Spiritualität und Achtsamkeit leben – Veit Lindau

Herzlich willkommen zum Podcast Selbstmanagement.Digital. Wir geben Orientierung im digitalen Dschungel, so dass wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben bleibt. Mein Name ist Lars Bobach und ich habe gesprochen mit dem Experten für die integrale Selbstverwirklichung, Veit Lindau. Das war wirklich ein sehr tiefes, sehr nachdenklich stimmendes Gespräch. Und ich muss sagen, es war auch ein tolles Gespräch. Mich selbst hat es auch sehr berührt, was Veit sagt.

Ihm wird nachgesagt, er sei eine große Autorität in dem Bereich Selbstverwirklichung, aber die authentisch und mit Sinnhaftigkeit zum Erfolg führt. Wie sich das verbinden lässt? Da kann ich nur sagen, ja, das macht er wirklich und er hat eine sehr angenehme Art, solche Sachen zu beleuchten. Mir hat es einen Riesenspaß gemacht und ich hoffe, Euch gefällt es auch so. Zusätzlich möchte ich Euch noch seinen Podcast ans Herz legen. Der heißt „SeelenGevögelt“ und damit startet auch das Interview.

Links

Webseiten:
Veit Lindau
Podcast SeelenGevögelt
homodea.com

Meistertask Workshop mit Lars Bobach

Buchpublikationen(*) von Veit

Empfohlene Apps:
Slack

Buchempfehlungen(*):
Ein Kurs in Wundern
Biografie von Richard Branson

Transkript

LB = Lars Bobach
VL = Veit Lindau

LB:
Veit, Seelen gevögelt, wie kommt man auf den Namen?

VL:
Das Geheimnis dieses Namens ist, er ist eine Kreation meiner Frau. Tatsächlich stammt es aus einem unserer Seminare, als wir versucht haben, einen Begriff zu finden für den Zustand, den die Menschen sehr häufig in unseren Seminaren erleben. Also, wenn du so richtig voll da, wenn das Leben dich voll nimmt und du eins bist mit diesem Augenblick.

LB:
Das nennt ihr dann so…?

VL:
Exakt. Wir haben eine Vorliebe für deftige Wortkreationen, die den Geist wachmachen.

LB:
Das habe ich in deinem Podcast auch gemerkt. Nicht ganz so wie Tony Robins, er macht es auch ganz bewusst, er nutzt ganz viele Kraftausdrücke. Er sagt aber, dass er es bewusst macht. Machst du es auch bewusst, ist es deine Art?

VL:
Es ist eine Mischung, es liegt mir, es passt einfach zu mir und im Laufe der Zeit kriegst du ein Gefühl dafür, wo und an welchen Stellen es effektiv einsetzbar ist.

LB:
Gerade in dem Buch SeelenGevögelt geht‘s ja immer um Wachrufe. Das passt auch zu der Beschreibung, wie du es gerade genannt hast, dass man dann wirklich richtig wach ist. Wie verschlafen sind wir denn, wie verschlafen ist unsere Gesellschaft heute?

VL:
Ich würde sagen, wir sind so verschlafen, dass wir kurz davor sind, dieses Experiment hier auf diesem Planeten abzufucken. Da halte ich mich sehr wahrscheinlich noch für einen Optimisten. Aber wir machen dieses Paradies einfach kaputt und es ist für mich ein Symptom dieses Einschlafens.

LB:
Okay, jetzt hilft mir nochmal, der Unterschied zwischen unserem jetzigen Zustand und wie ist es dann, wenn man sozusagen seelengevögelt ist?

VL:
Wenn wir beide hier in diesem Gespräch seelengevögelt eintauchen, so, wie ich das verstehe, dann lassen wir irgendwann das Konzept los, was immer eine Herausforderung ist, wenn man einen Podcast hat und bestimmte Fragen sozusagen abarbeiten möchte. Und wir landen irgendwann an einem Punkt, wo wir realisieren, dass es ein Selbst ist, was mit sich selbst spricht und was sich jetzt gerade auch zuhört. Das heißt, für mich ist ein Gradmesser des Erwachens, wie tief begreift der Mensch, dass er all das, was er sieht auch tatsächlich selbst ist.

LB:
Okay und wie macht er das?

VL:
Indem er den urteilenden, trennenden Geist entspannt, indem er hierherkommt in die Präsenz. Da gibt‘s viele Techniken, ich bin ein großer Fan von einem Training der Achtsamkeit. Aber vor allen Dingen ist es für mich ein Bejahen dieser tiefen Sehnsucht, die wir alle als Kinder gespürt haben. Nämlich einfach das Leben voll zu trinken, uns voll mitnehmen zu lassen, voll hier zu sein. Viele Erwachsene haben so eine Art Ganzkörperkondom übergestülpt aus Konzepten, aus Vorsichten, aus Kalkulieren, aus Urteilen über den anderen.

Und wenn wir das abstreifen wie, Rumi hat das mal so schön ausgedrückt: Da draußen gibt es ein Feld jenseits unserer Urteile von richtig und falsch. Und dort können wir uns treffen. Ich glaube übrigens, dass, selbst wenn vielleicht den einen oder die andere Zuhörerin das Wort seelengevögelt erstmal abschreckt, dass die meisten Menschen diesen Zustand kennen.

Auch wenn du nicht spirituell bist, kannst du das erleben in der Sexualität, das kannst du erleben, wenn du dich voll deinem Arbeitsprojekt hingibst oder wenn du einfach am Meer sitzt, den Sonnenuntergang schaust, dann gibt es so Momente, wo sich dieses kleine Ich auflöst und wo du instinktiv weißt, okay, irgendwie bin ich zumindest mit allem verbunden, wenn ich nicht sogar Alles bin.

LB:
Wie kommt es denn, dass wir uns in der jetzigen Gesellschaft so sehr von uns entfernen, quasi mit dem Ganzkörperkondom rumlaufen?

VL:
Ich sehe primär zwei Dinge. Erstens, für mich das große Mysterium, aber für mich ist es ein Lernplanet und es sieht so aus, als wenn wir aus dieser unbewussten Einheit, die wir alle im Mutterleib erfahren, erst einmal unsere große Heldenreise in diesem Prozess antreten, den C. G. Jung den Individuationsprozess genannt hat. Das heißt, es ist auch wichtig, wenn wir dieses getrennte, isolierte, fein von allem anderen getrennte Ich sehen und uns da erstmal so richtig kennenlernen.

Das ist der natürliche Prozess, was ich allerdings sehe ist, dass unsere Gesellschaft, also in der wir jetzt leben, einfach sehr säkular orientiert ist, also sich sehr stark auf das orientiert, was sichtbar ist, was unterm Mikroskop nachweisbar ist. Und alles, was mit Feinsinnigkeit, mit lass es uns Spiritualität nennen, zu tun hat, kommt einfach in unserer Gesellschaft viel zu kurz.

Das heißt, wir werden, um es mal mit dem Terminus von Hirnforschern zu benennen, aus der Erfahrung, ein Subjekt zu sein, also jedes Kind erlebt das Leben einfach unmittelbar, vielleicht noch nicht ganz bewusst reflektiert, aber es ist einfach voll präsent und es hat diese Trennung noch nicht, werden wir in eine Objekthaftigkeit hinein erzogen. Das heißt, wir lernen, dass wir Objekte sind, wir lernen, dass die anderen Objekte sind. Und wir fangen an, uns und den anderen als ein Objekt zu behandeln, was für eine Leistungsgesellschaft den Vorteil birgt, Objekte lassen sich viel besser steuern und kontrollieren.

Aber für unsere zwischenmenschlichen Beziehungen und vor allen Dingen unsere eigenen Beziehungen zum Leben ist es eine Katastrophe. Jemand, der sich als Objekt begreift, erfährt nicht mehr diese tiefe Verbundenheit mit dem Leben. Das, was wir das Mysterium nennen, dieses Staunen.

LB:
Ich gebe dir mit allem 100 Prozent Recht, wobei ich sicherlich mich da auch gar nicht ausnehmen kann. Ich gehöre auch zu denen, die sekundär das Ganze betrachten. Was hat dich denn dazu gebracht, diese Sicht auf die Dinge zu entwickeln?

VL:
Also erstmals, diese sekundäre Perspektive oder diese objekthafte Perspektive ist auch eine sehr wichtige. Mir geht es gar nicht darum, das eine gegen das andere aufzurechnen. Beides gehört für ein richtig gut funktionierendes Leben mit dazu.

LB:
Aber wir verdrängen immer diesen einen spirituellen Teil?

VL:
Viele haben ihn noch gar nicht kennengelernt, er hat deswegen etwas Dubioses für sie. Ich bin im Osten großgeworden und es hat für mich den großen Vorteil gehabt, dass ich meine ersten 20 Lebensjahre nichts mit Religion am Hut hatte. Das heißt, ich war da auch nicht vorbelastet, als die Mauer fiel. Ich konnte ganz neugierig anfangen, mir ein paar Fragen zu stellen und letztendlich ist es immer eigenes Leid gewesen.

Zum Beispiel das Leid, was ich in Beziehungen kreiert habe, erfahren habe, ist etwas, was mich ganz stark auf den Weg geschickt hat, noch tiefer und noch tiefer zu erforschen, welche Möglichkeiten gibt es, zum Beispiel noch eine Partnerschaft so zu erfahren, dass dieses Verliebtsein der ersten Stunde möglichst bis zum letzten Atemzug anhält.

Ein anderes Thema, was für mich ein ganz starker Wegbereiter war und ist, ist Berufung. Ich war quasi von meiner Familie vorbestimmt, Mediziner zu werden, habe das dann nach einem Jahr abgebrochen und es war ganz schrecklich für mich, weil ich dann in eine Phase eingetaucht bin, wo ich eigentlich nur noch ganz genau wusste, was ich nicht will, aber überhaupt nicht wusste, was ich will oder wer ich bin.

Und das hat mich zu sehr existenziellen Fragen gebracht. Wer bin ich überhaupt? Warum bin ich hier auf diesem Planeten? Was ist der Wert meiner Existenz? Und dann bist du ratzfatz, ob du an Gott glaubst oder nicht, bei sehr spirituellen Fragen.

LB:
Ist denn deine Spiritualität jetzt christlich geprägt oder ist sie sonst irgendwie anders geprägt?

VL:
Jemand, der das sehr konzeptionell betrachtet oder sehr in der Schublade, kann stark an mir verzweifeln.

LB:
Da nimmst du mich jetzt schon mal mit ein, ja?

VL:
Wahrscheinlich. Ich versuche so zu leben, wenn ich am Ende meines Lebens feststelle, es hat sowas wie Gott nie gegeben und das ganze Universum ist ein Chaos, dass ich das Gefühl habe, das war die beste Wahl, wie ich gelebt habe. Und gleichzeitig so zu leben, wenn ich am Ende meines Lebens in einen Tunnel aus Licht eintauche und realisiere, es gibt sowas wie Seele und meine Reise geht weiter, ich auch das Gefühl habe, das war die beste Art, dieses Leben zu feiern.

Das heißt, ich versuche wirklich, obwohl ich einen tiefen Glauben habe aufgrund von Erfahrungen, versuche ich mir diese Skepsis zu bewahren, einfach zu sagen, im Endeffekt weiß ich gar nichts und möchte gern auch so leben, dass ich unter allen Umständen rein bin. Christlich bin ich überhaupt nicht geprägt.

Allerdings ist der Mythos, den ich noch durch die sehr politisch motivierte Verzerrung der Bibel hindurch erahne, also der Mythos von Jesus Christus, so einem Menschen, der das Königreich eines wirklich großen liebevollen Herzens in sich findet, in diesen Mythos bin ich total verliebt, ja. Und dem nähere ich mich ganz, ganz, ganz unschuldig. Also auch hier ist mir völlig wurscht, ob der Typ je gelebt hat oder nicht, aber in dieser Geschichte ist etwas drin, was mich zutiefst berührt und was mich auch sehr stark motiviert.

LB:
Ja gut, kann ich nachvollziehen, geht mir ähnlich und auch mit dem allem Drumherum habe ich meine sehr großen Schwierigkeiten. Wo hast du dann deinen Anker für dich gefunden? Ich bin christlich erzogen, ich bin auch Christ und gehe auch regelmäßig in die Kirche. Nicht jede Woche, aber bestimmt einmal im Monat und da tanke ich auch für meinen Glauben, dass ich da an irgendwas glaube, was von oben auf uns herabsieht, was liebend ist, wohlwollend auf mich herabsieht. Im Prinzip das, was du eben gesagt hast über Jesus.

VL:
Da muss ich intervenieren, das habe ich nicht gesagt!

LB:
Okay, dann habe ich dich falsch verstanden.

VL:
In meinem Verständnis ist zum Beispiel, wenn Jesus je gelebt haben sollte, wahrscheinlich das, was ihn am Allermeisten verzweifelt hat, das die Leute immer nach oben geguckt haben anstatt in ihr eigenes Herz. Wenn du mich fragst, woran orientiere ich mich? Glaube verändert sich, woran ich mich orientiere, sind Erfahrungen, sehr viele Erfahrungen, die ich im Laufe der letzten…, ich würde sagen, ich bin seit 30 Jahren mehr oder weniger bewusst auf diesem Weg, machen durfte, Erfahrungen in mir, Erfahrungen in der Beziehung mit anderen Menschen, sehr viel Erfahrung mit meinen Klienten und Seminarteilnehmern.

Die mir völlig klarmachen, dass ich nicht dieser Körper bin, sondern dass es etwas wesentlich Größeres in uns allen gibt. Tatsächlich war meine erste erweckende Erfahrung diesbezüglich, als ich dieses eine Jahr Medizin studiert habe. Wir waren acht Studenten in einer Studiengruppe und wir haben eine Leiche anvertraut bekommen und durften die im Laufe des Jahres peu à peu immer mehr sezieren, bis gar nichts mehr übrig war.

Das war für mich eine absolut bemerkenswerte Erfahrung, weil ich diesen Körper, je mehr ich ihn auseinandergenommen habe, da ist mir einfach klargeworden, das ist nicht der Mensch, das ist das Fahrzeug, aber das ist nicht der Mensch. Da gibt es etwas ganz Tiefes in mir. Deswegen bin ich wahrscheinlich auch so ein schamloser Wilderer in allen spirituellen Traditionen. Ich finde persönlich, wenn man die mit dem Herzen liest, merkt man, da gab‘s im Kern jeder religiösen Tradition Menschen, die haben etwas erfahren, die waren gar nicht so sehr daran interessiert, das jetzt in Worte oder in Gebote zu fassen.

LB:
Also eine Institution, da kann ich dich jetzt nirgendwo verhaften?

VL:
Nein, ich würde auch ziemlich schnell bei einer Institution rausfliegen. Meine Frau und ich gehen total gern, wenn wir meditieren wollen oder eine wichtige Frage haben, für einen Tag ins Kloster. Und meine Frau war gerade bei einem Abendmahl und da ist ihr tatsächlich die Oblate weggenommen worden, weil der Priester, der das geleitet hat, irgendwas muss er gemerkt haben, dass sie nicht so eine ganz klassische Katholikin ist. Also, wir passen da nicht wirklich rein und wollen da auch gar nicht reinpassen.

LB:
Okay, katholisch ist natürlich auch immer da etwas extremer, die sind da natürlich auch sehr traditionsverhaftet mit ihren… Ich sage mal, an der Eucharistie darf man dann nicht teilnehmen, wenn man nicht mindestens getauft ist, konfirmiert usw. Das ist ja ganz wichtig bei denen.

VL:
Ja, der Witz ist, das wissen sehr wenige Menschen, aber wenn du es gerade ansprichst, tatsächlich sind Andrea und ich vor 20 Jahren in einer geheimen Zeremonie von einem Priester getauft worden, der auch erst zu uns gesagt hat, Leute, das kann ich nicht machen mit euch. Ihr müsst erst durch diesen ganzen Prozess durch und dann aber gesehen hat, die Liebe, die wir damals, es waren damals sehr besondere Momente in unserem Leben.

Die Liebe war einfach so klar und so echt, da hat er gesagt, okay, ich ruf jetzt die eine Äbtin an, die ich kenne in ihrem eigenen Kloster. Da dürfen eigentlich keine Menschen rein, aber wir machen es da. Und dann sind wir da in einer geheimen Zeremonie getauft worden.

Du siehst schon, ich bin, was das betrifft, wirklich wahrscheinlich ein großer Querläufer. Ich liebe zum Beispiel die katholischen Rituale über alles. Einer meiner wichtigsten Lehrer ist Schamane gewesen. Ich weiß um Kraft von starken Ritualen. Ich liebe die katholischen Rituale und ich finde es sehr schade, was viele verknöcherte Priester daraus machen.

LB:
Ja, absolut und dann auch so stigmatisch die Dinge dann umsetzen, wie jetzt deiner Frau dann da die Eucharistie verweigern. Das ist schon wirklich schade. Also, du bist da an allen Seiten offen, das ist schon mal sehr gut.

Aber was mich jetzt interessieren würde, du sagst, wir sind verschlafen, wir müssen uns öffnen für diese Spiritualität. Wie schafft das denn jetzt der Normalbürger, sich da zu öffnen? Was würdest du dem denn raten?

VL:
Ich glaube nicht, dass wir das müssen. Ich glaube, wenn es so etwas gibt wie Gott, lass uns sagen, es gibt eine extrem unglaublich liebevolle Quelle dieses ganzen Universums, dann liegt der größte Akt dieser Liebe darin, uns die Wahl zu lassen. Und ich glaube nicht, dass ein Mensch erwachen muss und ich beobachte sehr viele Menschen dabei, die selbst, wenn sie vor ./. Brust stehen, immer noch sogar sehr bewusst sagen, ich will gar nicht wach werden. Gib mir irgendeine Pille, lass mich irgendeine Fernsehserie anschauen, ich will nicht wach werden.

LB:
Aber eben hast du doch gesagt, dass diese Sehnsucht in allen von uns steckt, oder?

VL:
Vielleicht ist es meine Hoffnung. Nein, ich glaube tatsächlich, dass es so ist. Nur dir ist doch bestimmt schon mal ein Mensch begegnet, weiß du, der sich natürlich in der Tiefe total nach Liebe sehnt, aber wenn du Angst hast vor dem Weg dahin oder wenn du vielleicht gar nicht mehr daran glaubst, dass dir das zusteht oder du hast Angst vor den Konsequenzen, dass du deine Sehnsucht einfach kaputt machst.

Und ich glaube, weil wir schon so viel über Gesellschaft gesprochen haben, ein charakteristisches Merkmal unserer Gesellschaft ist, dass es die heiligste Sehnsucht eines Menschen nicht wirklich ernst nimmt, sondern ihm permanent irgendwelche Ablenkung anbietet. Also, ich will nicht alle Depressionen in diese Richtungen hin pauschalisieren, aber ich bin absolut sicher, wenn wir Menschen, wenn wir am Morgen wach werden und würden merken, mein Herz ist traurig, das nicht übergehen würden mit einem Kaffee oder einem coolen Spruch, sondern uns wirklich hinsetzen und uns fragen würden, wonach sehnt sich mein Herz? Dann hätten wir weniger Depressionen auf diesem Planeten.

Und zu der Frage, wie kommt man dahin. Ich möchte gerne betonen, jeder von uns ist in diesem Prozess. Zum Beispiel maße ich mir überhaupt nicht mehr an zu sagen, das, was bei dem Menschen da passiert, ist nicht erwachen. Ich habe zum Beispiel idiotische Dinge in meinem Leben getan und habe im Nachhinein gemerkt, das hat voll seinen Sinn gemacht. Es war wertvoll und wichtig.

Oder in der Beziehung zu meiner Frau. Ich habe so sehr gegen unsere Liebe gekämpft. Jetzt im Nachhinein sehe ich aber, irgendwie war es auch wichtig. Also das ist zum Beispiel ein ganz großer Treibstoff meiner Bücher. Also, wenn es jetzt gerade jemand hört und für ihn macht das mit dem Erwachen Sinn, ich möchte gern nochmal betonen, für mich ist es überhaupt nichts Religiöses. Ich kenne Menschen, die glauben überhaupt nicht an Gott, aber die befinden sich in einem tiefen Erwachensprozess. Die nennen es vielleicht anders, die sagen, ich werde wacher, ich werde liebevoller, ich werde bewusster.

Was es vor allen Dingen, glaube ich, braucht, ist einfach Raum, damit Seele zu uns sprechen kann. Und da bin ich hundertprozentig überzeugt, dann ist eigentlich immer alles da. Da ist eine Stimme in uns, die sagt, ich bin nicht glücklich auf dieser Arbeit. Das war nicht okay, dass ich hier meine Stimme so erhoben habe. Diese Stimme kriegt nur viel zu wenig Raum und ich glaube, gerade deswegen haben so viele Menschen auch Angst, dieser Stimme zu folgen. Weil wir vielleicht Angst haben, dann im weltlichen Kontext nicht mehr so erfolgreich zu sein usw.

LB:
Ein Kernthema bei dir ist die Achtsamkeit. Damit kann ich mich auch auf den Weg dahin machen, wach zu werden. Was gibst du da für Ratschläge, für mehr Achtsamkeit?

VL:
Ich muss gestehen, ich fand Achtsamkeit immer voll uncool. Ich bin eher so ein Speedy Gonzalez, ich mag es, auf Speed zu sein und viel zu stemmen. Mein erstes Meditations-Retreat, wo ich zehn Tage lang nur meinen Atem beobachten sollte, das war die Hölle.

LB:
Mittlerweile machst du einen sehr entspannten und sehr ruhigen Eindruck.

VL:
Das ist jetzt auch schon über 25 Jahre her. Ich will einfach nur sagen, ich habe Achtsamkeit wirklich durch Notwendigkeit kennengelernt. Mittlerweile schätze ich es absolut. Ich glaube, das wird wirklich das Überlebenselement in den kommenden Jahren sein. Die Zeiten werden nicht ruhiger, die werden immer wilder, immer komplexer. Immer mehr Menschen drehen durch, können diese ganzen Informationen gar nicht mehr verarbeiten.

Also, Achtsamkeit kann ich nur jedem ans Herz legen und es beginnt für mich wirklich damit, nicht zu denken, dass es damit getan ist, dass ich jetzt mal für ein paar Minuten meinen Atem beobachte, sondern dass ich das richtig trainieren muss. Ich muss es regelmäßig trainieren. Ich liebe zum Beispiel unsere stillen Retreats, denn die sind oft für mich zweimal im Jahr so ein Zäsurpunkt. Für eine Woche die Klappe halten, nur den Atem beobachten und dann wird es wieder tiefer und tiefer. Und da muss jeder seine eigene Technik finden.

LB:
Zweimal im Jahr eine Woche schweigen?

VL:
Exakt. Das leite ich selbst und es sind meine liebsten Seminare.

LB:
Da musst du nichts sagen, ist schon klar, das ist relativ einfach.

VL:
Es ist einfach und schwierig. Weil natürlich am Anfang oft die Leute, die neu dazukommen, ein bisschen Amoklaufen.

LB:
Aber die kannst du doch nur mit Sprache einfangen, oder?

VL:
Es gibt eine richtige Meditationsanleitung, ich lasse die nicht einfach so an einer Stelle sitzen. Und dann gibt es natürlich auch Fragerunden. Aber warum ich das so liebe ist, einfach zu sehen, wie Menschen, die nicht über ihren Namen sprechen, die nicht mit ihrer Geschichte angeben, die keine Gelegenheit haben, über ihr Problem zu sprechen, innerhalb von Tagen anfangen zu leuchten. Innerhalb von Tagen bekommen sie präzise Antworten auf ihre Fragen, einfach weil sie mal eine Weile die Klappe halten. Da fängt es für mich an, Klappe halten, auf den Atem konzentrieren und das möglichst in einem professionellen Rahmen üben.

LB:
Toll, und das ist jetzt der Start dahin und täglich Meditation machst du auch?

VL:
Ja, ich mache es täglich, allerdings mittlerweile erlaube ich mir den Luxus, zu variieren. Es gibt zum Beispiel Zeiten, da bin ich zu unruhig, um mich am Morgen hinzusetzen. Dann tanze ich mit verbundenen Augen 20 bis 30 Minuten, ich mag auch bewegte Meditation. Aber meist sitze ich.

LB:
Was würde du denn jemandem raten. Ich habe auch damit angefangen, ich musste mir so eine App nehmen, sonst hätte ich das gar nicht geschafft, glaube ich. Und dann auch nur so ganz kurze Sequenzen, die hieß 7Mind, also 7 Minuten. Was würdest du denn jemandem raten, der sich damit schwertut? So ein Tipp, um da überhaupt mal mit anzufangen oder da reinzukommen.

VL:
Gutes Stichwort von dir, also wirklich erstmal dir klarzumachen, dass jede Minute zählt. Mein erster Meditationslehrer, als ich total verzweifelt war, hat zu mir gesagt: Veit, jeder einzelne Atemzug, den du wieder in der Gegenwart verbringst, löst diesen Wahnsinn auf. Wirklich mit kleinen Sachen anzufangen, ruhig mit einer App zu experimentieren, warum nicht?

Langfristig würde ich jedem empfehlen, mindestens einmal einen richtig guten fundierten Meditationskurs zu machen. Da gibt es gerade im deutschsprachigen Raum viele gute Angebote. Auch gut sind die MBSR, also die Achtsamkeitstrainings von Jon Kabat-Zinn.

Für mich habe ich festgestellt, mich zu Hause hinzusetzen und jeden Tag mit 10 Minuten anzufangen, bringt mich nicht so sehr in die Tiefe als wenn ich wirklich mal für eine Woche aussteige und einen Cut setze. Meditation hat schon auch viel damit zu tun, den Geist erstmal darauf zu konditionieren, in eine ganz andere Richtung zu schauen.

Dafür ist es gut, mal richtig rauszugehen. Ich sage immer, du musst, um dich dem ernsthaft zu stellen, erstmal realisieren, was du für ein großes Problem hast. Viele Leute assoziieren mit Achtsamkeit, dann bin ich ganz peaceful. Aber meine Erfahrung ist, am Anfang bedeutet Achtsamkeit, fuck, ich kriege erstmal mit, was da eigentlich zum Teil für ein wahnsinniger Dialog in meinem Kopf tobt. Dann brauche ich ein wirklich gutes Argument, um auf meinen Hintern sitzenzubleiben.

LB:
Letztes Thema, was ich gern bei dir ansprechen würde, ist das Thema Selbstliebe. Da hast du auch ein Buch zu geschrieben. Heirate dich selbst. Da würde mich interessieren, deine Erfahrung, warum sind wir so harte Kritiker zu uns selbst?

VL:
Um den Bogen zu schlagen, das hat etwas damit zu tun, wir werden in eine Leistungsgesellschaft hinein erzogen. Das muss man einfach ganz klar sagen. Ein Mensch, der sich selbst liebt und mit sich in Kontakt ist, ist kein gut funktionierendes vollwertiges Mitglied einer Leistungsgesellschaft. Der stellt unbequeme Fragen! Der will an manchen Stellen einfach nicht mitspielen und wir alle sind in unserer Kindheit und vor allen Dingen ganz massiv durch die Schule dazu erzogen worden, uns selbst wie Objekte zu behandeln.

Und ein Objekt kann man hin- und herschieben, zwingen, man kann auf Gefühle pfeifen. Wir sind wirklich dazu erzogen worden, nicht mehr aus dem Innen heraus zu leben. In uns drin gibt es einen ganz klaren Instinkt, was für uns gut ist und was nicht. Wir sind dazu erzogen worden, von außen heraus zu leben, uns To-Do-Listen zu erstellen, diese abzuarbeiten, uns mehr daran zu orientieren, was die anderen über uns denken usw.

Und das Perverse ist, ich finde es immer witzig, manchmal kommen Leute in unsere Seminare und haben Angst vor Gehirnwäsche. Dann sage ich immer, du kannst dich voll entspannen, die ist schon lange passiert. Das Perverse ist, spätestens dann, wenn wir aus der Schule rauskommen, haben wir es so intus, dass wir es völlig selbstverständlich an unsere Kinder weitergeben.

LB:
Stimmt. Schrecklich, da sind wir unser härtester Kritiker, wir boykottieren uns quasi selbst. Was gibst du für Tipps, wie bringe ich diesen Kritiker zum Verstummen?

VL:
Bitte gar nicht, dieser Kritiker ist eine sehr coole evolutionäre Einrichtung. Wenn es den nicht gäbe, würden wir jetzt noch um das Feuer sitzen und grunzen. Dass wir eine Instanz in uns haben, die uns immer wieder hinterfragt, war es das schon, geht noch mehr, finde ich richtig gut. Nur hat diese Instanz in uns den Thron eingenommen. Das ist sie nicht, sie ist ein Berater. Sie ist einer von vielen Beratern und da sollte sie auch wieder hin.

Ein ganz praktischer Tipp, den ich ganz oft meinen Klienten gebe, ist einfach, gib dieser Instanz erstmal einen Namen, möglichst keinen zu seriösen. Oskar oder wie auch immer. Und fang wirklich an, diese Instanz in dir einfach als eine Stimme zu betrachten, die da reingepflanzt worden ist, die sich verselbständigt hat. Und es ist cool, die manchmal zu Wort kommen zu lassen, denn ich finde, das Leben ist zu schade, um es immer auf demselben Level zu verbringen. Warum sich nicht immer wieder gesund pushen zu lassen. Und gleichzeitig ist es wichtig, diese Instanz in die Schranken zu weisen.

LB:
Also, nicht den Raum geben, wie wir ihn jetzt antrainiert haben, diesem Kritiker, dem Oskar sozusagen den Raum geben, sondern wirklich da die Stimme etwas zu senken und zu sagen, okay, ich nehme ihn wahr, gebe ihm diesen etwas lustigeren Namen vielleicht und gebe ihm aber nicht den Raum?

VL:
Exakt, gib ihm nicht den Raum und mach das auch wirklich klar. Also, mach dir selbst klar, diese Stimme kommt weit in der Hierarchie unter dem, was ich Seele nenne. Es ist ein kleiner kritischer Berater am Rande und wir sollten ihn hin und wieder einmal täglich rauszitieren und sagen, komm, was hältst du davon. Jetzt kannst du mal richtig abmeckern. Ansonsten sollte der mit liebevoll gütigem Humor bedacht werden.

LB:
Schönes Bild, wie kriege ich mehr Selbstliebe hin? Wie schaffe ich es, mich selbst so anzunehmen, wie ich bin und mich selbst so zu lieben?

VL:
Das ist eine spannende Sache. Ich habe selbst ein Buch dazu geschrieben und viel dazu ausprobiert, bis ich gemerkt habe, wenn du nicht in der Tiefe und das ist wie ein Schalter, der umgelegt werden kann, anfängst, dir selbst mit einem radikalen Ja zu begegnen, wird selbst das coolste Buch über Selbstliebe oder ein Seminar dazu, du wirst es wieder benutzen, um an dir rumzuoptimieren.

Und dieses radikale Ja, letzten Endes ist das wirklich eine sehr spirituelle Entscheidung, von einem Punkt zu kommen, wie komme ich denn dazu, mich anzuzweifeln? Ich laufe da draußen rum, verstehst du, und wenn ich einen knorzigen Baum sehe, der schief gewachsen ist und buckelig, dann sage ich, der ist besonders schön. Aber wenn ich in den Spiegel schaue und meine Falten sehe oder meine Neurosen beobachte, dann ist plötzlich diese arrogante Stimme in mir, die sich anmaßt zu sagen, es wäre nicht richtig! Und ich werde erst herausfinden, wie richtig ich wirklich bin, wenn ich in der Tiefe mir selbst mit einem radikalen Ja begegne.

Das heißt nicht, ich sage ja und Amen zu allem. Im Sinne von, ich kann total Scheiße bauen und es ist okay. Nein, ich sage Ja zu allem, was in mir ist. Ich sage Ja zu den Schmerzen, zu meinen Fettpölsterchen, dazu, dass ich meine Fettpölsterchen hasse. Ich sage Ja zu meinen Zweifeln und zu meinem Nichtwissen und was dann passiert ist, dass ich dieses ganze System, das, wie ich es nenne, überhaupt wir erstmal Entspannung haben.

Wenn man sich entspannen kann, merkt man plötzlich, es entwickelt sich aus sich heraus. Das ist der Kontext dieses Titels meines Buches, Heirate dich selbst. Dir selbst ein Ja zu schenken, wo du sagst, ich bin der einzige oder die einzige Version, die es von mir in diesem ganzen Universum gibt.

Es ist der komplette Wahnsinn, wenn ich mir mit einem Nein begegne. Es macht überhaupt keinen Sinn. Ich beschließe jetzt, ich wähle jetzt, ich bin mir ab jetzt treu. Und ich fange an, all das, was ich bisher an mir gehasst habe, es nach Hause zu holen. Ich muss es nicht mögen, ich muss es nicht toll finden, ich mag bestimmte Eigenarten an mir oder bestimmte emotionale Wunden immer noch nicht, aber in dem Augenblick, wenn ich Ja dazu sage, ist es in mir, dann darf es in mir sein.

Und dann kommt da Licht in die Sache und ich merke plötzlich, es macht total Sinn. Meine Wunden, meine tiefsten emotionalen Wunden, die ich so lange versucht habe auf spirituellen Pfaden und in Psychotherapie wegzukriegen, in dem Augenblick, als ich gesagt habe, das bin ich, es gehört dazu, ich bin verwundet, haben die plötzlich alle Sinn ergeben. Meine ganze Arbeit basiert in diesen Wunden, kommt aus diesen Wunden. Was kann daran schlecht sein?

LB:
Ja, wir leben in einer Zeit des Selbstoptimierungswahns, der genau dagegenspricht. Ich bin da auch total anfällig, indem man alles trackt, alles überwacht, alles prüft, alles misst, schrecklich.

VL:
Ich glaube, dass es gerade kippt. Ich habe gerade wieder mehr mit Menschen zu tun, die echt die Schnauze voll davon haben.

LB:
Ich gehöre dazu, da hast du noch einen mehr kennengelernt. Ich merke auch, dass es der Weg in die Unglücklichkeit ist. Was macht dich so optimistisch, dass es kippt?

VL:
Ich habe das große Glück, in meiner Arbeit wirklich sehr mit Menschen zu tun zu haben und ich beobachte das einfach. Ich beobachte, dass Menschen, die noch vor 10 Jahren total auf dieses Chaka-Chaka und immer weiter, immer höher, ich gehöre auch dazu, abgefahren sind, da ist eine Müdigkeit da. Da ist eine Sehnsucht da wirklich zu sagen, lass uns doch mal bitte einmal innehalten und uns fragen, wozu das alles? Und es muss kippen. Wenn mein Glaube auf einer richtigen Annahme beruht, dass wir eigentlich alle große weite freie Seelen sind, ist dieser ganze Selbstoptimierungswahn einfach lächerlich.

LB:
Absolut. Schlagen wir ein bisschen den Bogen zum Anfang des Gesprächs, als wir über die Spiritualität reingekommen sind, wo du sagtest, dass wir, wenn du optimistisch bist, die Gesellschaft es nicht überleben wird, was zurzeit passiert. Aber jetzt hast du doch noch einen Funken Hoffnung?

VL:
Nein, ich glaube an Wunder, daran, dass Felder kippen können, wenn eine gewisse kritische Masse überschritten ist. Selbst wenn bestimmte Zahlen im Augenblick vielleicht dagegensprechen, glaube ich zutiefst an Wunder. Ich sehe einfach so viel Großartiges unter Menschen. Es sind oft Menschen, die keiner kennt, die so großartige Gesten dem Leben gegenüber, anderen Menschen gegenüber, bringen. Ich kann gar nicht anders als an uns glauben.

LB:
Es geht mir genauso, ich glaube an den Menschen, ich glaube auch, es gibt so viele großartige Menschen und es sind oftmals die Stillen, die im Hintergrund für sich so tolle Arbeit machen, die gar nicht die Bühne suchen, sondern einfach nur gute Arbeit machen und einen wertvollen Beitrag in der Gesellschaft leisten. Veit, tolles Interview bis hierhin.

VL:
Danke. Du stellst auch schöne Fragen.

LB:
Danke, du gibst hier eine ganz tolle Tiefe. Leider muss ich dich mit meinen Schlussfragen noch quälen. Die wirken mit allem, was wir bisher besprochen haben, doch ein bisschen profan, muss ich sagen. Welches ist der wichtigste Produktivitätstipp?

VL:
Mach dir so oft wie möglich bewusst, dass du stirbst. Und das, egal woran du glaubst, dass zumindest diese Lebensspanne absolut endlich ist und niemand von uns weiß, wie lange er Zeit hat und das wird ein ganz anderes Licht auf die Frage werfen, was ist wirkliche Produktivität, was ist wirklich wesentlich? Und in den wesentlichen Dingen wird es deine Produktivität enorm steigern, weil du gar nicht mehr die Zeit hast, zu zögern.

LB:
Meine absolute Lieblingsantwort war das! Das sehe ich absolut genauso. Welche Apps oder welchen Internetdienst kannst du der Selbstmanagement. Digital.-Community empfehlen?

VL:
Ich bin an der Stelle mal ganz selbstzentriert und empfehle jedem, in unsere neue Plattform reinzuschauen, homodea.com. Wir versuchen gerade, eine Community aufzubauen, die sich wirklich auf das Wesentliche konzentriert und nicht mehr im Internet verlorengeht. Und wer jetzt wirklich auch in Teams arbeitet, ist sicher ein alter Hut, ich kenne es tatsächlich erst seit einem Jahr, bin aber sehr überzeugt davon, ist Slack.

LB:
Was war die größte Herausforderung als Unternehmer und was hast du daraus gelernt?

VL:
Da befinde ich mich noch drin, irgendwann realisiert zu haben, dass ich zum großen Teil ein digitales Unternehmen habe. Das ist mehr oder weniger passiert, es war nie so geplant und dass das eine völlig andere Herangehensweise an Projektmanagement hat, an wie übersetze ich das, was in meinem Kopf ist, in den Kopf eines Nerds usw. Das habe ich komplett unterschätzt und deshalb zu sehr viel Leid und auch zu ordentlichen energetischen, zeitlichen und finanziellen Verlusten geführt.

Um es für die Zuhörer nochmal direkter zu machen, sich mit der Frage zu beschäftigen, was bedeutet digital eigentlich wirklich? Jeder spricht davon, aber ich glaube, wenige Menschen setzen sich mal hin, machen sich klar, dass digital eine komplette Welt in sich ist mit ganz bestimmten wundervollen Seiten, aber auch mit irre großen Risiken verbunden. Wir sind alle da so reingeschlittert und müssen bitte so verantwortungsvoll hinschauen wie möglich, was passiert da gerade. Es ist ein cooles Medium, ich liebe es und ich habe in den letzten Jahren großen Respekt dafür entwickelt.

LB:
Welches Buch hat dich denn als Unternehmer und Mensch am meisten geprägt?

VL:
Als Mensch „Der … , witzigerweise haben wir viel über Christen gesprochen, es ist sehr stark christlich geprägt. Sollte man sich aber nicht davon abhalten lassen. Er hat eine radikale Denkverschiebung bei mir herbeigeführt, ich liebe das Buch. Am besten einfach mal im Buchladen reinschauen. Als Unternehmer? Ich mag solche Bücher wie die Biografie von Richard Branson, so etwas inspiriert mich einfach sehr. Auch wenn es mich dann nochmal frustriert.

LB:
Kann ich verstehen. Welches ist der beste Ratschlag, den du jemals erhalten hast?

VL:
Den habe ich von einem meiner wichtigsten Lehrer erfahren in einem Seminar, wo ich dachte, ich stelle ihm eine kluge Frage. Aber ich wollte nur selbst klug dastehen mit der Frage. Und er hat mit einer Gegenfrage geantwortet. Er hat mich gefragt: „Veit, wenn es eine einzige Sache gäbe in diesem Leben, die du hundertprozentig garantiert bekommen, erfahren und erfüllen kannst und du müsstest dafür aber alle anderen Dinge loslassen, was wäre das?“ Ich habe damals das Glück gehabt, dass für mich die Antwort gleich sofort klar war und ich kann sagen, dass ich seitdem in einem anderen Universum lebe.

LB:
Okay, ich kann mir die Antwort schon fast denken. Zum Abschluss, wie kann jetzt die Selbstmanagement. Digital.-Community mit dir in Kontakt treten, wo findet man dich im Netz, was hast du für Angebote?

VL:
Der einfachste Weg ist, meinen Podcast erstmal zu abonnieren. Zum Beispiel iTunes, Spotify, YouTube. Wenn du einen tiefen Geschmack von meiner Arbeit bekommen möchtest, ist homodea.com ein cooler Platz. Da stellen wir jetzt alle meine Kurse rein. Was ich sehr empfehlen kann, es schließt sehr an das, was wir gerade besprochen haben, ist mein Kurs, der ist jetzt gerade rausgekommen, Victory and Peace. Der ist der radikalste Kurs, den ich je rausgebracht habe, der sich sehr auf diese essenzielle Ebene bezieht. Man kann auf homodea einfach 14 Tage oder einen Monat gratis testen, einfach mal reinschauen. Da kriegt man einen guten Geschmack.

LB:
Und es ist ein Onlinekurs?

VL:
Ja, genau.

LB:
Aber du gibst auch Workshops?

VL:
Exakt, das ist mir immer das Liebste. Aber erfahrungsgemäß wollen die Leute erstmal gucken, was das für ein Typ ist. Aber logisch, real in die Augen schauen, sich die Hand geben, miteinander lachen, das ist immer noch das Beste.

LB:
Oder schweigen…

VL:
Das ist für mich das Allerbeste.

LB:
Veit, vielen Dank, es war wirklich ein ganz tolles Interview. Es war sehr tiefgründig, gibt viel zum Nachdenken, mir zumindest. Auch das Buch, was du empfohlen hast, ist jetzt einen Klick entfernt, das werde ich mir sofort bestellen.

VL:
Cool, ich danke dir für die Fragen und für den offenen Raum, den du den Antworten geboten hast.

LB:
Vielen Dank dir. Und ich wünsche dir natürlich Veit und Euch natürlich wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

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