In der Flexibilität liegt die Zukunft der Arbeit – Viktor Calabrò, Coople

Herzlich willkommen zum Podcast Selbstmanagement.Digital. Wir geben Orientierung im digitalen Dschungel, so dass wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben bleibt. Mein Name ist Lars Bobach und ich habe heute den Viktor Calabrò zu Gast. Viktor hat vor zehn Jahren die Plattform Coople gegründet und es ist mittlerweile mehr als eine Plattform.

Coople revolutioniert wirklich den Bereich der Zeitarbeit, der flexiblen Arbeit. Ich habe mich mit Viktor darüber unterhalten, was Coople da genau macht, wie sie es machen und dann noch über die Zukunft der Arbeit. Wie die Zukunft der Arbeit aussehen wird. Er hat da wirklich zwei super interessante Zahlen mitgebracht. Nämlich was er glaubt, wie viele Arbeitnehmer zukünftig nur noch flexible Arbeitsstellen haben werden, also nicht mehr fest angestellt, sondern immer mal wieder wechselnde Arbeitsstellen haben. Super interessante Zahl und auch wie schnell Coople im Schnitt Mitarbeiter und Unternehmen zusammenbringt. Also, bis eine Stelle besetzt ist und hier reden wir nicht in Tagen, sondern wir reden in Stunden. Also, super interessantes Interview, hört direkt mal rein.

Links

Webseite von Coople:
https://www.coople.com

Meistertask Workshop mit Lars Bobach

Social Media:
LinkedIn-Profil von Viktor

App-Empfehlung:
Any.do https://www.any.do

Buchempfehlung:(*)
The Hard Thing about Hards Things von Ben Horowitz

Transkript

LB = Lars Bobach
VC = Viktor Calabrò

LB:
Viktor, gib mir jetzt mal drei Gründe, warum Unternehmen bei Coople ihre Mitarbeiter suchen sollten.

VC:
Ja, flexible Arbeitszeit ist an sich etwas, was einen großen Admin-Aufwand projiziert. Je kürzer und je kurzfristiger, desto aufwändiger und auch vom Management her, von der Betreuung her, ist es etwas, das nur mit Tools effizient gemacht werden kann. Daher denke ich, Nummer eins, Effizienzsteigerung, Nummer zwei, da geht es wirklich um Kostenreduktion, also die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Skills am richtigen Ort zu haben. Und Nummer drei, weil es einfach Spaß, mit einem Unternehmen wie Coople zusammen zu arbeiten.

LB:
Okay, spielt denn der absolute Fachkräftemangel, den wir ja wirklich alle als Unternehmer spüren, euch in die Karten oder ist es eher dadurch schwieriger für euch?

VC:
Ich glaube, es hilft. Wenn man sich vorstellt, dass man sagt, wir haben einen Fachkräftemangel, dann ist das immer in Bezug zu einer permanenten oder einer 100 Prozent Anstellung eigentlich die Aussage. Also, wenn ich jetzt zum Beispiel sagen würde, ja, haben wir denn wirklich alle Hausfrauen und Hausmänner in dieser Rechnung eingetragen, haben wir potentiell Studenten oder Leute, die als Freelancer arbeiten in diese Betrachtung einbezogen usw., dann ist es meistens nicht so, dass da alle drin sind. Meistens sind die außen vor und auch die Jobs, die ausgeschrieben werden, sind ja auf einer 100 Prozent Basis ausgeschrieben. Somit kann ich die Hausfrau, die vielleicht eine wunderbare Übersetzerin wäre oder im Au-pair-Umfeld arbeitet oder auch in der Informatik, kann ich so nicht erreichen.

LB:
Jetzt hast du da schon einen kleinen Ausblick gegeben, was Coople auszeichnet. Erkläre das doch mal meinen Zuhörern, hier der Selbstmanagement. Digital.-Community, was Coople überhaupt ist, wer das noch nicht kennt.

VC:
Coople ist ein Marktplatz für flexible Arbeit. Wir haben uns darauf spezialisiert, kurzfristige und kurzzeitige Arbeit einfach, zuverlässig und sicher zu gestalten. Das heißt, wir entfernen sozusagen all die Nebenwirkungen von flexibler Arbeit und machen das zu einem Modell, das für beide Seiten lohnenswert ist.

Wenn man jetzt ein Beispiel nimmt auf der Arbeitgeberseite, bedeutet das eben, dass ich auch für ein, zwei Stunden geeignetes Personal bei Coople finden kann und zum Einsatz bringe, ohne dass ich dann eben Qualitätsprobleme habe, ohne dass ich die ganze Administration berücksichtigen muss, ohne dass ich irgendwo in ein Problem reintrete, was Compliance angeht. All die Themen lösen wir im Hintergrund und stellen sicher, dass ich wirklich Arbeit ohne Nebenwirkungen einsetzen kann.

LB:
Ist das jetzt mehr für virtuelle Arbeitsplätze oder ist das auch jemand, wenn ich jetzt hier in Leverkusen, in meiner Agentur, eine neue Assistentin suche oder wirklich einen Community Manager oder so, das kann ich auch über euch machen? Der hier wirklich auch lokal arbeitet?

VC:
Das ist so, es ist eigentlich nicht so relevant, ob es lokal oder remote ist. Wir bei Coople setzen vor allem auf den Standpunkt, dass wir sagen, nur weil jemand flexibel ist, heißt es nicht, dass er ein Unternehmer ist. Das heißt, wir rechnen die Leute vollständig ab, egal, wo sie sind, ob sie zur Arbeit persönlich erscheinen oder nicht. Also, sie sind bei uns Mitarbeiter und die laufen in den eigentlichen Zeitarbeitsmodellen über unsere Payroll.

LB:
Aah, es ist so eine Art Zeitarbeit, die habt ihr ins digitale Zeitalter gebracht? Es ist jetzt nicht so, dass ihr eine Plattform seid wie StepStone, wo ich wirklich Mitarbeiter suche, sondern ihr habt selber Angestellte quasi, die ihr dann vermittelt?

VC:
Das ist so, ja. Es geht da um die Natur der flexiblen Arbeit. Im Normalfall, wenn ich jemanden brauche für nur wenige Stunden, ist eine Ausschreibung in StepStone nicht sehr sinnvoll. Erstens ist das Inserat dann schon zu teuer auf die Stunde verteilt. Zweitens muss ich dann irgendwie diese Castingabläufe machen. Das lohnt sich natürlich auch nicht. Das heißt, wir müssen gewisse Sachen anders angehen und in einem schnelleren, effizienteren Prozess abwickeln. Das heißt, die Ausschreibung, die Anstellung, die Abwicklung, die Abrechnung. All das ist komplett automatisiert dargestellt, um eben auch den 1-Stunden-Einsatz machbar zu machen.

LB:
Okay, wenn ich jetzt ein größeres Projekt habe oder auch ein kleineres, wo ich mal Unterstützung brauche, da ist dann Coople für mich sozusagen die richtige Plattform?

VC:
Absolut, genau.

LB:
Bevor jetzt alle hier einen langen Hals kriegen, jetzt sage mal bitte, in welchen Ländern ist das jetzt derzeit schon macht. Ihr habt jetzt gehört, die Selbstmanagement. Digital.-Community, dass wir es mit einem Schweizer Eidgenossen zu tun haben. Viktor kommt aus der Schweiz. Erkläre doch mal, in welchen Gebieten, also in welchen Ländern, ihr euren Dienst anbietet.

VC:
Wir sind mit Coople in der Schweiz gestartet und decken mittlerweile das ganze Land ab. Das zweite Land, wo wir jetzt angefangen haben, ist UK, also England, vor allem in der Region London basiert. Und wir werden jetzt sicherlich in den nächsten ein, zwei Jahren auch weitere europäische Länder dazunehmen. Ich denke, Deutschland ist sicherlich ein interessanter Markt, der von der Flexibilität des Arbeitsmarktes nicht ganz so flexibel ist wie jetzt zum Beispiel die Schweiz oder Großbritannien, aber ist sicherlich ein interessanter Markt, den wir uns anschauen.

LB:
Es hätte mich jetzt auch interessiert, warum ihr Deutschland nicht direkt im Fokus hattet. Das hat etwas mit unserer Gesetzgebung zu tun?

VC:
Absolut, vor allem das Befristungsgesetz ist etwas, was an sich nicht einer solchen Plattform in die Hände spielt. Wir sind sozusagen Arbeitgeber, also wenn der Mitarbeiter mehrmals bei uns angestellt wird, dann entsteht somit eine Anstellung, aber eben eine permanente Anstellung. Das ist in unserem Modell so nicht vorgesehen.

Es gibt sicherlich Wege, indem man sich auf Studenten fokussiert usw., was wir im Moment nicht machen in den Ländern. Also, wir haben sowohl Studenten, aber auch Professionals auf unserer Plattform. Das heißt, das Businessmodell muss leicht angepasst werden, damit es im deutschen Markt auch funktioniert und gesetzeskonform laufen kann.

LB:
Okay, jetzt erzähle uns mal ein bisschen über die Geschichte. Ihr seid ja klassischer Start-up, also ihr bietet eine Plattform an. Erzähle mal, wann ging‘s los, wie kamst du auf die Idee, wie seid ihr finanziert, das ganze Programm?

VC:
Ich fange vielleicht mal bei mir an. Ich komme aus dem Engineering Umfeld, da geht es um Prozessoptimierung und ich war immer in der Schnittstelle zwischen Informatik und Business und konnte in verschiedenen Projekten auch wirklich die Thematik Effizienzsteigerung umsetzen in Workflow-Managements oder Just-in-Time-Produktionen. Und meistens kam dann der Punkt auf, wo die Frage da war, wie integriert man die bestehende Workforce, wie macht man in einem hoch digitalisierten Prozess oder in einem hochdigitalisierten Businessmodell die richtige Person auch verfügbar?

Und heute ist es so, dass die Strategien, die im HR eingesetzt werden, auf sehr alten Ansätzen basieren und nicht mit der Geschwindigkeit und den Schwankungen im Tagesbetrieb auch wirklich mithalten können. Das war so der ausschlaggebende Punkt für mich, um das Ganze anzudenken.

In 2007 habe ich mich das erste Mal mit der Thematik beschäftigt, in 2009 dann die Firma tatsächlich gestartet. Und ich habe das Just-in-Time-Produktionsmodell als Ausgangsbasis in dem Sinne genommen und auf das Workforce-Management adaptiert, um dann auch wirklich eben mit dem Gedanken und mit der Zielsetzung zu spielen, die richtige Person zum richtigen Zeitpunkt, mit den richtigen Skills am richtigen Ort zu haben. Das war so der Entscheidungs- und der Startpunkt.

LB:
Wenn ich hier ganz kurz einhaken darf, habt ihr spezielle Branchen, worauf ihr spezialisiert seid oder wo ihr besonders stark seid oder gibt es Branchen, die ihr gar nicht anbietet, wie sieht‘s da aus?

VC:
Grundsätzlich sind natürlich Branchen prädestiniert, in denen man die Arbeit nicht gut verschieben kann. Also, in der Restauration oder in Hotelbetrieben ist das schwierig. Der Gast ist da und will dann bedient werden, wenn er da steht und nicht einen Tag später oder nächste Woche.

Das heißt, die sind sicherlich prädestiniert, denn da habe ich große Schwankungen, die ich schnell besetzen muss. Und die sind dann auch schon weiter in den Gedanken von Flexibilität, weil sie schon seit einigen Jahren in solchen Modellen versuchen zu arbeiten, halt mit etwas älteren Tools.

Aber es geht auch in alle Richtungen rein. Also, wir sind jetzt mehr und mehr auch im Officebereich, also in kaufmännischen Berufen, zu finden. Man könnte sich vorstellen, dass in Zukunft auch höherqualifizierte Arbeitsbereiche mit solchen Jobs bestückt werden können.

Der Grundsatz ist eigentlich der, dass die Aufgabe, die so in den Marktplatz eingestellt wird, nicht eine lange Einarbeitungszeit benötigt. Also, wenn ich ein halbes Jahr Einarbeitung brauche, um dann den Task zu machen, dann ist man natürlich nicht so flexibel. Aber es gibt auch in höherqualifizierten Bereichen natürlich interessante Aufgaben, wo zum Beispiel ein Mathematiker reinkommen kann, irgendeinen Task, ein bestimmtes Problem löst, dann wieder geht.

Könnte man sich auch im Management vorstellen, dass irgendwo ein Marketingkonzept erstellt werden muss oder eine Challenge für ein Marketingkonzept erstellt werden muss. Dass so Leute von außen mit bestimmten Skillsets in die Firma reinkommen.

LB:
Ich hatte dich unterbrochen bei der Geschichte. Also, 2009 gegründet, 10 Jahre her. Wie bist du da gestartet, hast du dir direkt einen Geldgeber, Venture Capital Geber, gesucht oder Business Angels? Was hast du da getan?

VC:
Nein, ich habe selber angefangen, mir Gedanken zu machen, habe einen Businessplan angefangen zu schreiben. Ich habe sehr viele Gespräche geführt mit bestehenden Playern im Markt. Das heißt, mit potentiellen Kunden, aber auch mit Zeitarbeitsfirmen, um zu verstehen, wie die arbeiten. Und der Gedanke war damals auch da, dass man sich das in einer Partnerschaft mit einer Zeitarbeitsfirma entwickeln kann, weil sie an sich, sowohl die Arbeitnehmer wie auch die Arbeitgeber, bereits schon hatten.

Aber ich hatte damals ganz ehrlich Mühe, in der Zeitarbeitscommunity entsprechende destruktive Gedanken zu finden und Leute, die sich auch wagen, das zu machen. Und somit ist das immer mehr rausgekommen, dass wir statt als Softwarelieferant aufzutreten mehr und mehr zu einer Zeitarbeitsfirma, in erster Linie aber eigentlich zu einem Anbieter von flexibler Arbeit, uns entwickelt haben.

So hat das angefangen, so richtig gestartet sind wir aber erst in 2011. Also, bis dahin war das ein Seitenprojekt bei mir. Und in 2011 sind wir dann online gegangen, Mitte 2011 und haben dann auch angefangen, ein Team aufzubauen. Das war alles selbst finanziert, also von mir selber, aber auch von den CoFoundern, die dann in 2011 dazugekommen sind, bis wir dann Ende 2012 erstes Financing von außen reingebracht haben von Business Angels und in 2015 dann institutionelle Investoren in den Mix gebracht haben.

LB:
Okay, Gesamtinvestitionsvolumen, kannst du uns das verraten?

VC:
Ja, es ist etwas höher als 40 Millionen, die bisher in das Unternehmen geflossen sind.

LB:
Das ist ja ordentlich, da kann man ja schon ein ordentliches Rad bedrehen?

VC:
Ja, da kann man etwas tun. Es ist natürlich auch nicht ganz einfach. Da wir Arbeitgeber sind, muss man natürlich die gesamten Gesetzgebungen und Rahmenarbeitsverträge und Gesamtarbeitsverträge und all das, was da im Hintergrund sonst noch mitläuft, ja auch mit automatisieren. Das heißt, was man so von außen her sieht, ist so die Spitze des Eisbergs. Und es ist dann auch nicht so relevant, ob man dann sehr viele Stunden damit abwickelt oder eben nicht so viele Stunden. Das Grundinvestment ist sehr hoch, um eben die Maschine mal überhaupt in die Gänge zu kriegen.

LB:
Das kann ich mir sehr gut vorstellen, dass das nicht so einfach ist. Jetzt sitzt ihr in der Schweiz, wo da genau, wie viele Mitarbeiter seid ihr?

VC:
Wir sitzen in Zürich, haben hier unser Headquarter und haben noch ein Office in London und entwickeln auch in Minsk. Also, wir haben drei Standorte. Insgesamt sind wir etwa 160 Mitarbeiter und nutzen natürlich unsere Plattform auch fleißig. Das heißt, wir haben auch einen größeren Pool von flexiblen Leuten, die dann punktuell dazukommen, wenn‘s auch nötig ist, zum Beispiel im Customer Care oder im Marketing oder wenn wir Events veranstalten usw.

LB:
Wenn jetzt ein Unternehmer, der hier zuhört, muss ja ein Schweizer oder ein Engländer sein, sagt, da habe ich aber richtig Lust zu. Das hört sich toll an, was die da machen. Wie würde das denn jetzt gehen? Was muss er denn tun? Wo findet er euch? Was muss er machen und wie läuft das Ganze dann ja?

VC:
Idealerweise sicherlich über die Webpage, also auf coople.com. sich mal einen ersten Überblick verschaffen, was wir bieten, wie‘s aussieht usw., sich dort registrieren. Da werden wir uns dann auch gleich melden, um auch die Bedürfnisse genauer zu verstehen.

Vielleicht eben auch für die deutsche Community oder andere, die hier mithören, wir werden im Laufe des Jahres oder Anfang nächsten Jahres auch eine Software, also Servicevariante des Workflow-Management auf den Markt bringen. Das heißt, dass man eben die eigenen Ressourcen auch flexibel und effizient managen kann. Und das ist natürlich ein Produkt, dass von Anfang an eigentlich auch in Deutschland genutzt werden kann.

LB:
Das wird dann nicht von der deutschen Gesetzgebung ausgebremst sozusagen.

VC:
Ja, das ist natürlich eben, man muss dann im Hintergrund natürlich die Gesetzgebungen manuell managen. Das macht man in vielen Orten sowieso schon. Aber wir lösen an sich den ganzen Planungs-, Kommunikationsablauf, das Reporting vor Ort, Reporting usw. Viele der Elemente, die eben in einem effizienten und flexiblen Modell eigentlich nötig sind.

LB:
Also, man registriert sich bei euch auf der Seite, dann tretet ihr mit einem in Kontakt. Telefoninterview oder was kann ich mir da vorstellen, wie läuft das dann ab?

VC:
Es ist so, dass sich beide Seiten registrieren. Wir haben den Arbeitgeber, der sich registriert und somit eigentlich sein Profil angelegt und sich vorbereitet für den Moment, wo er dann wirklich einen Bedarf hat. Dasselbe geschieht auf der Arbeitnehmerseite, man registriert sich, macht sich ready für den potentiellen Einsatz. Das ist die Grund-Ausgangslage.

Und dann irgendwann entsteht ein Bedarf auf Arbeitgeberseite. Das heißt, der Arbeitgeber definiert seinen Bedarf auf der Plattform und publiziert seinen Bedarf im Marktplatz. Und der Marktplatz ist intelligent und hat entsprechende Matching-Algorithmen dahinter. Das heißt, die Leute, die auf diesen Job passen, werden automatisiert darüber informiert, dass dieser Einsatz für sie verfügbar ist. Sie können sich darauf bewerben und der Arbeitgeber hat dann die Möglichkeit, sich die Leute auszusuchen, die er als bestens Fit für seinen Job empfindet.

Und dann ist eigentlich die Anstellung gelaufen, wir regeln dann im Hintergrund die gesamten vertraglichen Gegebenheiten. Also, der Arbeitnehmer kriegt seinen Vertrag, Arbeitgeber kriegt seinen Vertrag. Und dann, wenn der Tag gekommen ist, geht der Arbeitnehmer zur Arbeit vor Ort, dann kann dort über die App auch in einem Check-in/Check-out-Verfahren das ganze Reporting abgewickelt werden. Es gibt auch ein Bewertungsmodell, wo sich die beiden gegenseitig bewerten, um auch die Qualität des Marktplatzes zu verbessern.

LB:
Ihr habt ja hundertprozentig Zahlen. Wenn ich jetzt Arbeitgeber bin und stelle jetzt so einen Job online, wie lange braucht man in der Regel, bis da erste Bewerbungen eingehen oder bis die Stelle dann besetzt ist?

VC:
Es ist natürlich wichtig, dass die Liquidität im Marktplatz da ist. Nehmen wir an, wir sprechen jetzt von Zürich, dann sind das ein paar wenige Minuten, bis ich jemanden einstellen kann mit der Qualifikation, die ich brauche. Falls wir jetzt von einer Bergregion reden und ich brauche den Michelin-Koch, könnte es natürlich etwas länger gehen, ist aber auch abhängig von meinem Angebot. Es gibt natürlich Möglichkeiten, den Job attraktiver und weniger attraktiv zu machen. Aber im Schnitt reden wir von etwa vier Stunden bis zur Einstellung, rund um die Uhr.

LB:
Wahnsinn, das sind ja wirklich Zahlen, wo die HR-Abteilungen wirklich nur große Augen kriegen, würde ich mal sagen.

VC:
Ja, das ist auch nötig, wir zielen ja auf die letzte Meile des Personalmanagements hin und wenn man jetzt sagen würde, dass sich irgendwie jemand für ein paar wenige Stunden anstellen will, dann muss das schnell und effizient laufen. Ich kann nicht eine halbe Stunde meiner Zeit damit aufwenden, damit jemand eine Stunde arbeiten geht. Das würde dann nicht funktionieren.

LB:
Ich habe auch einige Erfahrungen, jetzt nicht wahnsinnig viele, aber schon ein bisschen Erfahrung mit Zeitarbeit gemacht. Und da weiß ich, da ist ein riesen Thema immer die Mitarbeiterübernahme. Man sucht eine Assistentin für irgendeinen Job, hat sie dann ein paar Wochen, Monate vielleicht sogar bei sich und dann sagt man, die ist so gut, ihr biete ich eine Festanstellung an. Ist das bei euch auch ein Thema? Und falls ja, wie geht ihr damit um?

VC:
Absolut, wir sehen das sogar als einen der Ansätze, die man durchaus über flexible Arbeit machen kann. Im Grundsatz, dass man sagt, ich probiere einen Mitarbeiter aus, also in beide Richtungen. Der Mitarbeiter kann natürlich dann auch schauen, passt das Umfeld zu mir, die Mitarbeiter, die ich da antreffe? Und man entscheidet sich zu einem späteren Zeitpunkt.

In der Schweiz ist es so, dass nach dreimonatigem Einsatz der Mitarbeiter kostenlos übernommen werden kann. Das haben wir auch in UK, dort ist sogar noch etwas weniger Zeit. Das ist dann von den Marktgegebenheiten abhängig, aber wir sehen das als Sprungbrett. Also wir haben auch Leute, die Mühe haben, über den Standardbewerbungsprozess wirklich reinzukommen, weil vielleicht die CV Lücken aufweist oder irgendwo sich Probleme gestalten. Und so, über kurzzeitige und kurzfristige Jobs, kann er Schritt für Schritt den Weg in ein Unternehmen finden. Das kann ein sehr interessantes Modell sein für beide Seiten.

LB:
Für euch auch? Wenn es nach drei Monaten automatisch passiert?

VC:
Ja gut, wenn die Leute eine permanente Anstellung suchen, werden sie so oder so gehen. Da macht es natürlich keinen Sinn, wenn wir uns da in den Weg stellen und ihnen das Leben schwer machen. Wir haben eine Gebühr, falls es vor den drei Monaten passieren würde. Aber im Grundsatz wollen wir ja einen Mehrwert bringen, der Partner sein für beide Seiten. Und da sollten wir den Mehrwert für die beiden Seiten an erster Stelle haben.

LB:
Super, ganz tolles Konzept. Da kann man fast gar nicht erwarten, bis das mal nach Deutschland kommt. Jetzt gerade schon sind mir Sachen eingefallen, wo ich das mal nutzen könnte. Denn ich habe wirklich sehr viele Dinge, wo ich mir genau so was mal wünschen würde. Wo man wirklich flexibel, schnell mal sein Personal vergrößern kann.

Weil man immer mal wieder Themen hat, wo man sagt, jetzt brauche ich mal jemanden zwei Wochen oder für einen Tag oder zwei Tage, sei es jetzt für eine Messe, sei es für einen Workshop. Aber sei es auch irgendein Projekt, wo man sein Team einfach mal vergrößern kann. Also, würde ich mich freuen, wenn das hier in Deutschland mal startet. Also da drücke ich euch die Daumen, dass euch hier etwas einfällt, etwas Sinniges, dass es auch funktioniert.

VC:
Danke, vielleicht noch etwas zum Thema Flexibilität. Da wird wahrscheinlich der eine oder andere sich gleich mal die Frage stellen, ja, das kann man ja nicht machen mit den Leuten, Flexibilität einführen. Ich glaube, es wird meistens als ein Blickwinkel eines Festmitarbeiters, also jemand, der sich das wünscht, eigentlich angeschaut. Und das macht selbstverständlich keinen Sinn, jemanden, der eine permanente Arbeitsstelle sucht, in ein flexibles Modell zu drücken.

Aber es wird oft eben auch nicht berücksichtigt, dass es ganz viele Menschen da draußen gibt, die sich eben ein flexibles Modell wünschen, wie zum Beispiel Mütter oder Väter zu Hause oder Leute zwischen zwei Jobs oder Studenten oder Pensionierte. Da gibt es ganz viele Menschen da draußen, die einfach keine Stimme am Arbeitsmarkt haben, weil keine Gewerkschaft sie unterstützt oder sie vertritt.

LB:
Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Ich hatte mir hier auch als Stichwort noch aufgeschrieben, dass es vielleicht sogar ein Lebensmodell von einigen sein könnte. Und ob du das mitkriegst, ich meine, es gibt diese digitalen Nomaden, die ziehen durch die Welt, bieten ihre Arbeit virtuell sozusagen ganz vielen Leuten an, weltweit, sozusagen als virtuelle Assistenten aus Taiwan für weltweite Firmen.

Und auch sowas kann ja auch durchaus ein Lifestyle sein, dass die Leute sagen, ich will mich gar nicht fest binden, sondern ich möchte diese Flexibilität haben. Oder gibt es das nicht?

VC:
Doch, ich glaube ganz fest daran und habe es in verschiedenen Präsentationen auch skizziert, was das bedeutet. Denn die bisherigen Arbeitsmodelle, die, die man kennt, drehen sich eigentlich um die Arbeit. Also, man hat die Arbeit als zentrales Element und das Leben spielt sich dann ab, wenn‘s die Arbeit erlaubt sozusagen. Also ein arbeitszentrisches Modell.

Und ich glaube, mindestens nicht alle sind glücklich darin. Das heißt, wir gehen immer mehr in ein lebenszentrisches Modell, wo das Leben an sich die Rahmenbedingungen setzt. Und die Arbeit sollte sich dem Leben anpassen. Die Fragestellung ist dort eigentlich vielmehr die, können wir bei der flexiblen Arbeit genug der Problemstellungen lösen, um das Modell eben auch breitentauglich zu machen?

Um ein Beispiel zu nennen, wenn ich in einem flexiblen Arbeitsmodell bin, habe ich eine etwas schlechtere Sicherheit, also ich muss mir eine Reputation aufbauen, um genug Arbeit zu haben, wenn ich die auch wirklich brauche. Aber nicht nur das, ich habe zum Beispiel auch Mühe, bei einer Bank einen Kredit zu bekommen oder eine Wohnung zu mieten. Es gibt sehr viele Hürden, die flexible Arbeit eben eher schwierig machen. Und dafür kämpfen wir jeden Tag, um eben einen Marktplatz zu machen und Verträge aufzusetzen, die einem erlauben, früher oder später eigentlich das Modell sich aussuchen zu können, ohne irgendwelche Nebenerscheinungen damit mitzunehmen.

LB:
Tolle Geschichte, kann ich mir vorstellen, dass es auch für viele etwas ist. Also diesen negativen Gedanken, den hatte ich überhaupt nicht. Und ich habe sogar wirklich geglaubt, dass sich da durchaus ein Markt findet von Leuten, die genau so etwas suchen, wie ihr es da anbietet.

VC:
Genau. Das ist sowieso so, aber ich denke, dass sich das noch viel mehr verbreiten wird, sobald man auch ein paar der Problemstellungen noch weiter löst. Heute sprechen wir vielleicht von ein paar wenigen Prozenten, die in solchen Modellen arbeiten wollen, können, sollten. Aber ich gehe davon aus, dass wir in ein paar Jahren schnell mal von 20, 30 oder mehr Prozent sprechen könnten, wenn die entsprechenden Gegebenheiten auch vorliegen.

LB:
Das hört sich nach einer goldenen Zukunft für Coople an. Also, das würde ich dir wünschen und da drücke ich dir auf jeden Fall alle Daumen, lieber Viktor, super!

VC:
Dankeschön, sehr nett.

LB:
Jetzt machen wir darunter mal einen Strich, wir können auch, wenn ihr mit Coople denn mal in Deutschland startet, gerne dieses Interview nochmal wiederholen. Es wird ja dann auf deutsche Gegebenheiten angepasst. Aber wir haben auch eine große Hörerschaft in der Schweiz, das weiß ich. Deshalb, für die ist es auf jeden Fall interessant. Also, wir machen einen Strich unter Coople. Kommen wir mal zu den Schlussfragen und hier bitte ich immer um schnelle und prägnante Antworten. Viktor, bist du bereitet?

VC:
Gut.

LB:
Wunderbar. Als erstes, was ist dein wichtigster Produktivitätstipp?

VC:
Ich habe ein tägliches To-Do-Management, was mir sehr hilft, die wichtigen Sachen vorher zu machen.

LB:
Wie sieht das aus?

VC:
Da kommen wir vielleicht zu mit der App. Ich habe eine App bei mir installiert.

LB:
Alles klar. Die zweite Frage, welche App oder welchen Internetdienst kannst du der Selbstmanagement. Digital.- Community empfehlen?

VC:
Ich arbeite mit einer App, die heißt any.do. Die hilft mir einfach, meine täglichen Tasks im Griff zu behalten und ich sammle sozusagen die ganzen Aufgaben in einem Pott und organisiere sie dann wöchentlich in meinen Kalender rein.

LB:
Was war deine größte Herausforderung als Unternehmer und was hast du daraus gelernt?

VC:
Das Handling mit einer Belegschaft ist sicherlich nicht einfach. Wenn man als Unternehmer startet, hat man das Gefühl, dass da alle mit demselben Feuer arbeiten und keiner kümmert sich darum, was rundherum passiert. Ich glaube, da habe ich sehr viel gelernt in der Zwischenzeit, wie man eine Crew, eine Mannschaft aufbaut, die selbstverständlich brennt, aber auch die eigenen Bedürfnisse berücksichtigen kann.

LB:
Ein ganz konkretes Learning?

VC:
Das Umgehen mit performen oder Lob performen, wo man sicherlich Mühe hat oder ich zumindest Mühe hatte, das zu korrigieren. Und da habe ich mittlerweile gemerkt, dass man, wenn man eine soziale Verantwortung trägt, nicht nur eine soziale Verantwortung gegenüber einer oder dieser Person hat, sondern auch gegenüber allen anderen. Das hat sicherlich meine Sicht der Dinge etwas verändert.

LB:
Verstanden, welches Buch hat dich als Unternehmer und Mensch am meisten geprägt?

VC:
Ich habe ein Buch gelesen, was mich etwas wieder in die Realität geholt hat. Es heißt The Hard Thing About Hard Things von Ben Horowitz. Da geht es wirklich um das Unternehmertum. Ich hatte immer das Gefühl, bei uns läuft so viel drunter und drüber. Das kann doch nicht sein. Und wenn man das liest, dann merkt man doch, dass man nicht allein ist, das ist halt ab und zu. Als Unternehmer hat man das Gefühl, man ist so der einzige in dieser Welt, der durch dieses Up und Down geht.

LB:
Das geht jeder Unternehmer. Ich finde immer ganz interessant, ich habe wirklich viel mit Unternehmern zu tun, die dann sagen, wenn ich das jetzt gelöst habe, dann. So nach dem Motto, dann ist alles gut. Da sage ich immer, hör mal, du bist doch jetzt schon acht Jahre Unternehmer, du weißt genau, es ist nie alles gut.

VC:
Zwischendurch ist es eben auch wieder gut, wenn man sich austauschen kann in der Community oder wenn man ein solches Buch liest, dann versteht man doch, dass das einfach das Unternehmerleben ist. Und ich glaube, wir wären auch nicht glücklich, wenn das anders wäre.

LB:
Absolut, sehe ich auch so. Welches ist der beste Ratschlag, den du jemals erhalten hast?

VC:
Vor langer Zeit hat mir jemand gesagt, dass das Gras nicht schneller wächst, auch wenn man daran zieht. Und so als Unternehmer ist man immer sehr ungeduldig und man will alles sofort haben und denkt, wieso geht es nicht schneller. Und ich glaube, das war ein sehr wichtiger Ratschlag, der mich da und dort auch mal etwas Geduld gelehrt hat.

LB:
Auch als Schweizer ist man da ungeduldig?

VC:
Das ist nicht sehr schweizerisch, muss ich sagen. Aber es ist eine Eigenheit von mir und ich glaube, das haben die meisten Unternehmer. Die wollen alles sofort haben.

LB:
Ja, klar. Schön, das ist ein guter Ratschlag auf jeden Fall. Den kann ich mir auch jeden Tag nochmal anhören. Das würde bei mir auch helfen. Letzte Frage, bevor wir uns verabschieden. Wo findet die Selbstmanagement. Digital.-Community dich oder deinen Dienst Coople, also wie kann man mit euch in Kontakt treten?

VC:
Am besten über die Webseite Coople oder über mein LinkedIn Profil. Da bin ich drin unter Viktor Calabrò. Und ich bin auch offen, die Standpunkte zu diskutieren, ich tausche mich sehr gerne zur Thematik flexibler Arbeit aus und Zukunft der Arbeit. Also, LinkedIn oder über die Webseite auf meine E-Mail-Adresse.

LB:
Okay und Coople schreibt man c o o p l e und dann dot.com, richtig?

VC:
Richtig!

LB:
Wunderbar, Viktor, super, hat viel Spaß gemacht. Du hast uns einen guten Einblick gegeben, was Coople bietet, wie die Zukunft der Arbeit aussehen kann. Ganz beeindruckende Zahlt, 20 bis 30 Prozent werden zukünftig so flexibel sein, ist dein Ausblick. Finde ich super beeindruckend. Vielen Dank dafür!

VC:
Danke auch.

LB:
Und ich wünsche dir, lieber Viktor, und Euch natürlich auch wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

(*) Affiliate-Link
Wenn Du auf so einen Verweislink klickst und über diesen Link einkaufst, bekomme ich von Deinem Einkauf eine Provision. Für Dich verändert sich der Preis nicht.