Wieder Freude am Job – Natalie Berlemann

Natalie hilft ihren Kunden herauszufinden, was sie wirklich machen wollen, um wieder Freude am Arbeitsplatz bzw. bei der Arbeit, auch als Selbstständiger, zu empfinden. Dabei geht es darum, erstmal zu definieren, was genau einen denn stört und unzufrieden macht. Genau da hilft Natalie, denn sie ist Expertin im Analysieren, Planen und Mutmachen.

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Webseite: natalie-berlemann.de
Kontakt: Natalie@natalie-berlemann.de

App-Empfehlungen:
Sprachmemos auf dem iPhone
OneDrive

Meistertask Workshop mit Lars Bobach

Buchempfehlungen(*):
The Five-Hour Workday von Stephan Aarstol

Transkript

LB = Lars Bobach
NB = Natalie Berlemann

LB:
Herzlich willkommen zum Podcast Selbstmanagement.Digital. Wir geben Orientierung im digitalen Dschungel, so dass wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben bleibt. Mein Name ist Lars Bobach und ich sitze hier zusammen mit der Natalie Berlemann, hallo Natalie.

NB:
Hallo Lars.

LB:
Ja, Natalie, schön, dass du da bist. Natalie ist Expertin im Analysieren, Planen und Mut machen. Sie hilft Frauen, einen sinnstiftenden Job zu finden. Und ihr habt richtig gehört, ich muss die Männer hier enttäuschen. Sie ist für Frauen da. Vorab die Frage, lieber Natalie, können auch Männer von deinen heutigen Tipps profitieren oder sollten die jetzt am besten den Podcast direkt aufhören?

NB:
Nein, das sollten sie nicht. Erstmal vielen Dank für die Vorstellung. Ja, es ist so, ich helfe hauptsächlich Frauen, einen Job zu finden, auf den sie wirklich Lust haben. Aber es ist ja so, dass Männer und Frauen sich in ihren Grundbedürfnissen an sich nicht unterscheiden. Daher können Männer heute auf jeden Fall viel für sich entnehmen.

Wir sprechen heute zum einen darüber, wie man herausfindet, worauf man im Job Lust hat und außerdem werden wir auch noch darüber sprechen, wie man zum Beispiel bei einer beruflichen Neuorientierung Zeit und Nerven sparen kann. Im Grunde geht es also um Selbstmanagement und den richtigen Fokus, so, wie du es immer sagst. Und da unterscheiden sich Frauen und Männer nicht, was deine Hörerschaft auch widerspiegelt.

LB:
Absolut, bei mir hören beide zu, wobei ich glaube, ich habe schon aufgrund meiner digitalen Affinität einen höheren Anteil an Männern, die hier zuhören. Es ist auf jeden Fall so, wenn ich hier mal in meine Workshops und meine Akademie gucke, ist der Männeranteil immer etwas höher.

Ich habe aber auch sehr viele Frauen, die zuhören. Also, Männer können heute auch profitieren. Wie findet man jetzt heraus, was wirklich sinnstiftend ist und wie komme ich darauf? Wie hilfst du da deinen Klienten?

NB:
Der Wunsch, herauszufinden, was man wirklich will oder was für einen sinnstiftend ist, kommt meistens dann, wenn man in seinem Leben oder im Job, sei es angestellt oder selbständig, nicht ganz zufrieden ist. Dann stellt man sich meist die Frage, warum mache ich das eigentlich oder denkt, das führt doch zu nichts oder ist da nicht noch mehr für mich drin?

Dann kommt der Gedanke auf, naja, vielleicht ich meine Zeit wirklich nicht gerade irgendwie sinnvoll und bestmöglich. Ich fange mal damit an, was dann der falsche Weg ist. Die Firma, den Chef oder die Kunden, wer auch immer es ist, sprich Dritte, verantwortlich zu machen und Forderungen zu stellen. Mit Forderungen meine ich jetzt zum Beispiel, wie die Firma soll mir mehr Gehalt zahlen, wenn ich schon so viel arbeite oder mein Chef soll mir interessantere Projekte geben oder die Kunden sollen endlich verstehen, dass ich nicht 24/7 arbeiten kann.

Aber es ist der falsche Weg, weil man zu dem Zeitpunkt, wenn man diese Unzufriedenheit hat, noch gar nicht ganz genau weiß, ob mehr Gehalt, interessante Projekte oder verständnisvollere Kunden, so wie ich es gerade als Beispiel genannt habe, ob das wirklich die Zufriedenheit auf der Arbeit steigert. Und so optimiert man im Grunde genommen oder eventuell an der völlig falschen Stelle.

LB:
Aber mehr Geld ist auf jeden Fall nicht sinnstiftender? Das ist ja logisch!

NB:
Man denkt so, dass es logisch ist, aber es kommt auch darauf an, wo man sich gerade befindet. Vielleicht für jemanden, der einen gewissen Status vielleicht anstrebt und der aus diesem Status auch sehr viel Energie schöpft, kann es durchaus auch ein Motivator sein. Status, Ansehen, Geld ist nicht unbedingt falsch. Es ist nur ein Problem, wenn man glaubt, es sei das Richtige für sich, aber es einem gar nicht weiterhilft.

LB:
Ich kann aus meiner Erfahrung sagen, in meinen Workshops, das ist grundsätzlich zu kurz gesprungen. Wenn man da glaubt, über Status, über Geld, sich irgendwie Sinn kaufen zu können. Aus meiner Sicht und ich kann mir fast nicht vorstellen, dass du da andere Erfahrung gemacht hast, liebe Natalie, aber das ist doch immer zu kurz gesprungen?

NB:
Ich persönlich habe das genauso erfahren, dass mehr Geld überhaupt nicht die Zufriedenheit steigert oder irgendwie Sinn gibt. Ich möchte aber nicht ausschließen, dass es einfach Leute auf der Welt gibt, für die es so ist. Auch, wenn ich selbst anderer Meinung bin. Aber ja, ich möchte es nicht kategorisch ausschließen.

LB:
Aber glaubst du nicht, finde ich ja eine ganz interessante Diskussion jetzt hier, wenn Menschen im fortgeschrittenen Alter, die wirklich nur hinter dem Geld her sind, nur hinter dem noch dickeren Auto und nur hinter der Yacht, dass da eine wahnsinnige Leere im Alter entsteht?

NB:
Es würde wahrscheinlich die Leere entstehen, wenn sie nicht noch andere Aspekte in ihrem Leben haben. Ich vergleiche es immer. Ich nehme immer so eine Metapher und zwar, ich stelle mir einen Diamanten vor oder ich bespreche mit meinen Kunden, stell dir mal vor, du bist ein Diamant und du hast eben verschiedene Facetten.

Es lässt sich so ein bisschen vergleichen mit deinen Lebenskonten zum Beispiel. Und wenn einfach diverse Facetten sehr gut gut poliert sind, geschliffen sind, vielleicht sowas wie Erfolg, Geld, Anerkennung und andere Facetten aber gar nicht, dann wird der Diamant im Grunde genommen auch nicht funkeln oder nicht strahlen. Er wird niemals sein ganzes Licht, seine ganze Brillanz nach außen zeigen.

Das heißt, wenn ich mit meinen Kunden spreche, gehen wir zuerst immer durch, welche Facetten hast du überhaupt. Also man denkt vielleicht als erstes ja, ich bin ja Arbeitnehmer oder ich bin Selbstständiger, ich bin Experte im Bereich XY. Aber dazu kommt ja auch noch vielleicht, man ist Ehemann oder Vater.

Vielleicht ist man derjenige, der total gerne Fahrrad fährt oder man hat eine Vorliebe für Jazzmusik. Das spielt sehr viel rein. Und da stimme ich mit dir überein. Wenn man nur eine Seite voll hat, eine Facette, die total glänzt oder ein Konto, um das man sich sehr gut kümmert, dann bin ich auch der Meinung, reicht es nicht aus.

LB:
Dann entsteht eine Dysbalance. Da sind wir einer Meinung. Jetzt wollten wir aber von dir erfahren, wie ich etwas Sinnstiftendes finde. Jetzt hast du uns gerade erzählt, wie wir es nicht finden. Wie finde ich es denn jetzt?

NB:
Die Aufgabe liegt an sich darin, bei sich selbst anzufangen und mehr über sich selbst zu erfahren. Man richtet den Fokus zunächst auf sich selbst und nicht auf Dritte. Und man kann mit offenen Fragen ganz gut herausarbeiten, wo wirklich die Wünsche vergraben sind.

Ich mache dir mal ein Beispiel, um das verständlicher zu machen. Wenn ich zum Beispiel mit Kunden bespreche, es geht ja wie gesagt hauptsächlich um deren Arbeit, dann stelle ich solche Fragen wie Folgende zum Beispiel: Wie willst du arbeiten? Ich frage nicht, was willst du arbeiten oder wo, in welcher Firma, wie soll dein Titel sein. Sondern wie willst du arbeiten. Das ist eine schöne offene Frage. Oder zweite Frage, wie willst du dich auf der Arbeit fühlen? Also, vielleicht richte ich die Frage einfach mal an dich, Lars. Wenn ich sage, wie willst du dich denn auf der Arbeit fühlen? Was passiert dann?

LB:
Ich will mich energiegeladen fühlen und gut drauf.

NB:
Man kann noch sehr viel mehr auffächern und da eben auch Facetten reinkriegen. Für manche Leute ist zum Beispiel die Freiheit sehr wichtig. Sie möchten sich auf der Arbeit frei fühlen, ihre Gedanken und Ideen einzubringen. Andere wollen sich vielleicht sehr sicher fühlen. Sie wollen vielleicht lieber eine gewisse Agenda vorgegeben kriegen und diese Arbeit abarbeiten.

Andere wollen vielleicht sehr innovativ und kreativ sein und ihre Persönlichkeit zum Ausdruck bringen. Wenn man mehr auf dieses Gefühl eingeht, wie will ich mich eigentlich fühlen jeden Tag, dann kommt man da auch zu manchmal überraschenden Ergebnissen. Und so ist es zumindest bei meinen Kunden.

LB:
Wenn du die jetzt gefragt hast, wie sie sich fühlen, wie sie arbeiten wollen, wie kriegen wir dann die Kurve zum Job, zur Selbständigkeit?

NB:
Wir legen praktisch ein Puzzle zusammen. Wir fangen mit einem Fundament an und finden erstmal raus, was ist denn aktuell das, wovon du in deinem Job zum Beispiel weg willst? Wie du dich vielleicht auch nicht fühlen willst und wie du nicht arbeiten willst. Vielen fällt das eben erstmal leichter, zu beschreiben, was sie nicht wollen.

Dann fangen wir an, was willst du denn stattdessen? Das mal aufzuarbeiten, wie willst du dich denn stattdessen fühlen? Was sind denn Facetten, die du bisher nicht genug in deinem Job oder in deinem Leben ausgelebt hast? Und während man das tut, kristallisiert sich automatisch eine Tendenz heraus. Weil man sich einfach stark mit sich selber beschäftigt und mit seinen Wünschen, die man vielleicht längere Zeit gar nicht beachtet hat.

Es passiert ja schnell mal. Man arbeitet lange vielleicht an der Selbständigkeit oder in der Firma und arbeitet auf ein Ziel hin und vergisst aber irgendwann auf dem Weg, war das überhaupt mein Ziel und ist es jetzt immer noch der richtige Weg. Also, wenn man da nochmal tiefer reingeht, kristallisiert sich immer eine Tendenz raus.

Und bei vielen ist es eben, dass sie irgendwie so einen geheimen Wunsch haben. Er hat auch oft was mit Selbständigkeit zu tun. Zum Beispiel, ja, ich habe eine Leidenschaft fürs Tanzen und ich möchte eigentlich viel mehr Zeit mit dem Tanzen verbringen. Das hatte ich zu zuletzt übrigens, deswegen bringe ich das Beispiel an.

Und dann kann man weiter überlegen, lässt sich dieser Wunsch, ich möchte eigentlich viel mehr Zeit mit dem Tanzen verbringen, lässt sich das wirklich nur verwirklichen in einer Selbstständigkeit oder gibt es auch noch Möglichkeiten neben der Festanstellung zum Beispiel, diese Facette stärker einzubinden.

Da muss man einfach praktisch outside the Box denken und überlegen, es ist nicht immer A oder B, Schwarz oder Weiß. Entweder Selbständigkeit oder Angestelltenverhältnis. Wie kann man das vielleicht kombinieren? Geht es, geht es nicht? Und um da zum einen einen Plan zu erstellen, aber auch so ein, warum will man das genau und in welcher Form will man das.

LB:
Das sind klassische Coachingfragen. Mit so einer Fragentechnik versuchst du das herauszufinden?

NB:
Genau, ja.

LB:
Wie ist überhaupt dein Werdegang, wie bist du denn dazu geworden, dass du so Expertin im Analysieren, Planen und Mutmachen bist? Wie kommt man denn dazu?

NB:
Fangen wir an, was bin ich denn heute? Ja, ich bin selbstständig, ich arbeite online und ich kümmere mich um mehr Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Und Arbeitsplatz, wie gesagt, kann selbständig sein oder angestellt. Das mache ich, weil ich in meinem bisherigen Werdegang im Grunde genommen das Gegenteil davon erlebt habe.

Also, ich war angestellt, ich war Key-Account-Managerin in verschiedenen Firmen. Ich muss sagen, ich war sehr häufig, egal in welcher Firma, von Leuten umgeben, die jeden Tag extrem unzufrieden mit ihrem Job waren oder die die Jahre oder Tage bis zur Rente gezählt haben. Oder auch die, die ohne sechs Espresso am Tag nicht die Energie gefunden haben, ihre Aufgaben zu erledigen. Obwohl sie eben in Top-Positionen und Top-Unternehmen waren. Und ich hatte mir das einfach immer anders gewünscht.

Ich dachte mir, da muss doch mal einer was dagegen tun. Es kann doch einfach nicht sein, dass top ausgebildete Leute da jeden Tag von ihrem Job genervt sind. Aber ich wusste auch lange für mich nicht, wie dieses anders, also wie kann es anders sein, überhaupt aussehen könnte. Ich habe dann mich wirklich auf diese Reise gemacht und gesagt, ich möchte es für mich selber rausfinden. So stelle ich mir auch meine nächsten 30 Jahren im Berufsleben vor.

Das heißt, ich habe sehr viele Bücher gelesen, Kurse besucht und sehr viel den Fokus geschärft, wie du sagen würdest. Also, auch den Fokus auf mich selbst und habe damit auch selbst rausgefunden, wie arbeite ich denn eigentlich am besten, was gibt mir denn Energie und worin blühe ich eigentlich auf. Das heißt, wo liegen meine Fähigkeiten und Interessen und wo ist da die Schnittmenge. So hat sich praktisch auch über diese Analyse für mich herausgestellt, dass ich eigentlich gar kein Typ bin, um in einem Büro zu arbeiten, sondern ich sehr gerne alleine und auch selbständig arbeite. Was dann natürlich darauf hindeutet, vielleicht selbständig arbeiten zu können oder dass es besser ist.

LB:
Jetzt hast du für dich den Weg gefunden. Du hast gerade etwas Interessantes gesagt. Du warst in einem Umfeld, wo Leute gewartet haben, bis sie in Rente gehen können, mit Unlust gearbeitet haben. Glaubst du, dass das vielen bewusst ist? Muss nicht der Antrieb von einem selbst kommen? Oder andersrum. Glaubst du, diesen Leuten, die mit Unlust zur Arbeit gehen, ist ihnen das bewusst?

NB:
Ich glaube, es ist ihnen bewusst, dass da was nicht stimmt. Sie haben so ein Störgefühl oder so eine Unzufriedenheit oder eine Sehnsucht, können es aber nicht immer artikulieren. Sie haben auch nicht das Bewusstsein, dass man daran eigentlich recht leicht was ändern kann.

Das sehe ich immer wieder, dass eben im Grunde genommen von vielen Leuten gar keine Anstrengung unternommen wird, diese Situation zu ändern. Weil man sich eben damit abgefunden hat. Da kommen so Sätze raus wie, ja, das Leben ist ja kein Ponyhof. Oder es ist ja kein Wunschkonzert. So ist es halt eben. Da kann man nichts machen oder das ist ja auch normal. Es ist ja normal, dass man montags keine Lust hat etc.

LB:
Wenn hier jetzt Leute zuhören und die auch intern ein bisschen spüren, dass es vielleicht doch nicht so richtig ist, was sie tuen. Ich höre das auch häufig, das ist ein guter Job und ich verdiene ja gutes Geld. Was sollten die sich denn für Fragen stellen, um herauszufinden, dass sie vielleicht was ändern sollten?

NB:
Dieses Bewusstsein muss erstmal selbst da sein. Ich habe da ein Problem und ich würde das gerne ändern. Im Grunde genommen ist für mich die Frage oder das Problem, was ich häufig sehe, ist, dass sie nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Dieser Anfang ist irgendwie schwer.

Man denkt dann, naja, was habe ich denn für Optionen, was kann ich denn machen. Brauche ich jetzt jemand Externes, der mir dabei hilft? Viele denken dann sofort an einen Therapeuten zum Beispiel. Also wer hilft denn da? Und ich finde, wenn man dann zum Beispiel googelt irgendwie, ich bin unzufrieden im Job oder was man da alles so jobfrustmäßig googeln kann, dann findet man natürlich viele Antworten, aber nicht den richtigen Anfang.

Das heißt, wenn jemand nicht den Anfang findet, sollte man zum Beispiel mal überlegen, man sollte da anfangen, wo man gerade ist und sagen, okay, ich bin jetzt unzufrieden, aber womit bin ich denn Wirklichkeit gerade unzufrieden? Es ist sehr viel leichter, einfach mal da anzufangen, wo man ist und mit dem Problem anzufangen.

Nun wie gesagt, es fällt vielen leichter, mal mit dem Problem anzufangen. Also, was stört mich denn genau? Ist es das zum Beispiel, dass ich morgens früh aufstehen muss und lange zur Arbeit fahre? Ist es, dass ich mich von meinem Chef kontrolliert fühle? Langweilt mich meine Aufgabe oder überfordert mich meine Aufgabe? Das heißt, ein guter Anfang ist einfach mal zu gucken, was ist überhaupt mein Problem?

LB:
Einfach mal in sich gehen und sagen, okay, warum nicht so pauschal sagen, das ist halt nichts, aber jetzt einfach mal wirklich detailliert gucken, was ist denn wirklich, wo liegt der Hase im Pfeffer. So, aber jetzt die Antwort gefunden. Nehmen wir mal an, ich sage, das Betriebsklima ist von Neid geprägt und was tue ich denn jetzt?

NB:
Es noch genauer benennen. Man kommt relativ schnell auf Antworten. Das Betriebsklima stört, okay. Aber was stört denn genau? Also Beispiele finden und es noch weiter aufbohren. Ich mache mal ein Beispiel. Mir sagt jemand, mich stört das Betriebsklima. Wenn man dann aber weiter überlegt, was stört mich genau, in welcher Situation stört mich das, habe ich ein aktuelles Beispiel, wo das so war, dann kommt vielleicht raus, eigentlich stört mich nur dieser eine Kollege.

Weil er zum Beispiel jeden Tag etwas Spezielles macht. Also ist das Problem im Grunde genommen nicht das gesamte Betriebsklima, sondern vielleicht der eine Kollege oder die eine Kollegin. Also, je genauer man das Problem …, man muss praktisch das Problem bei der Wurzel packen. Sonst, wie ich eingangs gesagt habe, optimiert man vielleicht an der falschen Stelle.

Man denkt, dieses Betriebsklima ist nicht richtig für mich, ich wechsle die Firma, ich gehe in ein anderes Betriebsklima. Aber war es das denn tatsächlich und was genau? Man muss sich mal vorstellen, man geht dann vielleicht in ein anderes Vorstellungsgespräch rein und will ja dann auch rausfinden, wie ist denn das Betriebsklima in dieser neuen Firma.

Wenn man aber für sich gar nicht genau weiß, wie hätte man es denn gerne oder was ist denn für einen ein Betriebsklima, in dem man sich wohlfühlt, in dem man aufblüht, in dem man gut arbeiten kann, dann weiß man ja auch nicht die Antworten des neuen Unternehmens zu bewerten. Man muss sich praktisch selbst eine Messlatte oder ein Maßstab anlegen, was ist denn gut für mich, was ist schlecht für mich?

LB:
Du hast gesagt, du bist auch Expertin im Mutmachen? Jetzt habe ich das alles analysiert und mir ist klar, ich muss was ändern. Wie machst du oder wie mache ich mir denn dann Mut?

NB:
Also dieses, ich habe analysiert, was ich nicht will, ist ein Schritt. Der nächste Schritt ist dann, anzugucken, was will ich denn stattdessen und dann auch einen Plan zu entwickeln, wie ich das kriege. Also, zuerst mal auf einem Prototyp, was man ausprobieren kann im Kleinen. Und ich finde, der Mut kommt immer dann, wenn man den Plan entwickelt. Man hat ja im Grunde genommen Ängste.

Zum Beispiel, was ist, wenn das jetzt mit der Selbständigkeit nicht funktioniert, was ist, wenn es im nächsten Unternehmen nicht funktioniert, wenn ich vom Regen in die Traufe komme oder wie mache ich das dann mit dem Geld, auf was muss ich dann achten. Da sind so viele Unsicherheiten, die eben Angst machen. Dann fehlt der Mut.

Ich habe das an mir selber gemerkt, als ich eben dann versucht habe, alles, was Unsicherheit in mir hervorruft oder alles, was mir Angst macht, mal zu beantworten oder eine Lösung dafür zu finden, kam automatisch auch der Mut. Ich finde, der Mut kommt, während man etwas tut und sich immer klarer wird, wie man diese neue Situation erreicht, wie man die Selbständigkeit aufbaut, wie auch immer der Weg ist. Also, Mut kommt mit der Klarheit.

LB:
Okay, aber es gibt ja jetzt viele, das erlebe ich auch, die zum Overplanning neigen. Gerade in dem Bereich. Wenn man jetzt sagt, sich selbständig machen und das habe ich wirklich so häufig, dass Leute sagen, sie würden ja gerne und ich habe das auch ganz häufig in meinen Workshops. Und du hast Recht, denen fehlt dann der Mut. Die kommen dann ins Tun insofern, dass sie planen, aber irgendwo, ich sage mal, da kann man sich natürlich auch total overplannen und Mut machen tut das dann auch nicht. Wo ist denn da die Grenze, wo macht Planen noch Mut und wo fängt Overplanning an?

NB:
Ich denke, die ist bei jedem individuell. Deswegen kann ich nicht sagen, wenn man drei Monate geplant hat, sollte man irgendwie tätig werden, das reicht dann oder wenn man XY für sich in Erfahrung gebracht hat, reicht es. Da hat jeder wahrscheinlicher eine andere Schwelle.

Aber ich finde, wenn man weiß, eigentlich habe ich jetzt sehr viel für mich in Erfahrung gebracht, ich komme aber nicht richtig in die Gänge. Das ist eigentlich dann der Moment zu sagen, du bist eigentlich vorbereitet, dich hält jetzt eigentlich nur noch etwas zurück. Was dann hilft, ist zu sagen, was ist denn der erste Mini-Mini-Mini-kleine-Schritt, den du jetzt machen kannst? Also nicht im Sinne von, jetzt melde ich mein Gewerbe an oder jetzt stelle ich mich auf die große Bühne oder jetzt schicke ich meine Bewerbung zu dem Riesenplayer in meinem Markt, sondern ein ganz, ganz kleiner Schritt.

Ich gebe dir mal ein Beispiel, was ich zum Beispiel gemacht hatte damals. Ich dachte, ich kann gar keine Website machen. Wie eine Webseite geht, das weiß ich gar nicht, ich kann das nicht. Wie soll ich meine Selbständigkeit anfangen. Da muss ich ja erstmal 20.000 Euro investieren. Und dann dachte ich, okay, was ist der erste MiniMiniMiniKleineSchritt? Da dachte ich, es gibt doch diese Baukastensysteme für Webseiten, ich probiere es einfach aus.

Und es ist tatsächlich so, man kann mit diesem Baukastensystem sich in drei Minuten eine Webseite machen. Also einmal die Kreditkarte hinterlegt, Passwort vergeben, zack, hat man diese Grundausstattung. Und da habe ich angefangen, meine erste Website zu basteln. Dann dachte ich mir, das war ja überhaupt nicht schwer, warum habe ich mich deswegen so gestresst?

Also, ein kleiner Schritt zu Google, im Grunde genommen war es ja googlen, wie erstelle ich eine Website? Dann nochmal sich zu erinnern, ach ja, es gibt doch diese Services, die habe ich auch schon mal in der Werbung gesehen. Und es auszuprobieren, wie geht das jetzt tatsächlich? Dann war diese Angst vor der Webseite sofort weg. Also, das heißt, sich mal zu überlegen, was ist ein Schritt, der mich meinem Ziel näherbringt? Aber ich mache jetzt mal aus diesem Elefanten eine Mücke. Ich mache den Schritt ganz klein, so dass ich den heute in fünf Minuten schaffen kann. Und aus diesen fünf Minuten entsteht dann ein Schneeballeffekt sozusagen.

LB:
Das kann gerade, wenn man so Aufschieberitis hat, oft helfen, wenn man das wirklich mit ganz, ganz kleinen Schritten und er kann wirklich superklein sein, dann anfängt und dann auch mit dem Grübeln mal aufhört. Wenn man im Tun ist, lässt man das Grübeln ja auch sein.

Was ich da auch gefunden habe, ist natürlich ein Mentor oder Coach, wie du jetzt dann, was du jetzt machst, mit dem Coaching. Aber auch ein Mentor, der einen da auch einfach so ein bisschen die Angst nimmt und sagt, jetzt komm mal ins Tun. Wenn wir das nächste Mal sprechen, hast du das schon mal erledigt und so was, das kann auch viel helfen.

Ich habe ja in meinen Workshops immer Buddys, so Challenger, wo ich sage, ihr müsst als Buddy, es hört sich so nett an, ihr seid Freunde untereinander, sollte ja auch sein. Ihr sollt auch nett miteinander umgehen, aber es muss auch so ein bisschen was von einer Challenge da sein, also unangenehme Fragen sind auch dann erlaubt.

Wenn man sagt, ich will in diese Richtung, dann muss man auch mal richtig nachbohren und sagen, hör mal, wieso hast du denn da noch nichts gemacht. Und das gerade in dem Bereich Richtung Selbständigkeit, dann hört man hinterher alle möglichen Ausflüchte. Also wirklich, was alles warum irgendwas nicht klappte und warum man das noch nicht angegangen ist. Und da sagen, Moment mal, du hast es letzte Woche gesagt, warum? Kann doch nicht sein, dann ist es dir nicht wichtig.

Keine Zeit gibt es nicht, es gibt nur keine Lust. Da kann auch wirklich von Extern jemand helfen, der einen da auch wirklich in der Verantwortung hält und sagt so, komm, jetzt aber Butter bei die Fische. Jetzt gehen wir mal da dran. Kann ich nur raten und das kann da wirklich helfen.

NB:
Ich habe auch solche Countability-Partner, die genau das tun, was du sagst. Aber ich hatte die erste dazu genommen, als ich praktisch schon dabei war, also in der Gründungsphase oder in der Selbstständigkeit, wenn man sich dann etwas Neues vorholt.

Aber ich erinnere mich noch, ganz am Anfang, also bevor ich überhaupt irgendwie in Richtung der Selbständigkeit gekommen bin, da hätte ich nicht gewusst, dass so ein Buddy mir hilft oder jemand, der mich antreibt. Ich hätte wahrscheinlich auch nicht richtig formulieren können, wobei er mich überhaupt antreiben soll. Deswegen war es für mich wichtig, auch dieses, das kleinteilige Vorgehen, die kleinen Schritte.

Jetzt ist es so, wenn ich mir etwas Größeres vornehme, also ein größeres Ziel, schätze ich es auch sehr, dass ich Leute um mich habe, die mich bei der größeren Zielerreichung da unterstützen.

LB:
Ja, einfach mal gucken, wer ist schon da, wo ich vielleicht hin will oder wer ist selber auf dem Weg dorthin und vielleicht mir zwei, drei Schritte voraus. In der Regel ist es ja so, wenn ich jetzt zum Beispiel in meine Workshops gucke, da habe ich jetzt noch Leute, die so Richtung Selbstständigkeit tendieren, wo ich sage, komm, ruf mich mal an. Wir telefonieren mal miteinander und ich gucke mal, wo es bei dir klemmt und versuche dir da zu helfen.

Das mache ich total gerne, wenn ich da den Leuten helfen kann. Also, sind wir jetzt hier hängengeblieben beim Thema einen sinnstiftenden Job finden oder glücklich werden im Job, finde ich klasse, hast du einen guten Einblick gegeben. Vielen Dank erstmal bis dahin, Natalie. Kommen wir jetzt zu den Schlussfragen und da bitte ich immer um kurze und prägnante Antworten. Natalie, welcher ist dein wichtigster Produktivitätstipp?

NB:
An sich ist das auch eine Frage und zwar ist es, was ist heute das Wichtigste, was ich tun kann, um mein Ziel zu erreichen? Also zum Beispiel, um meine Message heute in die Welt hineinzutragen, ist das Wichtigste, was ich heute mit Sicherheit tun kann, ein Podcast-Interview mit dir zu machen. Selbst, wenn ich jetzt danach heute irgendwie ins Koma falle und nichts mehr tun kann, dann habe ich wenigstens heute das Wichtigste erledigt und bin meinem Ziel einen Schritt nähergekommen.

LB:
Gutes Beispiel. Mit dem Koma, das wollen wir nicht hoffen. Wir haben zwar schon späten Nachmittag, aber wir wollen jetzt nicht hoffen, dass das passiert, kann ich mir auch nicht vorstellen. Machst noch einen agilen Eindruck hier. Was tust du denn als Unternehmerin, um abzuschalten?

NB:
Was muss ich denn überhaupt abschalten? Ich muss häufig tatsächlich meine Gedanken mit Ideen abschalten. Gerade, wenn man selbständig ist, finde ich, denkt man natürlich pausenlos, was könnte man noch machen, was wäre noch gut. Ab und zu muss ich das abschalten, um auch wieder frische Gedanken zu kriegen. Das mache ich am besten, wenn ich mich mit anderen Menschen treffe und über ganz andere Themen spreche.

Das hatte ich auch am Wochenende, da waren zum Beispiel wieder zwei Freundinnen von mir zu Besuch und einfach mal zu hören, was die so machen, in welchem Urlaubsland sie waren, was sie beruflich so tun. Damit ich neue Impulse kriege, das hilft mir immer einfach mal, den Kopf freizukriegen, ja.

LB:
Okay, welche Apps oder welchen Internetdienst kannst du der Selbstmanagement. Digital.-Community empfehlen?

NB:
Deine Hörer sind ja sehr gut informiert, weil du ihnen da unglaublich gute Sachen immer an die Hand gibst.

LB:
Davon gehe ich aus, ja.

NB:
Deswegen nenne ich die nicht. Was ich ganz gern nutze, ist vielleicht banal, aber ich nutze ganz häufig die Sprachmemos-App auf dem iPhone. Weil ich immer noch schneller sprechen kann als ich tippen kann. Und manchmal verstehe ich auch erst, was ich denke, wenn ich höre, was ich sage.

Das heißt, ich spreche mir meine Idee, meine Gedanken, auf diese Sprachmemos-App, halte das schonmal fest, auch wenn ich unterwegs bin oder so und höre es mir später nochmal an. Was ich auch nutze, ich bin immer noch Microsoft Office Fan, tatsächlich. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich meine Selbständigkeit, während ich noch angestellt war, vorbereitet habe und da auch mit Microsoft Office gearbeitet habe. Ich habe jetzt meine Unterlagen auf OneDrive. Das finde ich auch gut, weil ich da natürlich von überall drauf zugreifen kann.

LB:
Super. Welches Buch hat dich als Unternehmerin und als Mensch am meisten geprägt?

NB:
In der jüngsten Vergangenheit war das mit Sicherheit the The Five-Hour Workday von Stephan Aarstol. Das ist nicht zu verwechseln mit der 4-Stunden-Woche von Timothy Ferriss. Das ist ein anderes Buch. Aber der Stephan Aarstol hat in den USA tatsächlich seine Firma auf den 5-Stunden-Tag umgestellt. Und in dem Buch beschreibt er, warum er das getan hat, aber auch, welche Herausforderungen es dabei gab und was auch alles umgestellt werden musste, damit das funktioniert, das heißt, damit die Firma funktioniert und die Mitarbeiter sich auch mit dem neuen System gut fühlen.

Und ich fand das Buch gut, weil es eine ganz neue Perspektive auf das Arbeiten gibt und dann auch für mich mal interessant war zu gucken, wie möchte ich mich eigentlich jetzt, wo ich mich ja selber organisieren kann, wo ich nicht mehr an eine 40-Stunden-Woche gebunden bin, überhaupt aufstellen, um dann auch wirklich effizient und effektiv zu arbeiten.

LB:
Spannender Buchtipp. Du bist die erste, die den nennt und ich kenne das Buch gar nicht, aber kommt auf jeden Fall auf meine Leseliste, super interessant. Werden wir natürlich hier alles verlinken. Natalie, welches ist der beste Ratschlag, den du jemals erhalten hast?

NB:
Das war auch in der letzten Vergangenheit und zwar der Satz, du musst dir Optionen schaffen. Es war für mich irgendwie mein Learning, also ich habe immer gedacht, es gibt ABC und da muss ich mich irgendwie entscheiden. Was ist denn jetzt das Beste davon? Aber warum schaffe ich mir nicht selber DEFG?

Also, warum schaffe ich mir nicht selber Optionen und das versuche ich jetzt immer wieder. Ich versuche mich daran immer wieder zu erinnern, wenn ich in einer Situation bin, wo ich denke, was mache ich denn jetzt, gehe ich links oder rechts? Dann denke ich immer, du musst dir Optionen schaffen und das hilft mir dann immer aus diesem Konflikt raus.

LB:
Okay, bevor wir uns verabschieden, kommen wir zur letzten Frage. Wie kann denn die Selbstmanagement. Digital.-Community mit dir jetzt in Kontakt treten? Wo findet man dich im Netz?

NB:
Ich habe eine Webseite, die heißt natalie-berlemann.de. Die habe ich übrigens nicht mit diesem Baukastensystem gemacht. Da gibt es zum Beispiel ein Quiz, dafür kann man sich anmelden und bekommt dann drei Schritte, die man tun kann, wenn man im Job unzufrieden ist. Oder man kontaktiert mich einfach sofort, wenn man denkt, die sollte das mal mit mir durchgehen und sollte mir mal zeigen, wie ich herausfinde, auf welche Tätigkeit ich tatsächlich Lust habe. Und meine E-Mail-Adresse ist ganz einfach: natalie@natalie-berlemann.de.

LB:
Wunderbar, werden wir alles verlinken. Diesen Test können auch Männer machen?

NB:
Alles können Männer machen. Ich benutze halt Metaphern, die sich eher an Frauen richten. Ich glaube aber, das Bedürfnis, einen Job oder eine Tätigkeit zu haben, für die man brennt, das haben beide Seiten.

LB:
Da bin ich mir sicher, bei der Metapher fällt mir jetzt sofort dein Diamant ein. Das ist sehr wahrscheinlich das, was eher dann Frauen anspricht. Das lasse ich jetzt einfach mal so stehen. Natalie, erstmal vielen Dank, hat viel Spaß gemacht, danke dafür.

NB:
Ich danke dir, vielen Dank.

LB:
Und Natalie, dir und euch natürlich wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge, ciao.

NB:
Tschüss.

LB:
In diesem Sinne wünsche euch wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

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