Ohne Ziele erfolgreich – Interview mit Dr. Stefan Frädrich [Podcast 129]

Der Bestseller Autor Dr. Stefan Frädrich, vielen sicher bekannt durch seine Bücher über den inneren Schweinehund Günter, hat sich als Motivations- und Weiterbildungsexperte einen Namen gemacht.

Dr. Stefan Fraedrich

Im Gespräch mit Lars verrät er uns, dass sein ursprünglicher Traumberuf Psychiater war und wie er von der Medizin über die Geschäftsführung eines Textilhandels zu seinem neuesten Projekt GEDANKENtanken gekommen ist.

Hier das Transkript des gesamten Podcasts und vorab die erwähnten Sponsoren und Links:

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Das Günter-Prinzip: So motivieren Sie Ihren inneren Schweinehund
Das Günter-Prinzip für einen fitten Körper
Das Günter-Prinzip fürs Business

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Der kleine Taschentherapeut, in 60 Sekunden wieder okay
Challenge Management von Wladimir Klitschko

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Transkription

SF = Stefan Frädrich
LB = Lars Bobach

LB: Herzlich willkommen zum Podcast „Produktiv in digitalen Zeiten“. Wir geben Orientierung im digitalen Dschungel, so dass wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben bleibt. Mein Name ist Lars Bobach und ich habe heute einen superspannenden Interviewgast hier, den Doktor Stefan Frädrich. Hallo Stefan.

SF: Hallo Lars, hallo liebe Zuhörerinnen und Zuhörer.

LB: Ja schön dass Du da bist. Das freut mich wirklich sehr. Doktor Stefan Frädrich werden viele von Euch als Motivations- und Weiterbildungsexperten kennen. Sein neuestes Projekt „GEDANKENtanken“ ist wirklich richtig klasse, da werden viele von Euch den Podcast kennen und wenn noch nicht, hört unbedingt da rein. Wahnsinnig interessante Inhalte werden da verbreitet. Die Expertise von Doktor Stefan Frädrich ist komplexe Zusammenhänge verständlich erklären. Und da werden einige von Euch vielleicht auch den inneren Schweinehund den Günter kennen, mit dem er ja versucht, diesen inneren Schweinehund ein bisschen aufzulösen. Da gehen wir gleich drauf ein. Interessant ist, eigentlich bist Du ja Arzt. Das ist richtig Stefan?

SF: Genau. Ich bin eigentlich von der ursprünglichen Ausbildung her Arzt. Ich wollte das irgendwie immer werden, das Unternehmertum oder die Trainingsszene/Weiterbildungsszene, das hatte ich schlichtweg die ersten 30 Jahre meines Lebens überhaupt nicht auf dem Schirm. Also das ist eher so eine Art späte Liebe. Ich wollte immer Psychiater werden, ich habe dann auch meinen Traumjob bekommen in der Universitätspsychiatrie und habe dann in den Jahren jegliche Liebe zu diesem Arbeitsumfeld verloren. Und dann das Angebot eines Bekannten meiner Eltern angenommen, der suchte einen Nachfolger für seinen mittelständischen Textilhandel. Also etwas ganz anderes.

Ich habe dann BWL gemacht, ich habe mir gedacht, ich probiere das einfach mal aus. Aber in dieser Phase sind mir zwei große Aha-Erlebnisse gekommen. Das eine war, es gibt so etwas wie ein Unternehmertum da draußen, das kannte ich vorher tatsächlich nicht. Und das zweite war, es gibt diese Trainings- und Coachingbranche, in der ich jetzt seit Anfang der 2000er Jahre tätig und selbstständig bin mit einigen Firmen. Also manchmal spielt das Leben halt so über Bande und dann dauert das ein bisschen, bis man seine Berufung findet.

LB: Aber wie bist Du denn dann vom Unternehmer aus der Textilbranche zum Weiterbildungsexperten geworden oder zu der Trainerbranche gekommen?

SF: Das ist eine relativ simple Geschichte, also ich habe damals im Rahmen dieser Ausbildung zum Betriebswirt bei der IHK, die ich ja gemacht habe, da habe ich das erste Mal wirklich in diese Trainingsbranche reingeschnuppert. Vorher so als Mediziner ist man ja gewohnt zu studieren und man guckt nicht nach rechts und man guckt nicht nach links. Man ist so in seinem Trott, in seinem Tunnel und das Ganze ist ausbildungsmäßig eher inzestuös.

Als ich dann feststellte, dass es da draußen noch eine andere Welt gibt und eine noch viel komplexere Welt, begann ich wie ein Wahnsinniger Seminare zu besuchen, Bücher zu lesen, mich fortzubilden kreuz und quer. Ich landete dann recht schnell bei solchen Prinzipien wie Pareto-Prinzip, also Du musst nicht in jedem Gebiet immer alles perfekt beherrschen, aber wenn Du die wichtigen 20 Prozent in einem Gebiet beherrschst, dann kommst Du da relativ weit.

Und da sind wir relativ schnell bei einer eigentlichen Lebensphilosophie von mir, die besagt, dass man sich halt in lebensrelevanten Themen hinreichend auskennen sollte, statt zum Fachidioten zu werden. Und dann passt alles irgendwie zusammen. Dann kann man ganzheitlich leben, kann Erfolg haben als Unternehmer, kann seine Erfüllung haben, ist trotzdem nicht gestresst. Die Beziehung stimmt, der Körper ist gesund, und so weiter. Und dieses Wissen aufzusaugen und wiederzugeben, das kickt mich jetzt seit vielen Jahren.

LB: Wie ist es denn da, Du warst ja erst alleine als Trainer und Coach unterwegs, wie ist es dann zu der Idee von „GEDANKENtanken“ gekommen?

SF: Das ist eine längere Story. Also ich war alleine und ich war nicht alleine, also ich habe so verschiedene Episoden gehabt. Ich begann mal ganz alleine als Singleunternehmer, ich kam dann schnell als Feld-Wald-und-Wiesen-Trainer an meine finanziellen Grenzen. Also hier mal bei einer IHK unterrichtet und da mal an einer Berufsschule und dort mal bei einer Akademie und ab und zu machst Du einen Kunden, wo Du auch mal etwas Vierstelliges abrechnen kannst, das ist insgesamt ein ziemliches hartes Spiel. Über einige Entwicklungen kam dann glücklicherweise Günter…

LB: Das hast Du mitgemacht diese Strecke?

SF: Ja das habe ich mitgemacht. Definitiv. Dann kam „Günter der innere Schweinehund“, der so eine Art Markenbildung war für mich. Und ich habe dann damals auch mein zweites Seminar mit Partnern aufgebaut, das heißt „Nichtraucher in fünf Stunden“. Da haben wir damals in diesem Sinne das erste Franchise-System aufgebaut. Damals noch nicht mit viel Sinn und Verstand sage ich mal, aber mit sehr viel Idealismus gestartet und das waren so Phasen, wo ich das erste Mal feststellte, dass ich als Typus selber eigentlich eher als Einzelunternehmer tauge.

Also mit Team und Sachen organisieren und mit vielen Menschen reden von morgens bis abends und Termine einhalten ist nicht so meins. Und der Kern meiner Arbeit ist tatsächlich, ich bin wie gesagt ein Weiterbildungsjunkie, ich halte gerne Vorträge, ich schreibe gerne Texte, Bücher und so weiter. Und „GEDANKENtanken“ ist im Prinzip so eine Art Nebenprodukt gewesen.

Ich habe mich darüber geärgert, ich hatte eine Fernsehsendung gemacht, die lief bei VOX, Glück ist lernbar, vier Stunden Samstagabend-Doku und dann hat dieser blöde Sender irgendwie die Sendung aus der Mediathek genommen. Das hat mich so geärgert, weil wir dauernd Anfragen bekommen haben, hey, ist doch toll, wieso finden wir die nirgendwo. Ich dachte mir, ich mache kein Fernsehen mehr, ich mache das jetzt selber. Da habe ich mich gefragt, was finde ich am spannendsten, und das sind definitiv Weiterbildungen und Speakings.

Und so entstand dieses Format GEDANKENtanken, also welches vielen guten Experten, vielen guten Typen eine Bühne gibt, die inszeniert. Und da drum herum sind dann sozusagen diverse Trainingsgeschäfte entstanden. Wir machen Führungskräfteseminare. Wir machen Unternehmer-Weiterbildungen. Wir bringen Leuten, die am Anfang ihres Unternehmerwunschs stehen oder schon bereits Unternehmer sind und wissen wollen, wie man heute vorankommt, denen bringen wir wiederum mit Experten das Wissen bei in Jahreskursen und so weiter.

Also was daraus entstanden ist, ist so eine ganze Weiterbildungslandschaft, die auch mir so vom Wesen her ein bisschen nahekommt. Und dass ich zum Unternehmer wurde im Sinne mit Team und mit vielen Leuten und so, das war so eine Entwicklungsgeschichte. Also das kam nicht von heute auf morgen. Vom Grundtypus her würde ich sagen, bin ich der klassische Selbstständige, der einfach von morgens bis abends nur machen will, was er will.

LB: Okay, aber das machst Du ja. Sehr interessant, Du setzt Dir ja keine Ziele privat oder persönlich. Das machst Du alles aus der Intuition heraus.

SF: Ich weiß noch, als wir uns das erste Mal über dieses Thema unterhalten hatten, wie entsetzt Du gewesen bist. Keine Ziele? Weil das ja erstmal antiintuitiv erscheint. Nein, passe auf, ich versuche es mal runter zu brechen, weil es ist natürlich komplexer. Es ist nicht so, dass ich mir keine Ziele setze. Es ist einfach so, dass die Ziele nicht mein tägliches Handeln bestimmen.
Ich muss das kurz erklären.

Also die meisten Menschen denken irgendwie, Du musst Dir ein Ziel setzen, dann gehst du drauf los und dann hast Du bestimmte To-Do-Listen, irgendwann erreichst Du das Ziel. Das ist vom Grundgedanken her natürlich richtig, löblich und logisch, und das hat sehr viel mit Selbstorganisation zu tun.

Ich allerdings stelle fest, und das ist so ein bisschen meine Trainer- und meine Coachingseele, dass es sehr häufig davon abhängt, ob die Menschen das was sie tun, tatsächlich gerne tun. Jetzt habe ich eine Hypothese, ich glaube, wenn Menschen bestimmte Dinge sowieso gerne tun, dann erreichen sie dadurch, dass sie diese Dinge tun, ihre persönlichen Ziele im Leben, ein erfülltes und glückliches Leben, also das ist so ihre persönliche Zielerreichung. Und zwar unabhängig davon, ob sie Ziele definiert haben.

Also ein Kind sagt, wenn es laufen lernt, auch nicht ich muss bis zum 30.12. irgendwie 18 Meter in 30 Sekunden zurücklegen können, sondern das Kind lernt laufen intuitiv. Und die meisten Dinge wenn wir morgens aufstehen und wir bewegen uns in eine bestimmte Richtung im Leben und machen das halt kontinuierlich über eine längere Zeit hinweg, dann erreichen wir während des Weges oder unterwegs Ziele.

Ich stelle halt fest, dass Menschen manchmal überpacen oder sich selber nicht richtig einschätzen oder sich selber auch in falsche Richtungen führen, wenn sie allein zielgeleitet durchs Leben laufen. Also, wenn die aufstehen und sagen, Achtung, ich muss das und das und das bis dann und dann gemacht haben und dann laufen die in so eine Art Sackgasse hinein. Dann ist man häufig auch in so einer kognitiven Sackgasse, dann sieht man nicht mehr, was rechts ist und was links ist im Leben.

Das kennt vielleicht auch der eine oder andere, dann hast Du ein Ziel erreicht, hast dem alles untergeordnet und plötzlich bricht Dir irgendwo anders im Leben was weg. Also was weiß ich, Du erreichst geschäftliche Ziele, arbeitest Dich halb zu Tode, aber plötzlich ist die Frau weg. Weil die anderen Zielchen unterwegs hast Du übersehen.

Für mich gibt es so eine Metapher, mit der ich seit dieser Erkenntnis gerne arbeite, das ist ein Kompass mit drei Kompassnadeln. Die eine Kompassnadel ist das Ziel, die andere Kompassnadel ist der Weg und die dritte Kompassnadel ist der Sinn. Ich glaube, dass Menschen dann im Leben sowohl Ziele erreichen als auch ein rundes Leben haben, wenn diese drei Kompassnadeln in eine Richtung gehen. Aber auch wenn wir Ziele nicht erreichen, also jeder von uns glaube ich hat das, dass man in bestimmten Lebensbereichen Ziele nicht erreicht, dann haben diese Kompassnadeln sozusagen unterschiedliche Richtungen.

Wenn mein Ziel ist, ich möchte fünf Kilo abnehmen, dann habe ich meine Kompassnadel definiert, minus fünf Kilo, da in die Richtung soll es gehen. Und jetzt weiß jeder Mensch, was er machen muss, weniger fressen, weniger saufen, ein bisschen Sport machen, weniger Fett. Das muss man halt jetzt machen. Das Problem ist, was machen die meisten Menschen? Sie leiten eine Phase der Diät ein, sie kämpfen. Die Pizza sagt, iss mich. Und sie sagen, nein später. Und dann hast Du minus fünf Kilo erreicht, die Pizza sagt immer noch, iss mich. Und jetzt isst Du, weil Du hast ja Ziele erreicht. Was passiert? Minus fünf Kilo plus sechs, Jojo-Effekt, auch benannt nach Joschka Fischer, also wir haben unser eigentliches Ziel verfehlt, das Ziel ist nämlich eigentlich gewesen, schlank sein, gut aussehen, stolz auf sich sein und eben nicht ständig kämpfen müssen.

Was machen die Menschen? Sie probieren die nächste Diät aus. Aber wenn man genauer dahinter schaut, was tust Du da eigentlich? Dann sagen die, eigentlich geht es um etwas anderes, ich finde ja essen eigentlich super und Pizza finde ich eigentlich auch prima. Und Sport finde ich blöd. Das heißt, die dritte Kompassnadel, der Sinn geht in eine völlig andere Richtung. Der Sinn beeinflusst wieder das, was die tun. Die sind ständig sozusagen am hin- und herkibbeln, soll ich mein Ziel erreichen oder soll ich meinem Sinn folgen? Und andererseits gibt es Menschen, um jetzt bei dem platten Beispiel Diät zu bleiben, die sind ihr Leben lang gesund und glücklich und fühlen sich wohl und sind schlank und haben damit überhaupt kein Problem. Warum? Weil das für sie ein hoher innerer Wert ist. Die essen halt den Salat, das ist okay, und die suchen sich halt Salatrezepte raus. Otto um die Ecke, der halt gerne Pizza und Pommes frisst und dem das total egal ist, der kämpft dagegen an gegen diese innere Stimme.

Dieses Modell kannst Du halt langfristig auf alle möglichen Bereiche übertragen. Willst Du Dich selbstständig machen? Warum denn? Hast Du eine Geschäftsidee? Hast Du eine Leidenschaft, der Du folgst? Findest Du das toll, was Du da tust? Wenn dem so ist, dann folgen daraus Handlungen. Mit diesen Handlungen wirst Du Ziele erreichen. Ich stelle fest, Menschen denken sich, och was soll ich machen? Soll ich mich selbstständig machen? Okay. Was ist das Ziel? Viele Millionen Kohle verdienen, wie mache ich das? So und so und so. Los geht’s und dann brechen sie zusammen unterwegs.

Oder Vertriebsmeeting. Unser Vertriebler müssen Ziele erreichen. Die und die und die Zahlen. Und dann gucken die auf die Zahlen, Dreiviertel der Mannschaft ist sowieso klar, dass die Ziele vielleicht zu ambitioniert sind, aber sie tun brav so, weil sie dem Chef gefallen wollen, ja, das machen wir schon. Und am Ende werden die Zahlen, die Ziele verfehlt. Die Ziele sind ja häufig im Unternehmen auch nur Alibi, Rechtfertigung für das Management, damit man irgendwie den Shareholders etwas präsentieren kann. Das wollen wir erreichen. Unter dem Strich ist das alles einfach nur ein Spiel. Und dieses Spiel ist mir zu platt.

Bleiben wir mal bei dem Vertriebler, eigentlich müsste ich total Bock haben auf mein Produkt, ich müsste total Spaß haben mit den Kunden tagtäglich zusammenzuarbeiten, ich muss eigentlich ein Mensch werden, der Ziele erreichen möchte und zwar nicht um der Zielerreichung wegen, sondern um genau das zu tun, was man braucht, um die Ziele zu erreichen. Und das fängt ganz tief drin beim eigentlichen Sinn an. So jetzt habe ich fünf Minuten geredet.

LB: Alles gut, das war ja super interessant. Jetzt habe ich aber zwei Fragen dazu. Jetzt fangen wir mit der ersten an. Ich gebe ja auch so Seminare wie Hamsterrad verlassen, da habe ich so einen Workshop, der wird auch sehr besucht. Da habe ich immer die Frage der Leute, da geht es nämlich auch um Sinn und worauf habe ich Lust? Was ist das Lebensziel? Worauf habe ich zur Zeit richtig Bock? Und da tun sich alle schwer. Und ich habe mich auch damit schwergetan, und wenn man sich Deinen Lebenslauf anguckt, der war ja auch nicht so richtig nur gerade, das ist ja auch normal. Aber was gibst Du denn den Leuten für einen Tipp, wenn die sagen, ja ich weiß aber noch gar nicht, wo meine Leidenschaft liegt, was sollen die denn tun?

SF: Genau das ist das Ding. Würdest Du jetzt zielstrebig denken, müsstest Du Dich eigentlich fragen, was wäre denn vernünftig? Und dann definierst was. Ich brauche eine Stelle hier oder da. Und dann geht man da rein und ist erstmal für 10, 20, 30 Jahre weg. Mein Tipp an der Stelle wäre, begib Dich auf den Weg. Beim Gehen fügt sich der Weg unter die Füße. Also tue etwas. Es muss ja aus Dir heraus kommen. Dann rate ich Menschen schon ihrer Intuition oder ihrer inneren Stimme zu vertrauen. Oder die erstmal wahrzunehmen. Also wenn Menschen so in Midlife-Crises oder in Depressionen oder Ähnliches reinschlittern, dann halt häufig, weil sie etwas tun, was sie als anstrengend empfinden, was eigentlich nicht ihrem Sinn entspricht, weil sie irgendwelche Kompromisse machen, aber was sich irgendwie vernünftig anhört.

Ich sage denen dann gerne, Du pass mal auf, das verstehe ich alles, aber gehe mal einfach los. Also angenommen Du orientierst Dich nicht an dem, was Du erreichen möchtest, sondern angenommen du orientierst Dich an dem, was aus Dir persönlich heraus kommt, und Du machst das einfach, dann wirst Du feststellen, dass Du entlang Deines Weges Ziele erreichst. Und Deine Frage, mein Lebenslauf ist nicht gerade gerade gewesen, das ist ganz wichtig zu verstehen. Ich habe eigentlich das Einzige, wo ich mal so richtig in einer gefühlten fetten Sackgasse war, das war wirklich am Ende meines Studiums und die Zeit danach, als ich diesen Job des Textilhändlers gemacht habe.

Ansonsten war das, was ich gemacht habe, fast immer aus Leidenschaft. Also ich habe aus Leidenschaft Fernsehen gemacht anderthalb Jahre lang. Ich habe 23 oder 24 Bücher geschrieben. Ich hatte diverse Projekte. Und zu den jeweiligen Zeiten in denen ich das gemacht habe, fühlte sich das immer richtig an. Und wenn man jetzt von außen drauf guckt und sagt der Frädrich, entweder ist der bekloppt oder der ist ein Workaholic oder der ist jetzt total wirr, nein, für mich war das alles ein ganz normales Leben aus mir heraus.

Also ich habe seitdem ich 31 Jahre alt bin, habe ich – ich formuliere es überspritzt, es stimmt nicht hundertprozentig so – seit ich 31 bin, arbeite ich keinen Tag mehr in meinem Leben. Also seit ich für mich definiert habe, dass ich das mache, worauf ich Lust habe. Und das bringt Ergebnisse. Wenn ich um mich herum schaue, dann sehe ich eine Firma die heißt GEDANKENtanken, da gibt es „Nichtrauchen in fünf Stunden“, die Günter-Bücher haben sich jetzt über eine Million mal verkauft, die Kunden rufen mich an oder melden sich bei mir, die wollen, dass ich für gutes Geld bei ihnen Vorträge halte. Also unter dem Strich wenn Du auf der Ergebnisebene bleibst, dann scheine ich ein paar Dinge richtig gemacht zu haben, obwohl die so in der Form nicht geplant waren.

LB: Das war auch nicht so gemeint nach dem Motto, oh Gott, was hast Du für einen krummen Lebenslauf. Den habe ich auch. Mir ging es nur darum als Beispiel, dass sich das ja und Du hast etwas ganz Wichtiges gesagt, dass sich nämlich den Laufenden der Weg unter die Füße schiebt. Dass man erstmal anfangen muss, was zu tun, um zu sehen, ist es denn meine Leidenschaft. Erstmal auf den Weg machen, um zu gucken, was ist denn jetzt überhaupt…, auf seine innere Stimme hören zu können. Wenn man das nämlich gar nicht tut, dann weiß man es auch nicht. Also bitte das nicht falsch verstehen. Das war jetzt nicht negativ gemeint.

SF: Nein. Es ist nur so, warum machen die meisten Menschen das nicht? Die haben Angst. Die haben Angst. Das ist ungewohnt, das kenne ich nicht, irgendwelche und Menschen könnten das nicht mögen. Oder sie sind in so einer Art vorauseilendem Gehorsam ihrer Umgebung gegenüber und versuchen irgendwelchen unsichtbaren Regeln zu folgen. Scheiß drauf. Also, sobald Du aus dieser Gedankenfalle raus bist und sagst, mache doch das, was aus Dir herauskommt, was Dir sowieso Spaß macht. Also Menschen können einander ja im Leben nur geben, was sie drauf haben, wenn sie ihre Stärken leben, wenn sie das leben, was in ihnen ist. Und sobald wir anfangen uns zu verbiegen oder Dinge zu tun, die nicht uns entsprechen, dann sind wir nicht erfolgreich. Oder, das Perverse ist ja, selbst wenn wir dann von außen uns Erfolge ans Revers helfen können, also dann sind wir Abteilungsleiter oder wir machen eine Ausbildung, wir fühlen uns dann nicht erfolgreich, weil wir innendrin schon spüren, wir sind irgendwie in die falsche Richtung unterwegs.

LB: Was würdest Du denn jetzt sagen, um bei dem Beispiel was Du eben genannt hast, mit der Gewichtsreduzierung zu bleiben, also ich kriege in meinem Workshops mit, dass viele Leute genau damit zu kämpfen haben. Und klar ist das jetzt vielleicht nicht die Leidenschaft von jedem, schlank und dünn zu sein, aber es wünscht sich ja irgendwo jeder und es ist ja auch wichtig. Ich meine, für die Lebensqualität ist es wichtig. Aber jeder isst gerne mal eine Pizza, was gibst Du denn denen für Tipps?

SF: Ich habe das jahrelang gemacht, ich habe auch Ernährungsseminare gegeben, ich habe darüber auch Fernsehsendungen gemacht. Ich bin da mittlerweile ein bisschen entspannter geworden. Also ich glaube, also ich habe diesen missionarischen Eifer in dem Bereich aufgehört, ich möchte keine Menschen mehr bekehren. Je klarer mir geworden ist, dass es einfach verschiedene Arten von Wertigkeiten gibt. Letztlich ist es eine klare love it, change it oder leave it Entscheidung. Also entweder Du bist mit Deinem Übergewicht zufrieden oder nicht, und wenn Du unzufrieden bist, kannst du etwas verändern? Ja oder nein. Und dann sollst Du es halt machen. Und auch das hier ist eigentlich eine ganz banale Geschichte, saufe nicht so viel, trink Wasser und bewege Dich, iss ab und zu mal einen Salat statt irgendwelche Fettpampe, ernähre Dich bunt. Also das Wissen ist alles da draußen.

Die Frage ist, was ich den Leuten für Tipps gebe? Und genau da unterscheide ich mich wahrscheinlich von anderen Leuten. Der Fanatiker würde jetzt sagen, pass auf, abends keine Kohlenhydrate oder zähle Deine Kalorien oder Du musst das und das und das so und so machen. Meine Herangehensweise ist, pass mal auf, da gibt es ganz bunte Welt von Ernährungswissen. Lies ein, zwei, drei Bücher, die das zusammenfassen, und dann gucke Dir an, was gut zu Dir passt. Dann mache das und mache eine Gewohnheit draus. Also hier wieder, mache eine Gewohnheit draus.

Also bei mir beispielsweise, ich liebe es abends ein Bier zu trinken und ich liebe mein Abendessen. Ich könnte mir nie vorstellen, wie das viele sagen, abends kein Essen oder keine Süßigkeiten. Für mich ist beispielsweise morgens total egal ob ich frühstücke oder nicht. Ich esse dann zwischen 12 Uhr und 15 Uhr das erste Mal. Habe ich ein Gewichtsproblem? Nein. Muss ich darauf achten? Ja. Fange ich an zu frühstücken, das geht relativ schnell, dann schwillt die Schwarte. Das heißt, Du musst Dich halt auf den Weg begeben, das heißt, jetzt wieder dem Gehenden schiebt sich der Weg unter die Füße, erstmal muss man es für sich als wertig und wichtig empfinden. Zweitens begib Dich auf den Weg, lerne dazu. Und dann gucke, was gut zu Dir passt.

Und dann der Schritt Nummer drei, mache Gewohnheiten daraus, wo Du nicht mehr mit Dir diskutierst. Ich diskutiere nicht mit mir selber, ob ich jetzt Sport machen soll oder nicht. Ich habe für mich definiert, ich bin ein Mensch, der macht Sport. Ende. Und dazu gehört einfach, ich mache in der Woche zwischen drei- und fünfmal Sport. Und wenn ich das nur dreimal mache, dann habe ich das Gefühl, es fehlt mir was. War das immer so? Nein. Fühle ich mich gut? Ich fühle mich bombig. In meiner Umgebung, ich bin jetzt Mitte 40, wenn ich mich mit anderen Leuten unterhalte, merke ich in meiner ehemaligen Klasse, da kommt der Bluthochdruck, der ein oder andere hat schon einen Typ II Diabetes und ich habe den Eindruck, cool, ich spiele mit meinen Teammitgliedern, die sind 20 Jahre jünger, da gehe ich zum Fußballspielen.

Also scheint ja irgendetwas funktioniert zu haben. Bin ich deswegen ein Zwangssportler, der mit seinem Fitnesstracker seine Herzfrequenz misst und irgendwelche Zielchen erreicht und beim Marathon die und die Zeiten erreichen möchte? Auf keinen Fall. Da würde mir sofort der Spaß bei der Sache verloren gehen. Aber ich habe zu Hause ein Laufband und meine Gewichte, ich habe meine Übungen die ich mache, ich höre währenddessen Hörbücher, ich finde Sport geil. Ich glaube, es geht im Leben darum, dass Du Dir das zusammenfummelst, was zu Dir passt. Und das hat halt häufig etwas damit zu tun, dass Du Dich mal auf einen Weg begibst, auch auf einen Weg den Du so nicht vorgezeichnet bekommst, den Dir niemand von außen vorgibt, der Dein Weg ist und der Dir entsprechen muss. Und dann führst Du in allen Lebensbereichen ein glückliches und rundes Leben.

LB: Ja absolut, aber genau da haben Menschen ja Probleme, sich erstmal außerhalb der Komfortzone dorthin zu begeben und diesen Weg zu gehen, da fehlt ja Vielen die Traute. Was würdest Du denen denn sagen? So als Motivationsschub?

SF: Als Motivationsschub ist es ja eine reine Gewöhnung. Also auch das ist eine Gewohnheit. Fange ich an, mir kleine Dinge zuzutrauen? Ja oder nein? Also wenn ich ganz klein anfange und ich habe den Eindruck, da hat jemand einfach nur Sorgen, sich hinzustellen und mal etwas anderes zu machen, dann diejenigen zu locken mit großen Zielen, Du musst jetzt das und das und das machen, das überfordert ja die meisten. Also da sage ich, dann fange mal in kleinen Schritten an. Jeden Tag eine Kleinigkeit neu machen. Du bist ein Ja-Sager, dann sage mal nein. Du bist ein Nein-Sager, dann sag doch mal ja. Spiel mit Dir. Also die Komfortzone ist ein Konstrukt, welches wir uns selber schaffen, welches aber sehr plastisch ist.

Wenn ich aber das Grundkonzept verstanden habe, dass Komfortzone natürlich erstmal kuschelig ist und sich sicher anfühlt, aber dass das Leben halt häufig außerhalb der Komfortzone ist, dann kann ich ja über diese Komfortzone die eigene verlassen und die äußere Welt ein bisschen erforschen. Und wenn man den ersten und zweiten und dritten Erfolgsschritt außerhalb seiner Komfortzone gemacht hat, wenn man das wirklich versteht, wenn man das reflektiert, dann kommt so eine Kaskade. Wenn ich mir das eine zutraue, dann traue ich mir das nächste zu, dann traue ich mir das nächste zu. Und dann sind wir eigentlich bei so einem Zustand, den wir eigentlich als Kinder hatten. Also als Kinder sind wir ja auch experimentierfreudig, unternehmerisch und testen aus. Und dann sind wir eigentlich wieder bei dem Status, der glaube ich sowieso zur menschlichen Natur gehört, dass man sich etwas traut, dass man es ausprobiert und dass man ständig dazulernt.

LB: Sehr, sehr wichtig, ich kann für mich sagen, ich fühle mich, wenn ich in der Komfortzone bin fast schon unwohl. Ich muss immer irgendwie etwas Neues anpacken und wenn ich jetzt Deinen Lebenslauf sehe, jetzt muss ich nochmal drauf eingehen, aber wie gesagt nicht negativ, geht es Dir ja wahrscheinlich sehr ähnlich.

SF: Ich habe dann irgendwann mal verstanden, als ich das kapiert habe, als ich aus der Medizin raus bin. Also der Sprung von der Medizin zum Textilhandel ist schon was die Aufgaben betrifft relativ weit. Und aus der Uni-Denke, aus der Forscher- und Wissenschaftlerdenke hin zur unternehmerischen Denke oder zur BWL-Denke, da sind schon Welten dazwischen. Aber was ich dann feststellte, es geht unter dem Strich immer wieder um die gleichen Dinge. Es geht um Menschen, es geht um Projekte und es geht um Ergebnisse. Und der Rest dazwischen ist einfach nur Software. Diese inhaltlichen Geschichten sind Software, das sind Programme.

Aber eigentlich geht es immer um Methodenkompetenz. Und als mir das klar geworden ist, dass Du eigentlich in jeder Tätigkeit Erfolg haben kannst im Leben, ab dem Moment wird man ziemlich frei. Und dann kann man sich eigentlich alles zutrauen. Dir fehlen irgendwelche Fähigkeiten oder Fertigkeiten? Na ja, dann musst Du halt Lernen lernen. Und wenn man Lernen gelernt hat, wenn man weiß wie das geht, wenn man Wichtiges und Unwichtiges trennen kann, Gedanken-Hierarchien, die eine oder andere Memotechnik, praktisches Lernen versus theoretisches Lernen. Also so ein paar Dinge geschnaggelt hat. Dann hat man auch keine Angst mehr vor Neuem. Weil jede Herausforderung die unterwegs kommt, die Menschen die das können, die sind nicht intelligenter als Du, die haben es halt gelernt. Also lerne auch. Und das ist ein Spielchen mit mir selber, immer wieder probiere ich neue Dinge auch selber einfach bewusst, um sozusagen den Lernmuskel zu trainieren.

Ich habe zum Beispiel vor anderthalb Jahren mit Gitarre spielen angefangen. Ich kann jetzt bei Liedern mitspielen, das ist cool. Hätte ich das nicht gemacht, dann hieß es, ich möchte gern eines Tages Gitarre spielen können. Es gibt glaube ich bei allem so im Leben, wenn Du diese Grundhaltung hast, ja das geht schon irgendwie, Du musst Dich halt auf den Weg begeben, dann lernst Du es. Also mittlerweile haben wir eine Mannschaft mit 32 Mitarbeitern. Die ganzen unternehmerischen Themen, das brauche ich Dir nicht zu sagen, die jetzt unterwegs kommen, wenn Du ein gefühlt größeres Rad drehst, ich weiß, es gibt welche die drehen viel größere Räder, aber trotzdem ist jede Herausforderung ja eine Möglichkeit zu wachsen, ist eine Möglichkeit zu lernen, Du gehst einfach Deinen nächsten Schritt, Du hast Deine Aha-Erkenntnisse und dann entwickelst Du Dich weiter. Und dann hast Du diesen Gedanken, alles gut, es ist in Ordnung und liebes Leben gib mir weitere Herausforderungen.

LB: Sehr schön. Ich muss natürlich…, ich kann Dich ja nicht interviewen ohne mal auf Günter zu sprechen zu kommen, da wäre dann ja auch hier meine Zuhörerschaft enttäuscht. Wie oft begegnest Du dem denn noch? Hast Du den heute schon irgendwo angetroffen?

MDD Selbstmanagement Workshop

SF: Es gibt jetzt verschiedene Möglichkeiten, Günter zu betrachten. Also Günter der innere Schweinehund, das muss ich vielleicht dem ein oder anderen erst erklären. Das ist so eine Art Comic-Figur und ich habe mich dazu entschlossen, ein freundschaftliches Verhältnis zu meinem inneren Günter aufrecht zu erhalten. Also das ist jetzt keiner, der uns behindert oder der irgendwie böse ist, sondern Günter ist für mich so eine Art innere Stimme, so eine Art innerer Ratgeber. Je nachdem welcher Schule man glauben will, ist er das innere Geplapper oder der innere Feind oder dieses innere Geschnatter. Man lernt ja so beim Meditieren seinen eigenen Gedanken nicht immer zu glauben, also die Gedanken zu sehen, sie wahrzunehmen, bewusst wahrzunehmen und dann festzustellen, aha, das sind meine Gedanken, aber ich bin nicht das, was ich denke. Das Denken denkt mich häufig automatisch.

Das ist der Grundgedanke von Günter, weil in unserem Leben folgen wir ja häufig den Impulsen unserer Gedanken. Aber was, wenn die uns in eine falsche Richtung führen? Also was, wenn diese Gedanken sozusagen falsche Programme sind, also die uns einfach Blödsinn erzählen? Und das ist eine ganz spannende Geschichte, weil es bedeutet ja, dass ich da draußen in der Welt so jede Menge Blaupausen bekomme oder Rezepte von anderen Menschen, die mir versuchen Dinge zu erklären. Das ist dann so dieses innere Geplapper. Und jetzt ganz wichtig für mich, entweder führt das in die richtige Richtung, das ist zielführend und gut, oder aber es behindert mich, dann ist es falsch. Und sowohl der Sportler, der regelmäßig Sport treibt oder der Unternehmer der unternehmerisch Erfolg hat, der hat ja auch eine innere Stimme. Nur die Stimme sagt ihm, komm jetzt, auf geht’s, Training. Das ist keine Schwierigkeit, das ist eine Herausforderung, gucke mal, lerne was dazu. Der andere sagt, boah, ist das anstrengend, das ist ein Problem, das habe ich noch nie gehabt. Beides ist Günter. Beides ist für mich Günter. Und wenn Du mich jetzt fragst, ob ich heute meinem eigenen Günter schon begegnet bin, dem begegnet ich sekündlich. Nur dieser Günter im Sinne des inneren Selbstgespräches. Ich sehe die Aufgabe darin, dass wir diesem inneren Günter einfach beibringen müssen, wie man richtig denkt, wie man richtig lebt. Und dann hat man auch keine Schwierigkeiten mit dem inneren Schweinehund. Wenn aber ein reflektierter, ausgebildeter innerer Schweinehund einen dann vor irgendetwas warnt, dann sollte man dem zuhören, weil dann hat er vielleicht recht.

LB: Und wie bilde ich den aus?

SF: Indem Du ein paar Bücher von mir liest. (lacht). Ich habe gerade drei große Bücher, das Günter-Prinzip für Motivation, ein Günter-Prinzip geschrieben zum Thema Gesundheit, jetzt gerade frisch rausgekommen das Günter-Prinzip fürs Business. Da gehe ich die drei großen Bereiche des Business durch, wie funktioniert verkaufen, wie funktioniert Führung, wie funktioniert Unternehmertum. Also da ist alles drin, von der Online-Kompetenz über Selbstmanagement, über Gesprächsführung, über Teamführung. Aber wenn Du so ein Buch liest von mir, also das ist schwierig jetzt zu erklären, letztlich ist das eine Art statistische Herangehensweise. Ich frage mich einfach immer in den jeweiligen Bereichen, was sind die wichtigsten Themen, die ich drauf haben muss. Nimm mal das Thema Unternehmertum, da musst Du wissen, was ist ein Geschäftsmodell? Wo verdient man eine Marge? Welche Techniken, welche Möglichkeiten gibt es? Welche Distributionswege zum Kunden? Welche Kundensegmente? Welches Marketing? Welche Positionierung? Und wenn man so ein Buch mal von mir liest, dann merkt man, dass das im Prinzip nur eine einzige Checkliste ist. Ich gieße sozusagen recherchierte, gut zusammengebaute Checklisten in Texte. Und wenn man das liest, dann merkt man schon, okay, das stimmt, das stimmt, ah, eine neue Erkenntnis, das stimmt, das kenne ich schon, oh, neue Erkenntnis. Und dann räume ich sozusagen im Kopf der Leser auf und der eigene Günter bekommt dann halt an entsprechenden Stellen wichtige Impulse.

LB: Also Du empfiehlst erstmal Deine Bücher zu lesen. Jetzt hast Du ja einen sehr erfolgreichen Lebensweg hinter Dir, also mit GEDANKENtanken jetzt auch etwas Erfolgreiches aufgebaut noch zusätzlich. Aber es ging ja sicherlich nicht alles immer nur nach oben und es war nicht immer nur erfolgreich. Ich stelle ja immer gerne die Frage, was war so Deine größte Herausforderung als Unternehmer und was hast Du daraus gelernt?

SF: Also die größte Herausforderung, da bin ich immer ein Freund davon zu sagen, nein die gibt es nicht. Genauso wie die große Erkenntnis. Wir haben jeden Tag Herausforderungen. Ich glaube, wenn Du sagst, ja Du hast ein erfolgreiches Leben und so, ich würde zuerst erstmal sagen, warte mal, erfolgreiches Leben ist jetzt eine Betrachtungsweise, der man sich gerne anschließen kann, ich mich auch. Aber trotzdem stecken dahinter wirklich täglich Herausforderungen, mit denen Du klarkommen musst. Wie findest Du die richtigen Leute? Wie baust Du Deine Systeme so effizient wie möglich auf? Wie konzentrierst Du Dich auf Wichtiges? Wie lässt Du Unwichtiges bleiben? Also diese große Erkenntnis mit der kann ich jetzt leider nicht dienen. Aber vielleicht mit der Erkenntnis, wenn man sich auf einen Weg begibt, dass dieser Weg wirklich nicht besonders leicht sein muss, aber dass man halt Stück für Stück tatsächlich tagtäglich lernt. Insofern wenn Du mich jetzt fragst, gab es die schlimmsten Momente oder gab es irgendwelche Löcher oder irgendwelche…, ja. Aber jeden Tag. Also immer irgendwelche Kleinigkeiten. Aber die Frage ist, wo guckst Du drauf. Guckst Du auf das, was jetzt schwierig war oder guckst Du auf das, wo Du hin willst? Ich bin ein Freund dessen, dass Du Situationen analysierst und dann gleich wieder Verhalten veränderst und dann dahin gehst, wo Du eigentlich hin willst. Und das führt zu einem einigermaßen dramafreien Leben. Ich würde behaupten, dass obwohl es rauf und runter geht, wenn Du diesen inneren Kompass hast und dem folgst, dass Du es nicht unbedingt als emotionale Krise wahrnimmst, wenn mal eine kommt, sondern als ein Set von Herausforderungen, welches Du bewältigen musst.

LB: Aber Du hattest mir ja mal erzählt, also in dem Zusammenhang auch, dass Du zum Beispiel irgendwann mal erkannt hast, dass diese Geschäftsführung und so etwas eigentlich nicht das Richtige für Dich ist.

SF: Zum Beispiel genau, das hatte ich eingangs schon gesagt. Eine dieser Krisen, eine dieser Herausforderungen, wenn Du feststellst, dann machen wir es mal unternehmerisch. Es ist ja ein Unterschied, ob Du jetzt ein Team hast mit vielen Teammitgliedern, jetzt heute Herbst 2017, haben wir gerade 32 Leute. Angefangen habe ich mal alleine mit einer Assistentin und mit einem Assistenten. Und das ist ja so eine Entwicklungsgeschichte, wenn Du ein klassischer Selbstständiger bist, in meinem Fall mache ich eine Dienstleistung, ich mache Trainings und ich halte Vorträge, ich schreibe Bücher, dann ist man selber das Produkt. Wenn man selber das Produkt ist, dann ist man auch seine eigene Stärke und der Grund, warum das Produkt funktioniert oder nicht.

Jetzt fängst Du an, Leute einzustellen, die um Dich herum plötzlich irgendwelche Aufgaben übernehmen. Also Du hast jemanden, der macht Deinen Terminkalender, der macht die Kundenkorrespondenz, es ist jemand plötzlich da für die Buchhaltung, fürs Rechnungen schreiben und so weiter. Und irgendwann mal kommst du an den Punkt, wo Du feststellst, oh verdammte Hacke, das hat etwas mit Personalführung zu tun. Also plötzlich müssen Prozesse aufgebaut werden, plötzlich müssen Strukturen geschaffen werden. Für mich ist es tatsächlich so, dass die Leidenschaft dies zu tun, bei irgendwo zwischen fünf und sieben Mitarbeitern aufgehört hat, weil ich feststellte, dass ich meine persönlichen Stärken nicht mehr einbringen konnte.

Meine Stärke ist Kreativität, Dinge auf den Punkt bringen, formulieren, aber das findet in Ruhe statt. Jetzt gerade alleine im Büro, wir führen gerade ein Interview, ich bin gerade voll konzentriert. Wenn Du Dich gleichzeitig um die Befindlichkeit oder um irgendwelche Dinge von Deinen Mitarbeitern kümmerst, dann geht das zwangsläufig von Deiner ureigenen Kompetenz weg diese Energie. Also stellte ich fest plötzlich, ich werde weniger produktiv und ich fühle mich im Alltag weniger wohl. Und dann kam der logische Gedanke, wo ist die eigentliche Herausforderung? Die eigentliche Herausforderung ist, dass Du in der operativen Geschäftsführung bis zu einem gewissen Punkt Bock hast das zu tun, aber ab einem gewissen Bock musst Du Dich eigentlich klonen.

Die Lösung ist, suche Dir einen Geschäftsführer. Also das ist eine dieser Herausforderungen gewesen, von der ich gerade gesprochen habe. Ich habe glücklicherweise damals einen sehr, sehr netten Menschen kennengelernt, der extrem kompetent ist, das ist der Alexander Müller, der auch schon in einer ähnlichen Branche ein ähnliches Unternehmen groß gemacht hat. Dann haben wir den getestet, zwei Jahre lang hat der das gemacht, er hat es großartig gemacht. Das macht er immer noch großartig. Er ist mittlerweile Partner bei GEDANKENtanken.

Und ich habe viele dieser administrativen Themen von der Backe, mit denen ich wirklich keine Lust habe, mich zu beschäftigen. Alex wiederum ist jemand, der ist beispielsweise komplementär zu mir, was viele Tätigkeiten betrifft. Wir ticken von bestimmten Werten her sehr, sehr ähnlich, wir haben ähnliche Visionen, tauschen uns da auch immer wieder aus, aber was die operative Umsetzung betrifft, hat er einen völlig anderen Fokus. Ich bin ein Alleinearbeiter, ich bin ein Vormichhinwurschtler, ich bin einer der Freizeit einteilt und da seine Stärken drin hat.

Alex wiederum ist Meeting 1, Meeting 2, Meeting 3, Teams zusammensetzen, koordinieren und so weiter. Und so, dass ich sozusagen in meiner persönlichen Evolution einfach den nächsten Schritt nehmen kann und sagen kann, ich lasse jetzt los, Du machst das. Für mich ist das so ein Bild wie organisches Wachstum. Also wie so ein Baum. Ich glaube, dass Unternehmen oder Organisationen die funktionieren, wie so eine Baumstruktur haben. Da gibt es einen Stamm, da gibt es Äste und das differenziert sich immer weiter aus. Ich glaube, dass viele Unternehmer den Fehler machen, dass sie diesen Baum sozusagen umdrehen. Sie sehen sich wie in einem Organigramm an der Spitze und die anderen sind ihre Untergebenen, denen sie Befehle weitergeben. Und dann ist das ganze System quasi militärisch organisiert wie so ein einziger Feedbackmechanismus.

Das Ganze bedeutet aber, dass dann in solchen Fällen der Chef auch immer wieder in sämtlichen Einzelbereichen den kompletten vollen Durchblick haben muss. Ich habe eine etwas andere Philosophie, ich sage, ich bin ein Stamm und dieser Stamm, oder der Alex ist jetzt auch ein Stamm, und der Stamm hat die Aufgabe, starke Äste hervorzubringen. Also zum Beispiel Mitarbeiter die Bock haben, sich zu verwirklichen, die wirklich geil inhaltlich was drauf haben und die besser sind in ihren Fachbereichen als die Chefs. Und plötzlich entsteht etwas Organisches, wo Du selber die Aufgabe hast als Unternehmer, das Unternehmen selber mit Ressourcen zu versorgen. Also in dem Fall jetzt zum Beispiel mit Aufträgen oder mit Kunden oder mit Geld oder mit dem Büro, mit Arbeitsmitteln, mit einer gesunden Atmosphäre, mit einer DNA auszustatten. Und dann das Unternehmen natürlich strategisch geplant, aber das Unternehmen dann quasi von selber wachsen zu lassen.

LB: Du hast ein schönes Bild aufgemacht finde ich, mit dem Organigramm das so militärisch ist und der Baum und das gefällt mir wirklich sehr gut dieses Bild. Aber was man ja so unter dem Strich mitnehmen kann, dass man wirklich sagt die eigenen Stärken kennen und kennenlernen und sich dann darauf fokussieren. Und da sind wir ja wieder bei dem, was Du am Anfang mit dem Sinnhaften ja auch gesagt hast.

SF: Genau. Diese eigenen Stärken reflektieren, das ist halt ein Tipp, den ich vielen Unternehmern geben kann. Also ich kenne mittlerweile so viele Leute, die genau an der Stelle ihre Schwierigkeiten haben. Ich habe vor Kurzem einen Kerl kennengelernt, das war in einem schönen Hotel, der quasi aus einer Garagenfirma mittlerweile einen Weltkonzern gemacht hat. Und der immer noch Schwierigkeiten hat loszulassen in bestimmten Bereichen. Also der geht jetzt auf die 80 zu, der hat noch keinen Nachfolger für sein Unternehmen, weil er das nicht so aufgebaut hat. Er hat alles um sich herum aufgebaut.

Und dann frage ich ihn, wie geht es Dir denn so? Ich stelle fest, dass sein Alltag zu über 50 Prozent von emotionalem Stress geprägt ist. Das ist dann wiederum etwas, wo ich merke, Du bist dann offensichtlich nicht in Deiner Stärke. Du hast dann bestimmte Bereiche, also Du hast vielleicht viel aufgebaut und das ist toll, aber Du empfindest Dich nicht als so erfolgreich wie Du Dich als erfolgreich empfinden könntest, weil dieser jeweils nächste Wachstumsschritt jetzt, also so ein Wachstum ist ja wie so Zellteilung, das was eine Person gemacht hat, das machen dann zumindest zwei Personen. Und drei Personen und vier und fünf. Und wenn die gut sind, also wenn Du die guten Leute holst, dann sollte das eigentlich den Chef entlasten und nicht den Chef noch irgendwie zusätzlich stressen.

Und das ist ein Fehler, den ich bei ganz Unternehmern bemerke, dass die versuchen …, das stresst die, den Gedanken zu vertrauen, also Kompetenz zuzulassen, andere Götter neben sich zuzulassen und ihnen die Kompetenz zuzugestehen und den Gestaltungsspielraum zuzugestehen und auch ein Feedback zu holen vom System, was geht und was nicht. Und stattdessen autokratisch den Laden zum wachsen zu bringen. Das kann man machen, aber sehr viele sind dann eben in Bereichen tagtäglich tätig oder überfordern sich mit Dingen, die nicht ihrer eigentlichen Stärke entsprechen.

LB: Schön gesagt. Das ist absolut so, das sehe ich auch so. Man muss nicht immer der Schlaueste sein, das ist als Unternehmer mit Sicherheit nicht der Weg zum Erfolg, das sehe ich auch so. Jetzt muss ich nochmal ganz kurz zu GEDANKENtanken zurückkommen, vielleicht kannst Du mal kurz das Geschäftsprinzip dahinter erklären. Weil GEDANKENtanken, wir hatten das ja auch im Vorfeld schon besprochen, ist ja erstmal ein reines Marketingtool für Euch.

SF: Das kommt darauf an, was Du jetzt als GEDANKENtanken betrachtest.

LB: Also diese Vortragsserie jetzt.

SF: Die Vortragsserie sind unsere Rednernächte. Die Rednernächte finden mehrmals im Jahr in allen möglichen deutschsprachigen Städten statt und wir stellen dann pro Abend zehn verschiedene Redner auf die Bühne, die alle so maximal 20 Minuten sprechen. Und das Schöne ist, das ist im Prinzip wie eine Art intelligentes Unterhaltungsprogramm an einem Samstagabend. Und warum das eine Marketingfunktion hat für uns? Wir filmen die ganzen Vorträge und stellen die umsonst bei Youtube ein und veröffentlichen die als Podcast.

Also das heißt, für die meisten Menschen da draußen ist GEDANKENtanken, das sind die mit diesen Vorträgen. So. Aber natürlich sind in diese Vorträge eingebaut jeweils eine Produktlandschaft, die dem folgt. Also wir haben oben einen großen Trichter, der große Trichter das sind die GEDANKENtanken Rednernächte, das ist die Marke, wir haben jetzt Herbst 2017, wir haben etwas über 100.000 Youtube-Follower, wir werden wahrscheinlich Ende 2018 300.000 haben, wenn wir dieser Progression glauben können, die da gerade stattfindet. Also das heißt, wir machen erstmal so eine Art Trichter auf. Das ist eine ganz wesentliche Marketingaufgabe, weil der Trichter die Marke etabliert und einfach für Traffic sorgt.

Und hinter diesem Trichter haben wir also Leute, die uns darüber kennen, einfach jede Menge geile Dienstleistungen, geile Seminarprodukte. Wir machen Führungskräftetraining im gesamten deutschsprachigen Raum. Wir haben mittlerweile 20 oder 21 regionale Partner, die Führungskräftetrainings von GEDANKENtanken Experten regional machen. Also klassische Trainings für KMU, kleine und mittelständische Unternehmen, wo man die Prinzipien guter Teamführung lernt.

Oder wir haben eine selbstständige Unternehmerakademie, die sich zum Beispiel an Trainer/Berater/Coaches ausrichtet, aber auch an Kleinunternehmer, Einzelunternehmer, die, die sich selbstständig machen wollen, die im Management tätig sind und wissen wollen, wie man unternehmerische Entscheidungen fällt, was da draußen auf dem Markt gerade los ist. Das sind alles Kurse, ich könnte jetzt noch mit jeder Menge Onlineprodukten anfangen, das sind aber alles Seminare, die dann diesem Trichter nachgeschaltet sind. Also die Produktstraßen von der technischen Seite her, die beginnen halt erst danach. Diese Rednernächte sind ein Aushängeschild nach außen.

LB: Ihr habt aber auch noch so ein Franchise da eingebaut. Was ist das?

SF: Genau. Das Franchise-System ist das mit dem Führungskräftetraining. Wir haben 20 oder 21 regionale Partner, Stand Herbst 2017, also Du brauchst gewisse Qualifikationen, um bei uns mit dabei sein zu dürfen. Du musst natürlich Führungskraft sein, Du brauchst eine gewisse Seriösität, Du brauchst Trainings-Know-How, Du brauchst eine gewisse Vertriebsaffinität, also das ist so eine ganze Checkliste.

Also wer bei uns Franchise-Nehmer werden kann oder werden will, der muss halt einen bestimmten Qualifikationsprozess durchlaufen und da bleiben dann halt nicht so viele übrig. Aber die, die bei uns die Seminare halten, die sind richtig gut. Das sind Konzepte, wo man über ein Jahr hinweg in der eigenen Region mit Führungskräften monatlich Führungskräftetrainings durchführt. Das ist auch nur ein halber Tag im Monat, den man da trainiert, begleitet von einem Online-Programm, begleitet mit einem ziemlich intelligenten Akquise-System. Das heißt, wir haben dann regionale Partner, die dann GEDANKENtanken Trainingsmodule, die von uns ausgearbeitet sind, mit ihren jeweiligen Kunden trainieren. Und das ist also einer der Geschäftsbereiche. Das ist das Franchise-System davon.

LB: Super interessant. Dann sage ich erstmal danke bis hierhin, Stefan. Ich komme jetzt zur Schlussrunde. Und da bitte ich immer um kurze und präzise Antworten.

SF: Okay.

LB: Eine Herausforderung für Dich.

SF: Das geht schon, aber die Frage wird sein, ob Du dann so viel Lust darauf hast. Aber wir probieren das mal.

LB: Also welcher ist Dein wichtigster Produktivitäts- oder Selbstmanagementtipp?

SF: Oh weia. Tu was Du gern machst genau zu dem Zeitpunkt, wo Du die maximale Energie hast. Wenn ich gerade Bock habe auf E-Mails, dann mache ich die alle an einem Stück. Wenn ich gerade Lust habe auf Telefonate, dann mache ich die alle an einem Stück. Wenn ich mir die aber in den Kalender eintrage und sage, Du musst jetzt telefonieren, dann weiß ich gar nicht, ob ich dann diese Lust dann auch habe. Also wieder dieses Prinzip von innen nach außen. Nicht sich von außen steuern lassen.

LB: Sehr schön, super. Was machst Du denn als Unternehmer um abzuschalten?

SF: Du wirst jetzt lachen, ich fühle mich nicht so gestresst, dass ich jetzt ständig abschalten müsste, aber um die Frage konkret zu beantworten, in die Sauna gehen, Sport machen, Hörbücher hören, Gitarre spielen, mit dem Hund spazieren gehen, mit dem Wohnmobil durch die Gegend fahren, Spaß mit der Familie haben, mit meinem Sohn spielen, Bücher lesen, Filmchen gucken, ich bin Fan von X-Box-Spielen, reicht das?

LB: Das ist alles gut, aber Du fühlst Dich nicht gestresst, Du machst auch einen sehr entspannten Eindruck. Jetzt kommt eine Herausforderung, jetzt bin ich mal ganz gespannt auf die Antwort. Welche Apps oder welchen Internetdienst kannst Du der „Produktiv in digitalen Zeiten“ – Community empfehlen?

SF: Also ich bin ein extremer Fan geworden von Slack, das ist diese Team-Kommunikation-App. Gestern Abend erst war ich ein Kölsch trinken, sitze an der Theke und hole meine Slack-App raus und mache die Gespräche mit dem Team, das ist so geil, das ist so dezentral, Du hast sofort einen Puls in alle Bereiche hinein, großartig. Also für die, die es nicht kennen, ich weiß nicht, ob Du es schon vorgestellt hast, im Prinzip sind das Channels, die Du mit Deiner Mannschaft anlegen kannst, Du meldest Dein Team in diese Slack App ein und zu jedem Thema, Produkt A, Produkt B, Produkt C, Projekt 1, 2, 3, kannst Du dazu Channels anlegen und dann hast Du halt die ganze Kommunikation zu diesem Channel da drin, Du kannst also die Timeline verfolgen, immer wenn eine neue Info dazukommt, dann ist das halt markiert und ebenso kannst Du den Leuten Mails schreiben, Du kannst Chatgruppen integrieren, also mit denen bin ich derzeit extrem happy.

LB: Super. Jetzt kommt eine Herausforderung für Dich, welches Buch hat Dich als Unternehmer und Mensch am meisten geprägt? Und ich weiß genau, Du wirst sagen, das gibt es nicht.

SF: Du hast Recht, das gibt es nicht. Aber ich möchte anders anfangen, vielleicht eine Story die mich das erste Mal tatsächlich dahin gebracht hat. Das Buch heißt „Der kleine Taschentherapeut, in 60 Sekunden wieder okay“.

LB: In 60 Sekunden wieder okay?

SF: Ja, das war lustig. Ich habe damals als Stationsarzt gearbeitet, alles langwierige Sachen, sehr biologisch orientiert, Pillen, Verhaltenstherapie, immer so die getragene Schwere einer echten seriösen Psychiatrie, und dann habe ich dieses Buch gesehen und gedacht, was soll denn der Scheiß? Und ich habe dann da drin rumgeschmökert und das sind einfach nur knappe Verhaltenstherapietipps von zwei sehr intelligenten amerikanischen Autoren. Ich habe damit dann hinterher regelmäßig meine Visiten gemacht und habe sehr viel gelernt über Patienten, die gar nicht so viel Tiefe und Langwieriges vom Arzt haben wollen und das waren einfach pragmatische und nachvollziehbare Lebenstipps. Das hat meine Denke nachhaltig verändert. Und das ist sozusagen meine Einstiegstür in dieses ganze Selfhelp-Coaching, Selbstmanagementliteratur gewesen. Also dieses Buch ist sozusagen meine ideelle Wurzel zu dem, was ich heute mache. Wenngleich die Themen natürlich ungleich komplexer und anders geworden sind.

LB: Ein toller Tipp, hatten wir hier noch nicht, finde ich super. Und so als Unternehmer? Was würdest Du sagen, ist da so ein Buch, was Du jetzt in letzter Zeit gelesen hast, was Dich so geprägt hat oder was Dir im Gedächtnis geblieben ist?

SF: Im Gedächtnis geblieben? Du fragst gerade einen Audio-Junkie. Wöchentlich höre ich zwei Bücher. Ich habe immer so eine Fifty-Fifty-Aufteilung, ich mache 50 Prozent Fiction und ich mache 50 Prozent Fachliteratur. Und es gibt nicht das eine Buch. Ich habe jetzt gerade gelesen Challenge-Management von Wladimir Klitschko, das fand ich cool. Klar denken, klug handeln. Über Bitcoin habe ich zuletzt etwas gelesen. Ich müsste meine App öffnen. Der stille Raub von Gerald Hörhan, großartig. Das Datengefängnis von Michael Ehlers, Flachsinn ich habe Gehirn ich will hier raus von Günter Dück. Das kannst Du mir nicht antun, wöchentlich ein Inhaltsbuch seit vielen Jahren. Keine Chance, ich kann keinen einzigen Tipp geben.

LB: Das ist gut, ich fand den ersten Tipp ja schon klasse. In 60 Sekunden wieder okay. Das ist schon super. Aber was mich mal interessieren würde, zwei Hörbücher in der Woche ist ja schon ordentlich Zeit, lässt Du Dir die dann schneller vorlesen oder wie machst Du das?

SF: Du musst finden, was Du für ein Typus bist. Ich brauche Bücher. Ich bin ein kompletter Büchermensch. Das heißt aber auch, ich muss mir ein Leben aufbauen, wo ich die Möglichkeit habe, tatsächlich die zwei Bücher pro Woche zu lesen. Ganz simpel, ich habe einen Hund, ich gehe täglich zwei Stunden mit dem spazieren, wenn ich irgendwie in Köln bin. Ansonsten fahre ich zu meinen Vorträgen und Seminaren immer mit dem Wohnmobil und gehe auch nicht in Hotels. Alleine was man da an Zeit spart, was man da an Zeit für sich selber und seine große Liebe Hörbücher hat, das ist der absolute Wahnsinn. Keine Hotels mehr, kein lästiges Einchecken, keine Orientierungsschwierigkeiten, keine Akklimatisierungsprobleme mit neuen Hotelzimmern, alles easy. Das heißt, ich gehe aus dem Haus raus und sitze ab dem Moment wo ich im Wohnmobil sitze in meiner Hörstation. Und wenn ich dann von Hamburg, nach Kiel, nach Garmisch-Partenkirchen, nach Stuttgart, nach Fulda fahre, immer mit Hörbuch.

LB: Das ist ja auch toll für Dich, das finde ich eine tolle Sache, aber wie machst Du es dann zum Beispiel mit Frühstück? Gehst Du dann in ein Café? Ach Du frühstückst ja nicht, hast Du ja eben erzählt. Genau. Blöde Frage.

SF: Ansonsten ist das Ding ja ausgestattet. Da ist eine Küche drin. Ich kann mir da selber Sachen kochen.

LB: Das tust Du dann auch.

SF: Das ist eine wichtige Erkenntnis. Ich habe festgestellt, ich brauche das, um mich wohlzufühlen. Wenn ich eine Woche kein Buch höre, werde ich richtig kratzbürstig. Das heißt, ich muss nun wirklich mein Leben so konstruieren, dass ich entlang meines Weges einfach die Dinge tue, die mir gut tun. Und wenn es nebenbei noch mit Fortbildung zu tun hat, was mein Job ist, dann ist das doch geil. Und dafür brauche ich das ganze Gedöns mit Fahrplänen, Air Berlin Ärger, gut das ist jetzt vorbei, mit Warteschlangen, das brauche ich alles nicht. Weg. Hotels, weg.

LB: Jetzt kommt wieder eine Frage, da weiß ich, hast Du wieder keine einfache Antwort. Was ist denn der beste Ratschlag, den Du jemals erhalten hast?

SF: Ich gebe eine ganz klare Antwort. Der beste Ratschlag den ich jedem gebe, es gibt keinen besten Ratschlag. Alles ist individuell, suche es Dir aus. Höre nie auf, selber zu denken. Ich bin ein absoluter Skeptiker, was Gurus oder Leute betrifft, die die eine Lösung anbieten. Das läuft mir zutiefst zuwider. Die Welt ist komplex. Ratschläge geben Richtungen, aber der eigentliche Ratschlag ist, orientiere Dich da draußen selber, gehe Deinen Weg.

LB: Kommen wir zur letzten Frage, erstmal danke bis hierhin. Wie kann denn die „Produktiv in digitalen Zeiten“-Community mit Dir in Kontakt treten, wo bist Du aktiv?

SF: www.gedankentanken.com. Das ist die Webseite. Man findet mich, wenn man Stefan Frädrich eingibt, ich habe einen Youtube-Kanal, ich bin bei Facebook, Dr. Stefan Frädrich, Stefan Frädrich ist der Privat-Account. Ansonsten einfach meinen Namen bei Google eingeben, es ist nicht möglich irgendwie an mir vorbei zu kommen.

LB: Dann sage ich mal vielen, vielen Dank Stefan. Es war super interessant, super spannend. Ich hätte gern noch eine Stunde weitergeredet, aber irgendwie ist die Zeit auch begrenzt, was man so hat, wenn man so einen Podcast hört. Deshalb müssen wir hier leider Schluss machen. Vielen Dank für Deine Zeit.

SF: Ich danke Dir lieber Lars für die intelligenten Fragen und allen, die jetzt noch mit dabei sind, vielen herzlichen Dank fürs Dabeibleiben, gut durchgehalten.

LB: Das glaube ich schon. Es waren ja auch viele spannende Themen. Also vielen Dank Dir Stefan und Euch wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Ciao, Ciao.

Hinweis: Ich behalte mir das Recht vor, beleidigende oder vom Thema abweichende Kommentare zu löschen.