Meine Gedanke zur Apple Keynote September 2016

Ein cooler Typ, dieser Tim Cook. Sein Auftritt zu Beginn der Apple Keynote in James Cordens Carpool Karaoke ist wirklich sehenswert. Man stelle sich nur mal den Siemens Vorstandsvorsitzenden Joe Kaeser bei Carpool Karaoke vor… undenkbar.

Ja, so sind sie, unsere lieben amerikanischen Freunde. Super locker und um Superlative nicht verlegen. Auch auf der diesjährigen Apple Keynote wurde damit nicht gegeizt. Für uns Europäer nur schwer nachvollziehbar, genau wie der große Rahmen, der Pokémon Go (Apple Watch) und Super Mario (iPhone) auf der Keynote eingeräumt wurde.

Neben der ganzen Show und Selbstinszenierung gab es ja auch einige nennenswerte Neuerungen. Hier sind die Fakten und meine persönlichen Gedanken dazu:

Bevor ich es vergesse, hier ist der Link zu der Apple Keynote und Tim Cooks Auftritt in Carpool Karaoke

iPhone 7

Das Design des neuen iPhones unterscheidet sich nur in kaum erkennbaren Details von den Vorgängermodellen. Einzig bei den Farben hat Apple nachgelegt und zwei schwarze Farbtöne hinzugefügt: Matt und glänzend (Diamantschwarz). Für letzteres empfiehlt Apple auf Grund der Kratzeranfälligkeit eine Hülle. Da es auch super empfindlich bzgl. Fingerabdrücken sein dürfte und ein iPhone ja eigentlich ein Arbeitsgerät ist, scheidet dieses Finish für mich von vorneherein aus.

Die kontrovers diskutierte und auffälligste Änderung ist der Verzicht auf eine Klinkenbuchse. Das ist der Anschluss für den herkömmlichen Kopfhörer. Apple geht hier den Schritt in Richtung kabellos, hin zu Bluetooth-Kopfhörern.

Herkömmliche Kopfhörer müssen jetzt mit einem Adapter (im Lieferumfang des iPhones enthalten!) in die Lightning-Buchse gesteckt werden. Für mich no big deal. Ich verstehe die ganze Aufregung nicht.

Auch hat Apple seine Hausaufgaben in bezug auf mehr Rechenleistung, und längere Akkulaufzeit gemacht. Standard.

Zusätzlich ist das iPhone jetzt bedingt wasserdicht, der Home-Button gibt Feedback, das Display ist heller und hat einen größeren Farbumfang.

Zum Musikhören wurden Stereolautsprecher integriert. Wenn die ähnlich gut sind wie die vom iPad Pro, dann sollte man damit einigermaßen anständig Musik hören können.

Die für mich interessanteste Neuerung betrifft aber die Kamera. Zum einen wurde die Lichtempfindlichkeit des Objektives auf erstaunliche f/1,8 erhöht. Damit sollten Available-Light-Aufnahmen ohne unschönes Rauschen möglich sein.

Der Clou ist aber die Kamera in dem Phablet 7 Plus. In das große iPhone wurden zwei Objektive eingebaut, ein Weitwinkel- und ein Teleobjektiv. Das sollte die Möglichkeiten der Kamerafunktion nochmals deutlich erhöhen.

Angekündigt wurde auch ein Software-Tiefenschärfe-Effekt, so dass nur ein Teilbereich scharf dargestellt wird und der Rest in einem schönen unscharfen Bokeh verschwindet. Eigentlich ist das nur sündhaft teuren und tonnenschweren Objektiven vorbehalten. Ich bin gespannt.

Apple Watch Series 2

Auch wenn sich das Design der Apple Watch überhaupt nicht geändert hat, wurde sie von Apple komplett neu positioniert. Weg von der Lifestyle-Uhr und dem Designobjekt hin zu einer praktischen Sportuhr. Dieser Neuausrichtung ist auch die wahnsinnig teure Apple Watch Edition aus Gold zum Opfer gefallen. Sie wurde kommentarlos gestrichen. Gut so, sie hat aus meiner Sicht eh nicht zu Apple gepasst.

Zurück zur Sportuhr. Zwei deutliche Verbesserungen tragen im Wesentlichen dazu bei: Integrierter GPS Sensor und wasserdicht bis 50 m.

Um zwei auch von mir an der ursprünglichen Uhr häufig geäußerten Problemen entgegenzuwirken, wurde zusätzlich die Performance der Watch erhöht und das Display deutlich heller gestaltet.

Neben der Series 2 ist auch eine Apple Watch Series 1 erhältlich. Die hat aber nur äußerliche Ähnlichkeiten mit der ursprünglichen Apple Watch (Series 0 ???). Der einzige Unterschied zur Series 2 ist der fehlende GPS Sensor und keine Wasserdichtigkeit.

iWork für Teams

iWork, das Apple Pendant zu Microsoft 360 (vormals Office) soll jetzt auch Teamwork erlauben. Das hatte Apple schon einmal versucht. Ich erinnere mich mit Grausen…

Betriebssysteme iOS 10, watchOS 3 und macOS Sierra

Für alle Apple Geräte wurden neue Betriebssysteme angekündigt. Gerade das watchOS 3 macht hierbei einen vielversprechenden Eindruck. Eine deutliche Perfomancesteigerung gegenüber dem alten Betriebssystems. Besitzer der ersten Apple Watch (Series 0!) sollten unbedingt auf watchOS 3 wechseln. Ein Quantensprung.

Fazit

Designtechnisch hat sich nicht viel getan. iPhone 7 und Apple Watch Edition 2 sind nur in kleinen Nuancen von ihren Vorgängern zu unterscheiden.

Unter der Haube hat Apple seine Hausaufgaben gemacht: Mehr Leistung, längere Akkulaufzeit. Das war zu erwarten. Mit dem besseren Display, der Wasserdichtigkeit und den neuen Lautsprechern gibt es also nichts, was gegen das iPhone 7 spricht.

Dagegen gibt es aber auch nur einen Grund, von einem 6er auf das iPhone 7 zu wechseln: Die neue Kamera (besser die beiden Kameras) im Plus Modell. (Ja, bevor Nachfragen kommen, ich habe mir eins bestellt…)

Die Apple Watch Series 2 als Sportuhr zu positionieren, macht Sinn und mit dem zusätzlichen Meilenstein watchOS 3 könnte bei aller Skepsis durchaus noch etwas aus dieser Produktkategorie bei Apple werden.

Vielleicht finde ich mit der Series 2 ja meine Erlösung von der unergründlichen Bedienphilosophie und Update-Strategie meiner Garmin Fenix 3. (Ja, bevor Nachfragen kommen, ich werde mir eine Series 2 kaufen…)

Die Teamarbeit von iWork sehe ich noch skeptisch. Ich werde mit meinem Team erst einmal bei Google Apps bleiben und aus der Ferne den neuen Versuch wohlwollend, aber skeptisch beobachten.

Welche Eindrücke habt Ihr von der Apple Keynote? Werdet Ihr auf eines der neuen Gadgets wechseln? Ich freue mich auf unsere sachliche Diskussion in den Kommentaren.

Hinweis: Ich behalte mir das Recht vor, beleidigende oder vom Thema abweichende Kommentare zu löschen.

  • Der Wegfall der Klinkenbuchse hat für mich einen wesentlichen negativen Aspekt: Das Ding ist zwar groß, aber dadurch ist die Steckverbindung auch sehr robust. Ob das Lightning auf Dauer auch bieten kann muss sich erst zeigen. Wenn ich die Wackel-Micro-USB-Steckverbindungen an manchen Handys so sehe….

    Persönlich hatte ich endlich auf ein iPhone mit 2 SIM-Schächten gehofft, dann wäre ich wahrscheinlich sehr schnell weich geworden. So bleibt erst mal der Droide im Haus. Ich will einfach meine private und dienstliche Kommunikation komplett trennen, aber im Jahr 2016 auch nicht mehr mit zwei Handys rumlaufen.

    • Eins ist sicher: Wir werden garantiert eher ein iPhone ohne SIM-Karte als mit zwei SIM-Schächten erleben…

      • Wahrscheinlich. Wenn sich auf die Büchse zwei separate Verträge und Nummern buchen lassen kann ich da auch ohne SIM-Karten mit leben. Man ist ja anpassungsfähig… 😉

  • rapsli

    Vernünftige Analyse. Ich finde es immer interessant: das scnellste iPhone, das beste Display, die beste Batterie… ja hoffentlich doch, immerhin ist 1 Jahr Entwicklung vergangen.
    Ich finde zudem die Kommentare immer amüsanter als die eigentliche Keynote, insbesondere wenn die Klinke wegfällt 😉

  • Alexander Nastasi

    Toller Bericht, vielen Dank. Wir sind leider von einem papierlosen Büro weit entfernt und durch die Zusammenarbeit mit Ämtern / Behörden wird das eher mehr ;-( Aber ich konnte schon viele gute Anregungen aus Ihrem Blog nutzen. Danke dafür. Julia und Alexander Nastasi, Schwetzingen

  • Patrick Maier

    Netter Bericht und ein schöner Einblick in Deine – ok, vielleicht etwas fanboy geprägte – Gedankenwelt… Danke dafür!

    Für mich kommt das neue iPhone in der Tat schon allein wegen des fehlenden Klinkenanschlusses nicht in Frage. Für jemanden der selbst Musik macht, ist es einfach wichtig mehrere Referenzkopfhörer nutzen zu können – und da ist mir bei Apple völlig unverständlich, wie man diese Zielgruppe so außen vor lässt (wo man mit Logic und Garageband etc. doch selbst einiges im Petto hat…). Und nein, ein Adapter ist keine Lösung an einem Telefon 😀
    Außerdem scheine ich der einzige Mensch auf dem Planeten zu sein, der abends im Bett noch Musik oder Hörbücher hört und dabei gleichzeitig sein Telefon laden möchte (ich schlafe dabei oft mal ein und möchte morgens dennoch ein vollständig geladenes Telefon haben).

    Naja…

    Dafür finde ich die Apple Watch Series 2 wirklich gelungen und mit dem Aspekt der Wasserdichtigkeit wirklich ein toller Schritt nach vorn (der mich von der Series 0 / 1 abgehalten hat).

  • Ron Engel

    Obwohl ich Apple Fanboy bin und eigtl ein 7 bestellen wollte, bin ich ernuechtert. Kamera nach ersten Tests weiterhin schwaecher als fie der aktuellen Galaxies, bedingt wasserfest (ohne Garantie), kein cordless chargen und Zwang zu laecherlichen Vertreter-Blutoothheadsets, wenn der Call mal laenger dauert und das Geraet an die Powerbank muss. Verstehe die Aufregung auch nicht. Stillstand und iOS mit bugs. Das reisst auch Cooks Karaoke nicht raus. Lustig wie sich die Eindruecke unterscheiden, aber im Gegensatz zu den anderen CEOs (nicht Kaeserer, sondern Page, Musk oder gar der alte Andreesen) waere Cook fuer mich jemand, der auch bei Siemens nicht unangenehm progressiv auffallen wuerde…. Aber SE und iPads sind billiger geworden und das 7er laut Website bereits am ersten Tag in der Normalversion ohne lange Wartezeit bestellbar. Alles hat also auch was Gutes…. Schoene Woche!

    • Danke für Deinen guten und geistreich geschriebenen Kommentar, Ron.

  • Patrick Maier

    @disqus_U2TWoHWmeX:disqus
    Also zum Thema Siemens… ich fürchte ich muss Dir da recht geben. Tim Cook ist ein brillanter COO, der unglaublich großes in Sache Supply Chain und Produktion / Qualität geleistet hat. Das will ich ihm wirklich nicht absprechen… ebensowenig, dass er mit großer Sicherheit das Herz am rechten Fleck hat und sich für wahnsinnig tolle Dinge engagiert…

    Und dennoch blicke ich mich einigermaßen großer Sorge auf die Zukunft von Apple. Nicht weil ich so ein großer Fanboy bin, sondern weil es z.B. im Bereich Notebook- & Desktop-Betriebssysteme einfach keine echte Alternative gibt, weil auch iOS 10 mit Bugs noch um Welten besser ist als Android, weil die Dinger einfach funktionieren und in hunderten Details einfach das (digitale)Leben ein bisschen leichter machen.
    Natürlich kam auch bei Steve Jobs nicht dauernd DIE Innovation ums Eck, aber in letzter Zeit mehren sich die Dinge, die am Nutzen für den Kunden einfach vorbei gehen.
    Super Beispiel für mich: dieser unglaublich hässliche Akku Pack für das iPhone6 – Entschuldigung! Warum machen die die Dinger immer Dünner und nehmen dafür immer bescheidenere Akku Laufzeiten in Kauf? Damit sie dann so ein unglaublich hässliches Ding auf den Markt aber nicht an den Mann bringen? Nono!

    Ich würde mir wünschen, dass Apple zu alter Tugend zurückfindet, sich eine neue Kraft im Unternehmen etablieren kann, die wieder mehr den Fokus auf Produkte und weniger auf Aktienkurse legt und einfach wieder etwas different denkt…

    Kann das ganze Amazing Getue leider nicht mehr hören.

    • Danke für Deinen sachlichen Kommentar, lieber Patrick.
      Das Akku Pack ist wahrlich kein Geniestreich. Da gebe ich Dir uneingeschränkt Recht.
      Auch ich würde mir mehr Innovationen und neue Produktideen wünschen, aber ich glaube einfach, dass wir den Maßstab zu hoch legen. Keine Firma der Welt kann im Quartals- oder Jahrestakt revolutionäre Produkte präsentieren. Das Apple jedes Produkt als Revolution präsentiert ist ein anderes Thema… 😉

      • Ron Engel

        Lars, mit deinen sachlichen und interessanten Berichten hattest du nicht unerheblichen Anteil an meiner aktuellen Hardwareaufruestung. Trotz meines mglw. laesterlichen Kommentars zuvor habe ich genau das gemacht, was dort schon anklang. IPad Pro 9.7 Zoll, denn Handschrift fkt nur richtig mit Apple Pencil. Alles in der Hoffnung, im dritten Versuch das iPad jetzt zur so zentralen mobilen Arbeitskomponente zu machen, wie insgeheim immer erhofft. Dafuer dann Rueckfuehrung des Phones auf Telefonieren, Podcasts, kurzes Lesen und Email: SE also – Headphone Jack, unbreakable, bessere Laufzeit als 6S und Hosentaschenfreundlichkeit inklusive. Auch wenn das Galaxy S7 besser und billiger is (aktuell 430 EUR ohne Steuer). Alles in einem Ecosystem – Komplexitaetsreduktion.

        • Das klingt ja wie eine Bewerbung für einen Setup-Artikel. Her damit 😉