Wie Du von der Erkenntnis ins Handeln kommst

Fünf Tipps, um seine Gewohnheiten zu ändern und drei Komponenten, die Gewohnheiten dauerhaft umzusetzen. Ein spannender Podcast, mit Belohnung!

Hier das Transkript des gesamten Podcasts und vorab die erwähnten Sponsoren und Links:

Sponsoren

MDD Workshop 2018

Meistertask Workshop mit Lars Bobach

Links

Scaling up von Verne Harnish*
7Mind – Meditations-App

Transkription

BF = Barbara Fernandez
LB = Lars Bobach

LB:
Herzlich willkommen zum Podcast Selbstmanagement.Digital. Wir geben Orientierung im digitalen Dschungel, so dass wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben bleibt. Mein Name ist Lars Bobach und ich sitze hier mit der Expertin für Selbstmanagement oder ins Handeln kommen, Barbara Fernandez, hallo Barbara.

BF:
Hallo Lars.

LB:
Ja, Barbara, wie kommst Du denn überhaupt zu dem Titel oder wie kommst Du auf das Thema von der Erkenntnis ins Handeln kommen?

BF:
Bei unseren Vorbereitungen für die Podcasts machen wir immer auch ein Brainstorming und ich habe gedacht, es ist mal an der Zeit, sich dieser Schnittstelle zu widmen. Denn Du bist Workshopleiter, also, Du bist Seminarleiter und bietest dann Seminarteilnehmern tolle Inhalte an.

Ich würde mal behaupten, ich mache das auch in meinem Feld. Wir haben immer sehr gutes Feedback und dann geht es zurück in den Alltag. Dann stehen die meisten Leute da und fragen sich, wie kriege ich das jetzt hin.

Ich versuche, in meinem Seminar schon darauf hinzuwirken, was ist praxisorientiert, wie kann ich das in den Alltag integrieren. Ich frage viel die Leute, wie sie sich das vorstellen können, ob es überhaupt eine Praxisrelevanz hat usw. Aber ich dachte, es lohnt sich, mal die Lupe auf die Schnittstelle zu legen, ah, Erkenntnis, Glühbirne über dem Kopf, mache ich jetzt auch, ab morgen geht es los und dann? Ja, und dann…? Manchmal nix mehr gewesen.

LB:
Geht es denn jetzt hier Dir mehr um Gewohnheiten? Ist es auf Gewohnheiten abgezielt? Ich will mir irgendwas angewöhnen, abtrainieren oder ist es jetzt auch für Ziele geeignet?

BF:
Ich meine das Wort Erkenntnis tatsächlich, dass mir etwas klargeworden ist über mich und über mein Leben und das möchte ich gerne verändern. Also eher in der Sektion Ziele, weniger in der Sektion „ich will mit dem Rauchen aufhören“. Es funktioniert aber nach einem ähnlichen Schema. Also, ob ich eine schlechte Gewohnheit loswerden will oder mir eine gute Angewohnheit ins Leben rufen möchte, das funktioniert nach einem ähnlichen Schema. Und das muss mir eigentlich klar sein.

LB:
Gut, wir hatten ja mal eine Folge gemacht vor kurzem über Motivation. Wie spielt das da rein, die Motivation, in dieses von der Erkenntnis ins Handeln kommen? Spielt doch sehr da rein, oder?

BF:
Es hat miteinander zu tun, es sind trotzdem zwei unterschiedliche Bereiche. Also, Motivation ist die Frage nach was ist mein Motor, was bringt mich in Bewegung? Und ohne Motivation keine Veränderung. Ich würde jetzt mehr aus der Warte denken, ich habe was begriffen. Also, wir machen ja auch einen Podcast für Unternehmer. Wir versuchen zu inspirieren, wir versuchen, spannende Themen zu besprechen, die neue Gedankenimpulse anstoßen können.

Wenn ich jetzt das höre und denke, aah, super, das wäre eine gute Maßnahme für mein Team oder ich lese jetzt auch mal mehr Bücher oder, oder, oder. Wie komme ich ins Handeln? Ich würde mal gerne untersuchen oder darüber reden, was passiert zwischen dem Moment, finde ich super, was der macht, ich möchte das auch machen, warum kriege ich das nicht hin?

LB:
Okay und da gibt es heute ganz konkret fünf Tipps?

BF:
Genau, generell kann man sagen, sich Ziele vorzunehmen oder Erkenntnisse umsetzen zu wollen, das ist leicht, das macht sogar Spaß. Besonders, wenn man abends mit einem Freund oder einer Freundin ein gutes Gespräch hat und sagt, ja, das ist eigentlich die Lösung und ab morgen geht es los. Wie kriege ich das in meinen Alltag integriert? Genau passend jetzt zum Jahresbeginn, was schätzt Du, wie viel Prozent aller Vorsätze sich in die Praxis umsetzen?

LB:
Gute Vorsätze habe ich übrigens nicht, das mache ich ja nie.

BF:
Nee?

LB:
Nee, Du?

BF:
Ich mache eine Wunsch-Wunderkerze, so eine einen Meter lange Wunderkerze und immer die Leute, die mit mir Silvester feiern, die kriegen so einen langen Streifen Papier. Dann schreiben die drei Wünsche fürs Jahr auf, wickeln die um die Wunderkerzen. Dann wird die in die Erde gesteckt und dann wird die angezündet.

LB:
Welche Symbolkraft hat das dann für mich jetzt, wenn es dann verbrennt?

BF:
Das kannst Du Dir dann überlegen. Das schicke ich ins Universum, das wird mit dem Funkenschlag ins Universum gebeten, damit da oben die Delle klappt, von der Du immer redest. Damit hätten wir es dann auch geklärt?

LB:
Okay, also, Vorsätze mache ich nicht, bin ich jetzt auch kein Freund von, aber Ziele natürlich, die habe ich ja. Aber, um auf Deine Frage zurückzukommen, keine 10 Prozent, einstellig.

BF:
Ja, also, maximal 10 Prozent, darauf können wir uns auf jeden Fall einigen. Ganz viele von diesen Vorsätzen werden nie Realität.

LB:
Genau.

BF:
Und selbst, wenn ich Motivation habe, wenn ich denke ja, ja, ja, auf jeden Fall will ich jetzt regelmäßig Sport treiben oder auf keinen Fall mehr möchte ich mehr in schwierigen Gesprächen herrisch reagieren, ist die Umsetzung schwer. Willenskraft und Motivation ist also kein Garant für Erfolg. Ich brauche Motivation, aber es ist letztendlich nicht der Garant dafür, dass es erfolgreich wird.

LB:
Nein, es macht es einfach, aber ist kein Garant.

BF:
So und jetzt sitzt Du ja hier quasi auch als Spezialist für Zielumsetzungen. Du musst ständig Gewohnheiten verändern, alte Pfade verlassen, wie machst Du das und hast Du dafür ein Beispiel?

LB:
Ich habe damit irgendwie nicht so richtig ein Thema. Ich glaube, von wie machst Du das, die Frage stellt sich mir nicht. Also, wenn ich von irgendwas überzeugt bin, dann mache ich es. Also wirklich, da habe ich jetzt nicht so das Thema. Manchmal fehlt mir ein bisschen Motivation.

Wenn es mir an Motivation fehlt, dann merke ich, dass es dann eben nicht das Thema oder das Ziel ist, was ich erreichen will oder die Gewohnheit, die ich ändern will. Aber Beispiele, ja, ich lese ein Buch und stelle fest, ich habe hier von Verne Harnish das Buch, Scaling up, letztes Jahr gelesen. Gibt es jetzt auch auf Deutsch. Da fand ich zum Beispiel dieses „daily huddle“ super, dass man sich täglich mit dem ganzen Team zusammensetzt. Am nächsten Tag habe ich mich mit dem ganzen Team zusammengesetzt und seitdem täglich.

BF:
Ja, Du fackelst nicht lange, das ist super.

LB:
Oder Meditation, das ist ein gutes Beispiel. Meditation war nämlich immer ein Thema, was mich beschäftigt hat. Ich habe immer gesagt, das will ich machen. Und ich habe es nie geschafft. Aber, jetzt schaffe ich es seit ein paar Monaten.

BF:
Aha und wie hast Du das gemacht?

LB:
Indem ich mir auf der einen Seite nochmal klargemacht habe, warum ich das wollte. Das war in einer sehr stressigen Phase, wo ich festgestellt habe, ich komme wenig zur Ruhe. Da habe ich gesagt, das geht nicht, jetzt versuche das nochmal. Ich hatte dann zu dem Zeitpunkt auch ein Interview geführt mit den Gründern von Seven Mind, das ist so eine Meditations-App, wo dann einer spricht und die haben mir dann den Tipp gegeben.

Ich habe dann gefragt, was würdet Ihr denn jetzt machen und ja, man soll das an eine andere Gewohnheit koppeln. Wenn man irgendwie Schwierigkeiten hat, so Gewohnheiten einzuführen und die sind einem wichtig, mit anderem koppeln und dann kann es einfacher sein. Das habe ich dann einfach in meiner Morgenroutine eingebastelt. Ich habe es früher immer abends versucht und das geht nicht. Seitdem ich es immer in meiner Morgenroutine habe, würde ich mal sagen, mache ich an fünf Tagen, ja, vier bis fünf Tagen die Woche, meditiere ich morgens.

BF:
Wie lange meditierst Du?

LB:
Sieben Minuten, das ist die seven mind, sieben Minuten.

BF:
Darf ich mal kurz fragen, wo machst Du das?

LB:
In meinem Arbeitszimmer.

BF:
Sitzend, im Schneidersitz, stehend?

LB:
Nein, sitzend, nicht im Schneidersitz. Ich habe so einen Swopper, kennst Du das Ding? Das ist so ein Teil, das auf so einer Feder ohne Rückenlehne ist und da sitzt man dann sehr aufrecht. Da mache ich das dann drauf, genau.

BF:
Okay, geschlossene Augen? Die Hände zusammen.

LB:
Ja, geschlossene Augen, die Hände in diese Ommm-Haltung. Manchmal sagt er auch, wie man seine Hände halten soll.

BF:
Ach, Du machst es tatsächlich mit der App?

LB:
Ja, nur mit der App.

BF:
Und er redet dann auch?

LB:
Ja und dazu werden wir mal eine eigene Folge machen. Das ist wirklich eine tolle Sache, was ich jedem empfehlen kann, so was zu tun. Mir hat es in dieser hektischen Phase geholfen. Da war dann für mich klar, ich muss irgendwas tun, um jetzt nicht zu hektisch zu werden oder gar nicht mehr abschalten zu können in der Zeit. Und da hat mir dieses Meditieren wahnsinnig geholfen.

Man darf halt nicht zu ehrgeizig sein, ist vielleicht auch eine Sache. Wenn man zu hundertprozentig da sein will. Mir passiert es auch häufig noch, dass meine Gedanken plötzlich wieder ganz woanders sind. Die muss ich dann wirklich zwanghaft zurückholen während des Meditierens. Aber, dieses Zwanghafte vielleicht auch ein Stück rausnehmen, ist vielleicht auch noch. Ich weiß nicht, hast Du das in Deinen Tipps mit drin?

BF:
Nein, aber wir machen ja nochmal eine eigene Folge zum Thema Meditation und da können wir da den Tipp einbauen.

LB:
So, jetzt habe ich aber zu viel geredet, Du bist jetzt dran.

BF:
Nein, das war super. Das ist auch ein sehr gutes Beispiel, weil, das kann ja jeder belegen. Die einen wollen mehr Joggen, die anderen wollen weniger Fleisch essen, der Nächste möchte gerne mehr Zeit mit der Familie verbringen. Aber ich finde auch zum Beispiel solche Themen spannend wie, ich reagiere immer gleich.

Jeder von uns hat ja ein bestimmtes Muster, nachdem er kommuniziert und wenn wir uns alle mal fragen, was gäbe es da, was ich gerne verändern würde, könnte zum Beispiel ein Punkt sein, wenn ich Kritik höre, dann, der eine verpieselt sich, der Nächste wird herrisch. Traue ich mich, das auszuhalten und noch eine Frage zu stellen, um vielleicht auch noch mehr darüber zu erfahren? Warum sagt mir das jemand und was steckt da eigentlich noch mit drin in dieser Botschaft? Wäre ja vielleicht gerade auch für Führungskräfte oder auch Unternehmer spannend, sich so solchen Äußerungen gut zu stellen.

Aber wir reagieren eben immer gleich, weil wir auch da verhaftet sind und das ist ganz normal. Und sich das vorzunehmen bedeutet, dass man sich mal mit der Tatsache auseinandersetzt, dass jede Gewohnheit, die ich habe, ein großer Halt ist. Wir brauchen diese Gewohnheiten in unserer Welt, weil wir einen überdimensionierten Informationsfluss haben, der auf uns einprasselt.

Jede Handlung und jede Struktur des Verhaltens, wenn ich sie mehrfach mache, wird eine Gewohnheit. Ich kann mir das so vorstellen, wenn mein Gehirn meine Festplatte ist, dann zippt quasi die Gewohnheit den Speicherplatz. Also, es wird weniger Speicherplatz verbraucht. Und dann wird das wie automatisch wieder abgefeuert und ich bin kaum in der Lage, mit einem bloßen Willen oder mit viel Motivation diese Gewohnheit zu unterbrechen. Und das muss mir erstmal klar sein.

LB:
Da kann ich natürlich einen typischen Lars-Tipp geben, wenn ich darf?

BF:
Bitte!

LB:
Ich schreibe mir ja so etwas in meinen Task Manager rein, das hilft mir dann total, wie mit der Meditation. Aber es gab auch mal ein paar Sachen, die ich an der Beziehung zu meiner Frau ändern wollte. Wo ich dann dachte, okay, da muss ich auch mal anders reagieren. Da habe ich auch nicht immer so super reagiert, wie ich vielleicht hätte reagieren können.

Da habe ich mir einfach eine tägliche Aufgabe gemacht in meinem Task Manager. Jeden Tag in meiner Heute-Ansicht poppte das Ding auf und ich wurde immer wieder daran erinnert. Und wenn ich dann den Tag überstanden habe und mich daran gehalten habe oder jetzt meditiert habe, konnte ich da ein schönes Häkchen machen. Das hat mir da wahnsinnig geholfen.

BF:
Super. Hier sind Deine und unsere Communities beisammen, weil sie eben genau diese Tipps leben. Das ist insofern klug, weil Du das unterbricht, was automatisch bei Dir abläuft und musst Dich nicht selber hinbewegen, sondern von außen kommt ein Erinnerungssignal, perfekt.

LB:
Das war gut und auch da noch mal ganz kurz, bevor wir in die Tipps gehen, noch ein Lars-Tipp, keine Extras! Es gibt ja diese „habit tracker“-Apps und was weiß ich was alles. Würde ich nicht machen, Task Manager reicht, da hast du nicht nochmal eine extra App, wo Du reingucken musst, die Dich an irgendwas erinnert oder so, quatsch. Einfach in den Task Manager, wo man eh jeden Tag mit arbeitet, da reinschreiben. Mir hilft es wirklich da bei sehr vielen Dingen.

BF:
Super. Ich würde gern eine Sache nochmal sagen zu dieser Struktur der Gewohnheit. Es gibt also immer einen Reiz, der das auslöst. Also, jemand kommt, sagt mir in einem bestimmten Ton einen Satz und schon bin ich auf 180. Oder kaum bin ich zu Hause, wollte ich eigentlich noch Sport machen. Schwupps, habe ich mir schon ein Bier aufgemacht. Wir kennen das alle, diesen auslösenden Reiz. Den muss ich kennen, ohne den keine Veränderung. Ich muss wissen, wo das herkommt, dieses automatisierte.

LB:
Wie bei dem Bier, wo kommt das her?

BF:
Ja, ich komme nach Hause und habe sozusagen das Gefühl.

LB:
Bierdurst!

BF:
Ach, jetzt kann ich mich entspannen und in diesem, ich will mich jetzt entspannen, mache ich natürlich das Bier auf, weil ich weiß, das ist nämlich das, was jetzt als Drittes kommt, die Belohnung. Wir wissen alle, dass Alkohol ein Gift ist, was die Nerven beruhigt und von daher sage ich so Sachen wie „Jetzt habe ich mir aber ein Feierabend Bierchen verdient.“

Aber eigentlich hole ich mir ein Gift in den Körper, das meine Nerven beruhigt. Ich will das hier nicht verteufeln, ich bin da weder pro noch contra. Es ist einfach so, so funktioniert es zum Beispiel mit dem Alkohol. Mit dem Sport machen ist es auch so, ich habe einen auslösenden Reiz, zum Beispiel, ich komme in mein Wohnzimmer und sehe das Sofa und merke, mein Arbeitstag war anstrengend, ich will mich hinlegen. Ich will mich jetzt berieseln lassen, schwupps, ist der Fernseher an.

Dabei wollte ich doch das Buch lesen, was Du empfohlen hast. Also, die Gewohnheit findet statt und dann kommt irgendeine Art von Belohnung und wenn ich das jetzt verändern will, dann muss ich wissen, wo ist der Reiz. Ich muss mir eine Alternativhandlung überlegen und jetzt kommt das Allerwichtigste. Ich darf die Belohnung nicht vergessen.

LB:
Die Belohnung zusätzlich?

BF:
Nein, die Belohnung, die darin steckt. Weil, die Sachen, die wir loswerden wollen, zum Beispiel abends Chips essen vorm Fernsehen, diese ganzen Geschmacksstoffe und so, die machen ja glücklich. Wenn ich jetzt sage, ich esse jetzt keine Chips mehr, dann bumm. Dann fällt mir das schwer, weil im nicht Chips essen ist wenig Belohnung. Also sollte ich mir eine Anstatt-Handlung überlegen, in der aber auch eine Belohnung drinsteckt.

Also wie zum Beispiel einen tollen Tee kaufen, der einen besonderen Geschmack hat oder der ganz wertvoll gemacht ist. Ich muss mir wirklich ein bisschen Mühe geben, dass da auch was drinsteckt, was schön ist. Also, wenn ich jetzt schon nicht das Bier aufmache, dann ist vielleicht das Kranwasser gerade auch nicht so attraktiv. Also stelle ich mir auch mal was in den Kühlschrank, was das Bier ersetzen kann, was ein cooler Saft ist oder eine Schorle, die ich mag oder irgendwas Anderes.

LB:
Oder den Tee.

BF:
Genau.

LB:
Was ist das jetzt bei Sport, wo Du das mit dem Sofa sagst? Das kann ich mir jetzt gerade schwer vorstellen. Fällt Dir da spontan etwas ein?

BF:
Dass ich mir halt überlege, wenn ich joggen gegangen bin, dann mache ich mir eben auch eine Badewanne voll und habe ein tolles Badewasser oder ich darf, wenn ich jetzt joggen war, heute Abend, weil es mir um Sport geht und nicht ums Abnehmen, vielleicht dann auch einen Riegel Schokolade von meiner Lieblingsschokolade gönnen. Also, dass wir über das Belohnungssystem auf jeden Fall nachdenken, weil der Körper und die Gewohnheit so mächtig ist, sich das sowieso sonst einzufordern.

LB:
Supertipp, fällt mir auch bei mir was ein, weil, im Winter ist bei mir immer Fahrradfahren auf der Rolle angesagt, also bei mir im Arbeitszimmer. Es gibt nicht viel Monotoneres als das. Also, es ist wirklich super und dann belohne ich mich auch immer hinterher, indem ich einen Saunagang mache. Dann sage ich immer, wenn ich in die Sauna gehe, muss ich vorher auf dem Rad gesessen haben, sonst darf ich nicht in die Sauna.

BF:
Genau.

LB:
So versuche ich mich da so ein bisschen zu belohnen.

BF:
Genau. Ich glaube, wenn diese Struktur, die ist ja sehr simpel. Es ist aber so, dass wir an dieses Gewohnheitsmaterial im Hirn, was da verzippt ist, das kriegen wir nicht so leicht gebrochen, das muss uns einfach klar sein. Wir müssen da mal drüber reflektieren und das in diese drei Komponenten unterteilen.

Da muss ich sagen, okay, den auslösenden Reiz muss ich sehr gut kennen, ich muss eine Alternativhandlung haben und ich muss mir dafür eine Belohnung überlegen. Dann habe ich eine Chance.

LB:
Okay, das ist ganz wichtig, diese drei Komponenten. Also Reiz, Alternativhandlung und dann auch eine Belohnung.

BF:
Genau.

LB:
Okay, super, verstanden.

BF:
Super, dann können wir zu den fünf Tipps für die Verhaltensänderung oder wie ich von der Erkenntnis ins Handeln komme angehen.

LB:
Aber das war ja jetzt schon sehr wertvoll mit diesem …

BF:
Ja, das ist sozusagen die Voraussetzung.

LB:
Okay, gut, dann fangen wir mal an, erster Tipp?

BF:
Ich muss das richtige Ziel haben. Wenn ich jetzt hier im Podcast zum Beispiel höre, ich lese immer morgens eine halbe Stunde einen Ratgeber und ich möchte das eigentlich auch, ist es wirklich die Frage, ist es mein Ziel? Ist es auch meine Art, passt das in meinen Alltag, in meinen Zeitplan?

Wir lassen uns schnell begeistern, da draußen sind viele gute Tipps unterwegs. Überprüfe bitte, jeder für sich, ist das mein Ziel? Stehe ich da wirklich hinter und passt das zu mir?

LB:
Klar, sonst macht es ja keinen Sinn. Aber wie sollte man auf die Idee kommen, was zu ändern, was gar nicht sein Ziel ist? Durch äußere Vorgaben?

BF:
Weil es sich gut anhört. Weil andere Leute damit erfolgreich sind. Zum Beispiel triffst Du jemanden wieder, der hat total abgenommen. Der sagt, ja, ich habe das jetzt nach der sowieso Methode gemacht und bin in folgendes Fitnessstudio gegangen. Und dann rennst du am nächsten Tag, kaufst dir ein Buch über die sowieso Methode und meldest dich bei diesem Fitnessstudio an und stellst fest, ich kriege es aber nicht in den Alltag integriert.

Also, was ist meine Art, wofür will ich abnehmen oder wofür will ich mein Unternehmen umstrukturieren? Nur weil der Lars das und das und das gemacht hat, was kann ich an dem Beispiel nehmen, aber ich muss das schon an mich anpassen.

LB:
Es muss Deins sein und Du musst für Dich das Warum finden sozusagen.

BF:
Richtig, das wäre die Übersetzung …

LB:
In die Lars-Sprache.

BF:
In die Lars-Sprache. Das Warum finden, es muss das richtige Ziel sein, genau.

LB:
Okay, zweiter Punkt.

BF:
Entgegen der Larsschen Druckmaschine sagt Barbara Fernandes, an der Stelle ganz ruhig, ganz ruhig machen. Also, Veränderung kann im Stress nicht stattfinden, hast Du ja auch erzählt, dass Du die Meditation in der Stressphase nicht integriert bekommen hast in Deinen Alltag. Stress macht eng im Kopf und ich habe diese Hirnareale nicht frei, die mir die Freiheit geben für Veränderung. Ich bin auch in solchen Phasen nicht so kreativ, also überlegt Euch eine Zeit, wo Ihr das implementiert. Und gut ist, wenn da kein Stress um Euch herum stattfindet.

LB:
Ja, nicht nur kein Stress, dieses ganz ruhig würde ich auch noch so übersetzen, ganz ruhig mit der Umsetzung vielleicht, dass man, auch, wenn man es an zwei von sieben Tagen erstmal geschafft hat, dass das auch schon Erfolg ist.

BF:
Ja, das stimmt.

LB:
Dass man auch gnädig mit sich ist und mit seinen eigenen Erfolgen. Und so kleine Erfolge auch feiert, oder nicht feiert, dazu kommen wir gleich auch, dass man kleine als solche wahrnimmt und nicht immer sieht, ich habe sieben und dann habe ich fünf nicht. Nein, du hast zwei geschafft von sieben, dass man sich das und da auch gnädig mit sich ist.

BF:
Ja, das können wir einfach als nächsten Punkt auch schon sagen. Das Feiern von Erfolgen und dazu gehören eben auch Teilerfolge. Das ist bitteschön wahrzunehmen und auch wertzuschätzen. Das würdet Ihr mit einem Kollegen oder mit einem Mitarbeiter auch machen und sagen, hey, Du hast Dich auf den Weg gemacht, super, die ersten Schritte sind geschafft. Klar ist da noch Luft nach oben, aber wir haben auch gerade erst angefangen. Das machen wir aber mit uns selber oft nicht. Da sind wir oft sehr viel härter.

LB:
Ja, zu hart oft. Da muss man wirklich dann gnädig sein, sehe ich auch so. Ja, absolut, kann ich unterstreichen. Ich kriege das oft mit, weil, ich habe ja jetzt gerade ein kleines Booklet geschrieben über mehr Fokus und da geht es auch darum, dass man seine Onlinezeit einschränkt. Ich glaube, es ist ganz wichtig heutzutage, um mehr Fokus zu haben.

Dann sage ich zum Beispiel, nehmt Euch mal eine Zeit, wo Ihr sagt, ab dann gehe ich erst online, dass man sagt, erst ab 14:00 Uhr oder 13:00 Uhr oder sowas, dass man da sich feste Regeln vornimmt. Aber auch da wieder mit solchen Regeln auch gnädig sein, dass man sagt, okay, ich habe es jetzt einen Tag geschafft, toll. Zweimal ist es mir aber misslungen. Okay, nicht schlimm, aber der eine Tag schonmal, dass man das sieht.

BF:
Ja, super Tipp. Dann ist ein weiterer Punkt, das wäre dann jetzt der vierte, von klein zu groß, von simpel zu komplex. Damit will ich sagen, fangt klein an, vielleicht auch erstmal im privaten Kontext. Wenn ich jetzt zum Beispiel ein Verhalten ändern möchte, es erstmal Zuhause ausprobieren und dann mit Geschäftspartnern. Oder, dass ich Dinge von einfach zu komplex mache. Zum Beispiel, ich will umstellen auf papierlos, dass ich mir einen kleinen Bereich nehme, wo ich damit anfange. Und dann das komplett ins Unternehmen übersetzen.

LB:
Genau, das ist auch immer mein Tipp, in kleinen Schritten und das meinst Du hier, glaube ich, ja auch?

BF:
Genau.

LB:
Dass man nicht direkt mit dem Riesenprojekt anfängt oder sich die riesen Sache da vornimmt, sondern mit kleinen Schritten loslegt. Wie man es ja generell so machen sollte.

BF:
Genau. Oder dass man so ein klar umrissenes Ding hat. Wenn ich zum Beispiel Vegetarier werden will, dass ich sage, jetzt im Urlaub die Woche, da versuche ich mal, da habe ich Zeit zum Kochen und auch Zeit, neue Rezepte auszuprobieren. Da esse ich jetzt mal gar kein Fleisch mehr.

Und dann der letzte Punkt ist auch schon, gemeinsam statt einsam. Also, das Umfeld mitnehmen, das Umfeld informieren über die Veränderungen, die man gerne machen möchte. Zum Beispiel der Familie zu sagen, ich möcht jetzt morgens sieben Minuten meditieren, das heißt, ich bin da mal zehn Minuten verschwunden, bitte lasst mich da in Ruhe. Ihr wisst jetzt, dass ich das mache.

Genauso kann ich mich auch unterstützen lassen, indem ich sage, ich stelle fest, ich komm schlecht runter, wenn ich über bestimmte Themen rede oder so. Du kannst doch mal mir helfen und mal sagen, hier, wir haben jetzt schon eine halbe Stunde über den Kunden gesprochen, lass uns mal bitte den Feierabend einläuten. Oder komm mal mit Joggen oder, was Du auch sagst, es öffentlich machen, indem man sagt, okay, ich möchte ein Buch schreiben, also sage ich jetzt meiner ganzen Community, Lars wird dieses Jahr ein Buch schreiben. Jetzt kommst Du nicht mehr raus aus der Nummer.

LB:
Ja, genau. Das hilft mir auch und das merke ich auch bei vielen, dass das wirklich auch eine große Hilfe ist, wenn man es da dann öffentlich macht. Weil, dann kommt man da nicht mehr raus, genau. Machst Du das auch? Machst Du auch Deine Sachen öffentlich? Ach, Du bist ja nicht mehr bei Facebook, kannst Du ja gar nicht.

BF:
Ich bin nicht mehr bei Facebook, sowas würde ich da auch nicht posten, glaube ich. Freunde und Familie und manche Freunde sind auch Arbeitskollegen oder Arbeitskollegen, die Freunde geworden sind.

Ich empfehle es auch weniger als Druckmittel zu nehmen, sondern mehr, ich möchte was ändern und ich arbeite gerade an dem und dem Prozess. Ich glaube, du kannst mich unterstützen oder erinnere du mich mal daran oder würdest du mit mir zusammen Folgendes machen, weil, ich würde gern das und das und das in meinem Leben anders gestalten oder in meinem Beruf.

LB:
Genau.

BF:
Also, ich meine es eher so aus der helfenden und unterstützenden Richtung.

LB:
Super, ja danke erstmal für die Tipps. Ich fasse nochmal kurz zusammen. Was bei mir auf jeden Fall hängengeblieben und was ganz wichtig ist, sich die drei Komponenten nochmal klarmachen ganz am Anfang, diesen auslösenden Reiz. Dann eine alternative Gewohnheit überlegen, um dann aus der alten auszusteigen und dann natürlich auch eine alternative Belohnung. Das fand ich sehr wichtig am Anfang.

Erster Tipp für die Verhaltensänderung dann, ob das Ziel das richtige Ziel ist. Ist es wirklich mein Wunsch, passt das zu mir?

Der zweite Punkt war, ganz ruhig darangehen, Veränderungen nicht im Stress stattfinden lassen und auch gnädig zu sich selbst sein.

Der dritte Punkt war Feiern, die Erfolge und Teilerfolge wahrnehmen und gerade die Teilerfolge wahrnehmen und auch wertschätzend da sich selbst gegenüber sein.

Vierter Punkt war, von klein zu groß, von simpel zu komplex. Also, erstmal im Privaten und dann vielleicht ins Berufliche gehen oder erstmal klein anfangen und dann auf die gesamten Lebensbereiche ausrollen.

Und als fünftens dann, gemeinsam statt einsam, Ziele auch mal öffentlich oder Gewohnheitsänderungen öffentlich machen, aber mehr so unterstützend helfend gemeint in dem Fall.

Ja, Barbara, vielen Dank dafür. Was war denn so, gibt es da noch eine Gewohnheit bei Dir, wo Du sagst, die wollte ich mir antrainieren und habe es dann nicht geschafft?

BF:
Ja, das Thema Meditation.

LB:
Auch bei Dir?

BF:
Das hängt schon so lange in meinem Kopf, ja, also, das würde ich gerne in mein Leben integrieren, aber das klappt gerade nicht, das tue ich nicht.

LB:
Ja, das ist ganz schwierig, ich habe Jahre gebraucht. Kann ich verstehen.

BF:
Ja, das wäre ein gutes Beispiel dafür.

LB:
Und wo kannst Du jetzt die drei Reize hier setzen?

BF:
Wollen wir es mal anwenden.

LB:
Ja, machen wir mal ein Live-Coaching hier.

BF:
Okay, da muss erstmal die alte Gewohnheit, die ich dann morgens mache, es könnte jetzt zum Beispiel sein, die Kinder sind aus dem Haus und ich gehe als Erstes an den Rechner. Das wäre der Moment, wo ich als erstes auch meditieren könnte.

LB:
Genau.

BF:
Da muss mir klar sein, was suche ich da? Ich suche erstmal Kontakt zur Außenwelt, ist auch so eine Art Fokussieren, ich bin einerseits bei mir, aber andererseits auch schon ein bisschen bei der Arbeit. Ich arbeite ja sehr gerne.

Das heißt, wenn ich da Arbeits-E-Mails bekomme, denke ich nicht, oh Gott, jetzt haben mir schon wieder sieben Leute geschrieben oder hier sind Mails von der Arbeit da, sondern ich denke, schön, aah, eine Anfrage, deswegen suche ich mir da, das ist wahrscheinlich die Belohnung, dass ich mich dann spüre, wahrgenommen werden, gesehen werden, teilnehmen am Arbeitsfeld.

Ich bin ja auch selbständig, ist vielleicht auch so das Gefühl, aah, da sind die Andern, hier bin ich. Wertschätzung auf jeden Fall, so. Jetzt müsste ich sagen, okay, in dem Moment, wo die Tür zugeht und ich wieder drin bin, fokussiere ich mich aufs Meditieren. Mir ist klar, dass ich eigentlich Kontakt suche und das sage ich jetzt mal, ich nehme aber Kontakt zu mir selber auf, das ist jetzt wichtiger. Das heißt, die neue ausgeführte Gewohnheit ist die, ich gehe unter das Dach, setze mich auf den Teppichboden im Schneidersitz und meditiere zehn Minuten. Und die Belohnung ist?

LB:
Ja, da musst Du nochmal überlegen, da könnte die Belohnung ja sein, dass Du Dir dann zum Beispiel Dein Lieblingsgetränk machst für den Morgen, dass Du sagst, dass Du dann an den Rechner kannst? Dass Du sagst, das ist jetzt die Belohnung, dass ich mir jetzt meine Wertschätzung oder meine Anfragen oder was weiß ich hole. Man könnte zum Beispiel dieses Türschließen, ich höre das quasi praktisch in meinem Ohr, klack, Türe geht zu und das ist jetzt der Impuls, wo ich sage, jetzt gehe ich hoch.

BF:
Genau, direkt links abbiegen, die Treppe hoch und nicht geradeaus durch zum Arbeitszimmer.

LB:
Ja.

BF:
Ja, siehst Du, so wäre es dann.

LB:
Dann haben wir das im Live-Coaching von Barbara hier.

BF:
Vorschläge für meine Belohnung gerne in die Kommentare.

LB:
Ja, für die Belohnung, genau. Ich bin mal gespannt. Beim nächsten Mal, wenn wir uns sehen, ob Du es umsetzen konntest.

BF:
Spannend.

LB:
Ja. William Faulkner, das ist ja ein amerikanischer Autor, der hat dazu gesagt, wer keine üblen Gewohnheiten hat, hat wahrscheinlich auch keine Persönlichkeit. Und in diesem Sinne wünsche Euch natürlich wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge.

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