In unsicheren Zeiten, sei es durch globale Ereignisse oder hausgemachte Herausforderungen, fühlst Du Dich als Unternehmer oder Unternehmerin vielleicht von Krisen überrollt. Doch anstatt in eine Opferrolle zu verfallen, ist es entscheidend, Deinen Fokus neu auszurichten und proaktiv zu handeln.

Wie Du in Krisenzeiten nicht nur überlebst, sondern gestärkt daraus hervorgehst, darüber habe ich mich mit Dr. Nikolaus Förster, dem Herausgeber des Magazins impulse unterhalten. Höre unbedingt mal hinein.

Podcastfolge

Transkript

Lars Bobach:

Fokus in Krisenzeiten, Nikolaus. Krisenzeiten, gefühlt oder wirklich?

Nikolaus Förster:

Wirklich.
Also wir haben lange geredet über Krisen und es gab ja auch reale Krisen. Wenn man an Corona-Krise denkt, Pandemie, an die Kriege, die ausgebrochen sind. Jetzt ist gerade wieder ein neuer Krieg ausgebrochen, Indien / Pakistan. Also es geht ja immer weiter.

Und man hat das Gefühl, diese Krise kommt jetzt auch bei den Unternehmen an, die lange noch stabil waren. Man kann oft mal Krisen aushalten, auch noch eine Krise, aber irgendwann muss auch mal wieder eine andere Phase kommen und dann wird es eben hart für einige Unternehmen.

Lars Bobach:

Bevor wir darauf eingehen, was wir Unternehmer, Unternehmerinnen machen können, wo wir auch den Fokus drauf legen wollen, mal ganz kurz gucken, aus deiner und vielleicht auch aus meiner Sicht, woran liegt das denn, dass wir da gerade drin sind?

Du hast jetzt die globalen Krisen angesprochen. Wie viel davon ist denn Haus gemacht?

Nikolaus Förster:

Naja, wenn ich überlege, wann war die Welt noch in Ordnung?

Ich war im Februar 2020 in San Francisco. Das war quasi die Woche, bevor dann der erste Tote in den USA in den Schlagzeilen war. Und dann ging es ja los mit Corona, richtig.

Und dann der Krieg, Ukraine, Russland und so weiter und so weiter.

Deswegen, wenn du sagst, Haus gemacht, ja gut, Pandemien gab es immer.

Aber durch Globalisierung sind wir jetzt eine Welt und damit gibt es auch eine sehr schnelle Verbreitung. Aber das war jetzt nicht so in dem Fall Menschen gemacht.

Was wir erleben im Bereich Kriege, politische Auseinandersetzung, auch da bist du als Mittelständler erst mal völlig ohnmächtig. Das sind quasi jahrzehntelange Entwicklungen, die da plötzlich explodieren. Da geht es halt um Machtpolitik, Realpolitik, Unzufriedenheiten.

Diplomatie, all das. Ich finde, wenn wir dann überlegen, warum einige Unternehmen trotzdem überleben und andere es nicht schaffen, dann geht es um die Frage, was ist Haus gemacht und was nicht.

Das ist, wie ich finde, sehr oft ein Thema, sind zwei Sachen, Geschäftsmodell und Qualität. Das ist ganz spannend zu sehen, dass viele Unternehmen eigentlich ganz gesund aussehen nach außen. Und dann kommen Krisen und dann merkt man, okay, das Geschäftsmodell bricht zusammen, entweder so oder die Liquidität reicht halt nur für ein paar Wochen und dann ist es schon vorbei.

Also ein bisschen die Fassade, die wir da sehen, die ist nicht mehr da und dann kommt es drauf an und dann natürlich kommt auch das raus, was dann Haus gemacht ist.

Lars Bobach:

Hausgemacht meinte ich jetzt auch so ein bisschen, inwieweit machen wir uns selber da einen Strich durch die Rechnung, indem wir nämlich natürlich mental mit diesen ganzen Unsicherheiten, jetzt gerade auch mit Trump, mit den Zöllen und machen wir uns es da selber schwer. Da wollte ich eigentlich eher so auch drauf hinaus.

Nikolaus Förster:

Okay, das ist ein ganz anderer Fokus. 

Ja, absolut. Ich bezeichne mich oft manchmal eher so als einen Stoiker.

Also ich habe so ein bisschen die Fähigkeit, Dinge, ich weiß gar nicht, ob es verdrängen ist, aber sie auszublenden.

Es gibt dieses berühmte Modell von Stephen Covey, das sind die drei, Circle of Control:

Was ist eigentlich in deiner Kontrolle, was kannst du selbst bestimmen, was kannst du nur beeinflussen und wo kannst du einfach nur beobachten, was passiert, dir vielleicht Sorgen machen, aber du hast keine Chance.

Und vieles von dem, was gerade passiert, also wenn man sich Trump anschaut, die Kriege anschaut, alles was da abgeht gerade, ist im äußersten Zirkel. Da haben wir erstmal überhaupt keine Möglichkeit, was zu tun.

Und deswegen empfehle ich immer, guckt auf das, was ihr selbst tun könnt. Was ist bei euch in eurem Einflussbereich? Was könnt ihr selbst sagen, tun, entscheiden, machen? Und wo habt ihr einen direkten Einfluss auf andere Menschen, was ihr tun könnt? Im Unternehmen zum Beispiel.

Aber wenn die Aufmerksamkeit zu stark auf den äußeren Kreis geht, das, was wir ohnehin nicht ändern können, dann verlieren wir enorm viel Energie.

Lars Bobach:

Ja, nicht nur Energie, wir kommen ja dann automatisch in dieses Passive, in diese Opferrolle und da sind wir schon beim ersten Punkt, wie man mental mit so einer Krise umgeht, weil das dürfen wir natürlich nicht, gerade als Unternehmer, Unternehmerinnen, uns da in diesem Interessenbereich verlieren, so nennt Covid das ja, und dann da in die Opferrolle, man ist nur noch ein Spielball und wird hin und her geschubst.

Aber es ist natürlich leicht, da reinzufallen. Was gibst du denn da für Tipps, damit das nicht passieren kann?

Also wenn man Nachrichten guckt und vielleicht auch dann seinen Kontostand sieht oder den Auftragseingang und so, da gibt es ja sehr viele Gründe, dass man sich Sorgen macht und dann oftmals die Gründe oder auch die Ursachen dann außerhalb sucht.

Nikolaus Förster:

Es ist ein bisschen traurig, dass ich als gelernter Journalist das sage, aber sowas wie Medienabstinenz, das kann manchmal auch helfen.

Und ich verstehe auch diese Sucht, dass man Live-Ticker verfolgt und jede Nuance einer katastrophalen Geschichte verfolgen möchte.

Aber man muss sagen, das Umfeld, mit dem man sich umgibt, also die Menschen, die Nachrichten, die Literatur, also all das beeinflusst einen. Deswegen wäre der erste Tipp, wirklich nochmal zu überlegen, wie schaffe ich mir ein Umfeld, das mich nicht nur runterzieht, sondern mir wirklich Energie gibt? Das ist der eine Punkt.

Es gibt noch viele andere Strategien. Eine, die ich den Leuten immer nahe bringe, ist, sich auf das zu besinnen, was sie wirklich wollen. Was ist im Tiefsten der Kern dessen, wo eine Sehnsucht ist? Wo eine Lust ist, etwas zu erreichen? Und wirklich darauf sich zu fokussieren, gibt einem unglaublich viel Energie. Und diese Energie ist ja nicht irgendwie nur fiktiv, sondern sie ist da. Also wenn man das wirklich schafft, das zu visualisieren, sich das vorzustellen, dann merkt man auch in seinem Körper, dass es wirklich einen anderen Energielevel gibt. 

Um das zu verstärken, gibt es einen dritten Weg, auf die Vergangenheit zu schauen.

Wo waren in der Vergangenheit Dinge, die ich erlebt habe, die mir wirklich gut getan haben.

Wo war ich in mir selbst? Wo habe ich was bewirkt für andere, was richtig gut war?

Das sind alles Momente, das sind so Golden Nuggets, so Elemente im Leben, die man nicht vergessen kann, Erinnerungen, die einem gut tun. Und es passiert viel zu schnell, dass man all das vergisst. Das ist zwar geschehen irgendwann, es ist aber nicht mehr präsent.

Wenn man rauskommen will aus so einer Energielosigkeit, aus so einer Apathie fast, dann hilft es, sich zu vergegenwärtigen, was habe ich eigentlich erlebt, was habe ich auch bewältigt und gemeistert. 

Und der nächste Schritt ist dann zu fragen, aber wie habe ich das geschafft? Also welche Fähigkeiten hatte ich eigentlich damals, um das meistern zu können? Und hey, die habe ich heute auch noch.

Also das sind so mentale Techniken, mit denen man es ganz gut schaffen kann, rauszukommen aus dieser Apathie.

Lars Bobach:

Also auf der einen Seite wirklich auf negatives Umfeld, negative Nachrichten verzichten, auf die Ziele, auf das, was einen wirklich antreibt, fokussieren und dann nochmal in die Vergangenheit gucken, welche Fähigkeiten habe ich gehabt, die mir damals schon aus Krisen, die wir ja alle schon hatten, geholfen haben, rauszukommen.

Also sehr, sehr wertvolle Hinweise.

Also mit dem News Verzicht, das kann ich nur jedem ans Herz legen. Ich mache das.

Ich habe mich auch mittlerweile überall bei Social Media abgemeldet. Ich bin nirgendwo mehr.

Und du hast es ja eben auch schon gesagt, dieses Suchtverhalten, es ist ein Suchtverhalten. Dieser Dopamin-Kick oder diese Gier nach diesen Schlagzeilen. Das ist nicht gesund. Und ich glaube, das wäre der erste Schritt, sich davon mal abzukoppeln.

Und wie gut das tut, wenn man das mal macht, welche mentale Klarheit man dann bekommt, ist einfach immens.

Nikolaus Förster:

Ich meine, ich selbst bin ja Impulse-Chef, das ist ein Netzwerk mit tausend Geschäftsführern und da muss man schon sagen, diese Leute sind nicht normal im Sinne von, hey, das sind Leute, die haben Lust, etwas  zu machen. Und das empfehle ich auch.

Sucht euch Gesprächspartner, die eben auch mal nach vorne schauen, die eben nicht nur auf all das schauen, was nicht funktioniert, sondern die gerade in Krisen neue Ideen entwickeln. Und das ist eben auch das, was ich kontrollieren kann.

Ich kann eine Entscheidung treffen, treffe ich diesen Freund, diesen Kollegen, diese Geschäftsführerin oder auch nicht. Also die Kreise, mit denen ich mich umgebe, auch das ist meine eigene Macht. Und das kann ich halt verändern. Deswegen, wer selbst nach Energie lechzt, sollte schauen, dass er sich mit Menschen umgibt, die einen inspirieren und die eben auch dann Energie geben können.

Lars Bobach:

Super Hinweis und das wird oftmals total unterschätzt und das ist meine Erfahrung, aber was so ein inspirierender Freundeskreis, so ein inspirierender Austausch, ein Mastermind, wie man das auch immer nennt. Ihr seid ja ein Unternehmernetzwerk, das sind ja Leute, die was bewirken wollen, die was nach vorne bringen, die sich nicht in der Opferrolle verstecken. Was das bringen kann, das kann ich nur jedem raten, solche Gemeinschaften, sei es über Verbände, sei es über so ein Impulse-Unternehmernetzwerk oder so zu suchen, weil das öffnet auch wirklich den Raum.

Ich würde gerne noch…

Nikolaus Förster:

Ich muss noch eins ergänzen, Lars. Ich finde, es gibt Netzwerke, das predige ich hier seit vielen Jahren, es gibt ja viele Netzwerke, die sagen, wir müssen die Bürokratie bekämpfen und Berlin und Brüssel und keine Ahnung was. Also man guckt quasi, macht Lobbyarbeit, man versucht die eigenen Interessen zu vertreten, was auch total legitim ist. Aber, das ist nicht in meiner Macht. Sondern wer zu stark auf das schaut, was sozusagen auf mich einprasselt an Regulierungen, an Gesetzesvorhaben und so weiter, wird niemals in die Energie kommen.

Lars Bobach:

Genau.

Nikolaus Förster:

Deswegen, ich empfehle, guckt auf das, was ihr tun könnt und umgebt euch mit Menschen, die was Eigenes machen und schaut nicht zu stark nur auf das Thema Politik, Bürokratie, weil letztlich muss man sagen, sind wir doch ohnmächtig.

Lars Bobach:

Ändern können wir da nichts. Man kann sicherlich da seine Stimme mit ins Feld bringen, aber dass wir was ändern können, sicherlich nicht.

Und mit Netzwerken jetzt auch bitte nicht verstehen, hier an die Hörerinnen und Hörer gerichtet, dieses klassische Netzwerken, wo man hinterher mit dem Stapel Visitenkarten nach Hause geht, wo jeder einem nur was verkaufen will, sondern wirklich, wo man sich auf Augenhöhe austauscht. 

Ich habe auch eine kleine, kleine Mastermind, wo man auch mit seinen Sorgen, mit seinen Ängsten hinkommen kann, auch merkt, dass man nicht alleine ist. Andere hören einem zu, können einem helfen, weil sie vielleicht auch ähnliche Situationen schon gemeistert haben.

Ich finde für das, wenn wir Resilienz entwickeln, mit Mindset arbeiten in solchen Krisen noch ganz, ganz wichtig und das erlebe ich auch häufig und da nehme ich immer gerne das Beispiel, ich bin ja begeisterter Mountainbike-Fahrer und wenn man sich dann irgendeinen Berg runterstürzt, ist es ja immer, ganz wichtig, immer dahin zu gucken, wo man hinfahren will und nicht da, wo man nicht hinfahren will. Also nicht auf die Mauer gucken, sondern auf den Kurvenausgang, nicht auf den Abgrund, sondern auf den Weg, der noch vor einem liegt.

Und auch da ist meine Erfahrung, dass wir oftmals in so eine Starre geraten vor Angst, wobei wir uns eigentlich darauf konzentrieren sollten, wo geht der Weg denn auf jeden Fall hin.

Nikolaus Förster:

Absolut. Das ist halt dieses Thema Ziele zu haben. Ich erlebe zu viele Menschen, die diese Ziele sehr abstrakt im Kopf haben. Und ich glaube, die Kraft besteht darin, wenn wir eigentlich, muss man sagen, Kino im Kopf stattfinden lassen. 

Also, ein Ziel ist nicht so: ja, ich will irgendwo hin. Nein, ich sehe diesen Gipfel.

Also beim Mountainbiken, ich weiß nicht, ob du auch mal auf den Gipfel fährst. Ich weiß es nicht.

Lars Bobach:

Manchmal. Ja.

Nikolaus Förster:

Aber wenn du halt diesen Gipfel vor Augen hast, hat es eine ganz andere Kraft. Also wenn du sagst, na, ich will heute mal drei Stunden fahren, mal gucken, wie es so wird. Nein, du hast ein ganz konkretes Ziel. Und dieses Ziel ist nicht abstrakt, sondern sichtbar. Es steht visuell vor deinen Augen oder wie ein Film. Und dann hast du eine andere Kraft.

Lars Bobach:

Absolut. Ich mache das auch immer in meinem Ziele-Workshop, gerade für das Unternehmerische, wenn wir dann an Visionen gehen, da sage ich immer, fühlt euch schon mal rein in die zehn Jahre. Wie ist das dann? Und dann sage ich immer so, wir sind jetzt in zehn Jahren weiter und führen mal ein Interview mit dir. Wie ist dein Leben dann? Was machst du jeden Tag? Wo ist dein Büro? Wo ist dein Geschäft? Wie ist das aufgebaut?

Und das gibt eine ganz andere Kraft, als wenn man, wie du sagst, so abstrakt an irgendwas arbeitet, an dem man irgendwie vielleicht so gar nicht richtig glaubt.

Sehr schön. Tolles Beispiel noch.

Lass uns jetzt mal Krise und Strategie angucken. Krise überwinden hat ja auch was mit Strategien zu tun. Oftmals sind die Strategien dann eher kurzfristig gedacht, Kosten reduzieren, Personalabbau. Und da geht oftmals die Zukunft verloren. Wie ist deine Meinung dazu?

Nikolaus Förster:

Ich glaube, man muss eine Balance finden. Also wenn ich mal bei Impulse schaue, wir hatten vor zehn Jahren eine massive Krise, wir haben viel Geld verloren und dennoch habe ich immer weiter in das Team investiert und vor allen Dingen in IT, in Datenbanken. Im Nachhinein war das der goldrichtige Weg.

Wenn man nur in einer Krise versucht, Kosten runterzubekommen, Geld zu sparen, dann wird man nicht mehr investieren, sondern man demotiviert auch ein Team. Beide Aspekte spielen eine große Rolle. Ich finde, man muss eine Balance halten.

Zugleich, wenn manche Umsätze stark runtergehen, zu glauben, man kann es nur schaffen, über noch mehr Umsatz, Umsatzfelder finden. In der Regel geht es Hand in Hand.

Man muss dann schauen, wo haben wir Möglichkeiten, Geld zu sparen, wo können wir mit den Kosten runter. Aber es muss eine Balance geben zu dem, was nach vorne geht, zu den positiven, den neuen Ideen. Wenn das nicht da ist, dann glaube ich, ist das für ein Unternehmen ein Desaster.

Dann ist man in einer Welt, ich würde sagen in einer BWL-Welt, wo nur gerechnet wird, okay, hier kann ich Geld sparen, Geld sparen, Geld sparen und das ergibt dann diese Summe und dann sind wir safe.

Was da nicht mit gerechnet ist, was da an Motivation flöten geht. Was das mit einer Firmenkultur, einer Teamkultur macht. Deswegen glaube ich, ist das extremst gefährlich.

Deswegen sage ich, gerade in Krisen kommt es auch auf Storytelling an.

Also darum, Geschichten zu erzählen, nicht erfundene Geschichten, sondern wirkliche Narrative, wo ich hin will, wo wir hin wollen.

Und dann ist Teil dieses Narratives, Teil der Geschichte eben auch, dass man sich vielleicht auch von ein paar Leuten trennen muss. Oder dass man ein paar Dinge nicht mehr so intensiv macht oder einen anderen Fokus setzt.

Aber das muss, glaube ich, eingebettet sein, sonst hat man ein Problem.

Lars Bobach:

Und was hältst du von der Idee, da bin ich ein Befürworter von, dass solche Krisen man auch durchaus nutzen kann, um seine Strategie zu schärfen und sich dann auch, so schwer es dann fällt, von Geschäftsfeldern, die vielleicht gar nicht zur Strategie passen, dann auch trennen sollte, obwohl dann Umsatz flöten geht?

Nikolaus Förster:

Naja, auf jeden Fall.

Es ist nicht so, ich sollte es nutzen, um das zu tun, sondern die meisten erkennen das überhaupt gar nicht. Wenn es ihnen gut geht, sie bequem sitzen in ihrem Sessel und sie Geld verdienen und so weiter, dann haben sie überhaupt keinen Anlass, mal darüber nachzudenken, was man verbessern könnte.

Also meine Erfahrung ist, die klügsten Entscheidungen, die fallen in der Krise, weil die Unternehmer oder die Führungskräfte mit dem Rücken an der Wand sind. Weil die jetzt agieren müssen.

Wenn es einem gut geht, kann man sagen, ja, das ist doch eigentlich ganz nett hier und so weiter und so weiter.

Lars Bobach:

Ja, genau.

Nikolaus Förster:

Deswegen ist es gar nicht so nach dem Motto, ja, jetzt machen wir es mal. Nein, sie sind gezwungen und das ist das Spannende. In der Krise zeigt sich meistens, was die wirkliche Stärke ist. Was macht ein Team aus? Was für Fähigkeiten gibt es? Wie gut sind die Kundenbeziehungen? Wie gut sind die Produkte und Dienstleistungen?

Also dann ist wirklich so der Lackmustest, ist das, was wir da haben, hat das Substanz und zwar sowohl nach außen zum Kunden hin, aber auch intern. Gelingt es uns als Unternehmen, als Team, dieses Vertrauen aufrechtzuerhalten? Halten wir zusammen oder bricht es auseinander?

Lars Bobach:

Wenn du da so auf deine eigene Erfahrung gehst, ich meine, das hört sich jetzt alles total logisch an, was du sagst, kann ich auch absolut unterschreiben, aber das wirklich abzuwägen, wann muss ich jetzt wirklich, wenn mein Kontostand, die Liquidität plötzlich völlig total eng ist und ich mir schon Gedanken darüber mache, wie ich meine nächsten Gehälter zahle und auf der anderen Seite, aber dann langfristig denken will und sowas.

Hast du da so einen Tipp, wie man da sich rantastet, dass das noch gesund ist oder da sollte man wirklich mal radikal mit der, mit dem, ja, ich sag’s jetzt, mit der Kettensäge ran.

Nikolaus Förster:

Na gut, Kettensäge ist ein Bild, das seit Elon Musk verbrannt ist, muss man sagen.

Auf einmal muss man sagen, Cash is King, das bedeutet Geld ist humorlos, wenn kein Geld mehr da ist, ist es vorbei.

Lars Bobach:

Mhm.

Nikolaus Förster:

Für viele junge Unternehmen auch so ein Learning zu erleben, das Geschäftsmodell mag super attraktiv sein, es kommt auch Geld in die Kasse, aber wenn es nicht reicht, dann ist man zahlungsunfähig. Dann ist man in der Gefahr einer Insolvenzverschleppung. Deswegen ist da eigentlich Humorlosigkeit angesagt.

Wenn ich ein Problem mit Liquidität bekomme, dann geht es auf jeden Fall darum, das sicherzustellen, weil alles andere hat keinen Zweck.

Deswegen ist die Frage halt eher, wie schnell entdecke ich eigentlich, dass ich da hineinlaufe in ein Liquiditätsproblem. Wenn ich das zu spät merke, ist es dann vielleicht auch zu spät. Und deswegen, ich versuche immer die Leute zu animieren, dass sie auf ihr Geschäftsmodell schauen.

Wenn man nur operativ das Geschäft macht, aber nicht immer wieder mal so wie ein TÜV,  einmal im Jahr, ich gucke mal so auf mein Geschäftsmodell, wie es eigentlich so im Markt dasteht. Wenn man das nicht tut, dann läuft man Gefahr, dass man in eine Falle hineinläuft und es dann zu spät ist.

Deswegen, ich finde, der Blick muss aufs Konto gehen, wenn wenig auf dem Konto ist und es muss abgesichert werden, absolut. Und zugleich, das ist die große Herausforderung für Unternehmer und Unternehmerinnen, muss ich ja mein Team mitnehmen und die auch motivieren, dabei zu bleiben und nach vorne zu gehen.

Und das bedeutet, dass man selbst Sparmaßnahmen einbetten muss, warum ist das sinnvoll? Mein Team muss das nachvollziehen können, warum müssen wir jetzt hier sparen?

Wenn mir das nicht gelingt, dann verliere ich das Vertrauen meines Teams und habe, glaube ich, auch keine Chance, eine Firma wirklich zu retten und nach vorne zu entwickeln.

Lars Bobach:

Mitarbeiterführung, gehen wir jetzt gleich noch drauf ein, ist ja ganz wichtig auch in Krisenzeiten, da zeigen sich ja dann wirklich die wahren Führer dann auch oder jetzt Unternehmer, Unternehmerinnen.

Ganz kurz nochmal, ich fand das ganz toll, was du gesagt hast, das eigene Geschäftsmodell nochmal zu hinterfragen, sich anzugucken, wirklich genau mal die Flughöhe zu wechseln, das sage ich dann immer.

Ja klar, Cash ist King und wenn das auf dem Konto plötzlich ganz eng wird, dann ist das der einzige Fokus in dem Moment, gar keine Frage. Aber einfach mal diese Flughöhe zu wechseln und raus aus dem Operativen, wenn man da noch zu sehr eingebunden ist und dann sich das Ganze anzugucken und auch mal die Finanzen sich anzugucken, vielleicht das Controlling, die Produkte, womit verdienen wir denn Geld, wo verdienen wir kein Geld, was sind meine faulen Eier in der Belegschaft, was sind meine wirklich High-Performer, die ich unbedingt noch pushen muss.

Das sich einfach mal anzugucken und da verliert man wirklich im Operativen natürlich oftmals das Gespür und auch den Blick für.

Mitarbeiterführung, du hast es schon angesprochen, ganz, ganz wichtig, Team mitnehmen.

Wie weit würdest du sagen, ist denn da Transparenz von Nöten?

Nikolaus Förster:

Das ist immer eine Gratwanderung. Wenn ich mich selbst als Beispiel nehme, als wir 2014, 2015 in diese große Krise reingerauscht sind, der Management-Buy-out, die Loslösung von Impulse aus Gruner + Jahr, war 2013.

Das erste Jahr hatten wir einen kleinen Gewinn und dann ging es wirklich bergab. Wir haben eine halbe Million verloren. Es wurde sehr, sehr schwierig. Wenn ich das nicht transparent gemacht hätte damals, hätte ich keine Chance gehabt, dieses Unternehmen wirklich nach vorne zu entwickeln und auch zu retten.

Wir haben damals als Team eine gemeinsame Vision geschrieben, wo wollen wir in 6,5 Jahren sein. Also wir haben  2014 einen Text geschrieben, der spielte in der Weihnachtsfeier 2020. Das heißt, alle wurden einbezogen in diese Zukunftsvision, wo wir hinwollen.

Und nur weil es diese Vision gab, konnten wir auch zusammen durch diese Krise gehen.

Und das hieß dann für mich auch absolute Transparenz, was die Zahlen anging.

Wenn man da vorspult, jetzt im Jahr 2020, Corona, da haben wir ungefähr eine Million Umsatz verloren in einer Woche.

Wir machen in der Regel einen Gewinn von ein paar hunderttausend Euro.

Und wenn man dann eine Million verliert in einer Woche, weil alle Anzeigen raus, alle Kooperationen, alle Unternehmerreisen, also alles weg durch Corona.

Das war extrem kritisch. Wenn ich in dieser Phase meinem Team nicht offen kommuniziert hätte, was da passiert, hätten wir keine Chance gehabt.

Ich habe damals ein Konzept entwickelt, keine Kurzarbeit, sondern stattdessen zu überlegen, was kann jeder beitragen, um diese Firma zu retten und nach vorne zu gehen.

Lars Bobach:

Mhm.

Nikolaus Förster:

Die einen wurden im Betrieb nicht so gebraucht oder weniger gebraucht in dieser Krisenphase, also vielleicht können die weniger arbeiten.

Die anderen können auf Urlaub verzichten, die anderen können auf Gehalt verzichten, weil sie ein hohes Gehalt haben. Und so haben wir damals ein Modell entwickelt, dass jeder aus dem Team etwas beitragen konnte und haben es auch gemacht. 

Und wir konnten Hunderttausende sparen an Lohnkosten, aber nur aufgrund von Transparenz. Wenn ich nicht offengelegt hätte, die Zahlen, wo wir gerade stehen, dann wäre es extrem schwierig gewesen, das Team dazu zu bringen, hey, helft doch mal mit, was könnt ihr dazu beitragen, das zu überleben?

Das heißt, diese Offenheit, die Transparenz war wichtig, aber eben auch der Blick auf ein gemeinsames Ziel, wo wollen wir hin? Das kommt zusammen.

Transparenz über das, was gerade nicht läuft, wie die Zahlen stehen, aber auch die Zuversicht quasi, der positive Blick nach vorne, was wir zusammen schaffen können.

Das muss zusammenkommen und dann ist Transparenz sehr wertvoll. 

Das Gegenargument, Lars, von vielen Unternehmern, ich habe ja mit so vielen Unternehmern zu tun, mit dem Impulse-Netzwerk, viele haben Angst, oh Gott, wenn ich jetzt schlechte Zahlen bekannt gebe, verlassen sie mich, die Mitarbeiter.

Die haben kein Zutrauen mehr, dass ich ein guter Arbeitgeber bin. Und ja, das kann sein.

Und dann bin ich eben als Unternehmer gefordert, genau dafür zu sorgen, dass nicht nur ich an mein Geschäftsmodell und an mein Geschäft glaube, sondern eben die Überzeugungskraft so groß ist, dass mein Team bitte sehr auch daran glaubt.

Wenn mir das nicht gelingt, dann sollte ich auch nicht die Hoffnung kriegen, dass meine Mitarbeiter mir treu bleiben. Also das ist schon eine hohe Anforderung, auch was Konkrezion angeht, wie man mit solchen Krisenzeiten umgeht.

Lars Bobach:

100 Prozent auch eine tolle Geschichte von dir. Danke dafür fürs Teilen.

Was ganz Wichtiges ist, man muss selber dran glauben. Ich höre das ja auch oft, Transparenz in Zahlen, auch in guten Zeiten tun sich ja viele schwer.

Oh, die sehen ja, wie viel ich dann verdiene und keine Ahnung was.

Und dann in schlechten Zeiten, ja, dann hinterher denken die, wir sind bald pleite oder keine Ahnung was.

Es ist ja auch immer erst mal der Kontext, mit dem man es präsentiert. Und da spielt natürlich auch immer die eigene Zuversicht und auch die eigene Vision, das eigene Zielbild irgendwie ganz, ganz stark mit rein.

Und wenn man dann gemeinsam mit dem Team eine Lösung entwickelt, wie ihr es gemacht habt, sogar die Vision gemeinsam entwickelt, dann kann da wirklich was Tolles, wirklich was ganz, ganz Tolles entstehen. Finde ich super. Ganz tolle Geschichte.

Wenn jetzt Unternehmer, ja wir nehmen mal an, hier hören Unternehmer zu, kleine mittelständische Unternehmer, die sind jetzt komplett gerade in der Krise, also Auftragseingang weggebrochen, vielleicht haben sie gerade viel auch mit Auslandsgeschäft zu tun, sind in der Kurzarbeit jetzt schon seit einem halben Jahr und sehen irgendwie das Licht am Ende des Tunnels nicht.

Was würdest du denen denn raten, was sollten sie denn so als erstes tun?

Nikolaus Förster:

Wenn man selbst runtergezogen wird durch die schlechten Zahlen, durch Marktveränderungen und so weiter und keine Energie mehr hat, ist es vorbei.

Also, ich muss erstmal auf mich selbst schauen. Wenn ich selbst keine Energie mehr habe, habe ich auch keine Chance, ein Unternehmen zu retten, Mitarbeiter zu begeistern, Kunden zu begeistern und so weiter.

Das heißt, ich würde erstmal empfehlen, schaut darauf, dass ihr selbst nicht völlig leer werdet. Ihr müsst schauen, wie kann ich so ein bisschen Selbstfürsorge betreiben, Achtsamkeit. Das ist ein softer Begriff, aber es ist extrem wichtig, weil wenn die Energie nicht mehr da ist, habe ich keine Chance, irgendwas zu machen.

Das ist das Erste.

Das ist wie ein Flugzeug. Das heißt, wenn wir abstürzen, bevor man die ganzen Kinder mit Sauerstoff versorgt, muss ich mich selbst versorgen, weil sonst sind alle tot.

Wenn du selbst nicht sicher bist, kannst du auch keinen anderen retten. Hier gilt das Gleiche. Erstmal auf sich selbst schauen, was ich tun kann. Dann kommt der zweite Blick und da ich glaube, ist Sparring mit klugen Unternehmern ganz interessant.

Wo ist denn eigentlich wirklich meine Geschäftschance? Also wo ist das, wo ich eine Chance überhaupt noch habe?

Weil viele stecken so in ihrer Blase drin, dass sie gar nicht mehr den Blick von außen auf ihre Firma haben können. Und was bringt mir das, wenn ich kämpfe, kämpfe, kämpfe für ein Geschäftsmodell, wo der Kollege sagt immer, das hätte ich sofort sagen können, das bringt doch überhaupt nichts. Es gibt doch schon zehn Anbieter, die genau das machen, was du machst.

Lars Bobach:

Ja.

Nikolaus Förster:

Also ich erlebe so viele Unternehmer, die blind sind im Sinne von, die wissen gar nicht genau, wie sich Märkte verändern, was da passiert. Und dann ist es eigentlich vergebene Liebesmühe. Dann kämpfen die, kämpfen die, kämpfen die. Aber das Geschäftsmodell hat gar nicht das Potenzial, um auf Dauer erfolgreich zu sein.

Deswegen neben dem Thema Selbstfürsorge, auf sich selbst achten, ist der nächste Schritt, gute Gesprächspartner zu finden, um zu gucken, okay, wir sind in der Krise, wir wollen weitermachen, aber wie denn genau?

Wo genau ist mein Platz, meine Positionierung, meine Spezialisierung meinetwegen, um das zu erreichen?

Und dann geht es operativ. Okay, wie denn? Wie mache ich das denn?

Und das kann in vielen Fällen bedeuten, wirklich eine absolute Restrukturierung, andere Fähigkeiten, die ich im Team brauche, andere Prozesse, vielleicht ein neues Kundensegment, ein neuer Markt.

Aber ich brauche die Grundlage wie eine Energie und ich brauche einen klaren Blick auf das, was wirklich wertvoll ist.

Lars Bobach:

Super wichtig und ganz, ganz toll.

Und mit der Energie und mit der Achtsamkeit, was du gesagt hast, schließen wir ja wieder den Punkt ans Erste, wie kann ich auf mich achten, dass ich resilient werde, dass ich auch den Fokus auf die guten Dinge nicht verliere, da hatten wir ja mit angefangen.

Und mit dem Sparing auch ganz, ganz wichtig. Weil, da kann jeder sich mal fragen, wenn man andere sieht, wie die kämpfen, ich hatte jetzt wieder einen Unternehmer hier, den ich vor drei Jahren betreut habe, da haben wir eine Pause gemacht, dann kam er jetzt wieder, hat mir wieder alles erzählt, da habe ich gesagt, hör mal, wir drehen uns doch hier gerade im Kreis.

Wie oft erkennen wir bei anderen Muster oder bei anderen Dinge, die eigentlich offensichtlich sind, aber wenn wir in unserer eigenen Blase, in unserer eigenen Welt mit unseren eigenen Scheuklappen gefangen sind, sehen wir diese Dinge gar nicht.

Deshalb ist dieser Blick von außen super, super wichtig.

Jetzt mache ich doch noch den kleinen Abstecher, weil ich weiß, das ist ein Thema, was dich auch zurzeit sehr begeistert und auch sehr beschäftigt.

Wenn wir jetzt über Sparring sprechen, da kommt ja auch KI mit ins Spiel. Kann die uns da auch helfen?

Nikolaus Förster:

Absolut.

Das ist das große Missverständnis, dass viele denken, die KI wäre einfach nur so ein Praktikant, der mir ein paar Aufgaben erledigt.

Ich sage, das ist ein Sparring Partner und zwar auf allen Ebenen.

Ich liebe Literatur, Bücher, Theorien und da ist ein Gesprächspartner, der alles gelesen hat, der alles kennt. Und ich kann mit ihm quasi auf Augenhöhe ins Gespräch gehen.

Es hat viele Vorteile, wenn es um schwierige Entscheidungen geht, nur mal als Beispiel.

Dann sind wir als Menschen, wir haben zwar ein Bauchgefühl, das sehr wertvoll ist und dennoch sind wir sehr schnell dabei, gar nicht alle Optionen zu sehen, die möglich wären.

Wir sind oft nicht in der Lage, die versteckten Annahmen hinter unseren Argumenten zu verstehen. Die Glaubenssätze, die da hinterstecken und so weiter und so weiter. Und jetzt kommt ChatGPT oder andere KI-Tools ins Spiel, die eben nicht emotional gebunden sind, die nicht jahrzehntelange Erfahrungen, Prägungen mit sich bringen und die mich dann auseinandernehmen können. Das ist ja das Spannende. Plötzlich bekomme ich einen Gegenüber, der nicht von mir abhängig ist. Keinen Mitarbeiter, den ich bezahle.

Kein Partner, mit dem ich emotional verbunden bin, sondern jemand, der völlig unabhängig ist. Und wenn ich dieses KI-Instrument, also in dem Fall ChatGPT, sehr gut bedienen kann, gewinne ich einen absolut wertvollen Sparring Partner und auch im Krisenfall.

Lars Bobach:

Ja. Toll hast du das erklärt und das kann ich auch nur unterstreichen.

Was viele ja immer mit KI denken und gerade auch die damit anfangen, ich muss da toll prompten und ich muss sofort ein Ergebnis erwarten, das muss ich gar nicht.

Ich kann erstmal in den Dialog gehen. Ich kann erstmal sagen, du, erstmal nur halbgare Informationen und sagen, ich bin unsicher, was würdest du jetzt tun oder welche Fragen soll ich mir noch stellen, welche Zahlen brauche ich noch?

Also man kann wirklich wie mit einem Menschen dann auch seine Unsicherheit preisgeben und gemeinsam, das hat auch irgendeinen Namen, den habe ich leider vergessen gerade, mit dem sozusagen in Dialog gehen und gemeinsam so ein Ergebnis erarbeiten.

Man muss jetzt nicht denken, wie prompte ich denn, dass der mir jetzt mein Businessmodell löst oder so. Das gar nicht.

Nikolaus Förster:

Einfach ein Gespräch, das du führst. 

Lars Bobach:

Genau

Nikolaus Förster:

Ich mache das auch per Audio. Du kannst ja dann über die App oder auch im Browser über die Audio-Funktion direkt sprechen. Du sprichst und du hörst. Du kannst dann der KI eine Rolle zuweisen. Du kannst sagen, du bist jetzt meinetwegen … ein Sanierungsexperte oder Kommissionsexperte oder du bist der Spezialist für Fokussierung und Zeit.

Lars Bobach:

Ja.

Nikolaus Förster:

Du kannst genaue Kompetenzen zuweisen, sodass du einen Gesprächspartner gewinnst, der genau in diesen Fachgebieten sehr, sehr gut ist. Also all das ist möglich, was noch vor ein paar Jahren undenkbar war.

Ich will trotzdem nicht die analogen, normalen Menschen missen, die man auch berühren kann und in die Augen schauen kann. Nein, auf gar keinen Fall. Und dennoch…

wäre es für mich undenkbar, ohne KI zu leben.

Lars Bobach:

Genau.

Also auch da, das kann man durchaus nutzen, aber auch das nicht nur jetzt als Sparringspartner.

Man kann zum Beispiel auch mal Controlling-Berichte reingeben, BWAs und sagen, was siehst du hier oder das hilft auch ungemein, weil da kommen oftmals, wie du sagst, Dinge raus, die wir mit unserer dann doch begrenzten Sicht dann gar nicht wahrnehmen mehr.

Nikolaus, vielen, vielen Dank.

War wieder ein super spannendes Gespräch mit dir. Du bist hier Dauergast in meinem Podcast. Ich glaube mittlerweile locker der, den ich am häufigsten hier hatte. Vielen, vielen Dank dafür.

Nikolaus Förster:

Danke für die Zeit.

Lars Bobach:

Ja, hat wieder sehr viel Spaß gemacht.

Nikolaus, ich wünsche dir und euch natürlich auch wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Macht’s gut. Ciao.

impulse – Magazin

Fokus in Krisenzeiten

Woher kommt die Unsicherheit?

Die aktuellen Krisen, von Pandemien bis zu geopolitischen Konflikten, wirken sich direkt auf Unternehmen aus. Doch neben diesen externen Faktoren gibt es auch hausgemachte Probleme, die sich in Krisenzeiten offenbaren. Viele Unternehmen scheinen nach außen hin gesund, weisen aber unter der Oberfläche Schwachstellen im Geschäftsmodell oder bei der Liquidität auf. Wenn die Krise zuschlägt, bricht diese Fassade und das wahre Ausmaß hausgemachter Probleme wird sichtbar.

Hinzu kommt, dass auch Deine mentale Einstellung eine große Rolle spielt. Dich durch Unsicherheiten wie politische Entwicklungen oder globale Wirtschaftsprobleme selbst zu blockieren, ist eine hausgemachte Bremse. Es geht darum, Dich nicht in Dingen zu verlieren, die außerhalb Deines eigenen Einflussbereichs liegen.

Fokus auf das Wesentliche legen

Ein zentraler Gedanke im Umgang mit Krisen ist das „3 Kreise“-Modell von Stephen Covey. Es unterscheidet zwischen dem, was du kontrollieren, beeinflussen oder nur beobachten kannst. Konzentriere Deine Energie auf den innersten Kreis: Was kannst Du selbst tun, entscheiden und beeinflussen? Das Lenken der Aufmerksamkeit auf den äußeren Kreis, den Du nicht ändern kannst (wie Kriege oder globale Politik), führt zu einem enormen Energieverlust und dem Gefühl der Ohnmacht.

Praktische Tipps für mentale Stärke

Um der Opferrolle zu entkommen und mental stark zu bleiben, hier einige Empfehlungen:

  • Medienabstinenz:
    Die Flut negativer Nachrichten kann Deine mentale Gesundheit stark beeinträchtigen. Eine bewusste Reduzierung des Nachrichtenkonsums schafft mentale Klarheit.
  • Umfeld bewusst wählen:
    Umgib Dich mit Menschen, die inspirieren und Energie spenden, anstatt Dich herunterzuziehen. Ein unterstützendes Netzwerk kann entscheidend sein.
  • Fokus auf das, was wirklich zählt:
    Besinne Dich auf Deine tiefsten Sehnsüchte, Ziele und das, was Du wirklich erreichen willst. Die Visualisierung dieser Ziele setzt enorme Energie frei.
  • Vergangenheit als Ressource nutzen:
    Erinnere Dich an gemeisterte Krisen und Erfolge. Welche Fähigkeiten haben Dir damals geholfen? Diese Stärken besitzt Du noch heute. Das Bewusstsein für frühere Bewältigungsstrategien stärkt das Vertrauen in Deine eigenen Fähigkeiten.
  • Blick nach vorn richten:
    Wie beim Mountainbiken, wo man immer dorthin schaut, wo man hinfahren möchte, nicht dorthin, wo man nicht hinfahren möchte, ist es wichtig, den Fokus auf die angestrebten Ziele zu legen. Klare, visuelle Ziele geben eine andere Kraft als abstrakte Vorstellungen.

Strategie schärfen und Geschäftsmodell hinterfragen

Krisen sind nicht nur Herausforderungen, sondern auch Katalysatoren für Veränderungen. Oftmals werden in diesen Zeiten die klügsten Entscheidungen getroffen, da Unternehmer und Führungskräfte gezwungen sind, zu agieren. Anstatt nur kurzfristige Sparmaßnahmen wie Kosten- oder Personalabbau zu ergreifen, ist eine Balance zwischen Sparen und Investieren entscheidend. Es gilt, demotivierende Einsparungen zu vermeiden und stattdessen in Bereiche wie IT oder Dein Team zu investieren, die langfristig Dein Unternehmen stärken.

Ein kritischer Blick auf Dein Geschäftsmodell ist unerlässlich. Sind Deine Produkte und Dienstleistungen noch relevant? Wo gibt es ungenutztes Potenzial oder „faule Eier“, von denen Du Dich trennen solltest, auch wenn dies kurzfristig Umsatzverluste bedeutet? Der „TÜV deines Geschäftsmodells“ sollte regelmäßig durchgeführt werden, um nicht blind in Fallen zu laufen, die in der Krise offensichtlich werden.

Mitarbeiterführung in Krisen: Transparenz und Vision

In Krisenzeiten zeigt sich die wahre Führungsstärke. Transparenz gegenüber Deinem Team ist dabei von größter Bedeutung, auch wenn es um schlechte Zahlen geht. Eine offene Kommunikation über finanzielle Schwierigkeiten und die gemeinsame Entwicklung einer Zukunftsvision können das Team dazu motivieren, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, sei es durch Verzicht auf Urlaub, Gehalt oder reduzierte Arbeitszeiten.

Das Argument vieler Unternehmer, dass Mitarbeiter bei Bekanntgabe schlechter Zahlen das Vertrauen verlieren und das Unternehmen verlassen könnten, ist zwar berechtigt. Doch: Wenn es dir nicht gelingt, Dein Team zu überzeugen, kannst Du auch nicht hoffen, dass Deine Mitarbeiter Dir treu bleiben. Die Überzeugungskraft des Unternehmers und das gemeinsame Glauben an die Vision sind entscheidend, um das Team zu halten und zu motivieren.

Erste Schritte bei akuter Krisenlage

Für Unternehmer, die sich aktuell in einer tiefen Krise befinden und das Licht am Ende des Tunnels nicht sehen, gibt es zwei entscheidende Ratschläge:

  1. Selbstfürsorge und Energie tanken:
    Bevor Du versuchst, Dein Unternehmen zu retten oder Mitarbeiter zu motivieren, musst Du auf Dich selbst achten. Wenn Deine eigene Energie erschöpft ist, kannst Du niemandem helfen.
  2. Sparring mit klugen Köpfen:
    Suche den Austausch mit erfahrenen Unternehmern oder Mentoren. Oftmals sehen Außenstehende Chancen oder Probleme in Deinem Geschäftsmodell, die Du selbst aufgrund der „Betriebsblindheit“ nicht erkennst. Dieser externe Blick ist entscheidend für eine Neuausrichtung und eine erfolgreiche Restrukturierung.

Fazit

Krisenzeiten sind zweifellos herausfordernd, doch sie bieten auch die Chance, Unternehmen zu stärken und neu auszurichten. Durch einen bewussten Umgang mit Informationen, die Konzentration auf den eigenen Einflussbereich, mentale Stärke und die Bereitschaft zur Veränderung kannst Du nicht nur überleben, sondern auch gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Was sind Deine Erfahrungen im Umgang mit Krisen und welche Strategien haben dir geholfen, den Fokus zu behalten? Schreib mir gerne eine E-Mail an fraglars@larsbobach.de

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