Selbstständig machen mit einem Franchisesystem – Torben Leif Brodersen

Franchising hier bei Lars, warum? Warum sollte man sich beim selbstständig machen überhaupt für Franchise interessieren? Immerhin hat Franchising in Deutschland einen eher zweifelhaften Ruf! Oder kann ich gute Franchisegeber erkennen und woran?

Torben Leif

Torben Leif Brodersen ist Geschäftsführer des Deutschen Franchiseverbandes und versteht sich als TÜV für Franchisenehmer und Franchisegeber. Er hat Antworten dabei.

Hier das Transkript des gesamten Podcasts und vorab die erwähnten Sponsoren:

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Fit für die Next Economy: Zukunftsfähig mit den Digital Natives

LB: Herzlich willkommen zum Podcast „Produktiv in digitalen Zeiten“. Mein Name ist Lars Bobach und ich sitze hier heute zusammen mit dem Torben Brodersen. Hallo Torben.

TB: Hallo Lars, freue mich.

LB: Ja, ich mich auch! Torben Brodersen ist Geschäftsführer des Deutschen Franchiseverbandes mit Sitz in Berlin. Er ist somit Interessenvertreter der Franchisegeber, aber auch der Franchisenehmer. Er ist gelernter studierter Politologe, Schleswig-Holsteiner, und wir kennen uns wirklich schon sehr lange. Er hat nämlich schon 2006 mir den Gründerpreis des Magazins Impulse verliehen, den Gründerpreis der Franchisewirtschaft.
Frage vorab, Torben, wie viel Franchisesysteme gibt es zurzeit in Deutschland? Ich weiß, damals, als ich mich selbständig gemacht habe, waren es schon 600 und ich war total überfordert.

TB: Total überfordert? Also, in der Tat ist es eine sehr bunte Szene, weil, Franchisesysteme gibt es in allen Branchen und wir zählen heute fast 1.000 unterschiedliche Franchisesysteme.

LB: Okay, wie viel sind davon dem Franchiseverband, also Euch, dem Deutschen Franchiseverband, angeschlossen?

TB: Wir haben um die 320 Mitglieder, aber mit steigender Tendenz tatsächlich. Wir haben einiges an uns gemacht und einiges an uns gearbeitet, aber wir organisieren 30 bis 35 Prozent, also, kann man ja leicht ausrechnen.

LB: Okay, was ist der Vorteil von einem Franchisesystem, wenn es bei Euch angeschlossen ist oder Mitglied des Franchiseverbandes ist und was bringt das einem potentiellen Franchiseinteressenten, wenn es ein System ist, was bei Euch Mitglied ist?

TB: Die Franchisewirtschaft in Deutschland wird von uns sozusagen gesteuert mit einem selbstregulierenden Instrument, das heißt, wir haben Standards für faires und partnerschaftliches Franchising geschaffen. Es gibt also keine Zwangsmitgliedschaft im deutschen Franchiseverband, sondern es ist alles eine freiwillige Geschichte. Unsere Alleinstellung als Verband ist, wir zertifizieren Unternehmen und dass wir praktisch damit dem Franchisegründer oder dem Franchisegeber auch sehr viel Input geben, ein Franchisesystem weiterzuentwickeln. Und das führt in der Konsequenz dazu, dass Franchisesysteme zum Beispiel bei der Finanzierung Vorteile haben. Sie haben Vorteile bei der Franchisenehmer-Gewinnung, wenn sie hier Mitglied sind. Und das ist unsere Positionierung an der Stelle und uns ist es wichtig und mir auch persönlich, dass wir den Verband als ein Dienstleister im Bereich der Qualitätssicherung und im Qualitätsmanagement positionieren.

LB: Okay, also ist es sozusagen, ich sage mal, ein Qualitätssiegel, kann man das so sagen?

TB: Es ist ein TÜV. Wir haben TÜV kreiert für die Franchisewirtschaft und das wird auch von der Bundesregierung, gerade vom Bundeswirtschaftsministerium, sehr stark mit unterstützt, weil seit langer Zeit schon auch das Thema Franchisegesetzgebung in Deutschland eigentlich vom Tisch ist damit.

LB: Aah, okay, jetzt, bevor wir hier, wir sind schon mitten im Thema Franchising, aber, bevor wir da komplett einsteigen, erzähle uns mal ganz kurz was zu Dir, Deinen Werdegang, wie bist Du zu dem geworden, was du heute machst, was treibt dich an, was ist so Deine Leidenschaft?

TB: Ich habe viele Leidenschaften, aber das, was mich tatsächlich natürlich am ehesten umtreibt, ist mein Job, ist auch, meinen Job gut zu machen und immer besser zu machen, das heißt, ich bin ein Mensch, der sehr stark daran interessiert ist, sich weiterzuentwickeln, der nach rechts und links schaut. Der schaut danach, wie kann er sich selber in seinem Job ausfüllen. Das ist etwas, was mich antreibt, eigentlich permanent und ich glaube auch, das ist so am ehesten das, was dazu geführt hat, wie ich jetzt heute bin. Dazu braucht man ein stabiles Umfeld, da braucht man ein stabiles Team, was ich habe, also, einen wunderbareren Nährboden eigentlich, um diese Weiterentwicklung zu fördern.

LB: Wie bist Du denn jetzt in die Franchisebranche gekommen?

TB: Das war eine sehr interessante Entwicklung tatsächlich als Politikwissenschaftler. Ich habe in Kiel angefangen zu studieren, heimatnahe Verwendung war das seinerzeit. Ich komme ursprünglich aus Flensburg. Ich bin 1999 nach Berlin gegangen, um hier mein Hauptstudium zu machen, habe dann als Diplom-Politologe abgeschlossen 2002 und habe parallel im Bundestag gearbeitet während des Studiums am Ende. Für Wolfgang Börnsen, er ist ein ehemaliger Bundestagsabgeordneter aus dem Flensburger Raum, Flensburg, Schleswig. Und der hat parlamentarische Initiativen ausgearbeitet für Franchisewirtschaft und die habe ich mit erstellt und bin dann sozusagen nach der Studiumsbeendigung praktisch auf die andere Seite gegangen, was viele Politikwissenschaftler oder auch Leute machen, die im Umfeld des Parlaments gearbeitet haben.

LB: Okay, was ist denn, was würdest Du sagen, Deine Expertise so unterm Strich, was kann die „Produktiv in digitalen Zeiten“-Community, also meine Hörer, von Dir lernen?

TB: Ich glaube, dass man sich öffnen sollte. Man muss offen sein für Netzwerke, die sich digital ergeben, man sollte aufmerksam verfolgen, was andere Menschen selber auch an Ratschlägen geben können digital. Die Vernetzung halte ich für essenziell, ich kenne Menschen aus meinem Umfeld, die sich da sperren und sagen, sie haben Angst davor, dass sie zu sehr digital wahrnehmbar sind. Ich sehe das eher als große Chance, weil man einfach Netzwerke ausbaut, wenn man neue Leute kennenlernt, Input bekommt. Das ist eigentlich das, was mich da umtreibt. Ich bin online über viele Kanäle erreichbar und teile auch sehr viel online. Das mag ich sehr gerne, weil ich glaube, dass es immer wichtiger wird, dass man da präsent ist.

LB: Ja, keine Frage, aber zu Deiner Expertise gehört ja sicherlich auch, dass die Franchisewirtschaft und wie man zum Beispiel gute Franchisesysteme auswählt, kommen wir auch gleich zu, zu den Fragen. Also da bist du sicherlich auch einer der Experten in Deutschland?

TB: Auf jeden Fall, also, diese Expertise an der Stelle, nämlich auch vorwärts zu denken und das, was man selber lernt, auch Franchisegebern und Franchisegebern sozusagen weiterzugeben, das ist natürlich das, was mein oberstes Ziel ist an der Stelle.

LB: Schön, jetzt mal zum Franchising. Lass uns mal Zahlen, Daten, Fakten hören. Welche Wirtschaftskraft hat das Franchising, was wird für ein Umsatz gemacht, wieviel Franchisenehmer, wieviel Mitarbeiter in Franchisesystemen gibt es zurzeit in Deutschland?

TB: Mitarbeiter in Franchisesystemen, das ist die Zahl, die natürlich am prägnantesten ist, weil sie zeigt, wieviel Menschen in Franchisesystemen arbeiten. Es sind 700.000 in 120.000 Franchisenehmern. Alle zusammen erwirtschaften einen Umsatz von 103 Milliarden Euro. Wir sagen so, das ist anderthalb bis zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes immer schon gewesen. Die Franchiseszene ist stark in Bewegung, gerade auch digitale technische Prozesse, die hier Einzug gehalten haben im Mittelstand, führen dazu, dass wir sehr innovativ vorwärtskommen. Also, ich denke, dass die Zahlen, sowohl der Franchisenehmer als auch die der Mitarbeiter in Franchisesystemen deutlich auch noch steigen werden in den nächsten Jahren.

LB: Kannst Du da Beispiele nennen, z. B. aus Amerika, ich glaube, da ist das ja noch weiterverbreitet, oder sind die Zahlen da ähnlich wie bei uns?

TB: Die Zahlen sind deutlich höher natürlich als bei uns. Die USA als Mutterland.

LB: Auch prozentual, meine ich jetzt?

TB: Das habe ich jetzt nicht aus dem Stand parat, diese Zahl, wie stark jetzt die Franchiseszene in den USA ist, aber ich würde das auch gerne lösen aus diesem Fragekontext, weil ich glaube, die europäische Franchisewirtschaft arbeitet und tickt auch anders als die USA. Das zeigt sich in verschiedenen Bereichen. Es zeigt sich zum Beispiel in dem Bereich, dass nachhaltiges Wachstum in Franchise auch mehr bedeutet als einfach nur Lizenzen verkaufen, als einfach nur an Expansion über den Lizenzverkauf zu denken. Das, wo wir uns abheben wollen, ist einfach, dass wir ein nachhaltigeres Wachstum zeigen. Da gibt es Unternehmer aus dem Ausland, die nach Deutschland kommen, die einfach nur darauf setzen, Lizenzen zu verkaufen und das ist aus meiner Sicht eher schädlich, um nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg für alle Beteiligten auch zu produzieren.

LB: Kommen wir gleich zu, woran man gute Franchisesysteme erkennt. Jetzt würde mich aber erstmal interessieren, ich meine, die Zahlen sind ja wirklich beeindruckend, 700.000 Menschen arbeiten in Deutschland in Franchisesystemen, Wahnsinn! Also wirklich richtig starke Wirtschaftskraft auch dahinter. Aber Franchising hat ja in Deutschland und ich bin ja selber Franchisenehmer und aktiv auch jahrelang gewesen, auch wirklich mit Begeisterung und mit Überzeugung, aber es schlägt einem immer so eine gewisse Skepsis entgegen, so einen zweifelhaften Ruf genießt das Franchising in Deutschland. Hast Du das auch erfahren und woran liegt das?

TB: Als Interessenvertreter der Franchiseszene habe ich natürlich eine gewisse andere Wahrnehmung, auch wenn ich weiß, was Du meinst. Meine Wahrnehmung ist die, dass das Thema Franchise eigentlich in sehr vielen neuen Branchen Einzug hält. Wir haben Kontakt zu der Startup-Szene hier in Berlin, wo Unternehmen, die vor drei, vier Jahren gegründet wurden, die erfolgreich sind, jetzt in das Thema Replikation gehen, also Multiplikation, Skalierung. Und damit ist eigentlich nichts anderes gemeint als das Thema Franchise anzuwenden, um zu wachsen. Das gleiche gilt für den Bereich Social Entrepreneurship, also, das heißt, dass es Unternehmen gibt im gemeinnützigen Bereich, die über Franchise auch wachsen, Prozesse standarisiert haben. Damit will ich nur sagen, dass Franchise eigentlich als Geschäftsmodell völlig arriviert ist und auch ein völliges Zukunftskonzept ist. Und das, was Du meinst, habe ich immer so interpretiert, wenn ich darauf angesprochen werde, dass ich sage, das Thema Unternehmertum in Deutschland, das Thema Selbstständigkeit, Gründerland, Menschen zu motivieren, in die Selbstständigkeit zu gehen, dass das eher nicht ausgeprägt ist und dass es dazu führt, dass das Thema Unternehmertum eher so ein bisschen sozusagen der Unternehmer, der im Tatort immer der Böse ist. Dass sich das so festsetzt als so ein zweifelhafter Ruf. Würde ich gar nicht mal so sehr am Franchisethema festmachen, sondern generell daran, dass in Deutschland sozusagen das Angestelltenverhältnis und der Beamtenstatus wichtiger ist als die Motivation, in die Selbstständigkeit zu gehen.

LB: Okay, warum sollte man sich denn, wenn man jetzt Unternehmer werden will, warum sollte man sich denn dann für ein Franchisesystem entscheiden? Es wird oft auch gesagt, Franchisenehmer sind Unternehmer 1B oder 2, also, die kleineren Unternehmer sozusagen.

TB: Also, auch das ist ja nicht richtig, weil jemand, der Franchisenehmer werden will, sich nicht automatisch sozusagen als Unternehmer zweiter Klasse outet, im Gegenteil! Es ist ein vollwertiger selbständiger Unternehmer mit allem, was dazu gehört. Und vor allen Dingen, was dazu gehört, gehört hier im Franchisebereich natürlich eine etablierte Marke dazu. Da gehört etabliertes Knowhow dazu und wir leben in einer Welt, wo viel geteilt wird, shared Economy ist das Stichwort. Und genau das, was Franchise auch ausmacht, eine Arbeitsteilung zwischen Franchisegeber und Franchisenehmer, die sehr viele Synergien hervorbringt. Ich bin mir sicher, dass für Unternehmer heute, das hast Du ja selber auch sozusagen am eigenen Leib erlebt als Franchisepartner, dass wir durch die Konzentration der Franchisegeber auf seine Kompetenz, auf seine eigentlich viel stärkere mittelständische Unternehmen nach vorne bringen können. Insofern ist das für jemand, der Franchisenehmer werden will, sozusagen der Tipp oder erstmal die Rahmenbedingungen mit einer bekannten Marke rauszugehen. Sein Netzwerk vor Ort in seinem Gebiet aufzubauen.

LB: Für mich war wirklich ein absolut entscheidender Erfolgsfaktor, das Franchising. Es gab so ein „Rückenfrei“-Prinzip. Du kannst Dich wirklich darauf konzentrieren, was deine Firma nach vorne bringt, du musst dich um die ganzen Randthemen, was ich ja jetzt in meiner Agentur, die ich ja von null auf gegründet habe, merke, wie viel Arbeit das ist, was dir so ein Franchisesystem dann abnimmt.

TB: So, und wir sehen im Bereich Unternehmenskooperationen an sich, es gibt ja Genossenschaften, es gibt Einkaufsgemeinschaften, es gibt Verbundgruppen. Und das sich in dieser Szene immer mehr Unternehmen dafür interessieren, Richtung Franchise zu gehen, weil sie sehen, in Franchisesystemen kann man viel effizienter Marken nach vorn bringen. Und das ist das, was zählt. Markenbekanntheit erzeugen, mit der Markenbekanntheit entsprechend auch den wirtschaftlichen Erfolg mit herbeizuführen, das ist das, was eigentlich viel stärker sozusagen an Bedeutung gewinnt. Und Menschen, die sich selbständig machen, sollten daran denken, an diese Synergien und dass man das Rad nicht neu erfinden muss. Ich glaube, es ist eine sehr komfortable Situation, die wir da bieten.

LB: Ja, absolut. Welche unterschiedlichen Arten von Franchisesystem gibt es denn? Du hast schon gerade so ein paar genannt?

TB: Eigentlich funktioniert das Franchiseprinzip immer gleich, mit unterschiedlichen Ausprägungen. Mit Arten meinst Du, in welchen Branchen wir vertreten sind oder was ist mit dem Begriff Art gemeint?

LB: Okay, nein, nicht Branchen, das ist klar, das gibt es in allen Branchen, aber, es gibt ja so Lizenzsysteme, ich sage mal so, Einkaufsgenossenschaften, sowas fällt jetzt nicht unter Franchisesystem, aus Deiner Sicht sehr wahrscheinlich?

TB: Ich würde sagen, das ist tatsächlich auch branchenabhängig. In der Gastronomie zum Beispiel gibt es einen Typus von Franchisesystem, der sehr stark durchstandardisiert ist. Aber, das ist auch völlig gut und nachvollziehbar, weil es hier mit hohen qualitativen Standards einhergeht. Das ist besonders wichtig in der Systemgastronomie. Dann haben wir den Bereich der Dienstleistungen, ein Bereich, in dem Du auch tätig warst. Das ist zum Beispiel ein Bereich, wo es viel stärker ankommt auf die Performances des Inhabers, des Franchisenehmers. Es ist nicht so sehr die Erbringung der Dienstleistung, sondern die Performances des Franchisepartners. Insofern gibt es tatsächlich einige Arten, wo sich Franchisesysteme auch unterscheiden und das gilt es auch herauszufinden, wie transparent geht man miteinander um. Wie partnerschaftlich ist das System aufgebaut und wie stark denkt man auch an das Thema Innovation? Alles das sind Faktoren, die Franchising sehr unterschiedlichen macht.

LB: Genau! Und woran erkennt man jetzt, wenn ich mich selbständig machen will, so wie es bei mir auch damals war. Ich hatte aber keine Idee, womit eigentlich oder sagen wir mal so, ich hatte schon eine Idee, aber das konnte ich alles irgendwie finanziell gar nicht stemmen, was ich da geplant hatte. Und bin dann in den Franchisemarkt gekommen, war erschlagen von der Vielfalt, damals 600, jetzt mittlerweile 1.000, also fast doppelt so viel. Da wird man ja wirklich erschlagen, von der Vielfalt. Woran erkennt man denn jetzt ein gutes Franchisesystem?

TB: Als erstes muss man sich das suchen, was zu seinen Leidenschaften passt. Also ein Geschäftsmodell, was sich mit dem deckt, was ich eigentlich beruflich machen möchte, was mein Traum ist. Ich denke, man kann sich da beraten lassen, man kann auch unter diesen tausend kann man das finden. Und man kann auch vergleichen. Man sollte die Konzepte dann auch übereinanderlegen und das, was die Konzepte bieten. Insofern ist das etwas, was unbedingt erstmal die Eingangsvoraussetzung ist. Das, was ich in den nächsten Jahren machen will, soll dem entsprechen, was ich gerne als meinen Traum verwirklichen möchte. Und ein gutes Franchisesystem erkennt man einfach daran, dass es professionell arbeitet, dass es transparent arbeitet. Ein gutes Franchisesystem bietet auch immer gute Kontakte zu bestehenden Franchisenehmern, die motiviert sind, denen es auch wirtschaftlich gut geht, mit denen ich mich auch im Vorfeld unterhalten kann und herausfinden kann, was sind die Erfolgsfaktoren? Das sind alles Dinge, da leben wir in einer Welt, die ohnehin sehr transparent ist und das kommt der Franchiseszene sehr zugute, weil wir einfach da, ja, einfach im Vorfeld, in der Vorvertragsphase, viele Sachen rausfinden können. Und das Vertrauen muss stimmen, die Chemie muss stimmen, das Bauchgefühl. Es gibt echt viele Faktoren, die dafürsprechen, dass man schnell herausfindet, passt ein System zu einem oder nicht.

LB: Wichtig finde ich hier wirklich, mit bestehenden Franchisenehmern oder Franchisepartnern mal Kontakt aufzunehmen, denen, wie Du sagst, es gut geht. Dass man vielleicht wirklich die Erfolgsfaktoren mit denen klärt. Das hat mir sehr sehr geholfen bei der Auswahl meines Systems. Bietet Ihr denn oder Du jetzt als deutscher Franchiseverband, bietet Ihr da Hilfestellung an?

TB: Tatsächlich, weil Unternehmen, die hier die ordentliche Mitgliedschaft haben, müssen alle drei Jahre durch die Zertifizierung durch und die beinhaltet auch eine Zufriedenheitsbefragung bei Franchisenehmern. Und da kann ich sagen, die Spreu trennt sich hier vom Weizen bei der Zufriedenheit der Franchisenehmer. Das ist ganz klar.

LB: Das kann ich mir gut vorstellen, wobei man ja sagt, so, dass gerade Franchisenehmer, gerade am Anfang eine sehr hohe Zufriedenheit haben, weil ihnen viel abgenommen wird und später, wenn sie das Geschäft dann sehr gut beherrschen, dass die Zufriedenheit da zurückgeht. Kannst Du das bestätigen?

TB: Das kann man bestätigen. Umso größer ist die Aufgabe des Franchisegebers, dafür zu sorgen, dass der Franchisenehmer motiviert bleibt, dass er neue Services schafft, dass man die Franchisenehmer mit ins Boot holt bei der Weiterentwicklung des Konzeptes, dass man sie praktisch in diese Kreativwerkstatt Franchisezentrale mit einbezieht, in Ausschüsse, in Gremien. Und damit schafft, dass auch etabliertere Franchisenehmer im System motiviert bleiben. Und das schafft man auch und das zeigen auch viele Franchisegeber.

LB: Glaube ich, ist aber aus meiner Sicht eine große Herausforderung für jedes Franchisesystem.

TB: Das ist eine ständige Aufgabe, an der der Franchisegeber zu arbeiten hat, in der Tat, ja.

LB: Genau, jetzt mal auf der anderen Seite. Ich habe jetzt ein Unternehmen, will skalieren, will größer werden, will wachsen. Wie würde ich denn da vorgehen, wenn ich jetzt sage, ich möchte gern vielleicht ein Franchisesystem gründen oder es wäre vielleicht eine Möglichkeit des Wachstums, ein Franchisesystem? Was würdest Du denn einem Unternehmer raten, wie wären da die ersten Schritte?

TB: Wir sind für beide Zielgruppen Anlaufstellen, sowohl für Franchiseinteressenten, die, die Franchisenehmer werden wollen, haben wir permanent telefonisch und persönlich Kontakt oder online Kontakt. Das gleiche gilt für Menschen, die Franchisegeber werden wollen oder Unternehmen, die Franchisegeber werden wollen, die wir beraten bei der Aufsetzung des Franchisesystems. Und die, die jetzt erfolgreiche Unternehmer sind, die Franchise machen wollen, denen sollte man eigentlich nur sagen, es geht darum, dass man als Geschäftsmodell heute eine klare Alleinstellung brauche. Wenn ich eine klare Alleinstellung habe, gut am Markt erkennbar bin, Attraktivität habe gegen Endkunden, attraktiv bin gegenüber Franchiseinteressenten, dann kann ich auch wachsen. Mit einem beliebigen Geschäftsmodell kann ich keine Franchise erfolgreich machen, sondern es muss klar erkennbar sein, damit ich praktisch den Grundstein lege für den Erfolg im Franchising. Und das setzt auch voraus, dass ich eine Pilotphase habe von zwölf Monaten oder sogar 24 Monaten, wo ich meine Alleinstellungsmerkmale herausstelle. Also, Expansion über Franchise, verbunden mit einer klaren Positionierung am Markt. Das ist eigentlich so die erste Grundlage.

LB: Wenn ich das jetzt habe, dann seid Ihr der Ansprechpartner für die nächsten Schritte, die man da gehen sollte?

TB: Absolut.

LB: Okay, unser Podcast hier hießt ja „Produktiv in digitalen Zeiten“, Unternehmer in digitalen Zeiten. Wie stellst Du Dich und Deinen Verband denn in den Zeiten des digitalen Wandels auf?

TB: Ganz ganz wichtig ist, dass wir den mittelständischen Unternehmer motivieren, den digitalen Wandel mitzumachen. Das heißt, wir müssen zusammen dafür sorgen, dass wir Chancen aufzeigen, wie sie im digitalen Wandel besser werden, die Franchisesysteme oder die Unternehmen generell. Wir haben dazu einen Think Tank gegründet, der sich damit auseinandersetzt, welche Konsequenzen, welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf die Prozesse, zum Beispiel im Franchisesystem. Das kann sein das Thema Warenwirtschaft, das kann sein das Thema Digital Branding. Das kann sein das Thema Franchisenehmergewinnung, Leadgenerierung. Alles das sind Dinge, da passieren wahnsinnig viele Sachen. Und vor allen Dingen können wir damit auch wunderbar neue Erfolgsfaktoren für Franchisesysteme generieren. Das heißt, Franchise, wenn Du jetzt Franchise heute vergleichst mit einem Franchisesystem von vor 20 Jahren und so, wie es heute funktioniert und erfolgreich ist, da liegen Welten dazwischen. Und da sind wir auch sehr sehr viel professioneller geworden. Das ist etwas, was ich auch als Verbandsgeschäftsführer da vorantreibe.

LB: Kann ich in dem Franchisesystem, bei ISOTEC, wo ich ja jetzt lange tätig war, bestätigen. Als ich angefangen habe, mich zu vergleichen mit dem, wo man jetzt steht, auch was die Professionalität und Digitalisierung angeht, gar keine Frage.

TB: Insofern ist das unsere Unterstützung auch von Verbandsseite, wir arbeiten so, dass wir einen Service, einen Nutzen für unsere Mitglieder schaffen, mit dem Knowhow, was andere Mitglieder haben. Das tragen wir zusammen und das machen wir gerade in diesem Think Tank ganz aktiv, weil es uns wichtig ist, dass wir hier best practices aufzeigen. Welche Lösung, welche Innovation, führen diese System ein, der durch digitalen Wandel erzeugt wurde.

LB: Okay, danke erstmal bis hierhin. Wir kommen jetzt gleich zu den Abschlussfragen, wollen uns vorher aber noch kurz bei unserem Sponsor bedanken.

Zurück mit Tom Brodersen, Geschäftsführer des Deutschen Franchiseverbandes. Jetzt kommen wir zu den Abschussfragen. Torben, welches ist Dein wichtigster Produktivitätstipp?

TB: Bewegung.

LB: Was machst Du da konkret?

TB: Bewegung sowohl körperlich als auch geistig ist wichtig, um Produktivität zu erzeugen. Ich glaube, das ist eine wichtige Grundlage. Bewegung, körperlich, also, ich mache das zum Beispiel, indem ich einen Hund habe, mit dem ich viel Fahrrad fahre oder spazieren gehe. Ich mache auch Sport, Krafttraining, ich habe eine Familie mit zwei Jungs, mit denen ich zum Beispiel heute noch später ins Freibad gehen möchte. Alles das sind Sachen, da kann man abschalten. Diese Produktivität kann man erzeugen für spätere Phasen. Ich glaube, Bewegung, dann geistig, lesen, einfach auch Sachen lesen, die fremd sind. Also fremd für mich jetzt. Sachen in der Vergangenheit, ich lese sehr gerne historische Romane und mag Ken Follet zum Beispiel. Und solche Sachen machen einfach produktiv, einfach mal auch sich mit Sachen zu beschäftigen, die nicht zu dem täglichen Business gehören.

LB: Schön. In Bewegung bleiben, geistig wie körperlich. Klasse Produktivitätstipp!

TB: Und dazu gehört, Produktivität, ich singe auch aktiv. Bei uns im Ort, in dem ich wohne, gibt es einen Kirchenchor, in dem ich bin, auch das ist eine wunderbare Sache, die einem gute Laune bringt und damit auch sehr kreative und produktive Phasen.

LB: Ja, zur Produktivität gehören die Pausen und sind mit das wichtigste Werkzeug für die Produktivität. Bist Du gerade schon drauf eingegangen, auf die nächste Frage, so ein bisschen, was machst Du, um abzuschalten? Du bist dreifacher Familienvater, hast Du mir hier im Vorfeld unseres Interviews verraten. Also, da werden Dich Deine Kinder ganz schön auf Trab halten, damit Du auch abschaltest, bestimmt.

TB: Ja, darüber hinaus gibt es auch Phasen, die man sich dann aufsparen soll mit seinem Partner oder mit seiner Partnerin. Das ist auch sehr wichtig. Das heißt, sowohl die Kids auf der einen Seite als auch die Partnerin. Die Partnerin und dann am Ende aber auch mit sich selbst Zeit zu verbringen. Ich glaube, das ist eine Mischung, die jeder für sich selbst dann auch herausfinden sollte, welchen prozentualen Anteil welches Teil denn da hat.

LB: Auf welche drei digitalen Gadgets kannst Du nicht mehr verzichten?

TB: Ich bin eigentlich ein Klassiker der digitalen Gadgets sozusagen als diejenigen nimmt, die ganz normalen Smartphones, Tablets oder so beinhaltet. Ich bin kein Spieler, der da viel mehr technische Sachen hat, sondern diese Klassiker reichen mir eigentlich völlig aus.

LB: Welche App oder welchen Internetdienst kannst der „Produktiv in digitalen Zeiten“-Community empfehlen?

TB: Also, produktiv in digitalen Zeiten ist, wenn man viel reist, sind es die Apps von der Bahn oder die Apps, die die Verkehrsgesellschaften auch haben. Das schafft mehr Produktivität, weil es einfach Sachen schneller macht und ich schneller auch zum Ziel komme und Zeit spare, die ich ansonsten unnötig irgendwo vertrödeln würde.

LB: Welches Buch hatte Dich als Unternehmer und Mensch am meisten geprägt?

TB: Ganz aktuell, ich bin jemand, der da auch in die Zukunft schaut. Und ganz aktuell hat mich ein Buch geprägt, es heißt „Fit für next Economy“, zukunftsfähig mit den digital natives. Ist geschrieben worden von Anne Schüller und Alex Steffen. Das ist ein Buch, was sehr schlau aufzeigt, wie wir in unserer Arbeitswelt und das gilt für Dich als Arbeitgeber wie für mich als Verbandsgeschäftsführer, auch Arbeitgeber und Sachen weiterreichen, nämlich, wie wir Millenniens, die nächste Generation sozusagen, erfolgreich in unsere Arbeitswelt einbinden. Und ich bin in dieser Phase, wo ich das sehr stark auswerte, die Ansprüche der Generation Y und Z, zusammenstelle, analysiere und schaue, wie können wir denen gegenüber auch Franchise attraktiv machen. Das ist etwas, was im Moment sehr stark mich prägt und sehr stark auch umtreibt. Und ich glaube, dieser digitalen Community, den digital natives, einfach unser Arbeitsleben noch etwas anpassen.

LB: Kommt auf jeden Fall mal auf meine Leseliste, danke für den guten Tipp. Was ist denn der beste Ratschlag, den Du jemals erhalten hast?

TB: Ich würde die Frage gerne so beantworten, nämlich, dass der beste Ratschlag, der kommen kann, kann eigentlich nur von einem selbst kommen. Er kann kommen von dem privaten, dem familiären, auch dem Umfeld, in dem man im Beruf zu tun hat. Ich glaube, das Wichtigste ist, ich habe jetzt keinen, wo ich sagen würde, das prägt jetzt mein Leben oder so. Weil ich einfach ein Mensch bin, der auf viele Sachen hört und auch viele Sachen aufnimmt, die um einen herum passieren. Und da sich selber Rat zu geben und sich selber eine Anleitung zu geben, ich glaube, das ist das, was viel wichtiger ist, als irgendjemand zu haben, der da einem sozusagen kompletten Rat gibt. Wenn Du aber drauf bestehst, dann würde ich jetzt ein…

LB: Ja, ich bestehe darauf!

TB: Ein guter Freund, der Franchisegeber ist, hat gesagt, wenn du eine Sache gut machen möchtest, kannst du sie nicht für jeden machen. Und ich finde, darauf kommt es eigentlich an. Wenn man Sachen erfolgreich und gut machen will, dann ist es eben nicht für jeden.

LB: Super Spruch, den lassen wir nochmal sacken. Wenn du erfolgreich sein willst oder richtig gut machen willst, kannst du es nicht für jeden machen. Klasse, super, wie kann die „Produktiv in digitalen Zeiten“-Community, wenn sie jetzt Franchisenehmer werden will oder Franchisegeber werden will, sich da mit dem Gedanken trägt, mit Dir in Kontakt treten?

TB: Über E-Mail, über Facebook, über Twitter, über Instagram, also, alle möglichen Accounts, wo Ihr mich findet, wenn Ihr meinen Namen eingebt. Xing auch natürlich. Wobei ich Xing fast schon für ein bisschen Old School halte, so ein bisschen als Visitenkartensammelstelle, aber Kommunikation findet eigentlich eh über die anderen Kanäle statt.

LB: Also, wenn Ihr den Namen Torben Brodersen in die Suchmasken eingebt, werdet Ihr ihn garantiert in allen sozialen Netzen und Kanälen dann irgendwo finden.

TB: Absolut.

LB: Ja, Torben, dann sag ich mal vielen Dank, das hat wirklich Spaß gemacht. Sehr interessante Einblicke, ich bin nach wie vor noch total geflasht von 700.000 Mitarbeitern in Franchisesystemen. Damit hätte ich gar nicht gerechnet. Wahnsinn, wirklich, ganz toll. Ich sage danke, hat Spaß gemacht, ich wünsche Dir auf jeden Fall eine ganz produktive Zeit und sage mal auf Bald, ciao.

TB: Ganz herzlichen Dank an Dich, Lars, bis bald, tschüss.