In unserer heutigen Welt scheint es, als ob wir ständig in Bewegung sein müssen. Alles ist gehetzt, hektisch und rastlos. Aber ist dieses hohe Tempo wirklich gesund für uns? In dieser Podcast-Folge spreche ich mit Barbara Fernández darüber, wie Du erkennen kannst, ob Dein eigenes Tempo nicht mehr im gesunden Bereich liegt und was Du dagegen tun kannst.
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Fokus-Tage
Der permanente Alarmzustand
Dieses Gefühl, ständig unter Strom zu stehen, ist ein weit verbreitetes Phänomen. Ich finde das nicht nur belastend und ungesund, sondern auch gesamtgesellschaftlich problematisch. Ein gutes Beispiel ist der Autoverkehr in Deutschland. Sobald ich über die Grenze fahre, habe ich den Eindruck, als wären alle im Alarmmodus – es wird gedrängelt, gehupt, und die Ungeduld liegt förmlich in der Luft. Dieses Verhalten spiegelt sich auch in anderen Bereichen wider, wie in meinen Workshops und Seminaren, wo eine spürbare Ungeduld herrscht. Die Teilnehmer sind oft nicht ganz präsent, checken ständig E-Mails oder greifen in der Pause sofort zum Handy.
Überlastung und Pseudoproduktivität – die treibenden Kräfte
Viele Menschen, besonders Führungskräfte in Branchen wie Ingenieurwesen oder Architektur, fühlen sich überlastet. Der immense Workload und die parallel laufenden Projekte geben ihnen das Gefühl, einem Berg an Aufgaben nicht mehr Herr zu werden. Sie fühlen sich aufgefordert, ein hohes Tempo anzuschlagen, um nicht den Anschluss zu verlieren.
Ein weiteres Problem stellt die Pseudoproduktivität dar. In unserer heutigen Arbeitswelt verwechseln wir Kommunikation – sei es per E-Mail oder Chat-Nachrichten – oft mit tatsächlicher Produktivität. Das sofortige Beantworten von Nachrichten oder das ständige Kommunizieren erzeugt eine Geschäftigkeit, die aber nicht immer zu echten Ergebnissen führt. Eine erschreckende Studie zeigt, dass Menschen im Schnitt alle sechs Minuten ihr E-Mail-Postfach checken. Dieser Erwartungsdruck, sofort reagieren zu müssen, lässt uns kaum Zeit zum Innehalten.
Die „Hurry Sickness“ – eine alte Krankheit in neuer Dimension
Wusstest Du, dass die Hurry Sickness, oder Managerkrankheit, bereits 1974 von zwei amerikanischen Kardiologen entdeckt wurde? Sie beschreibt eine chronische Hast und Ungeduld als gesellschaftliches Phänomen, das das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verdreifacht. Diese Tendenz hat sich seit den 90er Jahren, als ich ins Berufsleben startete, massiv verschlechtert.
Ein weiterer großer Beschleuniger war die Corona-Pandemie. Microsoft hat zum Beispiel festgestellt, dass sich die Zeit, die ihre Mitarbeiter in Meetings verbringen, um das 2,5-fache erhöht hat. Das ist eine Steigerung um 250 %! Diese extreme Verdichtung der Kommunikation führt dazu, dass kaum noch Zeit für die eigentliche Arbeit bleibt, geschweige denn für Reflexion und tiefgründiges Denken.
Anzeichen, dass Dein Tempo nicht gesund ist – und was Du dagegen tun kannst
Es gibt klare Anzeichen, an denen Du erkennen kannst, ob dein Tempo zu hoch ist:
1. Du kannst nicht mehr still sitzen
Du hast das ständige Gefühl, in Bewegung sein zu müssen, und Deine Konzentration hält nur noch acht Sekunden – kürzer als die eines Goldfischs! Ein typisches Verhalten ist der Smartphone-Check in jeder freien Minute. Wusstest Du, dass iPhone-Benutzer ihr Handy im Schnitt 2617 Mal am Tag berühren? Das ist ein klares Suchtverhalten. Auch die Unfähigkeit, ein Buch zu lesen, weil die Gedanken ständig abschweifen, oder die Ungeduld in Warteschlangen sind Indikatoren.
Lösungen:
- Täglich meditieren:
Lerne, ruhig zu werden und Dich auf Deinen Atem zu konzentrieren. Schon 15 Minuten können eine enorme Wirkung haben.
- Bildschirmfreie Zeiten einführen:
Lege Dein Handy bewusst weg, zum Beispiel, wenn Du mit dem Hund spazieren gehst, oder bei der Ankunft im Büro.
- Warteschlangen als Übungsfeld nutzen:
Nimm die Wartezeit bewusst wahr und nutze sie, um Geduld zu üben.
2. Du unterbrichst ständig andere
Fällst Du anderen oft ins Wort oder beendest deren Sätze? Bist Du in Meetings ungeduldig und sendest nonverbale Signale, dass der andere zum Punkt kommen soll (z.B. durch schnelles Nicken)? Das ist ein Zeichen von Rastlosigkeit und Ungeduld.
Lösungen:
- Die 3-Sekunden-Regel:
Lege nach dem Redebeitrag Deines Gegenübers bewusst eine 3-sekündige Pause ein.
- Körperhaltung entspannen:
Achte bewusst auf Deine Körperhaltung beim Zuhören und entspanne Dich.
3. Du kannst nicht mehr abschalten
Bist Du ständig in Gedankenkreisen gefangen, hast das Gefühl, eine unendliche ToDo-Liste abzuarbeiten, und kannst den Moment nicht genießen? Dies zeigt sich auch darin, dass Du abends noch E-Mails checkst, morgens direkt aufs Handy schaust oder im Urlaub nicht wirklich abschalten kannst.
Lösungen:
- Digitale Sunset-Zeit festlegen:
Versuche, 90 Minuten vor dem Schlafengehen keine digitalen Medien mehr zu nutzen.
- Handschriftlich aufschreiben:
Nutze einen Ideenspeicher oder Sorgenparkplatz, um Deine Gedanken und Ideen handschriftlich festzuhalten. Das wirkt entschleunigend.
- Morgen- und Abendroutinen einführen:
Starte ruhig in den Tag und lege klare Rituale fest, die Dir helfen, abends abzuschalten und in den Feierabend zu kommen.
Fazit
Es ist entscheidend, diese Anzeichen bei sich selbst zu erkennen. Mir hat besonders die Einführung meiner Morgenroutine geholfen. Eine bewusste Gestaltung des Morgens, zum Beispiel mit Lesen und Meditation, hilft, ruhig in den Tag zu starten und nicht direkt in die Hektik zu geraten.
Wie der buddhistische Mönch Thich Nhat Hanh sagte: „Die Gegenwart ist der einzige Moment, in dem das Leben wirklich stattfindet.“
Es ist an der Zeit, wieder mehr Fokus in unser Leben und unseren Beruf zu bringen, damit mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge bleibt.
Welche dieser Lösungen spricht Dich am meisten an, oder hast Du vielleicht schon eigene Strategien entwickelt, um Dein Tempo zu verlangsamen? Schreib mir einfach an fraglars@larsbobach.de
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