Erfolgreich Geschäftsideen entwickeln – Christopher Plantener

Christopher ist ein Serial Entrepreneur. Er hat schon acht Unternehmen gegründet, das bekanntste davon ist wohl Debitoor. Sein aktuelles Unternehmen ist Kontist, eine Bankinglösung für Selbständige und Freelancer, wo er auch CEO ist. Christophers Ideen für seine Unternehmen entstehen, wenn er bei sogenannten Schmerzthemen denkt, dass man das doch besser machen kann.

Links

Kontist Bankinglösung für Freelancer und für Selbstständige
Debitoor Buchhaltungslösung

Founders A/S Company Builder und Venture Capital

Meistertask Workshop mit Lars Bobach

Buchempfehlung(*)
Lean Startup von Eric Ries

Mein Grundeinkommen Seite zum bedingungslosen Grundeinkommen
Free Liance Gemeinnütziger Verein zur Förderung der Selbständigen

Transkript

LB = Lars Bobach

CP = Christopher Plantener

LB:
Herzlich willkommen zum Podcast Selbstmanagement Digital. Wir geben Orientierung im digitalen Dschungel, so dass wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben bleibt. Mein Name ist Lars Bobach und ich sitze hier zusammen mit dem Christopher Plantener, hallo Chris.

CP:
Hallo.

LB:
Ja Chris, schön, dass du da bist. Der Christopher Plantener ist wirklich Serial Entrepreneur, er hat wirklich sehr viele Unternehmen gegründet in der Fintech-Branche und zwar acht Stück mittlerweile.

Viele werden sein bekanntestes Startup kennen, Debitoor. Das ist so eine aktive Buchhaltungssoftware, die mittlerweile in über 30 Ländern angeboten wird.

Sein aktuelles Projekt ist Kontist. Das ist eine Bankinglösung für Freelancer und für Selbstständige. Die nutzt mein Bruder auch, der ist ja auch selbstständig als Solopreneur und der ist da auch sehr von begeistert. So ist auch der Kontakt dann zum Chris auch entstanden.

Er hat aber auch davor noch Bootcamps für Startups in Berlin und Kopenhagen geführt und da Gründer begleitet. Was ich super spannend finde und da könnte man einen eigenen Podcast schon drüber führen, er ist Verfechter des bedingungslosen Grundeinkommens.

CP:
Das ist wohl wahr, ja.

LB:
Das finde ich ganz toll, denn ich bin das auch. Und aus guten Grund, aber da könnten wir, wie gesagt, einen ganzen eigenen Podcast zu führen. Darüber hinaus noch Familienvater, vier Kinder. Das also auch noch. Also Wahnsinn, wie du deinen Tag unter einen Hut kriegst, das würde mich wirklich mal interessieren. Erzähle uns doch mal ganz kurz was zu dir, was ich jetzt hier in der Kurzvorstellung ausgelassen habe.

CP:
Du hast es schon relativ allumfänglich gemacht. Vielleicht noch eine Korrektur zu einem der Statements. Ja, ich habe acht Unternehmen gegründet, aber nicht alle in der Fintech-Branche. Das ist eigentlich erst so in den letzten … Also, ich habe mich vorher ganz stark mit dem Thema Buchhaltung beschäftigt, das fällt heute auch eigentlich in den Bereich Fintech.

Früher, als ich es gegründet habe, hatte es noch andere Namen. Aber ich habe davor, ich habe mal angefangen, das war noch zu Studienzeiten, habe auch als Freelancer Webdesign und ähnliche Späße gemacht. Aber habe dann, es war die erste größere Unternehmung, mit einer Cocktailbar in Berlin angefangen.

Jedes Unternehmen, was ich gegründet habe, war immer einen Hauch größer und manchmal auch einige Hauchs größer im Ambitionslevel und allem Drum und Dran. Aber ich glaube, es ist schon sehr wichtig auch für meinen Werdegang immer gewesen, dass ich die Dinge auch von der Pike auf gemacht habe. In der ersten Bar, wie gesagt, haben wir noch das Mobiliar selber geschreinert und alles selber aufgebaut und so.

Heute beschäftige ich mich mit anderen Themen. Aber es ist mir auch immer ganz wichtig, dass man von Anfang an versteht, was man tut. Es führt dann auch später zu dem, wie kommen Ideen zustande. Da ist es, selber die Probleme erlebt zu haben, ganz wichtig.

LB:
Wie kam es bei dir, dass dieses Gründergen in dir ist? Bist du familiär vorgeprägt oder war das schon von Kindheit so, dass du gesagt hast, ich will auf jeden Fall mein eigener Chef sein?

CP:
Ja, ich denke schon. Es ist jetzt stigmatisiert, ich komme ursprünglich aus Süddeutschland, wo schon das Gründen nochmal eine andere Position hat wie vielleicht in anderen Teilen Deutschlands oder auch Europas. Mein Vater war Arzt, als solches natürlich selbstständig. Da habe ich schon von Anfang an auch die Leiden und Freuden der Selbstständigkeit erfahren.

Ich kann mich immer noch erinnern, es ist heute noch so am Quartalsende, wenn die Buchhaltung ansteht, dann verfällt mein Vater immer in eine tiefe Depression. Die habe ich von ihm geerbt und diese ganzen Schmerzthemen drumherum. Aber schon auch der Stolz im Endeffekt, selbst zu sein.

Ich wollte es eigentlich von früh an, es gab immer zwei Themen, die mich interessiert hätten. Das eine war Diplomat, habe ich die Aufnahmeprüfung gemacht, aber leider nicht bestanden. Vielleicht auch zum Besseren.

Das andere war eigentlich immer wirklich selbständig unternehmen. Ich habe dann auch in der Schulzeit, zwar nicht erfolgreich, aber wollte damals etwas gründen. Während des Studiums dann auch, am Ende dann eigene Bar. Aber ich glaube schon, dass es ganz stark von zu Hause vorgelebt wird.

Wir haben jetzt einen gemeinnützigen Verein gegründet. Da sind verschiedene Beiratsmitglieder, wir saßen vor kurzem bei einem Bier zusammen und haben mal so gefragt, wie seid ihr eigentlich selbständig geworden? Es war wirklich prägend, dass jeder, der da saß, also als einer dieser Fürsprecher eben für die Selbständigen, dass die alle aus Selbständigenhäusern kommen. Ich glaube, es ist schon etwas, was auch ganz stark von zu Hause mitgegeben ist. Ist nicht zwingend so, aber ich glaube, es ist als Motivation doch recht prägend.

LB:
Wie kommst du denn jetzt immer, ich sage nach acht Unternehmen, auf die Ideen für deine Unternehmen? Da würde ich gern ein bisschen tiefer eintauchen. Ich kann mich erinnern, ich habe fünf jetzt gegründet. Ich hänge noch ein bisschen hinterher. Ich weiß auch nicht, ob ich dich da einholen werde oder möchte.

Aber ich werde oft gefragt, Lars, wie kommst du denn auf die Ideen? Mir ist es selber total schwergefallen, als ich vor 14 Jahren so das erste richtige Unternehmen, von dem ich dann auch leben musste, gegründet habe. Da ist mir nichts eingefallen, da habe ich mich dann einem Franchisesystem angeschlossen. Wie entwickelst du deine Ideen und wie bist du da zur Fintech-Branche gekommen?

CP:
Ich kenne diese Fragestellung von ganz früher, in der Schulzeit und auch beim Studium noch mehr, da war dieser große Wunsch eigentlich selbständig zu sein und zu arbeiten. Allerdings fragt man sich dann da immer. Man kann eigentlich mit allem anfangen. Dieser allererste eine Schritt, daran kann ich mich auch erinnern, der war recht schwierig. Dann wurde es die Bar, weil ich selber gerne feiere und das machte irgendwie alles Sinn. Es war auch ein Projekt, das man auch umsetzen konnte. Es war eher eine untypische Geschichte.

Aber dann bin ich reingekommen, habe dann verschiedene Lebenslaufplattformen, ein Lebenslauf ist so eine Art LinkedIn, aber spezialisierter quasi, gegründet. Danach ein Jobportal, aber ich glaube, der wesentliche Grund ist schon immer, dass man selber eben in einer Situation ist, so ist es zumindest bei mir und da einfach ein ganz großes Problem sieht, was man denkt, besser lösen zu können als jetzt die Lösungen, die bereits am Markt sind.

Ich habe zum Beispiel in Brüssel gelebt und bin dann nach Dänemark mit meiner Frau gezogen und sprach nicht wirklich Dänisch und ich brauchte einen Job. Dann habe ich mir gedacht, es gibt ganz viele wie mich, Experts, die irgendwie im Ausland sind und eigentlich quasi fließend Englisch sprechen und auch einen Job machen können. Warum gibt es eigentlich keine spezialisierte Lebenslaufplattform oder Jobplattform nur für englischsprachige Leute? So haben wir dann „Jobs in Brussels“, „Jobs in Copenhagen, Madrid, Berlin“ gegründet. Ich habe Leute um mich gescharrt, die dieses ähnliche Problem hatten. So bin ich dazu gekommen.

In diese Fintech-Branche rein bin ich eigentlich gekommen, es ist eine lustige Anekdote, weil das Thema Buchhaltung war so mein Einstieg in die Fintech-Branche, habe ich zutiefst gehasst. Schlechteste Note in meinem Studium, auch mich plagen die Depressionen, wenn ich mich diesem Thema widmen muss. Also, überhaupt keine Motivation, da in dem Bereich etwas zu machen.

Aber dann war ich mal wieder mit einer der Firmen durch, hatte mich mit einem Investor massiv verstritten, musste da dringend raus und war dadurch, dass ich zwei Jahre vorher geboottrapt hatte, relativ finanziell am Ende. Und wie ich es dann halt immer so mache, heißt es halt einfach nur, Ärmel hochkrempeln und Beratung.

Da war dann eben ein dänisches Unternehmen, was gerade in den deutschen Markt kam, war zufällig so das DATEV des Nordens, kannte ich aber vorher nicht. Ich hatte gesehen, die gingen in den deutschen Markt und ich war nun Deutscher und saß in Kopenhagen. Also gut, helfe ich denen bei dieser Geschichte und habe eigentlich gedacht, es ist so ein Dreimonatsprojekt. Da werde ich jetzt sicherlich für drei Monate bleiben, ein bisschen Geld verdienen, dann wieder etwas Sexierem widmen.

Da bin ich dann sieben oder acht Jahre geblieben. Ich habe dann mit denen zusammen Debitoor gegründet. Es war für mich ein richtiger Augenöffner, wie man auf die Ideen kommt. Man kommt einfach in eine Branche herein, wird da hereingeworfen und ich habe dann relativ rasch in diesem Umfeld erkannt, es ist eigentlich auch seitdem für mich so eine sehr treibende Kraft, dass diese Branche massiven Erneuerungsdruck benötigt. In Deutschland noch viel mehr als in Skandinavien. Da sind sie schon fünf, sechs Jahre, würde ich mal sagen, in der Zukunft im Vergleich.

Aber in Deutschland, vor allen Dingen, wir sprechen jetzt von vor ein paar Jahren, brauchte es da massiven Erneuerungsdruck. Das ist jetzt auch genau dasselbe, wie kam ich zu dem Thema Kontist, ein Bankkonto für Selbständige? Auch da habe ich wieder über Debitoor mit sicherlich mindestens mehr als 1.000 Selbstständigen Kontakt gehabt. Produktfeedback, Gespräche und da ist mir eben diese Notwendigkeit, dass die Banken die Selbständigen immer links liegen lassen, dass keine ordentlichen Produkte da sind, wirklich nochmal vor Augen gespiegelt worden.

Aber, um nochmal zurückzukommen, ich glaube schon, in mir selber ist auch da wieder… Es hat irgendwie zehn Jahre gebraucht, bis ich mit meinem Geschäftskonto einen Dispo-Kredit bekommen habe. Ich habe bis heute für mein Geschäftskonto bei der Bank, bei der ich noch bin, quasi mit meiner „one-man-Firma“, keine Kreditkarte für mein Geschäftskonto.

Also, aus diesem, es kann doch nicht sein, wie behandelt ihr mich eigentlich? Mittlerweile verdiene ich gut und es gibt meines Erachtens keinen Grund, dass ich so quasi behandelt werde. Daraus ist dann schon die Motivation entstanden zu sagen, das kann doch nicht sein, das muss ich besser können.

Und dann habe ich mir, wie gesagt, das Feedback der anderen hundert oder vielleicht sogar tausenden Selbständigen, mit denen ich über die Jahre Kontakt hatte, geholt. Die haben es eben ganz ähnlich gesehen wie ich. So kam dann eins zum anderen.

Aber wenn ich jetzt einen Tipp geben müsste, wenn mir jemand diese Frage stellen würde, was tun? Dann würde ich einfach sagen, fang einfach an zu arbeiten. Natürlich würde ich jetzt vielleicht nicht unbedingt …, das war vielleicht auch mein Vorteil, ich habe noch nie als Angestellter gearbeitet, ich bin jetzt als Geschäftsführer bei Kontist angestellt.

Aber das ist auch das erste Mal, dass ich überhaupt in meinem Leben einen Lohn-Gehaltsnachweis kriege. Ich habe immer als Selbständiger gearbeitet, was es einem dann aber auch eben möglich macht, dass, wenn dir dann diese Idee über den Weg läuft. Und ich glaube, die läuft dir einfach über den Weg, indem du viel mit Kunden sprichst und dir Probleme anschaust, dass du dann eben auch relativ rasch die Kurve kriegst und sagst, pass mal auf, ich bin mal weg. Ich baue da jetzt mal eine Lösung.

Gerne zusammen mit dem, das habe ich auch einmal, wie gesagt, zusammen mit dem Unternehmen, bei dem du arbeitest, warum nicht? Man kann auch als Intrapreneur sehr viel bewegen. Es muss nicht immer nur sein, dass man auch wirklich das Ganze extern macht. Aber wie gesagt, das wäre mein größter Tipp. Da hingehen, wo es wirklich weh tut und sich anschauen, ob man es besser machen könnte.

LB:
Ja, ist auch immer mein Tipp, einfach anfangen. Ich sage immer, dem Gehenden schiebt sich der Weg unter die Füße. Mal loslegen und dann ergeben sich solche Sachen. Und bei dir, dadurch, dass du vielleicht gerade nicht aus der Finanzwelt kommst, also branchenfremd bist, da erkennt man dann vielleicht auch eher genau, wo die Schmerzen sind, dass man nicht mit den Scheuklappen rumrennt.

CP:
Total, ich werde oft gefragt in Podcasts, was würdest du denn machen, wenn du jetzt keine Bank gründen würdest, wie ich es gerade tue. Ich habe überhaupt kein Knowhow in dem Bereich. Dann sage ich immer, ich würde als nächstes eine Steuerberatungskette machen oder eine Schule gründen. Das sind beides für mich Bereiche. Ich schaue mir einfach die Märkte an und sehe da diese Bereiche dann, primär in Deutschland im ersteren Bereich.

Im anderen Bereich, auch da gibt es international ganz gute Benchmarks. Es sind einfach Bereiche, die sehr stark reguliert sind und aufgrund dieser starken Regulierung ich sehr viel Verbesserungspotenzial sehe, um das aufzubrechen. Das auch jetzt im Bankingbereich.

Das war lustigerweise auch schon in der Buchhaltung so. Wo der Staat versucht stark zu regulieren, rosten also die Dinge, werden sehr schnell sehr eingefahren. Das haben wir immer so gemacht, es muss so sein. Das kann ich nie akzeptieren.

Es ist auch so eins dieser Gene, wenn du bei dem Satz, das haben wir immer so gemacht, genauso an die Decke gehst wie ich, dann hast du vielleicht schon die Idee gefunden, die nächste, auf die man draufgehen sollte.

LB:
Zwei Sätze: Das haben wir schon immer so gemacht und das haben wir noch nie so gemacht.

CP:
Wohl wahr, genau! Die Kehrseite der Medaille.

LB:
Ist deine skandinavische Prägung, weil du Kopenhagen eben angesprochen hast, ist das auch so ein bisschen Vorbild für dich, für deine Gründung hier in Deutschland?

CP:
Auf jeden Fall. Ich meine, nicht für alles, denn Skandinavien ist deutlich weniger unternehmerisch als Deutschland lustigerweise. Meine Frau ist Dänin, ich habe selber zehn Jahre in Dänemark gelebt, es hat europaweit den geringsten Anteil von Selbständigen. Da könnte man jetzt auch einen ganzen eigenen Podcast zu machen, warum. Obwohl eigentlich die Bedingungen traumhaft sind für Unternehmensgründungen. Viele dieser großen Steine, die wir in Deutschland im Weg haben, existieren dort nicht.

Aber vor allen Dingen, Dänemark und auch Skandinavien sind für mich in zwei Bereichen ein ganz großes Vorbild. Zum einen ist es eben die Digitalisierung. Ich hasse eigentlich das Wort, aber alles, dass eben die Technik im Endeffekt, das sie unser gesamtes Leben massiv vereinfachen kann. Dort wird es auch einfach viel mehr von der Bevölkerung, wie soll ich sagen, als positiv wahrgenommen.

Wenn ich eine Stelle habe, in dem alle meine Krankenakten sind und ich da nicht mehr von Pontius zu Pilatus rennen muss, um ein Röntgenbild zu bekommen und lauter solche Geschichten. Alles eben zentral und optimiert. Das habe ich immer als großes Vorbild gesehen, wie man positiv mit Technologie umgehen kann, sodass dein Leben als Ganzes im Staat, aber auch als Individuum einfacher wird.

Das andere große Thema, da könnten meine Mitstreiter hier im Unternehmen und auch meine Angestellten und Freelancer, die für uns arbeiten, sicher auch ein Lied davon singen, dass es Versuche gibt, diese skandinavische Unternehmenskultur dort, mit in unser neues Unternehmen zu holen. Da habe ich einfach viel Gutes gesehen, wie gewisse Themen, ich meine die Rolle von Frauen in Unternehmen.

Das ist ein Thema, was mir sehr wichtig ist, auch als Vater von vier Mädels. Aber auch generell glaube ich, dass es einfach für ein Unternehmen sehr wichtig ist, dass man einen ausgewogenen Mix zwischen männlichen und weiblichen Kollegen hat, auch auf Führungsebene. Und auch die Vereinbarkeit von Familie, eine höhere Sinnhaftigkeit der Arbeit, dass es nicht unbedingt ein Ziel sein muss, 16 Stunden lang im Büro zu arbeiten, sondern eher wirklich konzentriert und effektiv und es dann auch mal einen anderen Ausgleich braucht.

All diese Themen versuche ich, es ist nicht immer einfach, muss ich gestehen, denn der Deutsche, wenn ich es jetzt mal so banal sagen darf und der Skandinavier ticken eben doch ein bisschen anders. Aber ich sehe es schon als auch eine Möglichkeit.

Ich habe zehn Jahre lang Training in Skandinavien gekriegt und ich versuche jetzt zumindest die Ansätze, die mir gut gefallen dort, auch hier anzubringen. Ich hatte gerade gestern ein Management- und Co-Founder-Meeting mit meinem Team, wo wir das auch heiß diskutieren. Weil man schon auch erkennt, dass gewissen Werte im Endeffekt einer Extrarunde bedürfen. Es ist nicht die gleiche Selbständigkeit, ich habe ja noch drei andere Mitgründer. Eine Amerikanerin aus Silicon Valley, sehr interessant als Co-Founderin auch. Und auch zwei deutsche Co-Founder. Da haben wir schon immer auch sehr interessante Gespräche in diesem Zusammenhang.

LB:
Es ist ein spannendes Thema, du hast die Rolle der Frau in Unternehmen aus Skandinavien mitgenommen, die da scheinbar größer ist und auf jeden Fall gleichberechtigter und auch Work-Life-Integration, so nenne ich es immer, ist also auch ein Thema. Ich sage mal, wenn ich mir jetzt ein Startup in Fintech vorstelle, denkt man ja, 18 Stunden Tage, All Nighter und all so was. Also, da bist du komplett gegen?

CP:
Genau, auch wenn ich das jetzt hier so offen sage, es ist natürlich auch schon ein ganz schönes Statement. Aber ich bin gegen die Rocketisierung der Startup-Szene. Ich glaube, fundamental, aber wie gesagt, das ist eben auch aus meinem skandinavischen Background kommend, dass es nicht langfristig wertschaffend, weder für das Unternehmen noch für die Gesellschaft, sein kann, dieses, so wir reiten mal hire und fire, wir reiten die Leute einfach durch, scheiß egal, was danach kommt. Die Gründer bereichern sich daran, der Rest bleibt halt auf der Strecke.

Das haben wir ganz stark hier in Berlin. In dieser Startup-Szene gibt es auch immer gern mal so einschlägige Artikel im Spiegel von ehemaligen Mitarbeitern und so. Es ist schon so, denke ich und habe mir eigentlich das Ziel gesetzt zu sagen, ich möchte gerne eine Art Antibeispiel dafür gründen.

Ich glaube, wie gesagt auch, die DM-Gründer, kennen wir ja, bedingungsloses Grundeinkommen, der ja auch für sich da versucht, auch in seinem Unternehmen die Dinge anders zu gestalten. Das ist auch so ein bisschen der Ansatz, den ich noch neben dem wirtschaftlichen Erfolg, natürlich möchten wir den auch, habe. Das steht an der Stelle nicht infrage, aber ich glaube schon, dass man es auch mit einer menschlicheren Komponente tun kann und eigentlich auch muss.

Wir haben schon auch als Unternehmen, ob es jetzt ein Startup ist, ein 50-jähriges Familienunternehmen oder ein Großkonzern, eine gesellschaftliche Verantwortung. Die kann man jetzt nicht einfach abschütteln, nur weil man sagt, ach, übrigens, ich habe jetzt mal gerade ein anderes Ziel.

Was mir immer in der Seele weh tut, ist so ein bisschen und die Zeit wird zeigen, ob ich damit eben einfach nur ein Naivling bin und die Welt eben anders ist oder nicht. Wenn ich mich so umschaue, ich möchte jetzt hier keine Namen nennen, aber in unserer Branche gibt es so ein paar sehr erfolgreiche Unternehmen, die allerdings richtige Arschloch-Mentalität an den Tag legen, was ihre Angestellten anlangt. Und das wurmt mich natürlich.

Weil ich im Endeffekt sage, wie kann es sein? Es ist anscheinend doch so, dass, wenn man hier wie der Sklaventreiber mit der Peitsche auf 16 Stunden Tage besteht als Arbeitgeber, dass es doch irgendwie die Früchte bringt. Ich hoffe zwar, dass es nur einfach kurzfristig so ist und dass es langfristig im Endeffekt einem auch ermöglicht, es auch anders zu machen und das habe ich, wie gesagt, in Dänemark erlebt.

Die Firma Economic ist mittlerweile verkauft worden, die, aus der Debitoor entstanden ist, ich nenne es immer das Datev des Nordens, da habe ich wirklich miterlebt, wie langfristig über zehn Jahre hinweg ein Unternehmen eine Kultur, ein Werte-Setup, aufgebaut hat, das aus meiner Perspektive einmalig war für die Mitarbeiter auf wirklich allen Ebenen.

Die hatten ein Supportteam aus 100 Leuten, erzähle ich gerne die Anekdote auch. Und wir hatten immer so interne Netpromoterscore, wie beliebt ist die jeweilige Abteilung. Und die war tatsächlich die beliebteste Abteilung, was normalerweise eine Abteilung in Unternehmen ist, die gern sehr stiefmütterlich behandelt wird, so, naja, müssen wir uns auch mal drum kümmern, wurde da wirklich zu einem der inhaltsstärksten Themen.

Und ich sage, da sieht man mal, auch Unternehmen wie ein Buchhaltungsunternehmen, wo auch der Rest der Menschheit nur gähnend zusammenbricht, ist wirklich auch für mich ganz persönlich eines der sinnstifttendsten Unternehmen geworden, weil man wirklich den Menschen helfen kann über die Jahre hinweg.

Ich hole lange aus, um nur zu sagen, ich glaube, in Skandinavien gibt es sehr interessante Benchmarks und ich kann nur jedem Unternehmer raten, weniger für den Start in die Selbständigkeit, sondern mehr wie möchte ich das Unternehmen strukturieren, welche Werte möchte ich mir setzen. Lauter solche Themen, da ist eine Reise nach Skandinavien immer eine Reise wert.

LB:
Und natürlich auch die Biografie von Götz Werner. Du hast DM eben angesprochen. Er hat auch sein Unternehmen ganz anders geführt als zum Beispiel Schlecker. Ist ja ein direkter Konkurrent gewesen, der ja dann eher auch mit dieser anderen Mentalität da drangegangen ist und wir wissen beide, wo beide stehen. Wo Schlecker gelandet ist und wo DM gelandet ist und das sieht man ja auch, dass das langfristig auf jeden Fall die bessere Lösung ist, sehe ich absolut so. Sonst verbrennst du die Leute und das macht keinen Sinn.

CP:
Genau, ich finde auch immer, auch das ist mir aufgefallen in meiner Zeit, das war jetzt ein skandinavischer Exit. In der Startup-Branche ist es bei uns nun leider so oder nicht, es ist halt der Gang der Dinge. Wir bauen ein Unternehmen auf und eines Tages werden diese in den meisten Fällen veräußert. Weil sie doch relativ hohen Kapitalbedarf auch brauchen und jetzt nicht der Break Even gleich morgen um die Ecke kommt.

Dann passiert dieses eben häufig auf dem Rücken der Angestellten. Das finde ich eigentlich total tragisch als Gründer, wo ich mir sage, ich habe es eben aus der anderen Perspektive, mal als Mitarbeiter oder als Manager quasi erlebt, dass dann die Firma veräußert wird, die zwei damaligen Gründer den Reibach machen und der Rest irgendwie so dasteht, so, hallo? Wir haben eigentlich dieses Unternehmen zu dem gemacht, was es ist.

Da bin ich eben auch von der Mentalität her und sage, pass mal auf, wir haben auch als Gründer schon von Anfang an… Ich meine, dass unsere Unternehmen vielleicht mal eines Tages übernommen werden, dazu ist der Lauf der Dinge zu stark, das kann man nicht ganz ausblenden. Weil einfach unser gesellschaftliches Setup in gewisser Weise so funktioniert, aber ich glaube schon, dass wir diese Verantwortung haben, in der Zeit, while it lasts, einfach gute sinnstiftende und faire Arbeitsplätze für Leute zu kreieren.

Ich sage immer, die Zeit, die man in dem Unternehmen verbracht hat und das Unternehmen, von dem ich jetzt gerade geredet habe, wie gesagt, da habe ich eine super Zeit gehabt. Auch wenn das Ende jetzt nicht das Schönste war, kann ich immer zurückblicken und sagen, ich will es keinen Tag missen wollen, denn ich habe wahnsinnig viel gelernt und ich habe auch wahnsinnig viel in dieser Zeit herausbekommen. Das ist auch dieser Ansatz, den ich habe, auch wieder hier, was möchte man für ein Ziel und was auch an die Leute zurückgeben.

LB:
Toller Ansatz! Jetzt würde ich aber gerne mal in eine andere Richtung gehen. Und zwar jetzt mal konkret Kontist. Die Idee ist dir gekommen, das hört sich alles so ein bisschen nach Richard Branson schon für mich an, der ist ja auch überall und sieht überall Verbesserungspotenzial und sobald er das sieht, gründet er sofort eine Firma.

Finde ich ganz toll, aber wenn du jetzt so eine Idee hast, wie mit Kontist und sagst, für Selbstständige, da müssen die Banken anders sein und besser sein, wie finanzierst du denn das? Ich meine, du entwickelst die Idee für dich und da brauchst du ja erstmal einen Haufen Geld?

CP:
Genau, da gibt es die unterschiedlichsten Möglichkeiten. Ich habe sie mehr oder weniger alle probiert. Ich bin noch nicht alt und weise genug, um wirklich sagen zu können müssen, welche die beste ist.

LB:
Aber gibt uns doch mal einen Überblick.

CP:
Genau, einmal, das war jetzt nicht bei Kontist, sondern bei Debitoor, war es ein Intrapreneur, da habe ich dieses Problem gesehen und habe dann einfach zu einer anderen Firma gesagt, die schon Marktführer in dem Bereich war, lass es uns doch zusammen machen. Ich möchte das Projekt vorantreiben, ich gründe es, ich baue es für euch auf, aber ihr finanziert das Ganze. Das war ein ganz interessanter Ansatz, wahrscheinlich einer meiner bevorzugten sogar.

Man muss sich nur eine Sache bewusst sein, wenn ich versuche, Innovationen innerhalb eines bestehenden Unternehmens zu machen, wird ein sehr starker Druck gegen diese Innovationen entstehen, weil das existierende Produkt dann Angst hat abgelöst zu werden usw. Da muss man sehr gut aufpassen vom Setup her, dass man sich so abgrenzen kann, dass man zwar vom Unternehmen profitiert, aber nicht sofort von ihm erdrückt wird.

Es ist aber eigentlich ein Weg, den ich persönlich gut finde, den weniger Leute gehen. Es ist ein bisschen eher so mein Geheimtipp, weil die meisten rausgehen und eher dann so die klassischen VC und Business Angels und wir machen’s.

Das habe ich dann auch gemacht, also die klassische „Business Angel“. Oder bei Kontist, dazu komme ich jetzt gleich, da habe ich auch einen bisschen anderen Weg genommen. Aber dann kommt man eben in diese Spirale rein und da wird jeder, der ein Unternehmen schon in der Größenordnung wie ich sie führe und auch schon kleiner, erlebt hat, der wird mir jetzt nickend zustimmen können, Finanzierungsrunden ist wirklich so das, was die meiste Energie überhaupt verbraucht und es saugt einen aus.

Es ist wirklich hart. Es ist halt B-Sales und du kriegst irgendwie 60mal nein und man braucht ein starkes Ego, man braucht viel Durchhaltevermögen, um dir von früh bis spät anhören zu müssen, dass deine Idee ja nun wirklich jetzt gar nichts kann oder komm im nächsten Jahr wieder, wir schauen. Aber ich habe nicht genug Geld bis zum nächsten Jahr.

Von daher fand ich dieses „an ein Unternehmen herantreten“ eine sehr smarte Sache, weil ich damit im Endeffekt eben auch schon die Anschlussfinanzierung meistens habe. Und damit kann ich mich dann wirklich ganz auf die Idee des Produkts konzentrieren und es hochziehen. Wenn ich das fünf Jahre mache, verbringt man mindestens ein Jahr nur mit Fundraising. Über die Zeit hinweg, vielleicht sogar mehr, kann man sich eben das sparen.

Der große Nachteil ist natürlich, dass man, wenn man sowas tut, nur sehr kleine Beteiligungen dann bekommt. Wenn so ein großes Unternehmen sagt, sie machen es, dann, wenn du Glück hast, kriegst du ein paar Prozente. Aber du wirst natürlich jetzt nicht irgendwie da mit 70 Prozent oder mehr beteiligt sein. Das muss man halt genau überlegen. Ist es mir wichtig, dass es wirklich ganz meine Firma ist oder kann ich auch damit leben, dass von Anfang an quasi die Firma einem größeren Unternehmen gehört, aber ich trotzdem diese Rolle spielen kann.

Mit Kontist war auch ganz lustig, du hattest es vorher schon erwähnt, ich habe ja viel für Startup Bootcamp gecoacht. Übrigens auch eine sehr gute Möglichkeit, um an Ideen ranzukommen in verschiedenster Art und Weise. Nicht die Ideen der Leute klauen, die dort sind, das meine ich damit nicht, sondern man trifft dort auch viele Leute, die wiederum Ideen haben, mit denen man sich zusammentun kann, weiterspinnen kann und so.

Also, es ist auch für Leute, die da auf Ideensuche sind, immer ein ganz guter Platz. Dort habe ich mein allererstes Startup, was ich gecoacht habe, der ist heute Partner bei dem Company-Builder und VC, der mich so die ersten drei Jahre bei Kontist finanziert hat. Das heißt also, es ist ein langes Netzwerk gewesen. Da habe ich mich dann auch entschieden, es ist kein klassischer VC in dem Fall, es ist ein Founder aus Kopenhagen, kann ich auch sehr empfehlen.

Die haben einen bisschen anderen Ansatz. Eine Art Startup-Studio, die dann auch anfangen mit den Gründern zusammen Ideen aufzubauen. Was die sehr viel machen, ist auch selber Research. Also, die fangen auch selber Projekte an, ohne dass es jetzt schon einen Gründer gibt. Und genauso ist eigentlich auch Kontist entstanden.

Ich hatte diese Idee, eigentlich ein Bankkonto für Selbstständige und die hatten eine Idee für eine Financial-App, die einem Selbständigen hilft ein regelmäßiges Einkommen zu bekommen. Die hatten mich dann angerufen, weil ich mich in der Buchhaltungsbranche gut auskannte und hatten mich so als Coach und fragten, sollen wir jetzt in UK oder Germany starten. Aus diesem Dialog haben wir dann entschlossen, ja, pass mal auf, wir haben ja eigentlich eine sehr ähnliche Idee, warum mergen wir die Ideen nicht? Ihr bringt die Kohle, ich bring mein persönliches Know-how und werde hier Gründer und CEO.

Und so ist dieses Projekt dann auch entstanden. Das fand ich auch einen ganz guten Weg und die sind auch mit echt schönen Assets gekommen. Die haben auch noch andere, also für andere Gründer, haben die auch so eine Art Gründer in Residence, wo sie den Leuten so ein bisschen sagen, pass mal auf, du kannst bei uns anfangen. Du hast eine starke Persönlichkeit, wir glauben, du bist ein perfekter Gründertyp. Lass uns doch einfach die nächsten drei Monate zusammen eine Idee finden und an was arbeiten, was wir dann wirklich als Unternehmen umsetzen.

Also, ich glaube, wenn mich Leute fragen, die dann sagen, ich möchte unbedingt gründen, ich weiß noch nicht so ganz genau usw., dann sage ich, gucke doch mal, sprich doch mal mit dem. Vielleicht ist es ja, die haben mittlerweile auch drei Startups hier in Berlin. Vielleicht, wenn es von der Chemistry her passt, kann auch hier so ein Gründer in Residence, für drei Monate da rausspringen und am Ende dieser Zeit steht dann meistens dann auch wirklich ein Startup, was dann gegründet wird. Ich habe auch schon Fälle erlebt, wo es dann nicht so ist, wo man dann einfach sagt, so nach drei Monaten, ja gut, ist dann doch nichts draus geworden. Dann trennen wir uns halt wieder.

LB:
Spannender Weg, werden wir auf jeden Fall mal verlinken hier, die Firma, die du da genannt hast.

CP:
Die Firma sitzt in Kopenhagen, aber sie sind auch in anderen Ländern aktiv. Also, sie waren aufgrund meiner Skandinavientätigkeit waren wir das erste Unternehmen in Berlin. Mittlerweile gibt es drei, ein Co-Living-Projekt, LiveX heißen die, glaube ich. Und Wunderwerk, heißen die, glaube ich. Die machen Learning-Software für Unternehmen. Also, man geht dann meistens nach Kopenhagen und baut dann in den ersten paar Monaten quasi von Kopenhagen das Ganze auf, aber nimmt dann sein Team mit nach Berlin und führt es dann dort weiter.

LB:
Ist jetzt nicht die schlechteste Stadt Kopenhagen, es ist wunderschön.

CP:
Genau und ich glaube, so ein bisschen skandinavisches Gedankengut finde ich persönlich, zumindest, wer sich durch meinen vorigen Vortrag davon überzeugt findet, dem kann ich das nur raten.

LB:
Ja, kann ich mir vorstellen. Jetzt hört sich das ja alles toll an. Wahnsinnig erfolgreich in vielen Bereichen, aber irgendwo wird ja auch mal eine kleine Niederlage dabei gewesen sein, eine riesen Herausforderung. Mich würde interessieren, was war denn so in deiner ganzen Gründerzeit bei den ganzen Unternehmen so die schwierigste Phase und was hast du so daraus gelernt?

CP:
Naja, die schwierigste Phase ist immer die, wenn es menschlich nicht klappt. Gerade zwischen Co-Foundern, das habe ich bei acht Unternehmen natürlich auch das ein oder andere Mal erlebt. Das Schlimmste war, wenn es dann Freunde waren, wo es dann nicht mehr geklappt hat. Das bringt mich persönlich wirklich an die Belastungsgrenze. Economischer Stress und generell viel Tun, da habe ich ganz gut Mechaniken oder weiß, wie man damit umgehen kann, aber den menschlichen Stress empfinde ich für mich als die höchste Belastung.

Von daher, ich kann zum Glück mit allen Menschen, mit denen ich je gegründet habe, heute wieder reden und man trifft sich. Sie sind jetzt nicht mehr die besten Freunde vielleicht, aber immer noch Freunde zumindest. Aber das waren schon die Sachen, die wirklich schwierig sind und ich glaube auch, die bringen eine Firma ultimativ dann auch meistens wirklich an den Rand des Abgrunds. Weil, wenn ein Co-Founder aussteigt in irgendeiner Form, dann ist es immer wahnsinnig schwierig und man muss sich sehr lange um dieses Thema kümmern und hat wenig Zeit, sich dann um andere Themen zu kümmern.

Gerade in so kritischen Phasen, danach mögen meist auch keine Investoren mehr investieren. Es gibt nicht so wahnsinnig viele Exemplare, glaube ich, wo Firmen das überlebt haben. Es gibt ein paar ganz namhafte, wo es dann doch geklappt hat, aber häufig ist es ein großes Problem. Da würde ich dann auch so als Tipp sagen, den ich über die Zeit, vielleicht auch hard learning, habe, überlege dir ganz genau, ob du mit Freunden gründest oder ob du dir nicht wirklich dein Team lieber einfach nur zusammenwürfelst so, wie du eben auch Leute für einen Job anstellst.

Das haben wir jetzt bei Kontist, wir sind zu viert, wir haben ein sehr diverses Team mit verschiedenen Stärken und Schwächen und bis jetzt, toi, toi, toi, haben wir es auch sehr gut geschafft im Endeffekt, es gemeinsam zu managen. Wir mögen uns mittlerweile gern und gehen auch abends gern ein Bier trinken oder etwas essen, aber ich würde nicht sagen, dass wir jetzt beste Freunde sind. Das auf keinen Fall. Es ist aber auch total okay.

Wir haben ein gemeinsames Ziel, wir wollen dieses Unternehmen gründen, wir sharen gewisse Werte und alles Drum und Dran, aber man kann sich vielleicht auch ein bisschen einfacher gegenseitig sagen, hier ist ein Problem, so willst du es machen. Wenn es ein guter Freund ist, dann ist es immer wahnsinnig schwierig. Das wäre vielleicht auch immer noch dieser Tipp, überlege es dir gut. Ich weiß, ich persönlich zumindest habe immer davon geträumt mit meinen besten Freunden, wäre das nicht toll, wir könnten von früh bis spät gemeinsam usw. Heute denke ich mir, ganz gut vielleicht, dass ich es nicht gemacht habe. So sind sie heute immer noch meine besten Freunde.

Und das andere ist dann noch, tue es wirklich mit Menschen, die anders sind als du. Ich kann es nicht genug betonen und ich muss es auch immer wieder bei mir selber machen, suche dir Menschen aus, die wirklich komplementär zu deinen eigenen Skillset sind. Wenn zu hohe Überschneidungen sind, dann gibt es bei CoFoundern auch sofort Krach. Wenn ich im Endeffekt glaube, ich könnte es besser als mein CoFounder in seinem Bereich, dann tritt man sich sofort auf die Füße.

Wenn man wirklich komplementär ist und immer nur seine CoFounder mehr oder weniger sogar dafür bewundert, wie toll sie doch gewisse Sachen machen und wie ich das selber gar nicht kann in dem Bereich und wie gut sie es machen, dann ist dieser nötige Respekt füreinander da, der eine Gründung wirklich lange führt.

Das andere Thema, um auf deine Frage zurückzukommen, ist natürlich immer das gute Geld, richtig. Das ist immer ein hartes Thema, ich habe mal zwei Jahre geboottrapt, da war ich dann auch wirklich so zwei oder drei Monate vor der Privatinsolvenz, weil ich irgendwie überhaupt nicht mehr konnte und habe dann im letzten Moment mit 2,5 Millionen einen Investor gefunden. Und der ging rein und er war sogar so nett und hat mir den ersten Tag, an dem es losging, für 4 Prozent meiner Anteile ein Jahresgehalts, die habe ich ihm verkauft, er hat mir dafür ein Jahresgehalt gegeben.

Ich konnte alle meine Schulden zurückzahlen und hatte sogar wieder einen finanziellen Puffer. Das ist natürlich schon wirklich va banque, Spiel gegen die Bank und wenn das schiefgeht, dann geht es halt auch schief. Dann auch später immer dieser Druck, dem guten Geld hinterherlaufen zu müssen. Das muss man sich halt einfach bewusstmachen und ich kenne kaum einen Gründer, ich weiß genau, was deine Geschichte in dem Bereich ist, aber das bringt einen schon wirklich manchmal an den Rand der Sanity.

Wenn man sich es vorher klarmacht, ist es besser. Aber ich denke auch da wieder, wenn ich nicht auch eine ordentliche Portion Naivität hätte, hätte ich nicht acht Unternehmen gegründet. Wenn man vorher schon weiß, auf was man sich da wieder einlässt, warum tut man es dann? Es ist ein bisschen wie eine Heroinsucht. Man weiß eigentlich, dass es ungesund ist, aber man ist irgendwie doch süchtig.

LB:
Das sind ganz interessante Learnings. Dass man sich überlegt, mit wem man gründet, also nicht mit Freunden, auch wenn das im ersten Augenblick oftmals verlockend scheint. Ich habe das sogar mal gemacht und es ist auch nicht gutgegangen. Das war noch zu Studentenzeiten, es war jetzt auch nichts, da habe ich auch nicht wahnsinnig viel Geld verloren und wir sind auch jetzt noch sehr gut befreundet, Gott sei Dank. Aber das hat damals die Beziehung abgekühlt und das muss nicht die beste Lösung sein.

Das man sich immer jemanden sucht, der andere Skills hat, finde ich auch super von der Idee her, also das ist klasse. Ich glaube, das muss sich jeder klarmachen, der Unternehmen gründen will, dass solche Phasen kommen. Der Dr. Maus hier, der Gründer von Obi, der hat ja mal den Satz gesagt, wer nicht einmal mindestens als Unternehmer kurz vor der Pleite stand, ist kein Unternehmer.

CP:
Dann bin ich definitiv ein Serial Entrepreneur!

LB:
Okay, ja, kann ich so unterstreichen, auf alle Fälle. Christopher, erstmals vielen Dank bis hierhin. Wir kommen zu den Schlussfragen und da bitte ich immer um kurze und prägnante Antworten. Chris, welcher ist dein wichtigster Produktivitätstipp?

CP:
Fokus, Fokus, Fokus! Gucke dir die wichtigsten Themen an, ob es jetzt ein langes Projekt oder ein kurzes Projekt ist, schneide alles Unwichtige, fokussiere dich auf eine Sache. Mach die gut, kümmere dich dann erst um das nächste.

LB:
Was machst du als Unternehmer, um abzuschalten?

CP:
Im Idealfall Familie. Das ist schon so für mich, abends mit meiner Tochter, sie ins Bett zu bringen, das hilft mir beim Abschalten.

LB:
Welche App oder welchen Internetdienst kannst du der Selbstmanagement.Digital.-Community empfehlen, außer Kontist natürlich?

CP:
Du bist jetzt fies, als nächstes würde Debitoor kommen.

LB:
Was nutzt du denn sonst so?

CP:
Für mich das wichtigste Tool ist altmodisch, aber es ist tatsächlich Gmail. Ich habe mir verschiedene Plugins gemacht, um mir E-Mails zu priorisieren in verschiedenen Stufen und das ist so das eigentlich für mich wichtigste. Und ein anderes, da werde ich für gehasst im Unternehmen, dass ich das jetzt sage und dann auch noch öffentlich, ich benutze sehr wenig Slack. Weil ich damit einfach produktivitätsmäßig so rausgehauen werde. Ich sage immer den Leuten, sie müssen leider mit mir per E-Mail kommunizieren. Aber wie gesagt, dafür werde ich gehasst im Unternehmen.

LB:
Okay, welches Buch hat dich denn als Unternehmer und Mensch am meisten geprägt?

CP:
Das ist jetzt eine große Frage. Aber welches Buch so in letzter Zeit definitiv für mich das Wichtige war, war Lean Startup. Es ist schon eine Weile her, dass ich das gelesen habe, aber ich habe am Anfang meiner Unternehmerkarriere mich deutlich verzettelt. Und die Überlegungen von Lean Startup, das Ganze schneller auf die Straße zu bringen, da eine höhere Effizienz, schneller zu lernen und wieder neu anzufangen, das fand ich sehr inspirierend. Kann ich nur jedem empfehlen.

LB:
Super, welches ist der beste Ratschlag, den du jemals erhalten hast?

CP:
Ich glaube, 50 Prozent aller Entscheidungen, die du im Leben triffst, sind verkehrt, also fäll deine Entscheidung. Die Tatsache zu sagen, ich kann’s jetzt auch durch längeres Nachdenken eh nicht ändern, ich muss die Entscheidung lieber früher fällen als später.

LB:
Okay, super, kommen wir zur letzten Frage, bevor wir uns verabschieden. Wie kann denn jetzt die Selbstmanagement.Digital.-Community dich und deine Unternehmen finden? Wo bist du im Netz vertreten?

CP:
Bei Kontist.com, ganz einfach mit K geschrieben. Ich sage immer Marxist, Leninist, Kontist. So als Eselsbrücke, damit man weiß, wo es ist. Genau, dort findet man es, dasselbe auch im App Store, ist eigentlich direkter. Dann kann man sich für Android oder iOS die App runterladen und im Idealfall dürfte es eigentlich nicht mehr als acht bis zehn Minuten dauern. Wenn man nicht zu lange in der Warteschlange steht und kann man ein Konto bei uns aufmachen. Ist auch kostenlos, wir haben auch die Kreditkarte dazu. Und das Ganze mal dort ausprobieren.

LB:
Bist du irgendwo auch gerade in Bezug auf bedingungsloses Grundeinkommen aktiv? Hast du eine eigene Seite, einen eigenen Blog oder irgendwo, wo du das auch publizierst?

CP:
Das mache ich eher über Gastartikel und ähnliches. Wir haben auch die Freeliance.org. Kann ich auch empfehlen. Ist ja der gemeinnützige Verein, wo wir uns für Selbständige einsetzen und da haben wir einen Beirat. Ich komme darauf, weil wir auch mit dem bedingungslosen Grundeinkommen.de zusammensitzen.

Die machen jetzt gerade ein neues Projekt, ich weiß nicht, das wird noch ein Jahr dauern, bis es rauskommt, wo sie wirklich über fünf Jahre ein bedingungsloses Grundeinkommen mit hundert Leuten testen wollen. Wo sich die Leute gegenseitig ein bedingungsloses Grundeinkommen auszahlen. Und das ist auch ein Projekt, was wir mit Kontist, die brauchen auch ein Konto, um das Ganze abzuwickeln und die ganze Logik dahinter zu machen und da ist es noch nicht sicher, ob wir es können. Aber da bin ich zum Beispiel gerade auch mit denen im Gespräch, um dieses Projekt quasi infrastrukturtechnisch mit Kontist zu unterstützen. Aber ich gehe raus und versuche, dort, wo die Diskussion geführt wird, mich dann mit Artikeln und Ähnlichem einzubringen.

LB: Das würde ich gerne auch mal hier im Podcast machen, da werde ich nochmal auf dich zukommen, dass wir da auch mal ein Podcast zu machen, wenn du magst, wo du uns dann mal deine Argumente präsentieren kannst.

CP: Sehr gern.

LB: Super, Chris, dann vielen Dank, hat sehr viel Spaß gemacht. Du hast guten Einblick in diese Gründerszene und auch, wie du zu deinen Ideen gekommen bist und wie du sie finanziert hast, gegeben. Vielen Dank dafür!

CP: Ich danke dir herzlich, herzlichen Dank für die Einladung.

LB: Ja, danke dir und euch natürlich und dir, Chris, auch wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Mach es gut, ciao.

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