Deine digitale Daten im Todesfall – Interview mit Albert Brückmann [Podcast 117]

Um die 140 Online-Accounts hat jeder, wusstet Ihr das? Und was passiert damit, wenn man stirbt? Erbt zum Beispiel Apple alles, was man sich dort an Musik / Filmen gekauft hat oder kann man das weitervererben?

Albert Brückmann

Albert Brückmann entwickelt die Lebensprüfer- und Nachlassverwalter-Software „Meminto“ und gibt uns Antworten auf die wichtige Frage: Was passiert im Todesfall mit meinen digitalen Daten?

Hier das Transkript des gesamten Podcasts und vorab die erwähnten Sponsoren und Links:

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LB: Herzlich willkommen zum Podcast „Produktiv in digitalen Zeiten“. Wir geben Orientierung im digitalen Dschungel, so dass wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben bleibt. Mein Name ist Lars Bobach und ich sitze hier zusammen mit dem Albert Brückmann, hallo Albert.

AB: Hallo Lars. Schön, Dich zu hören.

LB: Ja, schön, dass Du da bist. Der Albert, der ist erstmal freiberuflicher Webconsultant, Onlinemarketer, er entwickelt Onlinemarketing, erstellt Websites, Onlineshop und Webanwendung für Unternehmen. Deshalb ist er aber gar nicht hier, sondern, sein Herzblutprojekt ist der Lebensprüfer und Nachlassverwalter Meminto. Und was ein Lebensprüfer und Nachlassverwalter Meminto ist, das wird er uns gleich erklären. Aber erstmal, wie bist Du überhaupt auf den Namen gekommen?

AB: Ja, danke der Nachfrage. Der Name leitet sich ab von Meminto Mori. Das ist vielleicht nicht allen ein Begriff, es kommt aus dem lateinischen und es soll einen großen Feldherrn gegeben haben, der einen Soldaten neben sich hat herlaufen lassen und ihn ständig diese Worte hat rufen lassen Memento mori, Memento mori, zu Deutsch heißt das, bedenke, dass du sterblich bist.

LB: Okay, okay. Genau darum geht es ja in Meminto auch und Du bist ja noch ein junger Mann, 33 Jahre alt.

AB: Ja.

LB: Junger Familienvater, erzählst Du uns auch gleich auch noch, hoffe ich. Aber, warum beschäftigt sich ein solch junger Mensch mit dem Thema Tod?

AB: Ja, ich fange vielleicht wirklich von vorne an. Also, wie Du gesagt hast, ich bin 33, habe drei Kids, drei Jungs. Der Jüngste ist jetzt gerade mal sechs Wochen und da sprüht natürlich das Leben. Da kann man sich schon die Frage stellen, warum dann das Thema Tod. Ich würde mich auf diese Frage mal mit zwei Antworten einlassen. Einmal ist es faktisch und einmal persönlich. Meine faktische Antwort auf die Frage wäre, nichts ist ja so sicher wie der Tod. 54 Millionen Menschen sterben weltweit jedes Jahr und ich habe mir mal eine Studie angeschaut.

Auf Facebook, beziehungsweise in den sozialen Medien, sind es jeden Monat 300.000 Nutzer, die ums Leben kommen. Diese Leute hinterlassen natürlich Dinge, Andenken, Erinnerungen, es können aber auch mit zunehmender Zeit immer mehr Vermögensgegenstände sein. Zum Beispiel Krypto-Währungen, wenn wir das Bitcoin-Zeitalter mal so betrachten. Oder einfach nur Accounts, die mit irgendwelchen Inhalten gefüllt sind.

Zum Beispiel, ich habe einen iTunes-Account und ich habe mal den Wert zusammengezählt an Musik und Filmen und Apps, die darin gesammelt sind und bin auf 3.500 € gekommen, was ich so praktisch an Apple zurückgeben würde, wenn ich das niemandem weitergebe. Zu dem Thema habe ich eigentlich auch letztens eine große Umfrage gestartet. Ich habe die Leute darin gefragt, was meint ihr denn, wie viele Onlineaccounts habt ihr eigentlich? Es gibt zu dem Thema schon ein paar Studien und so war ich gespannt, was zurückkam. Interessant war, die meistgewählte Antwort war, so zwischen 20 und 30 Accounts, online. Hat mich erstaunt, weil schon 2015 gab es die Studie, dass die durchschnittliche Anzahl an Onlinekonten bei 140 pro Personen liegt. Jetzt kann der eine oder andere sagen, ja, 140, nein, auf die Zahl komme ich garantiert nicht. Da gebe ich den Tipp, schau doch einfach mal in die Passwortliste Deines Browsers. Wenn Du Passwörter im Browser speicherst oder in einem anderen Passwortsystem. Guck mal, wie viele Accounts du hast. Du wirst sehen, es sind deutlich mehr als 20 oder 30.

LB: Das musst Du mir nicht sagen, Albert, ich hätte jetzt auch deutlich über 100 geschätzt, also, als Du mich gefragt hast. Aber ich beschäftige mich ja auch damit, so sind wir ja auch zusammengekommen, muss man sagen, über das Thema, als ich mal darüber gesprochen, wie ich in Evernote so einen Notfallordner oder Notfalldokument angelegt habe.

AB: Genau, ja. Wie gesagt, also, da ist natürlich deutlich mehr. Ich selbst habe über 600 Accounts, die ich irgendwie manage. Zum Teil für meine Kunden natürlich. Aber gut, das war die faktische Antwort, warum ich mich mit dem Tod und mit dem digitalen Nachlass befasst habe. Der persönliche Aspekt bei der Geschichte, ich weiß nicht, Lars, ist Dir Gary Vaynerchuk ein Begriff?

LB: Ja, klar.

AB: Er leitet ja VaynerMedia und er wurde ins Auto hinein gefragt. Er saß da drin und da stellte ihm die Frau die Frage, die schießt so auf ihn zu und bittet ihn, Motivation in drei Worten zu beschreiben. Und er lässt gar nicht lange auf sich warten und sagt ihr direkt, „you will die“. Und als ich das gehört habe, hey, erstaunlich, warum bringt er das Thema Motivation mit Sterben in Verbindung?

Aber, er hat es dann auch erklärt logischerweise und er gesagt, wenn wir uns dessen bewusst sind, dass es unweigerlich einen Tag geben wird, an dem wir Geschichte sind, dann wird ja die Frage sein, was unsere Geschichte war und was hinterlassen wir? Sind es gute Spuren, war mein Leben vielleicht hilfreich für andere oder habe ich ein Leben gelebt, das auch einen Unterschied in der Welt gemacht hat? Und interessanterweise bin ich da auf einen Psalm gestoßen in der Bibel und der heißt, „lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, ob, dass wir klug werden“. Ich glaube, das ist meine persönliche Motivation hinter dem Projekt Meminto. Ich möchte Menschen dabei helfen, dass sie bewusster mit ihrem Leben umgehen und gute Dinge geordnet hinterlassen können.

LB: Tolle Einstellung, in meinen Selbstmanagement-Seminaren ist das ja auch ein großes Thema, was auch erstmal über allem hängt. Wie wollen wir in Erinnerung behalten werden? Weil ich glaube, wenn man sich dessen nicht bewusst ist, kann man gar nicht wissen, was für Ziele man in seinem Leben überhaupt hat. Ich meine, Du nennst jetzt Gary Vaynerchuk, kenne ich natürlich, aber es gibt natürlich auch andere, von Steve Jobs angefangen in seiner ganz bekannten Rede an der Stanford University oder auch hier der amerikanische Selbstmanagement-Papst, Stephen Covey, haben auch gesagt, das mächtigste Selbstmanagement-Tool ist deine eigene Grabesrede schreiben. Da bin ich absolut bei Dir. So, jetzt hast Du aber angefangen, Meminto aufgrund dessen zu entwickeln. Kann ich super nachvollziehen. Aber was ist Meminto jetzt genau? Sag uns mal so die Features dahinter.

AB: Ja, also, grob gesagt würde ich das …, es ist schwer einzuordnen. Weil das Thema eigentlich relativ neu ist. Aber grob gesagt würde ich es so einordnen, Meminto ist ein soziales Sicherheitsnetzwerk und ein System, das wir demnächst auf die Blockchain montieren wollen. Und zwar erfüllt Meminto vor allem zwei Aufgaben. Auf der einen Seite kann ich in Meminto zu meinen Lebzeiten schon digitale Inhalte oder Zugänge zu Accounts, Passwörter und so weiter sehr sicher über die Blockchain speichern und dann auch bestimmten Nachlasskontakten zuweisen, einer Familie, Freunden und so weiter. Auf der zweiten Seite kann Meminto prüfen, ob sein Benutzer noch lebt. Und wie das genau funktioniert, erkläre ich nachher noch, aber im Fall des Todes werden dann vorher definierte Prozesse aktiv, die dank der Blockchain auch sehr zuverlässig und sicher ausgeführt werden. Ich mache da mal ein Beispiel.

LB: Ja, gerne, aber ganz kurz erklären wir noch für die Hörer, die Blockchain nicht kennen, was das genau ist.

AB: Was die Blockchain ist, ja. Die Blockchain findet im Moment sehr viel Beachtung, vor allem im Bereich der Krypto-Währung. Sie ist aber deutlich mehr. Die Blockchain ist ein dezentrales System, das es ermöglicht, Inhalte oder auch Transaktionen über viele Endpunkte hinweg, wie gesagt, dezentral zu speichern und damit auch fast bombensicher abzusichern. Sprich, eine Blockchain-Transaktion würde so aussehen, dass, wenn ich eine Geldsumme einem anderen schicke und er das wieder weiterschickt, dann wird die Verbindung, diese Transaktion, die zwischen uns durchgeführt wird, in einem Hash, also einem Code, abgebildet. Und jeder Teilnehmer dieses Netzwerkes besitzt diese Hashcodes in vollem Umfang. Sprich, wenn ein Hacker versuchen würde, eine Transaktion zu fälschen, würde das im gesamten Netzwerk auffallen und alle wären alarmiert, dass es hier einen Hackingversuch gegeben hätte.

LB: Und genauso ist dann diese Nachlassverwaltung in Meminto abgesichert?

AB: Richtig, genau.

LB: Okay, aber Du wolltest jetzt noch ein Beispiel bringen. Da hatte ich Dich unterbrochen.

AB: Ja, also, genau, ein Beispiel wäre das Folgende: Wenn Meminto in der kommenden Woche meinen Tod feststellt, mein Sohn ist gerade sieben Jahren alt, dann wird mein Sohn in elf Jahren, zu seinem 18. Geburtstag, ein Video von mir bekommen und gleichzeitig würde ich ihm meine Bitcoin-Wallet übertragen. Ich hoffe natürlich, dass die in elf Jahren noch deutlich mehr wert ist als jetzt und da kann er sich dann darüber freuen. So ein Fall wäre über Meminto beispielsweise möglich.

LB: Ist es denn auch so, dass ich zum Beispiel, also, ich habe ja eine Vermögensaufstellung für meine Frau, sehr wichtig, weil, die beschäftigt sich nicht damit, dass sie einfach sieht, wo haben wir welches Vermögen oder welche Schulden. Sowas kann ich auch damit organisieren?

AB: Ja klar! Du kannst, wenn du zum Beispiel sagst, ich mache sowas lieber in Excel, dann kannst du natürlich die Exceltabelle bearbeiten und die Exceltabelle in Meminto speichern und die regelmäßig auch aktualisieren und die dann zustellen lassen, genau.

LB: Okay, richtig, das wird dann zugestellt, sprich, über E-Mail, oder wie kann ich mir das vorstellen?

AB: Im Moment, in der Betaversion, die wir gerade am Laufen haben, geht es wirklich noch per E-Mail, aber das ist natürlich relativ unsicher. Sprich, wir wollen ein geschlossenes System schaffen, bei dem Empfänger und Absender Nutzer von Meminto sein müssen, damit wir die Sicherheit wirklich gewährleisten können, die dann in diesem privaten oder vielleicht auch öffentlichen Blockchain abgebildet wird.

LB: Okay, was kann ich denn jetzt genau da hinterlassen? Also, ich habe verstanden, ich könnte jetzt ein Video aufnehmen und wenn jetzt wirklich ich dann zu Tode kommen sollte, würde das dann an meine Familie, meine Kinder, meine Frau, verteilt.

AB: Ja, das ist so ein Teil davon. Das, was Du gerade ansprichst, ist so der emotionale Nachlass. Also Briefe, Videos, Bilder, Andenken und so weiter. Aber, mit zunehmender Zeit und zunehmender Digitalisierung steigen ja auch digitale Vermögenswerte, zum Beispiel der Unternehmer, der seine Firmennachfolge vielleicht auch eher unkompliziert regeln möchte, mit seinem Smartphone von seinem Handy aus. Er möchte es vielleicht nicht gleich an die große Glocke hängen und er gibt die Informationen in Meminto ein, setzt auch seine Nachlasskontakte dort ein und die Menschen können im Todesfall dann seine Firma mit den notwendigen Informationen weiterführen.

Aber, so, wie Du gesagt hast, es kann auch was Emotionales sein. Ich denke zum Beispiel an die Oma oder den Opa, die ihre Lebensgeschichte für die Enkel hinterlassen möchten. Wir haben zum Beispiel einen Fragenkatalog mit über 3.000 Fragen zu jedem Lebensaspekt, Kindheit, Heirat, Hochzeit und so kann man direkt vom Sofa aus seine Autobiografie aufnehmen und geplant ist, dass man es nachher auch zum Beispiel als Art Fotobuch mit QR-Codes, wo man dann Videos, die der Opa aufgenommen hat, einfach abspielen kann, aus dem Buch heraus. Das wäre auch noch so ein Punkt.

LB: Das hört sich alles sehr spannend an. Wie ist das denn, wenn Du jetzt sagst, mit der Firma und sowas, aber, ich sage mal, um ein Testament werde ich ja trotzdem nicht drumherum kommen? Das kann Meminto aus Rechtssicherheit ja gar nicht abnehmen.

AB: Ja, heute noch! Und zwar glaube ich, dass auch der Beruf des Notars und der des Rechtsanwalts von der Digitalisierung eines Tages nicht ausgenommen sein wird. Wir haben gesehen, was mit Etherium passiert ist, dieser Blockchain dieses Netzwerkes, das jetzt auch sogenannte Smart Contracts abbilden kann, also wirklich sichere Verträge, die über die Blockchain abgewickelt werden können. Und ich denke, wenn das mal klar wird, dann werden wir eines Tages den Notar auch durch die Digitalisierung ersetzen können.

LB: Ja, glaube ich auch, da habe ich auch mal was zu gelesen, was die Blockchain da machen kann, dass auch Transaktionen wirklich dann nur, wenn beide Seiten zugestimmt haben und so was, dass da auch wirklich viel Rechtssicherheit entstehen kann, dadurch.

AB: Exakt.

LB: Genau, ganz, ganz spannendes Thema. Jetzt, was mich da irgendwie umtreibt, ich meine, Du willst damit Erfolg haben und es ist aber doch irgendwo und ich merke das auch in meinen Workshops, wenn das Thema Tod da auf den Tisch kommt und ich sage dann immer, machen wir uns nichts vor, lebend kommt keiner von uns hier aus. Und Du hast es eben so schön gesagt, wenn eins im Leben sicher ist, dann ist das der Tod. Aber, da sperren sich die Leute teilweise, sie tun sich schwer damit. Wenn das mal aufgebrochen ist, dann ist das wirklich eine Befreiung, aber irgendwo ist es auch in unserer westlichen Welt teilweise so bisschen tabuisiert. Da wird nicht gerne drüber gesprochen, auch nicht drüber nachgedacht.

AB: Das ist richtig, ja.

LB: Da gibt es andere Kulturkreise, die gehen da ja anders mit um. Glaubst Du nicht, dass das schwierig wird für Dich und Deine App?

AB: Ja, ich glaube vor allem, dass es natürlich in Deutschland auch ein bisschen mit Schwierigkeiten verbunden ist, aber ich habe gemerkt, also sehr interessant auch, vor einem halben Jahr ist ein Meminto-Nutzer ums Leben gekommen, 21 Jahre alt, Motorradfahrer und er hat Nachrichten hinterlassen. Nach diesem sehr traurigen Fall haben sich die Freunde von ihm bei Meminto angemeldet. Also, durch dieses Erlebnis mit der Trauer und was danach passiert ist, hat auf einmal dieses Interesse am Thema zugenommen.

Ich glaube, das ist auch meistens der Zugang, den man dann zu den Menschen hat. Wenn man dann einfach sieht, mit wie vielen Problemen die Hinterbliebenen konfrontiert sind, wenn ein plötzlich Verstorbener offene Verträge zurücklässt. Und ganz viele Fragen, ganz viele ungeklärte Dinge, dann kommt nämlich zu der Trauer noch ein riesen Haufen an Verantwortung hinzu und das wollen wir über Meminto eben auch noch klären damit. Also, wir werden vorgefertigte Templates haben, mit denen ein Benutzer auch bestehende Verträge zu seinem Tod automatisiert kündigen kann. Damit einfach die Hinterbliebenen es einfacher haben.

LB: Okay, auch eine super, super Sache. Aber jetzt lass mal die Katze aus dem Sack. Wie bekommt Meminto mein Ableben mit?

AB: Ja, das ist natürlich die meistgestellte Frage. Und ich erkläre das, wie es in der derzeitigen Beta-App unter Meminto.com gerade abläuft. Momentan ist es so, dass wir einfach nur E-Mails in einem definierten Abstand verschicken. Sprich, der User kriegt, wenn er das zum Beispiel alle 14 Tage möchte, kriegt er eine E-Mail und da klickt er auf ja, ich bin noch da, auch, wenn es jetzt makaber klingt, klickt er einfach drauf. Meminto weiß, er ist noch da. Der Nutzer kann sich aber auch eine Reaktionszeit festlegen und sagen, wenn diese E-Mail kommt, dann hätte ich gerne sieben Tage Zeit, um darauf zu reagieren. Ich könnte ja im Urlaub sein oder was auch immer. Dann hat der Nutzer die Möglichkeit, eine Erinnerungsmail noch mal einzustellen zur Sicherheit und jetzt kommt aber ein ganz besonderes Feature. Und zwar der Punkt der Vertrauensperson.

Wenn ich mich bei Meminto anmelde, habe ich die Möglichkeit, bis zu drei Vertrauenspersonen zu hinterlegen, die dann vorher auch gefragt werden, ob im Falle einer Unklarheit, ob Meminto sich an sie wenden darf und fragen kann, ob ich noch am Leben bin. Und die Personen können zustimmen, die können aber auch ablehnen. Wenn ich mich jetzt nach so einer Erinnerung wieder nicht melde, dann werden meine Vertrauenspersonen gebeten, doch bitte mal nach mir zu schauen. Da gibt es dann auch ein ganz durchdachtes Konfliktmanagementsystem, weil, es könnte ja sein, dass ich im Koma liege. Jemand denkt, ich sei verstorben, Familienmitglied sagt aber nein, er lebt noch.

Also, das haben wir alles versucht abzubilden und es ist ein sehr interessanter Prozess geworden, den man auch wirklich testen kann. Und da lade ich natürlich alle dazu ein.

LB: Also, super spannend und echt interessante Ansätze.

AB: Vielleicht noch ganz kurz, wenn wir die Zukunft überlegen. Wir wollen natürlich weg von diesen E-Mails. Wir wollen die Nutzer nicht jede 14 Tage damit konfrontieren und fragen, hallo, bist du noch da? Das ist natürlich unschön. In Zukunft wollen wir Schnittstellen von Social-Media-Accounts zum Beispiel einfach prüfen, ob der Nutzer einen direkten Post abgesetzt hat, ob er sich bei bestimmten Accounts angemeldet hat und so weiter. Also, da gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sogar über eine Apple-Watch zu prüfen, wie ist der Puls des Benutzers, um einfach zu schauen, dass ich die E-Mails reduziere.

LB: Okay, alles klar. Es ist klar, da gibt es ganz viele Möglichkeiten, mit der Apple-Watch muss ich jetzt gerade grinsen, okay.

AB: Das war ein Beispiel.

LB: Ja, klar. Es ist ja so, wenn der Puls nicht mehr da ist, dann ja, genau. Jetzt ist es ja so, derzeit ist die App ja noch in der Betaversion.

AB: Ja.

LB: Wann wird es da eine finale Version geben?

AB: Ja, das ist auch so eine spannende Sache. Und zwar stand die finale Version, also, wir versuchen, Meminto eigentlich auf Mobile First, also eigentlich aufs Smartphone hauptsächlich zu bringen, weil wir glauben, dass der beste Zeitpunkt für Erinnerungen, für Videos, eigentlich nicht dann ist, wenn der Nutzer vor dem PC sitzt, sondern, das Smartphone hat er eigentlich immer dabei.

Und diese finale Version war eigentlich schon in den Startlöchern. Dann hatte ich im Juli ein Gespräch mit Professor Dr. Sandner von der Frankfurt School of Finance, der leitet dort nämlich das Blockchain-Center. Und im Gespräch mit ihm wurde mir deutlich, dass die Blockchain und vor allem Etherium, das ist eigentlich die perfekte Basis für Meminto. Inhalte können dadurch sicher und dezentral gespeichert werden und Prozesse können verlässlich gestartet werden. Genau das ist es doch, was die Benutzer wollen, Sicherheit und Zuverlässigkeit, auch, wenn die Firma Meminto vielleicht gar nicht mehr existieren sollte. Weil, genau das ist ja das Problem.

Wie stelle ich eigentlich sicher, dass es Meminto in 20 Jahren oder in 50 Jahren überhaupt noch gibt? Als normale GmbH kann ich das nicht gewährleisten und schon gar nicht, wenn alles von mir alleine vielleicht sogar abhängt. Aber, wenn durch eine private oder öffentliche Blockchain das Netz, der Teilnehmer, dezentral wächst, dann ist die Ausführung von Prozessen gewährleistet, auch, wenn die Firma dahinter nicht mehr da ist. Und deswegen komme ich zu Deiner Frage zurück, haben wir die finale Version jetzt erst einmal auf die Parkbank geschoben und wir arbeiten derzeit an der Integration der Blockchain-Thematik in die App. Dazu ist natürlich auch Geld notwendig und wir möchten gegen Ende des Jahres ein sogenanntes ICO starten, das ist ein „Initial Coin Offering“. Ganz kurz, Interessierte können da sozusagen Anteile an Meminto sich sichern, um einfach ja im Erfolgsfall sogar von Meminto profitieren zu können. Und gleichzeitig das Projekt damit finanziell zu unterstützen.

LB: Da hast Du schon die nächste Frage vorweggenommen. Das hätte mich nämlich auch mal interessiert, wie Ihr finanziert seid. Weil, das hört sich jetzt alles nach sehr viel Arbeit und damit auch mit sehr viel Geld an, was Du da erstmal investieren musst.

AB: Ja, richtig, genau.

LB: Das hast Du bisher alles, ich sage mal, mit Herzblut, gemacht? Oder ist da jetzt schon ein Investor im Hintergrund?

AB: Nein, im Moment gibt es zwar Gespräche, aber alles, was eigentlich noch so ist, ist aus Eigenleistung eingeflossen.

LB: Okay, und jetzt wollt Ihr das sozusagen in so einer Art Crowdfunding, wenn ich das richtig verstanden habe …

AB: So in der Art, ja, genau.

LB: Genau, ja, bitte auf jeden Fall mich mit in den Verteiler nehmen. Weil, das könnte ich mir sehr gut vorstellen. Die Idee, die finde ich wirklich ganz, ganz spannend. Wir werden das übrigens hier natürlich auch im Artikel zu dem Interview dann verlinken. Jetzt aber mal eine Frage, wie ist denn das Preismodell? Wie wird es zukünftig sein?

AB: Ja, also, wir planen zunächst einmal eine kostenlose Version, in der der Nutzer Meminto erstmal ausprobieren kann. Da denken wir daran, dass wir da vielleicht noch keine Blockchain-Thematik abbilden, sondern dass wir da die Möglichkeit geben, es dann auszuprobieren. Und wenn der Nutzer dann sagt, okay,ich möchte es wirklich nutzen, dann möchten wir mit einem sehr geringen Beitrag von um die 30 Euro im Jahr einsteigen. Weil wir einfach wissen, dass das Thema Vorsorge ein Thema ist, das gern auf die lange Bank geschoben wird. Niemand freut sich, eine Lebensversicherung abzuschließen. Niemand geht jubelnd raus und sagt, juhuu, ich habe eine Versicherung abgeschlossen. Es ist eigentlich etwas, was man nicht gerne macht. Und deswegen wollen wir über einen geringen Preis da die Hemmschwelle einfach senken.

LB: Okay, das wird spannend sein. Ich werde das auf jeden Fall verfolgen. Also, meine Bitte, nimm mich da mal in die Liste auf. Ich möchte das gerne verfolgen und bin auch gern im Crowdfunding mit dabei. Ja, bevor wir jetzt zu den Abschlussfragen kommen, wollen wir uns noch ganz kurz mal bei unserem Sponsoren bedanken.

Wir sind wieder zurück mit Albert Brückmann, dem Kopf hinter der Lebens- und Nachlassverwalter- Software Meminto. Albert, welches ist Dein wichtigster Selbstmanagement-Tipp?

AB: Oh, das ist eine coole Frage. Ich glaube, ich muss mich immer wieder dazu aufrappeln, mich zu fokussieren. Ich glaube, der häufigste Grund für so ein schwächelndes Selbstmanagement sind einfach zu viele Ablenkungen. Deswegen habe ich mir selbst antrainiert, nicht zu allen ja zu sagen, sondern, mich auch zu trauen, anderen einfach mal eine Absage zu erteilen.

LB: Und wie schaffst Du das?

AB: Ich versuche das immer sehr höflich natürlich auch zu machen. Und einfach klarzumachen, dass ich im Moment relativ viel an anderen Stellen auch zu tun habe. Und das klappt eigentlich schon ganz gut, weil ich glaube, das liegt auch an der Art, die ich dann da fröhlich und freundlich auffahren kann.

LB: Was machst Du denn als Unternehmen, um abzuschalten?

AB: Ich muss zugeben, Lars, es fällt mir sehr schwer. Ich glaube, ich suche selbst noch nach einer wirklich guten Antwort auf diese Frage. Aber meine Kinder helfen mir dabei. Wenn ich dann nach Hause komme, dann springen sie mir entgegen und dann muss ich mich wieder fokussieren und zwar auf sie. Und schon ist das Problem gelöst.

LB: Ja, also, solange sie so klein sind, geht das ganz gut. Und es sollte auch gut funktionieren. Als meine Kinder klein waren, klar, da habe ich auch immer viel versucht, mich dann um sie zu kümmern. Aber da muss ich wirklich den Tipp geben, mach es aktiv. Weil, bei mir hat das auch teilweise dazu geführt, dass ich zuhause war und mit den Gedanken aber ganz woanders. Was natürlich schlecht ist.

AB: Ja, das ist ein wichtiger Tipp.

LB: Welche Apps oder welchen Internetdienst außer Meminto natürlich kannst Du der „Produktiv in digitalen Zeiten“-Community empfehlen?

AB: Ja, ein ganz großer Tipp von meiner Seite, vor allem für Blogger oder Leute, die Texte schreiben, ist Speakstaff.com, also Sprechmitarbeiter.com auf Deutsch. Weil, hier können Publisher ihre Texte für mehr Reichweite vertonen lassen. Es ist auch so ein Projekt von mir, wenn ich das direkt mal sagen darf. Wir haben da ein Team mit 20 Sprecherinnen und Sprechern gebildet, die relativ günstig Texte vertonen und dann portieren wir das in unserem eigenen Speakstaff-Podcast, wir bringen das zu Soundcloud und wir geben natürlich dem Blogger eine mp3 und er kann das in seinen eigenen Blog einbinden und so mehr Leute erreichen, die nicht lesen wollen oder können oder es einfach hören möchten.

LB: Okay, welches Buch hat Dich als Unternehmer und Mensch am meisten geprägt?

AB: Ich habe es am Anfang schon gesagt. Es ist wirklich in der Tat die Bibel. Und wesentlich das Buch der Sprüche. Ich bin da echt fasziniert, wie viel Inhalt zum Thema Leben, Beziehung, Business oder sogar echte Weisheit da zu finden ist. Auch, wenn es mehr als 3.000 Jahre alt ist. Und das Buch der Sprüche ist übrigens 31 Kapitel lang. Es ist schön, weil, du kannst jeden Tag eins lesen. Deswegen hat mir das echt weitergeholfen.

LB: Jeden Tag im Monat, genau. Ja, welches ist denn der beste Ratschlag, den Du jemals erhalten hast?

AB: Das hat mir mein Professor mal mitgegeben. Er hat mir geschrieben, setze Deinen Kurs nach weit entfernten Sternen und nicht nach den Lampen anderer Schiffe.

LB: Toller Spruch, ganz toller Spruch. Okay, letzte Frage, wie kann die „Produktiv in digitalen Zeiten“-Community mit Dir und Deiner App und Deinen ganzen Diensten, die Du da hast, in Kontakt treten?

AB: Ja, ich bin sehr digital ausgerichtet. Auf allen möglichen sozialen Media-Kanälen findet man mich, auch über die E-Mail-Adresse, z. B. unter meiner Webseite albertbrueckmann.de.

LB: Und Meminto ist unter welcher Adresse?

AB: Meminto.com.

LB: Alles klar, ja, Albert, super spannendes Thema, ganz, ganz klasse. Ich finde es super, dass Du Dich mit dem Thema so intensiv auseinandersetzt. Weil, das wird ein Riesenthema und ich kriege es ja mit, wie viele Fragen ich dazu bekomme. Was passiert im Todesfall mit meinen digitalen Daten? Und ich habe da ja mal eine kleine „Frag Lars“- Runde zu gemacht und da habe ich wahnsinnig viel Response gekriegt. Sei es an Kommentaren, aber auch an E-Mails, dass ich das mal vorstellen soll. Und wenn es da so eine App gibt wie Eure, wäre das ja ideal. Dann kann man das ja damit super abbilden. Also, wirklich, super spannend, vielen, vielen, Dank dafür.

AB: Lars, ich danke Dir für die Plattform, die Du mir auch hier gegeben hast. Hat mir echt Spaß gemacht, mit Dir darüber zu sprechen.

LB: Ja, mir auch. Und ich wünsche Euch natürlich, lieber Hörerinnen und Hörer, wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben, ciao.

AB: Tschüss.

Hinweis: Ich behalte mir das Recht vor, beleidigende oder vom Thema abweichende Kommentare zu löschen.

  • Kai Kulschewski

    Moin Herr Bobach, Ihr Transkript hat einen Fehler: Es muss „Memento mori“ heißen. Es ist halt immer etwas schwierig, wenn die Transkripierenden bestimmte Sprachkenntnisse nicht haben. Liebe Grüße aus Kiel, Kai Kulschewski

    • Danke für den Hinweis, lieber Kai. Korrigiert 🙂