Raus aus dem Papierchaos mit Stefan Jürgen Weiß [Podcast 101]

Raus aus dem Papierchaos heißt diese neue Serie. Lars interviewt Stefan Jürgen Weiß. Stefan ist Unternehmer, der gezwungenermaßen den Umstieg ins papierlose Büro in kurzer Zeit bewältigen musste. Hier erklärt er uns, wie er den Umstieg geschafft hat und welche Vorteile ihm, seinen Mitarbeitern, aber vor allem seinen Kunden, der Umstieg bringt.

Stefan Juergen Weiß

Eine unterhaltsame Story, aber lest selbst…

Hier das Transkript des gesamten Podcasts und vorab die erwähnten Sponsoren und Links:

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LB: Herzlich willkommen zum Podcast „Produktiv in digitalen Zeiten“. Mein Name ist Lars Bobach, ich gebe Orientierung im digitalen Dschungel, so dass wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben bleibt. Heute bin ich hier nicht alleine, heute habe ich den Stefan Jürgen Weiß zu Gast, hallo Stefan.

SW: Hallo Lars, grüß Dich.

LB: Ja, sehr schön, dass Du da bist, freut mich sehr. Den Stefan habe ich kennengelernt auf der Paperless Pioneer Konferenz, dieses Jahr war es die zweite in Düsseldorf. Er ist Unternehmer, führt ein kleines IT-Systemhaus mit fünf Mitarbeitern und musste sich gezwungenermaßen auf den Weg zum papierlosen Büro machen. Das hört sich jetzt erst mal komisch an, das wird er uns aber gleich noch verraten, was genau dahintersteckt. Heute wird er uns auf jeden Fall an diesem Weg ein bisschen teilhaben lassen. Da können wir uns sehr drauf freuen und das ist jetzt die erste Folge aus der Serie „Raus aus dem Papierchaos“ und wenn Ihr, meine Zuhörer, die liebe „Produktiv in digitalen Zeiten“ – Community, auch Euch auf den Weg gemacht habt und meint, wir alle können davon profitieren, bitte meldet Euch bei mir. Einfach eine E-Mail an lars@larsbobach.de schreiben und dann gucken wir mal, ob wir Euch auch in den Podcast aufnehmen. So, jetzt zu Dir, Stefan, bist Du bereit?

SW: Ich bin sowas von bereit!

LB: Okay, heute schon gescannt?

SW: Lass mich kurz überlegen. Ja, ein Blatt habe ich gescannt.

LB: Womit?

SW: In diesem Fall mit meinem Tischscanner, das ist ein S1300I von Fujitsu. Ich habe mir angewöhnt, möglichst schnell zu scannen und mache es auch gern und oft, aber, ja, mehr als ein Blatt kann ich heute nicht bieten.

LB: Aber immerhin, ein Blatt. Was würdest Du denn sagen, scannst Du denn mehr mit dem richtigen Scanner oder mehr mit dem Mobilphone?

SW: Das ist ungefähr 50/50. Also, wenn ich weiß, ich komme gleich ins Büro, dann ist es natürlich komfortabler, vom Scanergebnis doch noch ein bisschen besser, wenn ich es am Schreibtisch mache. Aber mittlerweile versuche ich es auch einfach zu vermeiden und wenn man mal die Kunden und die Partner darauf aufmerksamer macht, dann kann man auch ganz oft das Papier vermeiden. Das ist jetzt mein Weg und ich scanne eigentliche immer weniger.

LB: Okay. Ja, das wirst Du uns ja jetzt gleich erzählen. Da sind wir auch schon im Thema. Erzähle erstmal, wie Du überhaupt zu Deiner Firma gekommen bist, also Dein unternehmerischer Werdegang. Vielleicht auch ein bisschen zu Dir privat und dann, wie Du auf das Thema papierloses Büro gekommen bist?

SW: Ja, sehr gerne. Also, ich bin 44 Jahre alt, verheiratet, wir haben vier Kinder und wohnen im wunderschönen Hachenburg im Westerwald. Ich habe mich ganz klassisch selbständig gemacht, hatte 2005 ein Nebengewerbe, 2007 dann in Vollzeit umgestellt von zu Hause aus. In dem Jahr ist auch meine Tochter geboren und als die dann 2009 plötzlich mit den Festplatten durch die Wohnung lief, weil sie mir die aus dem Büro gemopst hatte, habe ich mir überlegt, ich muss so langsam in eigene Räume gehen. Das war dann 2009, da habe ich auch mit den Trainings begonnen und mit den Jahren ist es leicht gewachsen und aktuell sind wir fünf Mitarbeiter und sind eigentlich auf einem guten Weg.

LB: Was betreut Ihr hauptsächlich für Unternehmen?

SW: Wir betreuen in der Lage Gewerbekunden und haben da den Anspruch, zum einen die IT-Abteilung für die kleinen Gewerbekunden zu sein, dass die sich auf ihre Kernkompetenz konzentrieren können und wir nehmen denen das Thema IT komplett ab. Und wachsende Kunden, da kennen wir einfach so, ja so spezielle Schwierigkeiten, wo man beim Wachstum drüber hinweg muss und da können wir halt auch helfen. Das sind so die beiden Bereiche, wo wir tätig sind.

LB: Wie bist Du denn jetzt auf das papierlose Büro gekommen?

SW: Ein bisschen über meine Erlebnisse. Ich gehe dazu noch einen kurzen Schritt zurück. 2015 sind wir so an die Grenzen unseres damaligen Büros gekommen. Dann habe ich überlegt, von den Schulungsgrößen, Parkplätze, es war einfach kein Wachstum mehr möglich und habe mir was Neues gesucht und gefunden, hier in Hachenburg. Das ist ein kleines, schönes Städtchen und es war alles im Plan. Ende 2016 sollte der Umzug sein und dann sind ein paar Dinge passiert, jedes für sich jetzt keine sehr, sehr, große Katastrophe, aber sportlich und in Kombination fast mein Untergang. Es hat es damit angefangen, dass wir im Herbst dann auch noch die Möglichkeit hatten, privat umzuziehen. Eigentlich wollten wir das nicht, weil, meine Tochter war damals in der vierten Klasse und dieser Umzug hätte halt bedeutet, sie muss die Schule wechseln und so Dinge, die halt da privat auch noch mit eine Rolle spielen. Aber andererseits war das eine Chance, wo wir nicht nein sagen konnten und zugegriffen haben und dann hatten wir vier Wochen zwischen zwei Umzügen. Als Tipp für Deine Hörer, wenn Ihr mal auf so eine Idee kommt, lasst es, es ist keine gute Idee! Ein Umzug alleine reicht wirklich aus.

LB: Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Aber es ist ja nicht beim Umzugsstress geblieben?

SW: Genau, genau, es kam noch viel mehr! Erstmal hat mich dann auch noch ein Mitarbeiter verlassen im November. Das war auch noch nicht die große Katastrophe, weil Dezember ist bei uns ruhig, da sind die Kunden im Weihnachtstrubel, eher wie jetzt mit großen Projekten mit uns beschäftigt. Dann kam der erste Umzug, da fing es halt auch schon an, spannend zu werden. Wenn Du fünf Jahre im gleichen Büro warst und weißt, wo steht welcher Ordner, wo ist welcher Vordruck, wo sind die ganzen Sachen und verlierst diese Struktur auf einmal, dann verlierst Du auch noch einen Mitarbeiter, der mit Wissen ja auch ein Stückweit gegangen ist. Wir versuchen zwar, viel zu dokumentieren, aber alles, diese weichen Fakten, die dokumentiert man dann doch nicht. Da wurde es schon richtig sportlich und durch diesen doppelten Umzug konnte ich mich dann Anfang des Jahres, nachdem wir das glücklich geschafft hatten, nicht darauf konzentrieren, hier richtig Gas zu geben, sondern musste eigentlich sofort Umschalten und dann haben wir privat begonnen, Kartons zu packen usw. Und das war schon alles nicht so toll. Und dann habe ich mich aber drei Tage vor diesem zweiten Umzug auf Glatteis mich nicht auf die Nase, sondern auf die Schulter gelegt, Schulter ausgekugelt, Krankenhaus, zwei Tage dort, kurz vor dem privaten Umzug gelegen und dann stand ich wieder vor dem Wochenende des Umzuges mit dem Arm in der Schlinge.

LB: Aber, eigentlich müsste man ja fragen, was hat denn Deine Frau gemacht? Mit vier Kindern, zwei Tage vor dem Umzug.

SW: Ja, die ist sowas schon gewohnt.

LB: Okay, okay.

SW: Wir haben den Umzug gut hinbekommen. Wir haben noch zusätzlich Freunde gefragt, die wir eigentlich verschonen wollten und haben auch eine ganz tolle Unterstützung erfahren. Und haben das echt schon richtig gut rumgekriegt. Ich musste mir natürlich anhören, Stefan, du hast es richtig drauf, du weißt, wie man sich vor so einer Kiste dann schön drückt. Die dummen Sprüche habe ich dann natürlich auch bekommen.

LB: Jetzt müssen wir nur noch den Schwenk ins papierlose Büro schaffen!

SW: Ja.

LB: Also, die Sympathien hast Du schon mal von allen.

SW: Ich will einfach damit jetzt beschreiben, wir hatten private Kartons, wir hatten hier die Kartons und das hat Spuren hinterlassen bzw. die Strukturen fehlten. Zum Beispiel die Dokumentation, wer macht was, was muss gemacht werden, wo steht das Passwort. Also, wir haben einfach immer schlechter zusammengearbeitet und ich persönlich habe dann nicht viel mehr Gas geben können, sondern ich war dann beim Arzt, Untersuchung, Krankengymnastik, habe meine Tochter in die Schule gefahren. Das war dann auch notwendig und da ich damals noch ziemlich im Büro fixiert war, sprich, ich hatte zum Beispiel meine Warenwirtschaft, war lokal. Da konnte ich nicht von außen drauf zugreifen, konnte ich ganz viel nicht machen und es hat dazu geführt, dass ich nicht mehr so zuverlässig war. Das heißt, ein Kunde hat mir etwas gesagt, ich sage, alles klar, übernehmen wir und zwei Wochen später merkt der Kunde, es ist nicht passiert. Solche Dinger hatten wir ganz viel. Oder ich kam auf die Idee, habe aber nicht die Möglichkeit gehabt, drauf zuzugreifen, auf das, was ich gerade machen wollte. Auf mein Rechnungsprogramm, ein Angebot zu schreiben und hier war wirklich Chaos und die Kunden wurden immer unzufriedener. Ich merkte, wir steuern hier gerade auf eine mittlere Katastrophe zu. Dann habe ich halt, ich bin mal rausgegangen und habe überlegt, was muss ich ändern, um das hier in der Situation, weil, meine Gesundheit war einfach lädiert. Wir hatten einen Mitarbeiter weniger zu der Zeit, das war alles gegeben, das konnte ich nicht ändern. Ich konnte nur mich ändern bzw. die Art, wie wir arbeiten. Und das war dieser Schritt hin zum papierlosen Büro. Das papierlose Büro ist aber nur für mich. Erstmal habe ich für mich die Anforderung, dass ich mobil arbeite und seitdem ist ein iPad mein Begleiter und jede meiner Anwendungen ist auch in der Cloud. Also, die Daten liegen in der Cloud und auch das Rechnungsprogramm, die Zeiterfassung. Damit ich von überall her darauf zugreifen kann und überall arbeiten kann. Und dann ist es natürlich nur logisch, dass ich auch so schnell wie möglich Papier verlasse, denn das Papier, das ist nie da, so ich es brauche im Zweifelsfall. Sondern, ich habe es jetzt auf meinem iPad bzw. in der Cloud und den Zugriff.

LB: Also, Du musstest erst mal so richtig Schmerz erfahren, das Chaos brach sozusagen aufgrund von externen Einflüssen natürlich auch über Dir zusammen und da bist Du dann in diese Papierlosigkeit gestartet. Was würdest Du denn jetzt sagen, es ist jetzt fast zwei Jahre her.

SW: Nein, das war Anfang des Jahres.

LB: Ach, Anfang dieses Jahres, ich dachte, 2016. Ist jetzt sieben, acht, Monate her. Was würdest Du denn sagen, wie weit auf einer Skala von eins bis zehn bist Du denn jetzt im Projekt „papierloses Büro“ fortgeschritten?

SW: Ich persönlich bin bei der neun und mit dem Team sind wir zwischen sieben und acht, wir sind auf einem sehr guten Weg.

LB: Super, da kann man sehen, in einem halben Jahr kriegt man sowas gut gewuppt. Wie war denn jetzt konkret der allererste Schritt? Was war denn das erste, was Du getan hast? Wo Du gesagt hast, okay, ich muss das Chaos hier beenden. Ich will, dass alles papierlos ist, wo man mobil drauf zugreifen kann. Was war der erste Schritt, den Du gemacht hast?

SW: Der erste Schritt war die Technik, dass ich mir die Technik hole und quasi die Infrastruktur schaffe. Das, was ich eben sagte, das iPad, auch mit Internet und auch mit einem Stift, dass ich wirklich komplett autark arbeite und auf Papier komplett verzichte und die Anwendung. Das war der erste Schritt, den ich da gegangen bin.

LB: Und der erste Schritt für die Mitarbeiter, was war das? Für die Firma jetzt, das war ja eher Dein persönlicher?

SW: Die sind diesen Schritt zwangsläufig mitgegangen, indem sie die Anwendung gewechselt haben. Wir arbeiten fast ausschließlich cloudbasiert heutzutage. Wir haben unsere Daten, die sensiblen Kundendaten, haben wir in einer eigenen Cloud, die auf unserem Server läuft. Die haben eine öffentliche Cloud, das Ticketsystem, damit organisieren wir uns sehr stark, läuft in der Cloud und auch die Zeiterfassung, wie ich sagte. Also, wir sind komplett auf andere Systeme teilweise umgestiegen und ja, unser ganzer Ablauf, der ist wirklich komplett digital.

LB: Was waren denn so die größten Hindernisse, die Du da gemerkt hast oder gespürt hast bei der Einführung in Deinem Betrieb?

SW: Also, ich muss sagen, so groß waren die Hindernisse gar nicht. Ich habe es persönlich an mir gemerkt. Der gleiche Effekt tritt auch bei den Mitarbeitern auf. Man muss einfach liebgewonnene Dinge hinter sich lassen. Also, es ist einfach so nativ, dass man einen Stift und ein Blatt Papier vor sich hat, dass es wirklich am Anfang schwerfällt, auf einem iPad zu schreiben. Auch, wenn das super geht, ist es einfach eine Umstellung. Oder ich musste Anwendungen, die ich zum Teil schon zehn Jahre verwendet habe, die musste ich einfach hinter mir lassen, weil die diesem Anspruch, den ich ab sofort habe an jede meiner richtigen Anwendungen, nicht erfüllt haben. Nämlich, mobil und cloudfreundlich zu sein. Das sind die Dinge, ja, einfach den Schritt über den eigenen Schatten zu machen. Aber grundsätzlich muss ich sagen, hatten wir niemals eine Hürde, die so gewaltig war, dass wir sie nicht relativ leicht überwinden konnten.

LB: Auch Deine Mitarbeiter, die waren offen für das, die Veränderung?

SW: Ja, weil es positiv war, weil es uns wieder Struktur brachte und wieder Ruhe und Sicherheit. Das ist auch etwas, was ich, Du kennst vielleicht diesen Spruch, der Fisch stinkt vom Kopf an. Ich habe nicht gut funktioniert und strahlte halt aus. Jetzt habe ich den Laden wieder im Griff. Das, was ich halt im Griff haben muss und es läuft alles und das lief auch überraschend schnell. Ich würde mal sagen, dass wir innerhalb von acht bis zehn Wochen wirklich die wichtigen Schritte gemacht haben. Seitdem ist hier alles wieder in geregelten Bahnen.

LB: Super. Du hast eben von einem Ticketsystem gesprochen, das organisiert Euch weitgehend? Ich nehme an, die Kunden rufen an, haben irgendwie, Drucker druckt nicht oder so, der Standard, irgendwie so was.

SW: Drucker druckt Rosa, genau, ja.

LB: Irgendwie so etwas. Wie ist das denn konkret papierlos organisiert bei Euch? Was nutzt Ihr da für Software zum Beispiel?

SW: Wir nutzen ZenDesk. Das ist eigentlich ein sehr bekanntes Ticketsystem. Also, vielleicht für diejenigen, die IT Service nicht kennen, Kundenservice wird heute eigentlich immer mit irgendeiner Art von Ticketsystem gemacht, ansonsten würden wir Informationen verlieren. Was ich mit den Kunden bespreche, muss natürlich auch der Mitarbeiter, der gleich mit ihm telefoniert, wissen und dokumentieren. Und da haben wir ZenDesk, ein cloudbasiertes Ticketsystem. Das haben wir übrigens auch vorher schon verwendet, weil es einfach so durch seine Einfachheit glänzt, was uns das ermöglicht, was auch dem Kunden gegenüber viele Möglichkeiten, dass wir gut mit ihm kommunizieren, ermöglicht. Und da haben wir einfach zwei Warteschleifen mit Teilnehmern, einmal Vertrieb und einmal Support. Das sind halt unsere beiden Hauptbereiche, wo wir uns dann gegeneinander die Bälle zuspielen.

LB: Ja, ist ja sehr verbreitet, auch im Softwarebereich, Ticketsysteme für Bugfix und die IT-Branche generell. Was würdest Du denn jetzt unter dem Strich sagen, nach sechs, sieben, Monaten. Was für Dich ist denn jetzt der größte Vorteil des papierminimierten Büros?

SW: Also, der größte Vorteil ist die Übersicht und damit die Handlungsfähigkeit, die ich habe. Ich kann jederzeit auf meine Daten zugreifen und muss nicht überlegen, wo sind denn die Unterlagen, wo steht denn der Ordner? Ich kann damit schneller reagieren und den Kunden einen viel besseren Support bieten. Ich habe den Überblick in meiner Firma und über die Firma hinaus. Das gibt mir jetzt persönlich Ruhe und Sicherheit, diese Struktur. Aber, was ich auch sagen möchte, ganz klar: Das Tool ist das eine, aber das Tun ist wichtiger als das Tool. Unsere ganzen Tools würden nicht funktionieren, wenn wir auch nicht unsere Art zu arbeiten geändert hätten. Beispielsweise, jeder Abend wird nicht ohne einen Tagesabschluss gemacht. Bevor wir hier aus dem Büro rausgehen, habe ich in meinem E-Mail-Postfach keine Mail, habe in meinem Ticketsystem kein offenes Ticket, was mir zugeordnet ist und habe in meinem Taskplaner, so für die kleinen Aufgaben arbeite ich mit einem Task Manager, habe da auch keine. Und das finde ich ganz wichtig. Genauso strukturiere ich jeden Tag und strukturiere uns, also, gebe uns Struktur, dass einfach auch Zeiten eingehalten werden, also Zeit für die Dinge da ist.

LB: Dass Du einen leeren Eingangskorb hast in Deinem E-Mail Account, das ist toll, das ist gut und dafür bewundern Dich garantiert viele, wenn Du das schaffst. Aber, das hat ja mit einem papierminimierten Büro erstmal nichts zu tun, weil, E-Mail ist ja grundsätzlich erstmal ohne Papier, also papierlos. Das ist eher so eine Selbstmanagementgeschichte von Dir dann?

SW: Genau, was ich damit sagen will, das war, das papierlose Büro hat nicht automatisch dazu verholfen, super zu arbeiten. Auf diesem Weg habe ich erkannt, dass es wichtiger ist, mich zu organisieren und das Team zu organisieren und dann können mich diese Tools auf ein neues Level heben. Das wollte ich einfach nur damit gesagt haben.

LB: Das hilft natürlich, ein gutes Selbstmanagement hat natürlich auch viel damit zu tun, dass man so wenig Ablenkung hat wie möglich und dann kann man sich auch wirklich drauf konzentrieren, sowas wie einen leeren E-Mail Eingangskorb oder einen leeren Task Manager und so anzugehen. Funktioniert das denn bei Deinen Mitarbeitern genauso gut wie bei Dir?

SW: Jeden Tag funktioniert es bei mir natürlich auch nicht gut. Ich glaube, das kennt jeder, der so etwas versucht, aber, es funktioniert überraschend gut und wir werden immer besser. Wir haben ja nicht den Anspruch, heute perfekt zu sein. Aber, wenn wir jeden Tag ein bisschen besser werden, dann ist das der Weg in die richtige Richtung.

LB: Okay, jetzt bist Du mir da ausgewichen. Also, bei Deinen Mitarbeitern, die wollen auf jeden Fall jeden Tag auch besser werden, ich habe es verstanden.

SW: Ich muss es nicht mit Gewalt hier reinbringen, sondern es wird wirklich auch angenommen.

LB: Okay, die Mitarbeiter müssen es natürlich aus einer eigenen Motivation machen, das ist klar. Ja, dann danke ich erstmal bis hierhin. Bevor wir zu den Abschussfragen kommen, wollen wir uns noch kurz bei unserem Sponsor bedanken.

So, da sind wir wieder, zurück mit dem Stefan Jürgen Weiß, raus aus dem Papierchaos. Stefan, bist Du bereit für die Abschlussfragen?

SW: Aber klar.

LB: Welcher ist Dein wichtigster Produktivitätstipp?

SW: Da würde ich sagen, setz deine Aufgabe nicht nur nach Dringlichkeit, sondern auch Energiebedarf und Zeitbedarf. Plane dir ausreichend Zeit ein und verteidige diese Zeiträume.

LB: Was machst Du als Unternehmer, um abzuschalten?

SW: Rausgehen aus dem Büro, Wandern, am Wochenende wegfahren, Urlaub machen, raus aus dem Alltag.

LB: Welche Apps oder welchen Internetdienst kannst Du der „Produktiv in digitalen Zeiten“-Community empfehlen?

SW: Ich würde gerne etwas nicht empfehlen. Keine Mails, kein Facebook und keine Nachrichtenapp auf dem iPhone oder auf dem Smartphone, sagen wir mal so. Das hat mich unwahrscheinlich weitergebracht in Richtung Produktivität, weil, jetzt werde ich nicht mehr abgelenkt und kann die Dienste anderswo nutzen, aber nicht mehr so mal eben aus der Langeweile heraus, aus dem Moment heraus. Ich möchte aber auch Empfehlungen aussprechen.

LB: Aber, das ist ein super Tipp, muss ich sagen, ein ganz, ganz, toller Tipp, das funktioniert bei mir auch sehr gut, also, E-Mail-App habe ich schon lange gelöscht. Aber bei Instagram geht es leider nicht, weil, das funktioniert nur auf dem Smartphone.

SW: Okay.

LB: Deine Empfehlung jetzt, genau.

SW: Ich arbeite sehr gut mit der E-Mail-App SPARK. Wir nutzen im Team Telegram als Messenger. Wo wir jetzt beim Thema papierloses Büro sind, ist natürlich der Scanner auf dem mobilen Gerät ganz wichtig, da nutze ich Scanbot und, um wirklich papierlos zu arbeiten und zu notieren, um meine Unterlagen immer bei mir zu haben, habe ich mich für OneNote entschieden. Ich komme aus dem Officebereich, deswegen war für mich die Entscheidung von Evernote hin zu OneNote einfach eine logische. Finde ich richtig gut und man muss sich dran gewöhnen, aber, man kann wirklich so viel mit OneNote machen und das ersetzt mir das Papier, also, das wäre die Killer App, wenn Du mich fragst, womit bringe ich das papierlose Büro zu den Leuten hin.

LB: Nutzt Du OneNote auf dem iPad?

SW: Ja, ich nutze OneNote überall.

LB: Ja, okay, gibt es ja auch fürs iPad, würde mich mal interessieren, oder, ob Du es jetzt auf einem Surface oder so nutzt.

SW: Nein, ich habe ein iPad Pro, da benutze ich OneNote und da schreibe ich mit, da skizziere ich mit, da mache ich ein Foto, alles in OneNote hinein. Es funktioniert gut.

LB: Das ist ein Riesenvorteil von OneNote, den ich sehr häufig höre, weil bei Evernote, die Zeichenfunktion in Evernote oder auch die Mitschreibfunktion in Evernote ist ja äußerst rudimentär, wenn man es positiv ausdrücken will. Da braucht man leider dann immer noch eine zweite App, mit der man dann auch mitschreiben kann.

SW: Das ist schade, ein Vorteil zu OneNote noch, wo ich wirklich mich auf den Hosenboden gesetzt habe. Ich bin Linkshänder, ich habe wirklich eine grottenschlecht lesbare Handschrift, aber OneNote schafft es, so über die Suche meine Handschrift zu identifizieren, das ist der absolute Hammer.

LB: Okay, ja. Dann machen wir hier mal den Werbeblog für Microsoft OneNote, den schalten wir jetzt mal ab. Finde ich gut, wenn Du damit gute Erfahrungen hast, sollst Du das ja auch sagen. Welches Buch hat Dich als Unternehmer und Mensch am meisten geprägt?

SW: Da könnte ich zwei nennen: Steve Jobs, die Biografie.

LB: Welche?

SW: Die von Isaac, ich weiß jetzt gerade den Vornamen nicht. Die erste, die nach seinem Tod rauskam. Fantastisch, hat mich einfach inspiriert, Unternehmertum und der Idealismus dahinter und fantastische Produkte zu machen, wird da sehr fühlbar. Und in der letzten Zeit, wie ich die Dinge geregelt bekomme, von David Allen „Getting Things Done“, wo ich mir ganz viel rausnehme für mein persönliches Selbstmanagement.

LB: Super. Welches ist der beste Ratschlag, den Du jemals erhalten hast?

SW: Ich habe schon viele Ratschläge erhalten. Viele waren gut, lass mich überlegen. „Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir von der Welt wünschst.“ Ich glaube, das hat Gandhi gesagt. Gehe also mit dem Vorbild raus und gehe damit raus, was Du von Deinem Umfeld wünschst. Das ist, glaube ich, der beste Rat.

LB: Ja, das kann man auch auf aus papierlose Büro überschreiben.

SW: Genau, das habe ich auch gerade im Hinterkopf dazu gehabt. Wenn ich es selber nicht mache, kann ich es auch nicht predigen.

LB: Das ist auch immer das, wenn ich gefragt werde, was ist der erste Schritt, sage ich, fang bei dir selbst an. Mach erstmal dich selber papierlos und dann kannst du mit deinem Team anfangen. Wenn du nur theoretisch sagst, so muss das und das hier, mach mal links und mach mal rechts, funktioniert das nicht. Du musst vorneweg gehen und als erstes damit anfangen. Stefan, vielen, vielen, Dank, hat viel Spaß gemacht. Es war sehr, sehr, interessant und inspirierend. Ich hoffe, auch für die „Produktiv in digitalen Zeiten“-Community. Bin ich mir ganz sicher. Wie können wir denn mit Dir in Kontakt treten, wo finden wir Dich?

SW: Einfach über Google „Stefan Jürgen Weiß“ googeln und ich bin über die Webseite erreichbar, ich bin über Facebook oder Xing erreichbar. Also, da findet man mich schon. Per E-Mail bin ich super erreichbar.

LB: Okay, also, Stefan Jürgen Weiß, die Kontaktdaten kommen eh in den Artikel zu dieser Podcast Folge, ansonsten Stefan Jürgen Weiß googeln. Ja, und nochmal meinen Appell an Euch, liebe Hörer, wenn Ihr auch Euer Büro, Eure Firma, Euer Team, auf papierlos umgestellt habt, gerne eine E-Mail an mich, an lars@larsbobach.de und da gucken wir mal, vielleicht ist das auch eine Story hier für den Podcast. Ja Stefan, vielen lieben Dank.

SW: Sehr gerne, ich danke Dir.

LB: Ja und Euch wieder viel Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben, ciao.

Hinweis: Ich behalte mir das Recht vor, beleidigende oder vom Thema abweichende Kommentare zu löschen.

  • Max

    Papierloses Büro – immer wieder sehr interessant!