im Augenblick, ich glaube, 17 im deutschsprachigen Raum, also, Deutschland, Österreich, Schweiz, die sich regelmäßig treffen und unter Anleitung eines Coaches dann wieder auch eine Struktur reinkommt und nicht nur irgendwie so eine Labergruppe. Also, da ist echt Zug dahinter. Also, die laufen regelmäßig und das am Grand Canyon ist ein Stückweit anders gelagert. Das ist tatsächlich ein Führungsseminar, wo es um Fokus, muss ich an der Stelle sagen, um Selbstführung, geht. Weil, wenn ich mich selber nicht führen kann, wie will ich dann Andere führen?

LB: Das ist sowieso immer das, und das habe ich gemerkt bei meiner unternehmerischen Entwicklung, ich bin jetzt 14 Jahre selbständig. Ich wurde erfolgreich mit meinem Unternehmen, als ich angefangen habe, an mir zu arbeiten. Und nicht an meinem Unternehmen. Das war wirklich so. Als ich angefangen habe zu sagen, jetzt musst du dich erstmal um dich kümmern, dass du dein Leben übereinander kriegst, dann ging es auch mit meinem Unternehmen vorwärts. Was mich mal interessieren würde, was ganz anderes, wie stellst Du und Dein Unternehmen, Du musst Dich ja auch verkaufen, organisieren und und und, so in Zeiten des digitalen Wandels, auf? Was machst Du so im Marketing, Unternehmensführung, was für Produkte bietest Du an?

SM: Also, das Hauptprodukt tatsächlich, wie Kunden zu uns kommen, ist immer noch ganz klassisch, sind meine Bücher, die gibt es natürlich auch in elektronischer Form, als Hörbücher bei Audible bzw. als E-Books. Ist ganz klar, erstmal das zentrale sind die Bücher. Und die Bücher sind auch in der Tat so, dass die in der Regel die Seminare verkaufen. Das heißt, was ich hauptsächlich verkaufen muss, sind mehr Bücher. Dann wird das Unternehmen erfolgreich. So, wie funktioniert das? Da wiederum mache ich zum Beispiel so ein Interview, wie das jetzt mit Dir, wo meine Bücher bekannt gemacht werden. Es gibt bei Amazon Marketingtools, es gibt Facebook, Google AdWords, YouTube, all diese Medien nutzen wir natürlich. Natürlich, wir haben hier ein internes Marketing-Team, da habe ich dann persönlich nicht so viel mit zu tun, außer, wenn meine Live-Stimme gefragt ist, dann natürlich schon. Aber, alles andere macht mein Team hier. Und da nutzen wir schon die ganzen elektronischen Medien mit dem einen einzigen Ziel, die Bücher mehr zu verkaufen. Alles andere ergibt sich daraus automatisch.

LB: Nur mal so am Rande, wieviel Prozent Eures Umsatzes machen denn die Bücher aus?

SM: Die Bücher machen gar keinen Umsatz aus, also, das ist marginal, von einem verkauften Buch kriege ich 1,80 € oder 2 € oder so etwas. Und wenn man sich überlegt, so ein normales Managementbuch im Durchschnitt, da werden nur 500 Exemplare verkauft, das heißt, normalerweise kriegt ein Autor, der so ein Buch schreibt, an Verlagsprovision 500 mal 2, also 1.000 Euro. Das heißt, davon kann man nicht leben. Bei mir sind es jetzt nun schon ein paar mehr Bücher, die verkauft wurden, aber davon könnte ich niemals irgendwie jetzt 20 Leute finanzieren. Also, das Zentrale ist tatsächlich, das Buch als Marketinginstrument, wobei das noch nicht mal das Hauptmotiv war, warum ich die Bücher geschrieben habe. Also, die Bücher habe ich hauptsächlich geschrieben, für mich zur Selbstklärung erstmal. Weil, nachdem ich da damals so roundabout 400, 500 Bücher gelesen hatte, hatte ich erstmal eine riesen Wirrnis im Kopf und die musste sortiert werden. Das war eigentlich das Hauptmotiv, für mich das Buch zu schreiben. Und das Nebenmotiv war tatsächlich der Marketingaspekt.

LB: Das geht mir bei meinen Blogartikeln genauso. Wenn ich da schreibe oder Videos aufnehme oder mich auf so eine Podcast-Folge vorbereite, geht es erstmal darum, meine eigenen Gedanken zu strukturieren und zu Papier zu bringen, weil, das tut dann wirklich richtig gut, weil man sich dann wirklich mal in der Tiefe Gedanken macht. Und ja, kann ich nur genauso sagen, also, meinen Blog schreibe ich eher noch für mich als für meine Leser, muss ich ehrlich sagen. Wobei, natürlich auch für die Leser schreibe ich das, klar. Ja, machen wir mal einen großen Strich, kommen wir zur Schlussrunde. Hier bitte ich immer um kurze, prägnante Antworten. Und zwar, was ist Dein wichtigster Produktivitätstipp?

SM: Ich glaube, sich regelmäßig Zeit zu nehmen, zu reflektieren. Ich mache das morgens, ich mache das abends, morgens gehe ich mit einer Reihe von Leitfragen in den Tag, die ich mir aufgeschrieben habe. Das sind jeden Tag die gleichen Fragen, abends stelle ich mir wieder Leitfragen, das kann zum Beispiel sein, für welche fünf Dinge war ich heute dankbar? Welche fünf Dinge habe ich heute gelernt? Also, wirklich diese Reflektionen, was zum permanenten Weiterentwickeln führt, ist für mich das Zentrale, was ich wirklich jeden Tag mache.

LB: Nutzt Du da eine besondere App oder Tool? Oder machst Du das handschriftlich auf Papier?

SM: Ich mache das, obwohl ich ja ursprünglich aus diesem Internetbereich komme und ich glaube, meinen ersten Computer 1981 gekriegt habe, also, ich komme aus diesem IT-Umfeld, ich mache es auf Papier und zwar einfach deshalb, weil ich beobachtet habe, beim handschriftlichen Schreiben denkt man auf eine andere Art und Weise, als wenn man an der Tastatur sitzt. Ich habe mich da irgendwann mal mit dem Manfred Spitzer, Neurowissenschaftler, der hat das auch wirklich im Gehirnscanner untersucht. Man denkt tatsächlich anders und tiefer beim handschriftlichen Schreiben als an der Tastatur.

LB: Ja, weil man es erstmal ausformulieren muss, man muss, da habe ich auch mal sogar eine Podcast-Folge zu gedreht, eine Frag-Lars-Folge. Wenn man handschriftlich schreibt, muss man es für sich vorformulieren, weil der Engpass ist ja das handschriftlich Schreiben. Und dann, man ist kreativer dadurch, man formuliert es aus, man durchdenkt die Sachen mehr, während bei Maschinenschrift man viel schneller ist und wenn man was produziert. Wenn Du so ein Buch schreibst zum Beispiel, gibt es auch Studien, dass man das unbedingt an einer Tastatur machen muss, weil, man kann nämlich viel schneller tippen als handschriftlich schreiben und dadurch kommt der Fluss vom Gehirn schneller auf das Papier oder auf die Tastatur dann. Aber, okay, was machst Du denn als Unternehmer, um abzuschalten?

SM: Ich meditiere jeden Tag und ich mache viermal in der Woche Sport und dann mache ich noch hin und wieder Dinge wie Rafting, in den Alpen wandern gehen und was glaube ich viele andere Leute auch so machen. Habe es mal mit Gleitschirm-Fliegen probiert, es war nicht so ganz meins, also, ich probiere verschiedene Dinge aus.

LB: Also, mit dem Meditieren, da muss ich jetzt auch noch mal nachfragen. Mache ich normalerweise in der Schlussrunde gar nicht. Wie schaffst Du das?

SM: Ich nehme mir die Zeit, wirklich jeden Tag, also, es gibt Tage, wenn ich Seminare halte, ist nicht ganz so viel, da ist mindestens eine Viertelstunde, sonst eine dreiviertel Stunde. Ich nehme mir wirklich die Zeit, die ist gebloggt, da ist die Türe zu und dann fokussiere ich mich darauf. Warum mache ich es? Eigentlich gar nicht so sehr, um abzuschalten, das ist sicherlich ein Nebeneffekt, sondern für mich ist Meditation eine Art Training, um Dinge wahrzunehmen. Um eigene Gedanken, Emotionen, stärker wahrzunehmen. Und damit in Führungssituationen letzten Endes präsenter zu sein, das ist für mich die Hauptmotivation.

LB: Und was für einen Tipp würdest Du da jemand geben? So wie mir, der sich immer schwer damit tut und es immer versucht und nie hinkriegt?

SM: Ich glaube, das ist jetzt ein bisschen schwierig auszuführen. Ich glaube, dass es daran liegt, dass, sagt Dir die “limbic map” in dem Moment was? Ich meine, in meinem Buch habe ich sie beschrieben, die kommt vom Hans Jörg Heusel, das sind so emotionale Grundstrukturen, die im Gehirn sind und da gibt es einen Bereich, der hat was mit Dominanz zu tun, einer mit Stimulanz, einer mit Balance. Und die meisten Unternehmer sind eher im Dominanz- oder Stimulanzbereich unterwegs. Wenn ich an Meditation denke, das allererste ist erstmal, es hat etwas mit Balance zu tun. Und das heißt, es passt nicht zu der emotionalen Grundstruktur der Unternehmer, deswegen kommen die meisten Unternehmer an der Stelle auch nie rein, ans Denken, das ist eh so ein Sockenzeugs, da habe ich eh keinen Bock drauf, was soll mir das bringen? Lass ich bleiben. Das ist der Punkt, warum es meist nicht klappt. Für mich ist Meditation eher in diesem Bereich, wenn ich mir überlege, zum Beispiel ein Samurai früher, der hat ja auch meditiert. Das hat was mit Kampf zu tun, das heißt sehr viel mit Dominanz zu tun, warum hat ein Samurai meditiert? Es ging ja nicht irgendwie um eh so sockenmäßig ruhig zu werden, sondern, es ging darum, seine Wahrnehmung zu schärfen und dann im Kampf zu 100 Prozent präsent zu sein. Und das lässt sich durchaus übertragen auf das Unternehmersein, das ist ein Training, um jetzt nicht im Kampf, sondern in der Alltagssituation, in Gesprächen, 100 Prozent präsent zu sein und damit letzten Endes besser agieren zu können. Von daher hat für mich Meditation sehr viel mit dem Dominanz- und auch mit dem Stimulanzbereich zu tun und eigentlich gar nicht so sehr mit dem Balancebereich. Ab dem Moment, wo mir das klar wurde, war für mich auch völlig klar, ich muss das machen.

LB: Und dann einfach durchgezogen? Probiert und dann irgendwann auch erfolgreich gewesen?Und dann hat es auch funktioniert? Weil, bei mir funktioniert es ja nicht.

SM: Da gibt es vielleicht als praktischen Tipp ein Buch von einem Menschen namens Han Shan, das war ein Unternehmer beziehungsweise er war mal Ingenieur, ist dann nach Südostasien, hat dort ein Unternehmen aufgebaut, 1.800 Mitarbeiter. Dann ist ein Ereignis in seinem Leben passiert, er hat das Unternehmen verschenkt, also wirklich komplett verschenkt und ist als Bettelmönch nach Thailand. Und hat da mittlerweile jetzt ein Retreat-Zentrum aufgebaut für Unternehmer und Manager aus Deutschland, die zu sich kommen wollen. Der hat ein Buch geschrieben, heißt “Achtsamkeit”, darin wird eine Methode beschrieben, wie ich relativ schnell das selbst lernen kann. Und da es ein Unternehmer ist, ist da auch irgendwie, ich sage mal, das Verständnis sehr viel besser, als wenn ich jetzt irgendein Meditationsbuch von irgend so einem komischen Guru lese, wo ich keinen Bezug zu habe.

LB: Das habe ich nämlich getan. Werde ich mir auf jeden Fall mal angucken, werden wir auch hier mit in den Artikel zu dem Interview auf jeden Fall verlinken. Auf welche drei digitalen Gadgets kannst Du nicht mehr verzichten?

SM: Das ist ein bisschen schwierig, weil eigentlich gibt es da gar keins. Ich komme zwar ursprünglich aus dem IT-Bereich, aber da muss ich jetzt nochmal auf den Grand Canyon zurückkommen. Als ich das vor zwei Jahren gemacht habe, da waren wir wirklich zwölf Tage unten im Canyon auf dem Colorado River und haben dort geraftet und das Besondere da unten ist, dort gibt es kein Netz. Das heißt, zwölf Tage lang kein Netz, kein Handy, kein E-Mail, kein Facebook, kein gar nichts. Und was ich da erlebt habe, das war so der Hammer, also, es war eine Ruhe, die plötzlich in das eigene Denken eingekehrt ist, in das Denken der Teilnehmer, wir haben uns plötzlich auf eine ganz andere Art und Weise wahrgenommen, wie wir uns vorher gar nicht wahrgenommen hatten und dann habe ich mir am Ende von dieser Reise die Frage gestellt, wie lange ist es eigentlich her, seit du das letzte Mal zwölf Tage am Stück auf diese ganze Elektronik verzichtet hast und die Antwort hat mich echt erschrocken, weil das war über 20 Jahre her bei mir. Und als mir dieser Unterschied in dieser Drastik klargeworden ist zwischen einem wirklich extrem klaren fokussierten Denken auf der einen Seite und dieser alltäglichen Ablenkung, die uns komplett verwirrt auf der anderen Seite, da habe ich mir gedacht, okay, das musst du irgendwie in deinen Alltag integrieren und deswegen verzichte ich an vielen Stellen wirklich auf jede Art von Elektronik. Natürlich, im Unternehmen, ich meine, wir haben auch ein CAM-System, wir arbeiten auch mit Internet und so weiter, das alles schon. Aber, soweit wie möglich verzichte ich auf alles und das bringt sehr viel mehr Klarheit ins Denken rein.

LB: Dann hoffen wir mal, dass die nicht da noch einen Funkmast hingestellt haben, nachdem Du das letzte Mal am Grand Canyon warst.

SM: Ich glaube nicht.

LB: Das kann ich mir auch nicht vorstellen. Dann erübrigt sich ja vielleicht die nächste Frage. Ich stelle sie dir trotzdem. Aber, vielleicht kannst Du ja was empfehlen? Also, welche App oder welchen Internetdienst kannst Du der “Produktiv in digitalen Zeiten Community empfehlen?

SM: Auch da bin ich glaube ich nicht der Experte zu. Ich mache wirklich extrem viel m² Papier und tatsächlich im Gespräch. Ich merke auch bei unseren Kunden, ich meine, wir haben natürlich auch elektronische Produkte wie zum Beispiel Coachingbriefe für Unternehmer. Das sind Mails, die einmal in der Woche kommen, wo jeweils eine Aufgabe dranhängt, wo man so ein, zwei Stunden dran arbeitet, ein, zwei Stunden in der Woche, um mein Unternehmen zu optimieren. Also, sowas haben wir schon, das wird auch angenommen. Aber, wenn ich dann gleichzeitig sehe, was wir an live in den Seminaren bewirken können im Vergleich zu dem, was ich über den Coachingbrief bewirken kann, das ist in den Seminaren immer viel mehr. Ich finde, man darf die Kraft des Live-one-to-one-Kontakts definitiv nicht unterschätzen. Also, ich glaub, das ist das wirkungsvollste überhaupt.

LB: Okay, nächste Frage wirst Du 100-prozentig eine Antwort haben. Welches Buch hat Dich als Unternehmer und Mensch am meisten geprägt? Ohne die eigenen natürlich.

SM: Ohne die eigenen? Das ist schade!

LB: Ja, die haben wir ja schon erwähnt.

SM: Ja, nein, es sind glaube ich drei Bücher, die mich sehr geprägt haben. Das erste ist von Michael Gerber, “Das Geheimnis erfolgreicher Unternehmen”. Das ist das Buch, wo das mit Fachkraft, Manager und Unternehmer drin beschrieben ist. Das ist das erste. Das zweite ist von der Kerstin Friedrich, “Das 1 x 1 der Strategie”. Da habe ich angefangen, Strategie Denken zu lernen und dann das dritte ich vom Hans-Georg Häusel „Emotional Boosting“, da geht es darum, zu verstehen, wie unser Gehirn funktioniert aus neurowissenschaftlichen Perspektiven und wie ich das für das Unternehmen nutzen kann. Das waren sicherlich die drei, die mich in meinem Unternehmerleben am meisten beeinflusst haben als Bücher und ich kann noch ein Seminar dazu sagen, was mich am meisten beeinflusst hat, das war ganz sicher von Tony Robbins, „Date with destiny“.

LB: Wo warst Du da? In London bei ihm? Oder?

SM: Nee, das war auf Bali damals, also, ich finde es cooler irgendwie, in Bali Seminare zu machen als in London.

LB: Das ist gar keine Frage. Ja, gut. Was ist denn der beste Ratschlag, den Du jemals erhalten hast?

SM: Der beste Ratschlag, sich immer wieder rauszuziehen und zu reflektieren. Wirklich, das ganz regelmäßig zu machen und zu lernen und nichts für selbstverständlich nehmen.

LB: Kann ich unterstreichen. Ich mache das zweimal im Jahr, sehr wahrscheinlich wirst Du jetzt sagen, das ist zu wenig, ich fahre zweimal im Jahr alleine weg für zwei Tage, einmal davon sogar noch länger, da mache ich alleine mit mir Urlaub, mal eine Woche. Das tut wahnsinnig gut. Und dann versuche ich auch, dieses Entschleunigen, dieses Ausstecken, nicht jeden Tag ins Internet zu gehen, teilweise drei, vier Tage gar nicht. Das tut wahnsinnig gut.

SM: Absolut.

LB: Ja.

SM: Kann ich unterschreiben.

LB: Ja. Erstmal vielen Dank bis hierhin. War super interessant, echt spannend. Ich kann die Bücher wirklich alle empfehlen, wir werden alle Deine Empfehlungen hier natürlich mit in den Artikel reinpacken. Wie kann die “Produktiv in digitalen Zeiten“-Community denn mit Dir in Kontakt treten?

SM: Die einfachste Variante ist sicherlich über die Webseite www.unternehmercoach.com oder über die Bücher und gut, dann gibt es natürlich auch noch E-Mail und also über die Webseite letzten Endes, Kontaktformular, das ist der einfachste Weg, denke ich.

LB: Super, dann vielen Dank, dann sage ich Danke schön Stefan. Hat viel Spaß gemacht, ich glaube, da war wahnsinnig viel Input drin, das muss ich selber erstmal alles verarbeiten. Also, vielen Dank.

SM: Ja, umgekehrt auch vielen Dank, hat auch Spaß gemacht. Danke und tschüss Lars.

LB: Ja, ciao.

Ja, das war das Interview mit Stefan Merath. Ich fand es wirklich richtig klasse und ich wünsche Euch wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Ciao und auf bald.

Hinweis: Ich behalte mir das Recht vor, beleidigende oder vom Thema abweichende Kommentare zu löschen.