Erfolgreich im Online-Handel – Ralf Schneider

Ein wahnsinnig spannendes Thema – der internetbasierte Handel. Ralf Schneider ist Mitinhaber und Vorstandsvorsitzender der Vario Software Aktiengesellschaft.

Ralf Schneider

Seine neueste Version der ERP-Software, die VARIO 8, die auf den internetbasierten Handel ausgelegt ist, bietet er völlig kostenfrei an.

Hier das Transkript des gesamten Podcasts und vorab die erwähnten Sponsoren und Links:

Sponsoren

MDD Workshop
Lars Bobach Online-Marketing AG

Links

Website Vario Software Entwicklungs AG

E-Mail info@vario-software.de

Goodie
Gutscheincode „lars2017“ (für 6 Monate gratis DDBAC-Komponente)

Apps
MeisterTask
OneNote

Bücher
Der Weg zum erfolgreichne Unternehmer von Stefan Merath
Der Termin von Tom DeMarco

LB: Herzlich willkommen zum Podcast „Produktiv in digitalen Zeiten“. Wir geben Orientierung im digitalen Dschungel, so dass wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben bleibt. Mein Name ist Lars Bobach und ich sitze heute hier zusammen mit dem Ralf Schneider von Vario Software, hallo Ralf.

RS: Hallo Lars.

LB: Schön, dass du da bist. Ralf ist Mitinhaber und Vorstandsvorsitzender der Vario Software AG, die seit 20 Jahren ERP-Systeme für kleine und mittelständische Unternehmen anbietet. Die neueste Version VARIO 8 ist auf den internetbasierten Handel ausgelegt und spezialisiert und bietet Schnittstellen direkt zu allen gängigen Shopsystemen wie Amazon und eBay etc. an. Es gibt eine kostenlose Vollversion, die nur anhand der Belegzahl per anno, also pro Jahr, begrenzt ist. Das ist natürlich wirklich super interessant und der Ralf hat auch ein Goodie mitgebracht. Darauf werden wir zum Schluss eingehen. Ralf, wie viele Belege sind das denn pro Jahr, die man in der kostenlosen Vollversion nutzen kann?

RS: 5.000 Belege im Jahr.

LB: 5.000?

RS: Das heißt, Rechnungen, Lieferscheine, Aufträge.

LB: Also, für einen kleinen Internethandel wäre das ja fast schon ausreichend?

RS: Genau, also, wer so um die 20 Pakete am Tag versendet, hat damit kein Problem.

LB: Da verdient Ihr doch gar kein Geld daran, wenn es kostenlos ist?

RS: Wir hoffen, dass durch unsere Software der dann auch wächst und größer wird und dann kommt er auch irgendwann zu uns in die Bezahlversion.

LB: Okay, und dann gibt es natürlich die nächste Version. Das ist ja heutzutage schon ein ganz gängiges Geschäftsmodell. Jetzt sind wir schon mittendrin, aber mich würde mal interessieren, Deinen Werdegang, wie bist Du zu dem geworden, also, wie hast Du Vario Software gegründet? Wo kommst Du her?

RS: Ja, ich habe vor etwa 30 Jahren bei einem kleinen Softwareunternehmen als Programmierer gearbeitet. Die haben Software für den textilen Einzelhandel hergestellt und dann kam der Zufall, ich wurde zu einer Geburtsfeier eingeladen, habe den Geschäftsführer von einer großen Werkstatt getroffen, die Faxgeräte reparierten. Der sagte, kannst du uns helfen? Da habe ich gesagt, klar. Wir haben uns in der nächsten Woche getroffen, dann habe ich mir das Unternehmen angeguckt. Da waren hundert Mitarbeiter und ich glaube, es waren Tausende von Faxgeräten, die die repariert haben. Abends saßen wir zusammen und dann war natürlich die Frage, wenn du uns hilfst, was kostet das? Da habe ich natürlich bei so einem Projekt schon so ein bisschen Bauchweh und habe gesagt, mindestens 200.000 DM damals noch. Und dann sagten die Geschäftsführer, damit hätten wir auch gerechnet. Wann kannst du anfangen? Das war die Geburtsstunde von VARIO.

LB: Vor 30 Jahren 200.000 DM?

RS: Ja, vor 27 Jahren genau.

LB: Das ist ja wahnsinnig viel Geld gewesen. Das wäre ja, als würdest du heute jemandem sagen, 2 Million € oder so etwas.

RS: Nicht ganz, aber ja. Dann habe ich mir die Mitarbeiter zusammengesucht, die damals noch bei dieser Softwarefirma gearbeitet haben. Die habe ich abgezogen und dann haben wir angefangen, für die zu programmieren.

LB: Okay, damals warst Du aber alleiniger Gesellschafter?

RS: Damals war ich noch alleiniger Gesellschafter und Frank Wolter ist dann sehr schnell dazugekommen.

LB: Mit dem bist Du jetzt noch aktiv?

RS: Der ist jetzt Aufsichtsratsvorsitzender.

LB: Okay, der arbeitet jetzt nicht mehr aktiv?

RS: Doch! Auch der Aufsichtsrat darf noch arbeiten bei uns.

LB: Okay, weil, bei mir, ich bin ja auch eine AG, hatten wir ja kurz im Vorfeld besprochen, mein Aufsichtsratsvorsitzender arbeitet nicht. Also, zumindest hier nicht im Unternehmen. Um Gottes Willen, wenn er das jetzt hört, kriege ich direkt wieder einen hinter die Löffel. Ja, okay, aber Ihr habt jetzt ja, das ist ja ganz interessant, wenn Du sagst, Reparatur für Faxgeräte, aber, da hat ja die jetzige Software gar nichts mehr mit zu tun?

RS: Doch, heute gibt es auch noch eine Menge an Unternehmen, die mit Reparatursoftware von uns arbeiten.

LB: Das hat aber mit VARIO 8 nichts zu tun?

RS: Doch, das gibt es auch noch als Modul in der VARIO 8. Das ist immer noch drin, weil, die alten Kunden können wir nicht vergessen.

LB: Okay, alles klar. Lass uns mal so ein bisschen an den Zahlen und Daten von Vario Software teilnehmen. Wie viel User habt Ihr jetzt?

RS: Ja, wir werden so um die 20.000 User haben, 1.500 Kunden und wir sitzen mit 50 Mitarbeitern in Neuwied.

LB: Das ist genau wo?

RS: In der Nähe von Koblenz.

LB: Okay, alles klar. Weiß vielleicht nicht jeder, ist ja hier bei mir um die Ecke. Gehört es eigentlich noch zum erweiterten Rheinland?

RS: Es ist im Rheinland, mittendrin. Deutsches Eck.

LB: Da bin ich mal mit dem Fahrrad vorbeigefahren. Gehören tut die Softwarefirma mit 50 Mitarbeitern Dir und dem Aufsichtsratsvorsitzenden?

RS: Genau.

LB: Wie habt Ihr das aufgeteilt?

RS: 70/30.

LB: Sonst ist keiner beteiligt?

RS: Doch, wir haben durch die AG versucht, Mitarbeiter daran zu beteiligen und geben denen heute Aktienoptionen, damit sie sich ein bisschen mehr zu Hause fühlen bei uns.

LB: Super, so, wie Apple und Google das auch machen. Schön, Google aus Neuwied! Ja, toll! Und sind denn alle von den 50 auch beteiligt? Müssen die das kaufen?

RS: Nein, wir geben Ende des Jahres aufgrund des Gewinnes eine bestimmte Anzahl von Optionen raus und die teilen wir nach einem bestimmten Schlüssel auf die Mitarbeiter auf. Da gibt es für die Programmierer ein bisschen mehr als für die Putzfrau.

LB: Okay, aber es ist so, Ihr schenkt die sozusagen?

RS: Wir verschenken die.

LB: So eine Software ist immer ein riesen Invest, weiß ich ja. Ich habe auch mal im ERP System gearbeitet, für ein ERP Systemhaus. Das ist immer wahnsinnig viel Geld, was man da investieren muss. Wie seid denn finanziert? Wie habt Ihr denn VARIO 8 finanziert, die Entwicklung?

RS: Jetzt könnten wir aus der Geschichte sagen, die 200.000 DM damals, die haben ganz gut geholfen. Wir haben in den nächsten Jahren immer einen Teil von den Gewinnen zurückgelegt und haben die investiert und wir sind nicht fremdfinanziert.

LB: Super, Respekt! Das ist wirklich eine tolle Leistung. Hatte ich ja schon einige hier im Interview, unter anderem Things, diesen Taskmanager, die sind ja auch ganz organisch gewachsen und dann auch keine Fremdfinanzierung, ganz Klasse, beneidenswert! Da beneiden Euch garantiert viele für!

RS: Glaube ich.

LB: Was ist denn jetzt das Besondere an VARIO 8? Was, würdest Du denn sagen, sind Eure USPs, Eure Alleinstellungsmerkmale?

RS: Ja, wir haben in VARIO 8 alle Schnittstellen, die zu den Verkaufsplattformen, zu den Shopsystemen sind, alle selber hergestellt und programmiert. Also, zu eBay, zu Amazon, zu Rakuten, alles, was es da so gibt, sind alle von uns, so dass der Endanwender nicht noch mit irgendeinem Dritthersteller noch telefonieren muss und sagen, da funktioniert irgendwas nicht. Auch die Schnittstellen zu DHL, UPS, TNT und alles, was es da so gibt, die sind alle von uns selber.

LB: Ach so, dass man nur noch einen Ansprechpartner hat.

RS: Das war uns unheimlich wichtig, dass, wenn der Kunden ein Problem hat, er nur bei uns anruft und dann können wir helfen.

LB: Okay, und was habt Ihr jetzt alles für Module, zähl mal so auf, damit ich und unsere Hörer so ein bisschen Gefühl kriegen, was Ihr alles könnt mit der Software.

RS: Ja, also, wir haben einen großen Bereich von CRM. Ich glaube, jeder weiß heute, was das ist. Dann haben wir Werkstatt, daher sind wir gekommen. Wir haben Anbindungen an ELO für digitales Dokumentenmanagement und die ganzen Schnittstellen. Das ist eigentlich das Wichtigste, dass wir zu allen DHL Versendern und Kommissionierung und sowas, dass alles von uns ist.

LB: Wenn ich mir vorstelle, ich würde jetzt so einen Onlineshop aufmachen. Ich könnte das direkt mit DHL verlinken und der Kunde könnte dann direkt sehen, welche Versandnummer und sehen, wo sein Paket ist? Das ist alles dann bei Euch mit integriert?

RS: Das ist alles mit integriert.

LB: Das ist ja super, also, wirklich so ein Komplettpaket. Für welche Unternehmen und Branchen ist es denn besonders geeignet? Internetversandhandel gibt es natürlich viele und gibt es da besondere Branchen, wo Ihr drauf spezialisiert seid?

RS: Nein. Wir wollen und haben immer das im Fokus gehabt, branchenneutral zu sein. Natürlich ist der Versandhandel schon in sich ein bisschen eine Branche, so dass wir dort verhältnismäßig stark sind und 90 Prozent der Interessenten, die zu uns kommen, haben mindestens drei oder vier Plattformen, worüber sie heute verkaufen. Also eBay, Amazon, meistens noch ein, zwei, drei, vier, fünf Shopsysteme, die sie betreiben.

LB: Auch eigene Shopsysteme, geht das auch?

RS: Also, wir haben kein eigenes Shopsystem, sondern wir „connecten“ uns an die großen wie Gambio und was es da alles gibt.

LB: Das ist auch bei Euch mit drin?

RS: Ja, die Schnittstellen sind alle verfügbar und alle da.

LB: Heutzutage hat so ein Onlinehändler vier Stück im Schnitt?

RS: Ja, man versucht als Onlinehändler natürlich, sich ein bisschen abzuheben von den anderen. Wir haben da kleine Händler, die sagen, ich nehme mal die Fahrradbranche, das fällt mir gerade so ein. Der hat spezielle Shops für Fahrradhelme. Dann hat er einen speziellen Shop für Fahrradketten, für Fahrradschläuche. Nach außen präsentiert er sich natürlich, als ob er der allergrößte im Markt ist, obwohl er eigentlich nur ein 3-Mann-Unternehmen ist.

LB: Okay, und dann macht er für jeden Bereich …

RS: Für jeden Bereich einen eigenen Shop und dann sieht es so aus, als ob er der Fahrradkettenhändler in Deutschland ist.

LB: Okay, durch diese Spezialisierung ist dann auch eine Erfolgsgeschichte …

RS: Genau, dann finden die Kunden einen eher und die Verkaufszahlen gehen nach oben.

LB: Und er braucht dann mehrere Eurer Module?

RS: Nein, das ist in der Standardsoftware mit drin.

LB: Okay. Gibt mal eine Erfolgsgeschichte als Beispiel, worauf bist Du besonders stolz? Auf einen Kunden, der bei Euch angefangen hat und jetzt vielleicht zu den ganz Großen zählt?

RS: Ja, wir haben montags morgens um 08:45 Uhr immer ein Kümmerer-Treffen, so nennen wir das. Also, alle, die sich um die Kunden kümmern, die treffen sich montags morgens um 08:45 Uhr und in der Vorbereitung habe ich mal gefragt, was ist denn eure Geschichte, die ihr erzählen würdet?

LB: Kümmerer-Treffen, also, das sind sozusagen die Key-Accounts?

RS: Alle, die sich um die Kunden kümmern. Das kann der Vertrieb sein, das können die Mädels aus dem Büro sein, weil sie noch Probleme haben oder auch die Consultants. Die treffen sich halt alle. Dann wird ein bisschen erzählt, wo gibt es Probleme, wo können wir helfen, wo kann der eine dem anderen noch helfen. Und bei dieser Sitzung habe ich am Montag gefragt, was würdet Ihr denn erzählen? Und das wäre jetzt unfair zu sagen, das ist der Eine. Aber, es deckt sich in den Geschichten immer wieder, dass die alle angefangen haben und ich habe noch von keinem Kunden gehört, dass, obwohl wir das stark optimieren im Lager mit Kommissionierung und all dem, dass er Mitarbeiter entlassen hat. Sondern, sie sind alle mit denselben Mitarbeitern extrem gewachsen und haben dann eine Vielzahl der Pakete nach außen geschickt. Die haben mit 100 Paketen angefangen und haben nach Wochen mit uns dann auch schon 300, 400, 500 Pakete versendet, mit der gleichen Mannschaft, mit den gleichen Mitarbeitern.

LB: Mit dem gleichen administrativen Aufwand?

RS: Genau.

LB: Okay, das kann ich nachvollziehen, dass man das dann nicht so nennen will, vor allem, Ihr seid ja auf kleine und mittelständische Firmen dann spezialisiert. Da einen rauszupicken, ist sicherlich schwer. Dann frage ich mal andersrum, was mich dann interessieren würde. Wenn ich jetzt, mal angenommen, einen Versandhandel habe, was wäre der erste Schritt, den ich machen müsste, um mit Euch ins Geschäft zu kommen? Was würde ich da tun?

RS: Am einfachsten würdest Du auf die Internetseite gehen und die kostenlose Version runterladen und könntest loslegen. Jetzt musst Du für Dich natürlich sehen, mit was mache ich mein Geschäft? Was ist jetzt, ist Amazon für mich ein richtiger Partner? Ist eBay ein richtiger Partner? Da gibt es noch eine ganze Menge. Welches Shopsystem nehme ich mir? Was ist für mich der schönste Shop, den es auf dem Markt gibt. Da gehen die Meinungen ja extrem auseinander. Im Moment ist Shopware so ein bisschen im Anflug mit über 50.000 Installationen, die die in Deutschland haben, aber auch alle anderen versuchen, irgendwas zu machen.

LB: Okay, aber, jetzt hast Du gerade gesagt, da wurde ich ganz hellhörig, Consultant? Habt Ihr auch?

RS: Ja.

LB: Also, der erste Schritt ist wahrscheinlich ganz einfach, aber, Consultant heißt ja schon, dass es auch ein bisschen komplexer werden kann, oder?

RS: Bei den großen Systemen, also, wenn es um Unternehmen mit 20, 30 Mitarbeitern geht und die heute 1.000 Pakete verschicken, das geht nicht mehr out of the box und installiert und seht mal zu, dass ihr klarkommt. Da haben wir dann auch schon zwischen fünf und 15 Tagewerke, bis das dann so läuft, wie man es dann auch möchte.

LB: Bei SAP haben die gerade mal ihren Motor angeschmissen!

RS: Genau!

LB: Für die Tagewerke, fährt aus, wo kommen die her, Walldorf, fährt da gar keiner mehr los, sehr wahrscheinlich. Das ist alles noch sehr überschaubar. Wo liegen die Daten bei Euch, wenn ich jetzt so ein System bei Euch habe?

RS: Wir haben eine Client-Server-Version. Die liegen alle im lokalen Netzwerk.

LB: Das ist Euch auch wichtig?

RS: Zumindest ist es uns im Moment noch wichtig. Wir kommen vielleicht gleich wegen der Digitalisierung auf die Punkte, die da noch eine Rolle spielen, aber im Moment ist das so.

LB: Aber, man kann von außen auch drauf zugreifen?

RS: Genau, das ist das Wichtige. Wir haben Web Apps, so wie man heute sagt. Aber, es muss nicht unbedingt das iPad sein, um auf diese Daten drauf zugreifen zu können, obwohl ich das iPad liebe. Wir können heute von jedem mobilen Gerät auf die Daten der Warenwirtschaft zugreifen.

LB: Aber, ist das denn mal angedacht, sowas mal in die Cloud zu packen? Du weißt, ich liebe Clouds und ich muss das fragen.

RS: Wir sprechen darüber bei jeder neuen Version, die wir planen. In einem Jahr werden wir anfangen, uns über die neue Version Gedanken zu machen, dann kommt das Thema immer wieder auf. Wir fragen natürlich unsere Kunden, wie seht ihr das und da ist im Moment noch der Prozentsatz etwa 70 Prozent die sagen, nein, wir wollen nicht in die Cloud. Wir wollen mobil drauf zugreifen. Und da tun wir auch eine ganze Menge und wir wollen auch mobil offline darauf zugreifen, das fängt mit der Cloud an, ein bisschen schwierig zu werden. Ich will also mit meinem iPad auch in der Bahn, wenn ich keine Verbindung habe, wie immer, auch mit meinen Unternehmensdaten arbeiten und nachgucken und was tun. Und da sind wir jetzt ganz stark dran, im Prinzip Offlinelösungen auf dem iPad oder sonst wo zur Verfügung zu stellen, damit man dort auch arbeiten kann. Und wenn die Verbindung wieder steht, dann wird wieder synchronisiert.

LB: Habt Ihr nur deutsche Kunden?

RS: Alle deutschsprachigen. Wir tun uns ein bisschen schwer mit ausländischem Support in Spanien und …

LB: Wegen der Cloudgeschichte hätte mich das interessiert, weil ich das Gefühl habe, dass es mit dieser Anti-Cloud-Haltung oder der Cloud sehr skeptisch gegenüberstehen, dass es schon ein deutsches Phänomen ist.

RS: Stimmt.

LB: Und wenn Du sagst, 70 Prozent sehen das noch nicht so, denk ich mir, das ist sehr wahrscheinlich wirklich bei den deutschen Firmen so, dass 70 Prozent es nicht so sehen.

RS: Die Angst ist noch sehr hoch.

LB: Wird sich vielleicht noch ändern, werden wir sehen. Jetzt hast Du gerade schon Vario 9 angesprochen, obwohl VARIO 8 gerade erst rausgekommen ist. Aber, was ist denn zukünftig von so Onlineshop-Systemen wie Eurem CRM-System zu erwarten? Was wird denn da noch kommen in Zukunft?

RS: Sicherlich wird in dieser Digitalisierung die nächsten zwei, drei Jahre verbracht. Ich will auf allen Endgeräten, auf allem, was da so rumfleucht, will ich mit Daten irgendwie umgehen. Das wird bestimmt noch die nächsten zwei, drei Jahre sein. Und dann werden wir mit Sicherheit an den Punkten arbeiten, Spracherkennung. Um damit Daten zu erfassen, auch Aufträge an die Warenwirtschaft abzugeben. Bitte schreibe mir mal eine Rechnung dafür und so etwas. Das wird der nächste Step sein.

LB: Dass ich davorsitze und sage, jetzt schreibe dem Müller mal eine Rechnung.

RS: Genau.

LB: Und dann passiert das. Daran forscht Ihr?

RS: Gut, da sind ja Alexa und all die im Prinzip schon dran und da wird man sich irgendwann mal eins dieser führenden Systeme nehmen, um damit was zu tun.

LB: Klar, das wird ein Riesending. Ich glaube, das wird die ganze Welt auch total verändert nochmal, weil diese Spracherkennung, diese Intelligenz, die dahintersteht. Wir hier in der Online-Marketing Agentur kriegen das auch immer mit, wir geben ja immer das Beispiel. Ich stehe vor der Waschmaschine und sage, ich habe kein Waschmittel mehr. Dann sage ich, Alexa, bestell mir mal Waschmittel. Da ist dann immer die Frage, welches Waschmittel kommt dann um die Ecke? Und das entscheidet dann Alexa für mich und das ist dann schon, wo ich denke, was für eine Macht kriegen dann diese Konzerne?

RS: Ja, aber sie wissen ja, welches Waschmittel Du beim letzten Mal bestellt hast. Insofern.

LB: Klar, das kann natürlich sein, aber, das spielt eigentlich gar keine Rolle. Sind denn Apps gedacht, macht Ihr spezielle Apps oder soll es bei diesem Webclient bleiben?

RS: Wir wissen zwar, dass da auch auf dem iPad mit der Version 11 was kommt, aber inwiefern wir jetzt daran dann partizipieren können und was speziell dafür machen? Aber wir forschen. Wir haben auch iMacs bei uns rumstehen, um das eine oder andere zu testen. Wenn da etwas Geiles dabei ist, dann veröffentlichen wir das natürlich.

LB: Wieviel Entwickler habt Ihr bei Euch im Team?

RS: 22.

LB: Super, okay, das ist echt eine super spannende Erfolgsgeschichte. Mich würde aber auch etwas zu dem Unternehmer Ralf Schneider interessieren. Jetzt hört sich das ja wirklich alles toll an, 27 Jahre deutsche Softwareentwicklung, super. Da habe ich immer von geträumt, muss ich ja sagen. Ich komme aus dem Softwarebereich, das war immer mein Traum. Ich wollte damals sogar eine Softwarefirma kaufen. Mir wurde sogar mal eine angeboten, in der ich gearbeitet habe, für damals einen Euro. Oder war es eine Mark? Ich glaube, es war sogar eine Mark, aber ich habe mich damals nicht getraut. Vielleicht war es ein Fehler, vielleicht auch nicht, sonst säße ich jetzt vielleicht nicht mit Dir hier. Ist auch egal. Jetzt hört sich das alles toll an, aber, Du hast ja bestimmt auch einige Rückschläge mal erlitten? 27 Jahre, das geht nicht nur linear nach oben. Was waren denn so die größten Herausforderungen als Unternehmer, die Du in dieser Zeit erlebt hast? Nimm uns mal mit in diese Geschichte.

RS: Wir haben 2002 den Sinitec Buy-out von der Siemens begleitet. Die Firma A & O hat damals alle Techniker von Siemens und von Siemens-Nixdorf übernommen für einen Euro. Der hat es gemacht.

LB: Das war etwas mehr, glaube ich, ein etwas größerer Deal.

RS: Aber für einen Euro.

LB: Kaufpreis war der gleiche.

RS: Es waren im Anschluss nachher, in der Endausbaustufe, knapp 8.000 Techniker. Wir haben die Software dafür geschrieben.

LB: Wofür genau?

RS: Damit die Techniker vor Ort die Reparaturen durchführen, die Unterschriften auf dem Tablet und all diese Dinge, die Ersatzteilversorgung, was ja bei 8.000 Technikern nicht ganz einfach ist. Ja und diese Software haben wir geschrieben und es gab natürlich …

LB: Ganz individuell?

RS: Ja und das waren im Monat etwa Aufwände zwischen 60 und 100.000 €. Das heißt also, die Hälfte des Unternehmens hat nur noch für diese Firma gearbeitet. Das ging auch zwei Jahre gut und dann ist irgendwann die A & O insolvent gegangen und wir saßen mit etwa einem hohen sechsstelligen Betrag an Rechnungen, die noch nicht bezahlbar waren, da und sagten, was machen wir denn jetzt? Dann war auch die Portokasse leer.

LB: Nicht nur die, nehme ich mal an.

RS: Ja. Das war schon eine Herausforderung, auch alle Mitarbeiter im Unternehmen zu belassen. Ich wollte keine Kündigungen oder sonst desgleichen machen. Das war schon eine spannende Sache und es hat dann letztendlich nach ein paar Wochen die Geschichte wieder gerettet, dass diese 8.000 Techniker natürlich irgendwo weiter beschäftigt werden mussten. Und diese kleinen Unternehmen, die sich daraus gegründet haben, haben wir auch alle bekommen. Dadurch sind wir dann eigentlich wieder mehr gewachsen, aber es war schon eine Belastung zu dieser Zeit.

LB: Das kann ich mir vorstellen. Was würdest Du so im Nachgang sagen, was war das große Learning daraus? Was würdest Du sagen, was kann die „Produktiv in digitalen Zeiten“-Community daraus lernen?

RS: Heute würde ich diese Sachen versichern. Es gibt genügend Kreditversicherer und in dieser Größenordnung, wenn man ein Drittel oder die Hälfte des Unternehmens an einen Kunden bindet, dann sollte man das versichern.

LB: Ja? Das hättest Du versichern müssen, okay. Ja, es ist auf den Fall ein Learning daraus, genau, wenn man da so abhängig ist. Wie stellst du denn Dein Unternehmen in Zeiten des digitalen Wandels auf jetzt? Du begleitest ja Deine Kunden sozusagen. Was macht Ihr denn?

RS: Wir arbeiten natürlich auch mit unserer Version, VARIO 8.

LB: Davon gehe ich aus!

RS: Wir haben schon vor sechs Jahren angefangen, zu versuchen, das papierlose Büro wirklich zu betreiben. Und wir haben uns damals für ELO entschieden, elektronischer Leitz-Ordner. Wir sind mit denen dann auch eine Partnerschaft eingegangen und wir haben heute eine ziemlich enge Verzahnung zwischen VARIO und ELO. Alle Dokumente, die reinkommen, werden in ELO gescannt, können aber in der VARIO angesehen, durchsucht werden und so etwas. Somit findet im Prinzip alles in ELO statt, was mit Papier zu tun hätte. Die Eingangsrechnungen werden eingescannt und dann wandern sie in den Karton. Sie werden zwar noch archiviert, in der Form, dass wir den Karton beschriften und sagen, das ist von 01 bis 03 2017 und dann wandert er ins Archiv. Damit das Finanzamt auch irgendwann mal klopfen könnte und sagen, ja, wir wollen aber jetzt mal eure Belege haben. ELO bietet natürlich dafür schon Module, dass sie sagen, du kannst auf den Knopf drücken und sagen, für das Finanzamt alle steuerrelevanten Daten ausspielen. Dann habe ich eine CD mit einem Reader von ELO, so dass der Finanzbeamte dann mit dieser DVD vondannen ziehen kann.

LB: Seid Ihr schon weitestgehend papierlos organisiert und das schon so lange jetzt?

RS: Das hat natürlich ein paar Jahre gedauert, aber, wir machen heute Workflow. Ich zeichne digital die Rechnungen ab, wenn sie eine bestimmte Höhe haben. Das ist jetzt bei uns schon lange der Fall und von der Skala 1 bis 10 würde ich sagen, wir sind bei einer 8. Es gibt nur noch ein bisschen Papier.

LB: Toll! Wie macht Ihr denn Projektmanagement, wenn Ihr neue Software least und so was. Das wird ja mit Eurem Tool sehr wahrscheinlich nicht gehen, oder?

RS: Ja, und da haben wir uns lange umgeguckt und da nehmen wir heute MeisterTask.

LB: Echt? Schön. Das ist ja toll. Das erinnert mich, wir sollten uns eigentlich mal bei unserem Sponsor bedanken.

Okay, wir sind wieder zurück mit Ralf Schneider, Vorstandsvorsitzenden der Vario Software Aktiengesellschaft. Kommen wir zu den Abschlussfragen, Ralf, was ist Dein wichtigster Produktivitätstipp?

RS: Eat the frog!

LB: Erkläre das mal kurz bitte. Ich weiß, was Du meinst, aber, damit unsere Hörer das auch verstehen.

RS: Es ist in irgendeinem Buch mal erwähnt worden.

LB: Brian Tracey hat das glaube ich geschrieben.

RS: Genau und der sagt, esse morgens den größten und hässlichsten Frosch und dann geht es dir am Tag gut. Und das ist auch so heute.

LB: Absolut, daraufhin habe ich ja meine MDD Aufgabe, die habe ich da abgekupfert so ein bisschen. Es ist ja so die „Mach Dein Ding“-Aufgabe, dass man am Anfang des Tages immer das tut, das einen wirklich nach vorne bringt und die wichtigste Aufgabe des Tages ist. Was machst Du denn als Unternehmer, um abzuschalten?

RS: Ich hätte jetzt gesagt: Nichts! Weil, ich muss eigentlich nicht abschalten davon. Klar fahre ich abends nach Hause, habe Familie, habe zwei Jungs, mit denen spiele ich Tennis und all diese Sachen, aber, dass ich jetzt das Gefühl habe, ich müsste abschalten, tue ich nicht. Ich setze mich abends um zehn wieder ins Büro und arbeite.

LB: Das machst Du gerne?

RS: Das mache ich.

LB: Das müsstet Ihr sehen, Ralf sitzt mir jetzt persönlich gegenüber, wie der strahlt! Das nimmt man ihm jetzt auch wirklich ab, toll! Welche Apps oder welchen Internetdienst kannst Du der „Produktiv in digitalen Zeiten“-Community empfehlen?

RS: MeisterTask und OneNote.

LB: OneNote auch?

RS: Ja.

LB: Ich sehe, Du hast es hier auf dem iPad auch gerade offen. Du schreibst auch in OneNote?

RS: Ich schreibe alles in OneNote.

LB: Ja, habe ich jetzt schon ein paarmal gehört, da werde ich auf jeden Fall… Ich habe auch ein Hörer, der da auch sehr bewandert ist. Wir wollen demnächst mal so ein Battle machen. Evernote gegen OneNote. Er gegen mich und dann muss man mal gucken.

RS: Das kann natürlich so oder so ausgehen, nur, wenn man heute in so einem großen Unternehmen arbeitet, hat man meistens alle Office Produkte und die Integration von OneNote in die Officewelt ist natürlich gigantisch.

LB: Ja, sensationell, gar keine Frage. Welches Buch hat Dich denn als Unternehmer und Mensch am meisten geprägt?

RS: Ich habe gehört, nicht gelesen, der erfolgreiche Unternehmer.

LB: Super, Stefan Merath.

RS: Und der Termin.

LB: Was ist das?

RS: Von Tom DeMarco.

LB: Wovon handelt das Buch?

RS: Es geht um Projektmanagement und ich glaube, wenn man genau hinhört, ist das eine Microsoftgeschichte. Die ist hochinteressant.

LB: Das werden wir auf jeden Fall raussuchen und verlinken. Was ist denn der beste Ratschlag, den Du jemals erhalten hast?

RS: Schickt die Affen wieder raus. Das ist auch aus einem Buch, später habe ich es nochmal irgendwo lesen können. Es geht darum, dass alle, die an die Tür klopfen, immer einen Affen auf der Schulter haben. Und die den gerne bei dir lassen wollen. Wenn ich heute jemanden sehe, der an der Tür klopft, habe ich dieses Bild auch immer vor Augen.

LB: Dass dem ein Affe auf dem Rücken sitzt?

RS: Genau. Und der den gerne bei mir lassen will, aber, ich versuche immer, den wieder mit zurückzugeben.

LB: Okay, alles klar. Dazu gibt es auch ein Buch, ich weiß nicht, wie es heißt.

RS: Ja, ich habe es irgendwann noch mal irgendwo gelesen.

LB: Ja, ich habe es auch gelesen. Wie kann die „Produktiv in digitalen Zeiten“-Community mit Dir in Kontakt treten?

RS: Alles, was da an Social Networks ist wie Xing, Facebook, natürlich unsere Webseite, da kann man ein Kontaktformular machen. Aber auch per E-Mail und per Telefon, wir telefonieren auch noch.

LB: Sehr gut. Jetzt hast Du aber auch natürlich ein Goodie mitgebracht?

RS: Ja.

LB: Was denn genau?

RS: Für die kostenlose Version, wer dort gerne auch Online-Banking nutzen möchte, muss 19 € im Monat zahlen, weil, wir müssen auch Lizenzgebühren für die DDBAC-Komponenten dahinter abgeben und alle, die „lars2017“ als Goodie eingeben, als Gutschein, die bekommen ein halbes Jahr das Online-Banking kostenlos dazu.

LB: Super, das ist wirklich ganz toll. Also, wer von Euch das mal testen möchte, VARIO 8, einfach auf die Webseite gehen der Vario Software AG und dort, wenn ich das dann buchen will, dann gibt es einen Gutscheincode und da gebe ich „lars2017“ ein, toll. Dann kriegt Ihr das ein halbes Jahr geschenkt. Das ist aber ganz, ganz, toll. Ralf, dann vielen Dank.

RS: Gerne, danke Lars.

LB: Hat Spaß gemacht und dann wünsche ich Euch wieder viel Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben, ciao.

RS: Ciao.